mini|Straßenschild mit Kurzbiografie von Jakob Gschiel in der Jakob-Gschiel-Gasse (2013) Jakob Gschiel (* 6. Juli 1821 in Obersalberg bei Pöllauberg; † 15. Jänner 1908 in Graz) war ein österreichischer Bildschnitzer und Bildhauer. Bereits zu Lebzeiten wurde er als Altmeister der steirischen Bildhauer bezeichnet.

Leben und Wirken Herkunft und frühe Jahre Jakob Gschiel wurde am 6. Juli 1821In zeitgenössischen Zeitungsberichten wird häufig fälschlicherweise der 8. Juli 1821 als Geburtstag angeführt. als Sohn des Bauernehepaares Johann (* 2. November 1796;Taufbuch Pöllauberg, tom. IV, fol. 62 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026Trauungsbuch Pöllauberg, tom. III, fol. 72 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026 † 4. September 1840)Sterbebuch Pöllauberg, tom. IV, fol. 43 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026 (Anmerkung: Als Sterbealter wurde fälschlicherweise 40 Jahre angegeben, obwohl er zum Zeitpunkt seines Todes bereits im 44. Lebensjahr stand.) und Gertraud Gschiel (* um 1782/1786; † 5. Mai 1835)Sterbebuch Pöllauberg, tom. IV, fol. 12 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026 in Obersalberg bei Pöllauberg (heute Unterneuburg bei Pöllauberg) geboren.Taufbuch Pöllauberg, tom. V, fol. 131 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026 Die genaue Geburtsadresse lautete zu dieser Zeit Salberg 47. Der Vater war ein Berghold, ein der Grundherrschaft zinspflichtiger Weinhauer.Heimatforschung Region Kirchberg am Wagram – Berufe und Stände, abgerufen am 11. Jänner 2026 Seine Eltern hatten am 15. September 1817 in Pöllauberg geheiratet. Sein Vater war der eheliche Sohn des Keuschlers Franz Gschiel aus Winsberg (wohl Winzenberg bei Pöllauberg) und der Anna Gmeinerin. Seine Mutter war die Witwe des Peter Felberbauer, der ebenfalls ein lokaler Keuschler bzw. Bergler war.Sterbebuch Pöllauberg, tom. III, fol. 182 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026 Nur wenige Monate nach dem Tod der Mutter im Jahr 1835 heiratete der Vater ein weiteres Mal; aus der Ehe mit Magdalena Pichler (* 1808)Trauungsbuch Pöllauberg, tom. IV, fol. 6 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026 stammen zwei Halbschwestern: Maria (* 1836)Taufbuch Pöllauberg, tom. VI, fol. 62 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026 und Franziska (*/† 1838).Taufbuch Pöllauberg, tom. VI, fol. 70 (Faksimile), abgerufen am 11. Jänner 2026 Nur fünf Jahre nach der Mutter verlor Jakob Gschiel, der in seiner Heimatpfarre die Dorfschule besucht hatte, auch seinen Vater.

Ausbildung und beruflicher Aufstieg Bis zu seinem 20. Lebensjahr lebte er in seiner Heimatgemeinde und war in der Landwirtschaft tätig. Unter Pfarrer Mayer diente er auch einige Jahre an der hiesigen Kirche und wirkte über mehrere Jahre hinweg als Mesner. Seine künstlerische Begabung zeigte sich unter anderem in von ihm geschnitzten Christus- und Heiligendarstellungen, die er an die Pfarren Pöllauberg und Vorau auslieferte. Sie wurde früh erkannt und unter anderem durch den Pfarrer gefördert, sodass er ab 1843 bei Simon Glöhsl (auch Glösl oder Glößl; 1807–1863) in Pischelsdorf und ab 1847 bei Michael Rosenberger (1816–1875) in Graz eine Lehre als Bildhauer beziehungsweise Bildschnitzer absolvieren konnte. Nach dreijähriger Lehrzeit folgten fünf Jahre als Gehilfe in Graz, wo er bei verschiedenen Meistern angestellt war. Aufgrund eines aufsehenerregenden, von ihm aus Birnholz gestalteten Kruzifixes wurde es ihm ermöglicht, nach seiner Tätigkeit als Gehilfe in den Jahren 1852/53 bis 1855 die Akademie der vereinigten bildenden Künste Wien zu besuchen. Einzelne Quellen geben hingegen an, dass er sein Studium bereits 1852 beendet habe und ab 1854 wieder in Graz tätig gewesen sei. Nach abgeschlossenem Studium kehrte er nach Graz zurück, wo er als führender Vertreter der Neogotik wirkte und 1860 urkundlich eingebürgert wurde. Im Jahr 1866 wurde Gschiel in der „Sektion für Kunst und ihre Beziehung zu den Gewerben“ in den Verwaltungsrat des Steiermärkischen Gewerbevereins gewählt und war ab dem Jahr 1870 Mitglied des Christlichen Kunstvereins der Diözese Seckau, bei dem er auch regelmäßig an Ausstellungen teilnahm. Des Weiteren befand er sich zu jener Zeit auch im Ausschuss des Steiermärkischen Kunstvereins.

