Die pazifische Taifunsaison 2010 war ein Wetterereignis, unter dem die sich während des gesamten Kalenderjahres bildenden tropischen Wirbelstürme zusammengefasst sind. Die meisten tropischen Wirbelstürme bilden sich jedoch im Pazifischen Ozean westlich der Datumsgrenze und nördlich des Äquators zwischen Mai und November. Solche tropischen Wirbelstürme nennt man Taifune. Die sich östlich des 180. Längengrades bildenden Stürme waren Gegenstand der Pazifischen Hurrikansaison 2010.

Innerhalb des nordwestlichen Pazifiks gibt es zwei meteorologische Organisationen, die den Stürmen Namen vergeben. Dies führt dazu, dass ein und derselbe Sturm häufig zwei verschiedene Namen erhält. Die offizielle Bezeichnung durch die Japan Meteorological Agency (JMA) erhält ein tropischer Sturm, sobald er an einer beliebigen Stelle im nordwestlichen Pazifik andauernde zehnminütige Windgeschwindigkeiten von 35 Knoten (rund 65 km/h) erreicht. Die Philippine Atmospheric, Geophysical and Astronomical Services Administration (PAGASA) hingegen weist tropischen Wirbelstürmen Namen zu, die sich innerhalb des nationalen Verantwortungsbereiches bilden; dieser liegt grob umgrenzt zwischen 115° und 135° östlicher Länge und zwischen 5° und 25° nördlicher Breite. PAGASA weist auch dann einen lokalen Namen zu, wenn das System bereits durch die Japan Meteorological Agency benannt wurde. Tropische Tiefdruckgebiete, die vom US-amerikanischen Joint Typhoon Warning Center beobachtet werden, erhalten eine Nummer mit dem Suffix W.

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Saisonprognosen Quelle Datum GesamtzahlZyklonenSturmeTaifune GCACIC Durchschnitt (1950–2000) 31 27 17 TSR Durchschnitt(1965–2009)  – 27 17 TSR 16. März 2010  – 24 15 GCACIC 26. April 2010 28 24 16 TSR 5. Mai 2010  – 24 15 GCACIC 24. Juni 2010 27 23 15 CWB 30. Juni 2010  – 20–23  – TSR 6. Juli 2010  – 23 14 TSR 4. August 2010  – 23 14 JMA Tatsächliche Aktivität 29 14 8 JTWC Tatsächliche Aktivität 18 14 8

Während der Saison veröffentlichen die meteorologischen Organisationen und Forschungseinrichtungen Vorhersagen darüber, wie viele tropische Zyklone, tropische Stürme und Taifune sich während der Saison bilden und die nationalen meteorologischen Organisationen erstellen Prognosen, wie viele Wirbelstürme einen der anliegenden Staaten treffen werden.

City University of Hong Kong Seit der Taifunsaison 2000 haben das Laboratory for Atmospheric Research oder das Guy Carpenter Asia-Pacific Climate Impact Centre (GCACIC), beides Einrichtungen an der City University of Hong Kong (CityUHK), Vorhersagen über die tropische Aktivität in der kommenden Taifunsaison veröffentlicht. Diese Vorhersagen werden im April und aktualisiert im Juni jeden Jahres veröffentlicht und beinhalten die Prognose, wie viele tropische Wirbelstürme, tropische Stürme und Taifune sich in der Saison bilden. In der Vorhersage vom April 2010 sagte das GCACIC für den westlichen Nordpazifik 28 tropische Wirbelstürme voraus, von denen sich 24 zu tropischen Stürmen und davon 16 zu Taifunen entwickeln würden. In der aktualisierten Prognose senkte das GCACIC die Zahl der während der Saison erwarteten Systeme jeweils um eins.

