Die Paulsen Holding GmbH, vormals Adler-Schiffe Betriebsgesellschaft mbH, ist eine deutsche Reederei mit Sitz in Westerland auf Sylt, welche unter dem Markennamen Adler-Schiffe primär Ausflugsverkehr an der deutschen Nord- und Ostseeküste betreibt. Mit mehr als 25 Fahrgastschiffen ist die Reederei der größte Anbieter von Ausflugsfahrten und Schiffschartern an der deutschen Küste.
Geschichte mini|Flagge der Adler-Reederei (links) Gegründet wurde die nordfriesische, in Familienbesitz befindliche Insel- und Halligreederei am 1. Mai 1950 durch den Hooger Fischer Kurt Paulsen. Am Pfingstsonntag 1950 nahm er erstmals Gäste an Bord seines Fischkutters mit. Die Jungfernfahrt führte von Nordstrand nach Nordstrandischmoor. Danach wurden regelmäßig Ausflugsfahrten für Urlauber angeboten und hierzu weitere Schiffe in Dienst gestellt. Der erste Neubau des Unternehmens war das 1961 abgelieferte Fahrgastschiff Adler, das Platz für 50 Passagiere bot. Im Jahr 1966 folgte die auf der Bieritz-Werft in Friedrichskoog gebaute (erste) Adler II, die ebenfalls für 50 Passagiere ausgelegt war. Insbesondere zur Durchführung von Butterfahrten bestellte die Reederei in den 1970er Jahren mehrere Passagierschiffe bei der Husumer Schiffswerft.Adler Schiffe, Die Geschichte der Reederei Adler-Schiffe, abgerufen am 16. Oktober 2019
Seit 1986 wird die Reederei von Sven Paulsen, dem Sohn von Kurt Paulsen, geführt. Unter ihm expandierte das Unternehmen in viele neue Fahrtgebiete. Nach der Wende 1990 wurde die Flotte bedeutend größer, da zusätzlich in ostdeutschen Gebieten gefahren wurde. Die Inseln Usedom und Rügen sowie der vorpommersche Grenzort Altwarp wurden neue Einsatzgebiete.
Anfang Juni 1993 stellte die Reederei mit der Adler-Express das schnellste Einrumpffahrgastschiff Deutschlands in Dienst. Es ist mit einem von zwei je 1260 kW leistenden MTU-Schiffsdieselmotoren gespeisten Waterjet-Antriebssystem ausgerüstet und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 33 Knoten.
Im Jahr 1995 übernahm Sven Paulsen die Sylter Verkehrsgesellschaft, das den Öffentlichen Personennahverkehr mit mehreren Omnibuslinien auf der Insel Sylt betreibt.Jörg Christiansen: In: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, 15. Mai 2010 (abgerufen am 23. Juli 2010)
Über zwei Partenreedereien erwarb Adler-Schiffe im Juli 1998 zwei Tragflügelboote des Typs Boeing 929, die zuvor von einer belgischen Reederei im Liniendienst von Ostende nach Dover und Ramsgate betrieben worden waren. Sie erhielten zwar die Namen Adler Blizzard und Adler Wizard, wurden aber nicht von Adler-Schiffe eingesetzt. Im Sommer 1998 hatte sich Sven Paulsen an der Gründung der in West Palm Beach (USA) ansässigen Reederei Seajets beteiligt, deren Leitung der US-amerikanische Geschäftsmann George Bradley übernahm. Die beiden Tragflügelboot wurden im Sommer 1999 nach Florida überführt und an Seajets verchartert. Sie kamen ab Herbst 1999 mit den Namen Seajet Kara beziehungsweise Seajet Kirsten zwischen West Palm Beach und Freeport (Bahamas) zum Einsatz.Travel Weekly, Hydrofoil service to link Palm Beach and Bahamas, 7. September 1999, abgerufen am 16. Oktober 2019Daily Business Review, Entrepreneurs, 6. Dezember 1999 (PDF; 187 kB), abgerufen am 16. Oktober 2019 Beide Schiffe wurden im Oktober 2001 nach Japan verkauft.Fakta om Fartyg: GTS Princesse Clementine (in Schwedisch), abgerufen am 16. Oktober 2019Fakta om Fartyg: GTS Prinses Stephanie (in Schwedisch), abgerufen am 16. Oktober 2019
Zum 2. Januar 2010 übernahm die Adler-Schiffe GmbH das am 1. Juni 1990 gegründete Wismarer Unternehmen Reederei Clermont GbR mit den vier Fahrgastschiffen Mecklenburg, Insel Poel, Hansestadt Wismar und Hanseat. Die Schiffe werden für Hafenrundfahrten in Wismar, Ausflugsfahrten in die Wismarer Bucht und zur Insel Poel eingesetzt. (abgerufen am 24. Juli 2010) Im selben Jahr wurde der Schiffsverkehr ab Altwarp eingestellt.