Bei der Jahresausstellung des Steiermärkischen Kunstindustrievereins 1868 wurde Gschiel für ein Kruzifix aus Buchsholz mit dem vierten Preis, einer silbernen Medaille, ausgezeichnet. Ein Jahr zuvor hatte er bereits mit einem für eine Kirche geschaffenen Werk „hl. Josef mit dem Jesuskinde“ an einer Jahresausstellung des Vereins teilgenommen. Bei der Grazer landwirtschaftlichen und Industrieausstellung 1870 erhielt er für sein für das Grabmal des früheren Fürstbischofs von Seckau Ottokar Maria von Attems gestaltete Marmorkruzifix eine Bronzemedaille verliehen. Im Jahr 1873 beteiligte sich Gschiel als einer von vielen Kunstschaffenden an einer öffentlichen Erklärung und Adresse an Papst Pius IX. Bei der Landesausstellung 1890 in Graz wurde er für seinen Beitrag – eine polychromierte Kreuzwegstation aus Holz mit eisernem Rahmen – mit der Ausstellungsmedaille ausgezeichnet. Bis Juni 1902 war Gschiel unter anderem als Sachverständiger für Bildhauerarbeiten tätig, ehe er auf eigenes Ansuchen aus dem Register der Sachverständigen gelöscht wurde.

Werkstatt, Schüler und berufliche Tätigkeit

Die Wohn- und Werkstätte Gschiels, die auch in seinem Besitz war, befand sich in der Ägydigasse Nr. 1116, später Jakob-Lorber-Gasse 1 – auch Lorbergasse oder Lorbeergasse genannt –,Jakob-Lorber-Gasse 1/Ägydigasse 5 auf baugeschichte.at, abgerufen am 11. Jänner 2026 einem kleinen Straßenzug zwischen der Ägydigasse und dem Griesplatz in unmittelbarer Nähe zur Welschen Kirche. In der im Erdgeschoß eingerichteten Werkstatt beschäftigte er bereits im Jahr 1866 einen Bildhauergehilfen und einen Lehrling. Zu Hochzeiten waren zeitweise mehr als sechs Gehilfen und Schüler bei ihm beschäftigt.Ilse Krumpöck: Die Bildwerke im Heeresgeschichtlichen Museum, Wien 2004, S. 15. Zu seinen Schülern zählte auch Hans Brandstetter (1854–1925), der von 1870 bis 1878/79 bei ihm als Lehrling und Gehilfe wirkte und der sich später vor allem der Grab- und Denkmalplastik widmete. Weitere Schüler waren Peter Neuböck (1855–1928), der unter anderem die Domherrengruft auf dem Grazer Zentralfriedhof, die figuralen Ausschmückungen des Stiftes St. Lambrecht, der Herz-Jesu-Kirche und der Josefskirche in Graz sowie die Ausstattung des Blasiusmünsters in Admont übernahm, sowie Wilhelm Gösser (1881–1966), der wie sein Vater Hans Brandstetter als Bildhauer große Anerkennung fand. Weitere namhafte Schüler waren etwa Alois Feichtinger (1880–1952), Alois Gebauer (1847–1889), Adolph Budik, Josef Garreis (1854–1927), Eduard Kubovsky (1866–1958) und Josef Unterholzer. Auch andere bekannte steirische Bildhauer wie Anton Aicher (1859–1930) oder Michael „Michl“ Raballer (1870–1942) gingen bei ihm in die Lehre.

Nachdem er in der Lorbergasse von 1856 bis 1902 das Bildhauergewerbe betrieben hatte, trat Gschiel im Alter von 81 Jahren in den Ruhestand. Zuvor hatte er nach Abschluss seines Studiums kurzzeitig an der Adresse Grazbach Nr. 292 gelebt.Taufbuch Graz-Münzgraben, tom. VIII, fol. 100 (Faksimile), abgerufen am 15. Jänner 2026 Um diese Zeit herum soll er auch seine erste Werkstatt in der Grazbachgasse 12, die später in Hausnummer 59 umbenannt wurde, geführt haben. Nach seinem Tod wurden seine Geschäfte von seinem Sohn Hans übernommen, der den Betrieb unter dem Namen „Atelier für kirchliche Kunstarbeiten Hans Gschiel“ noch einige Zeit weiterführte.