Zum ersten Mal gab das GCACIC im Mai eine Vorhersage aus, in der die Anzahl der tropischen Wirbelstürme prognostiziert wurde, und zwar einerseits solche, die in Südchina ihren Landfall haben würden oder anderseits Stürme, die sich Japan und Korea annähern würden. Nach dieser Prognose ging das GCACIC davon aus, dass sechs tropische Wirbelstürme näher als 100 km an die Küsten Japans oder Koreas heran gelangen würden – gegenüber dem Durchschnittswert von vier solchen Stürmen. Die Zahl der tropischen Wirbelstürme mit Landfall in Südchina wurde mit sechs angegeben. Der Durchschnitt beträgt fünf. Die Prognose ging außerdem davon aus, dass vier dieser sechs Zyklone zwischen Mai und August auftreten würden und die restlichen beiden zwischen September und Dezember.

Tropical Storm Risk Consortium Seit der Taifunsaison 2000 gibt auch das Tropical Storm Risk Consortium (TSR) am University College of London Vorhersagen über die zu erwartende Aktivität der kommenden Taifunsaison heraus. Für 2010 wurden diese Prognosen Anfang März, Mai, Juli und August bekanntgegeben. Sie beinhalten Angaben darüber, wie viele tropische Stürme, Taifune und intensive Taifune sich während der Saison bilden könnten.Nach den Kriterien des TSR handelt es sich um einen intensiven Taifun, wenn die einminütige Windgeschwindigkeit bei mindestens 175 km/h pro Stunde liegt. In den im März und Mai veröffentlichten Prognisen ging das TSR übereinstimmend von 24 tropischen Stürmen und 15 Taifunen aus. Die Zahl der intensiven Taifune wurde im März mit acht, im Mai mit neun angegeben. In der aktualisierten Vorhersagen vom Juli senkte das TSR die Zahl der erwarteten tropischen Wirbelstürme um jeweils eins auf 23 tropische Stürme, 14 Taifune und sieben intensiven Taifune.

Vorhersagen der nationalen Wetterdienste Die Philippine Atmospheric, Geophysical and Astronomical Services Administration (PAGASA) gab am 7. Januar bekannt, dass die Einrichtung für 2010 von 19 tropischen Wirbelstürmen in ihrem Verantwortungsbereich ausgehe. Am 23. März teilte das Hong Kong Observatory (HKO) mit, dass während der Saison wohl weniger als sechs tropische Wirbelstürme Hongkong betreffen würden. Als Ergebnis des sich abschwächenden El Niño ging das HKO von nur geringen Chancen eines tropischen Wirbelsturms in Hongkong vor Juni aus.

Stürme Tropische Depression 01W

Früh am 18. Januar wies die JMA darauf hin, dass sich im Nordostmonsun etwa 320 km nordwestlich von Bandar Seri Begawan in Brunei ein tropisches Tiefdruckgebiet gebildet hatte. Das bodennahe Zirkulationszentrum war teilweise freigestellt und befand sich in einem Gebiet mit mäßiger bis starker Windscherung. Dennoch konsolidierte sich das System während der weiteren zwölf Stunden rasch, da die Windscherung sich etwas legte, und bewegte sich in Richtung Vietnam. Deswegen begann das JTWC mit der Ausgabe von Sturmwarnungen und gab dem System die interne Bezeichnung 01W. Am nächsten Tag schwächte sich das Tiefdruckgebiet ab, da das System über eine Zone mit niedrigeren Oberflächenwassertemperaturen gelangte. In der Folge gab das JTWC an diesem Tag die letzte Warnung zu dem System aus. Der Landfall des Systems erfolgte in Vietnam bei Vũng Tàu in der Frühe des 20. Januars. Als sich das System dann über Kambodscha auflöste, stellte auch die JMA die Sturmwarnungen ein.

Starker Seegang führte in Vietnam zum Tod von drei Personen, als diese mit ihren Coracles Schutz zu finden versuchten. 68 Boote wurden zerstört, als sich die Windrichtung zwischenzeitlich änderte. Der Sachschaden in der Provinz Bình Thuận wurde anfänglich auf 250.000 US-Dollar geschätzt.