Im Juni 2011 kaufte die Reederei von der HSH Nordbank eine Motoryacht, die Merkur II.
Im Frühjahr 2013 übernahm das Unternehmen die Reederei Ostsee-Tour auf der Insel Rügen mit den beiden Fahrgastschiffen Cap Arkona und Binz.
Im Jahr 2017 erwarb Adler-Schiffe die Sylter Seebestattungsreederei mitsamt deren Schiff Ekke Nekkepen. Die Seebestattungsreederei wird als Tochterunternehmen weitergeführt. Im selben Jahr gründete Sven Paulsen gemeinsam mit der North Frisian Offshore GmbH die German Fast Ferry GmbH & Co. KG, über das im Dezember 2017 den Katamaran Adler Cat erwarb.
Anfang 2019 wurde die in Büsum ansässige Reederei Rahder mitsamt ihren vier Schiffen Lady von Büsum, Ol Büsum, Hauke und Hein Mück von der German Fast Ferry übernommen.Pressemitteilung der Reederei H.G. Rahder, 31. Januar 2019 (PDF; 568 kB), abgerufen am 16. Oktober 2019 Am 18. Februar 2019 gaben die Reedereien Adler-Schiffe und Cassen Eils die Gründung der gemeinsamen Gesellschaft Adler & Eils GmbH & Co. KG bekannt, über die sie seitdem in Büsum zusammenarbeiten.Adler & Eils GmbH & Co. KG, Presseinformation, 18. Februar 2019 (PDF-Datei), abgerufen am 16. Oktober 2019 Die vier ehemaligen Rahder-Schiffe wurden der neuen Gesellschaft überstellt und danach für Ausflugsfahrten genutzt. Die Reederei Cassen Eils brachte die Funny Girl in das gemeinsame Unternehmen ein, die im Liniendienst von Büsum nach Helgoland eingesetzt wird., abgerufen am 16. Oktober 2019
Fahrgast- und Fährverkehr ab Altwarp Von 1992 bis 2010 war die Adler-Reederei im Grenzort Altwarp am Stettiner Haff tätig, von wo aus Einkaufsfahrten in die nahen polnischen Gewässer unternommen wurden. Bis zum EU-Beitritt Polens im Jahr 2004 fand an Bord ein Duty-free-Verkauf statt, so dass die Fahrten gut besucht waren. Ab 1992 setzte Adler-Schiffe zunächst das Ausflugsschiff Adler VI ab Altwarp ein, ein Jahr später zusätzlich auch die Adler X. Die Adler VI ersetzte man 1995 durch die Adler Princess. Im Jahr 1996 eröffnete Adler-Schiffe eine Fährlinie zwischen Altwarp und dem polnischen Nowe Warpno (Neuwarp). Auf dieser Linie wurden die beiden Autofähren Adler Polonia und Adler Pomerania eingesetzt. Daneben fanden weiterhin Butterfahrten ab Altwarp mit Fahrgastschiffen statt. Von 1998 bis 2004 betrieb die Reederei mit der Adler Polar einen kleinen Eisbrecher und Schlepper, der ebenfalls in Altwarp stationiert war. Als weitere Autofähre kam 1999 die wesentlich größere Adler Germania hinzu, mit der man eine Verbindung von Altwarp zu dem auf Usedom gelegenen Hafen Swinemünde einrichtete. Die Autofähre Adler Polonia wurde 2002 verkauft. Mit dem EU-Beitritt Polens am 1. Mai 2004 und dem damit verbundenen Wegfall des Duty-Free-Verkaufs brachen die Passagierzahlen massiv ein. Gleichzeitig wurden die Adler Princess sowie die zwei Autofähren aufgelegt und der Fährbetrieb eingestellt. Lediglich die kleinere Adler X setzte man weiterhin auf Ausflugsfahrten ab Altwarp ein. Im Jahr 2010 wurden die Fahrten mangels Auslastung endgültig eingestellt und die Adler X nach Hamburg überführt. Die in Altwarp aufgelegte Adler Germania schleppte man Anfang September 2011 zur Verschrottung nach Esbjerg.