Künstlerisches Werk Gschiel erhielt zahlreiche und namhafte Aufträge, was seine Kritiker jedoch zu einer Abwertung seiner Arbeiten veranlasste. Neben der Massenproduktion trugen auch die vielen Werkstattrepliken nach Vorlagenkatalogen dazu bei, dass Gschiels Werk von Kritikern vergleichsweise gering bewertet wurde. Die mehr als 1000 – manche Quellen sprechen sogar von mehreren Tausend – von ihm geschaffenen Werke sind fast durchwegs religiöser Natur und finden sich daher in zahlreichen steirischen Kirchen sowie teilweise auch in anderen Bundesländern und einstigen Kronländern wie Kärnten, Oberösterreich, Krain, Mähren, Ungarn oder Kroatien. Für eine Trappisten-Mission in Afrika schuf Gschiel um das Jahr 1896 Statuen des Herz Jesu und der Maria Trost. Trotz seiner umfangreichen Tätigkeit gelangte Gschiel zeitlebens nie zu Wohlstand. Teilweise fertigte er Statuen auch unentgeltlich an. Sämtliche seiner Holzbildwerke entstanden, indem sie in waagrechter Lage in einer Dockenbank eingekeilt wurden. Besonders hervorzuheben sind Gschiels Kruzifixdarstellungen, von denen heute insgesamt 48 auf Friedhöfen und an Kalvarienberg-Stationen nachweisbar sind und die Brandstetter in einer Festschrift als anatomisch korrekt sowie in der Darstellung des leidvollen Gesichtsausdrucks Jesus überzeugend beschrieb.

Ebenso zu hervorzuheben sind seine Darstellungen des Josef von Nazaret, des Bräutigams und späteren Ehemanns Marias, von denen 18 erhalten und nachweisbar sind. Die Erhebung Josefs zum Schutzpatron der Kirche durch Papst Pius IX. im Jahr 1870 trug wesentlich zum Josefs-Kult bei und führte zu zahlreichen entsprechenden Aufträgen für Gschiel. Einen weiteren Schwerpunkt seines Schaffens bildeten Apostel- und Marienskulpturen – darunter Darstellungen als Maria Immaculata, Mater Dolorosa, Himmelskönigin und Pietà – sowie Statuetten mit Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Motiven. Für seine jahrelangen Arbeiten an der Grazer Herz-Jesu-Kirche unternahm Gschiel auch Studienreisen; eine solche führte ihn 1891 unter anderem nach Prag, Linz, Salzburg, München, Köln, Innsbruck und anderen Städten. In Prag studierte er unter anderem den von Wilhelm Achtermann geschaffenen Altar im Veitsdom. Laut einer Festschrift Brandstetters anlässlich des 83. Geburtstages Gschiels soll es in der Steiermark nur wenige Ortschaften geben, in denen sich nicht in einer Kirche, einer Kapelle oder an einem Weg- oder Friedhofskreuz ein Bildwerk Gschiels findet. Laut Brandstetter sollen auf drei Grazer Friedhöfen – ohne nähere Angabe der Standorte – Friedhofskreuze mit Figuren Gschiels stehen.

Persönlichkeit Brandstetter, der rund acht Jahre an der Seite Gschiels wirkte, beschrieb diesen in seiner Festschrift von 1904 als „von kleiner, gedrungener Gestalt“ und verglich Gschiels Gesicht mit jenem des Anton Pilgram am Orgelfuß des Stephansdoms. Des Weiteren erwähnte er Gschiels „zurückhaltendes Wesen“ und dessen „große Schüchternheit“. In einem Nachruf beschrieb ihn Brandstetter wie folgt: „Gschiel war von kleiner Statur, hatte ein schmales rosig gefärbtes Gesicht, kleine, scharfblickende Augen, eine an der Wurzel tiefliegende und nach vorn leicht aufgehobene Nase, einen etwas vorgeschobenen Unterkiefer, trug keinen Bart, dafür langes, von einer Seite zur anderen in der halben Halshöhe horizontal abgeschnittenes Haar.“ In seiner Werkstatt war er laut Brandstetter oftmals mit weißer Schürze und tief ins Gesicht gezogener gelber Kappe anzutreffen. Obwohl ihn Schicksalsschläge und familiäre Belastungen zeitweise schwer trafen, fand Gschiel stets Trost und Halt in seiner Arbeit.

Familie