Tropischer Sturm Omais (Agaton)

Am 18. März meldete das JTWC, dass sich etwa 325 km südöstlich von Chuuk im Süden Mikronesiens ein Gebiet mit tiefer atmosphärischer Konvektion befand. Zu diesem Zeitpunkt lag die schlecht organisierte Konvektion über dem bodennahen Zirkulationszentrum und in einer Zone mit geringer vertikaler Windscherung. Über die nächsten beiden Tage hinweg organisierten sich sowohl Konvektion als auch Zirkulation besser, sodass das JTWC spät am 20. März auf die Bildung eines tropischen Zyklons hinwies. Im Laufe des nächsten Tages baute sich die Konvektion über dem Zirkulationszentrum stärker auf. Das Zentrum war nun deutlich erkennbar, als es sich um einen subtropischen Rücken herum bewegte. Im Tagesverlauf des 21. März nahm das JTWC die Ausgabe von Warnungen zu dem System aus und wies die Bezeichnung 02W; die JMA klassifizierte das System erst in der Frühe des 22. März als tropische Depression. Die weitere Entwicklung des Systems wurde am 22. März durch einen Antizyklon östlich des Systems behindert, da dieser mäßige bis starke Windscherung erzeugte. In der Frühe des 23. März erklärte das JTWC, dass sich das System in einen tropischen Sturm intensiviert habe; die JMA stufte die Depression am 24. März zum ersten tropischen Sturm der Saison auf und vergab den Namen Omais. Nach den Kriterien des JTWC schwächte sich Omais spät am 24. März zum tropischen Tiefdruckgebiet ab, erreichte jedoch am nächsten Tag erneut Sturmstärke, Spät am 26. März wurde das System außertropisch.

Tropische Depression vom 26. April

Am 24. April bildete sich etwa 140 km westlich von Palau ein Tiefdruckgebiet. Am nächsten Tag begann die Störung westwärts zu ziehen und, zur selben Zeit, sich zu intensivieren. Das bodennahe Zirkulationszentrum begann sich genauso zu konsolidieren, wie die Bandstrukturen des Systems. In der Frühe des 26. Aprils setzte eine rasche Intensivierung ein und die Störung wurde durch die Zelle eines Trogs in der tropischen oberen Troposphäre verstärkt, sodass die JMA das System als tropisches Tiefdruckgebiet klassifizierte. In der Frühe des 27. April stufte die JMA die Depression zu einem Tiefdruckgebiet ab. Das System befand sich zu dem Zeitpunkt in der Nähe des Sulu-Archipels. Das System zog dann in Richtung Südchinesisches Meer. Am Nachmittag des 29. April zog das Tiefdruckgebiet über Palawan. Am Abend des 30. April wurde das System letztmals westlich der Provinz Zambales ausgemacht. Es wurde dann von einem Frontensystem absorbiert.

Das System erzeugte Starkregen auf Mindanao, die zu leichtem Hochwasser führten, jedoch keine Personenschäden verursachten. Nachdem das System die Sulusee erreicht hatte, führte es immer noch starke Niederschläge im Osten von Visayas, dem Süden von Luzon und der Region Manila herbei.

Tropische Depression vom 3. Juni

In der Frühe des 2. Juni stellte de JMA fest, dass sich in der Nähe der Insel Hainan ein Tiefdruckgebiet gebildet hat. Während der folgenden 36 Stunden zog das Tiefdruckgebiet ostwärts. 600 km nordwestlich der Region Manila wurde das System am späten Abend des 3. Juni vom JMA als tropisches Tiefdruckgebiet klassifiziert. Im Verlauf der nächsten Tage zog das System weiter nordwestwärts, bis das JMA in der Frühe des 6. Juni die Beobachtung beendeten.

Taifun Conson (Basyang)