Aktuelle Einsatzgebiete
Auf der Nordsee mini|Adler Express im Hafen von Hörnum Seit der Gründung der Reederei 1950 verkehren Schiffe der Flotte auf der Nordsee, hauptsächlich im Nordfriesischen Wattenmeer. Alles begann mit einem kleinen Kutter, mit dem Fahrten von Nordstrand aus angeboten wurden. Mit dem Bau eines kleinen Passagierschiffes im Jahr 1961, der Adler, vergrößerte sich die Flotte ständig. Nacheinander kamen die Schiffe Adler III, Adler IV, Adler V, Adler VI und Adler VII hinzu. Ab 1975 wurden dann Fahrten ab der Urlaubsinsel Sylt durchgeführt. Hier nutzt das Unternehmen bis heute die Häfen List auf Sylt und Hörnum. Für viele Touristen waren die Fahrten auf Grund des Duty-free-Geschäftes attraktiv. Zwischenzeitlich wechselten die Schiffe immer wieder. 1987 fuhr die Wappen von Norderney unter dem Charternamen Adler von Hörnum eine Saison lang für Sven Paulsen, danach vier Jahre lang die Palucca. Die Adler VIII wurde 1990 ab List eingesetzt. Mit der Fertigstellung der Adler Express im Jahr 1993, einer Schnellfähre mit einer Geschwindigkeit von maximal 33 Knoten, konnten nun Fahrten von Hörnum (Sylt) bis nach Strucklahnungshörn (Nordstrand) zweimal täglich durchgeführt werden. Im Frühjahr 2006 kam die Adler Nordica wieder zur Flotte hinzu und wurde bis Oktober 2006 von Sylt, Rømø und Amrum aus nach Helgoland eingesetzt.
Mit den Fischkuttern Gret Palucca und Rosa Paluka werden Erlebnisfahrten ab List angeboten, ebenso Fahrten mit der Adler VI ab Hörnum zu den Seehundsbänken sowie die Verbindung Föhr, Amrum, Sylt mit der Adler IV. Die Adler Express ist seit 1993 zwischen Sylt und Nordstrand unterwegs und die Adler V bietet Ausflugsfahrten ab Nordstrand an.
Der im Dezember 2017 über das Tochterunternehmen German Fast Ferry GmbH & Co. KG gekaufte Katamaran Adler Cat kommt seit 2018 hauptsächlich im Ausflugsverkehr nach Helgoland zum Einsatz. Den 2019 gebauten Katamaran Adler Rüm Hart setzt Adler-Schiffe zwischen Föhr, Amrum, Hooge, Langeneß und Dagebüll ein.
Auf der Ostsee mini|Adler Vineta und Adler XI in Heringsdorf Adler-Schiffe ab Usedom 1992 wurde die Adler III als erstes Schiff der Flotte ab den Kaiserbädern auf Usedom nach Swinemünde (Polen) eingesetzt, später die Adler VIII. Ab den frühen 1990er Jahren wuchs die Ostsee-Flotte schnell an. Der Grund lag vor allem im Duty-Free-Geschäft, das „Butterfahrten“ nach Polen attraktiv machte. Mit den Jahren kamen die neuen, vergleichsweise großen Schiffe Adler Clipper, Adler Dania, Adler Nordica, Adler Baltica, Adler Vineta und Adler XI hinzu. Es wurden Fahrten von Swinemünde nach Zinnowitz durchgeführt sowie sogenannte Seebrückenhoppings zwischen Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin, Koserow und Zinnowitz. Der EU-Beitritt Polens am 1. Mai 2004 und das damit verbundene Ende des profitablen Duty-Free-Geschäfts war ein schwerer Schlag für das Unternehmen. Für viele Urlauber wurden die Einkaufsfahrten unattraktiv, und deshalb halbierte sich das Fahrgastaufkommen und damit die Größe der Flotte ab Usedom.
Weiterhin werden heute Fahrten von den drei Kaiserbädern nach Misdroy (auf Wolin) und Swinemünde sowie Hafenrundfahrten in Swinemünde angeboten. Diese Linien werden von den zwei Passagierschiffen Adler Vineta und Adler XI bedient. Ab Peenemünde verkehrt die Adler-Mönchgut in der Sommersaison täglich nach Rügen. Zusätzlich macht seit der Saison 2023 ein neu erworbenes Schiff unter dem erneut vergebenen Namen Adler Baltica Hafenrundfahrten in Swinemünde. Hierbei handelt es sich um ein Schwesterschiff der Mönchgut.
„Ostsee-Zwischenfall“