mini|hochkant|Gary Ridgway, 1982 Gary Leon Ridgway (* 18. Februar 1949 in Salt Lake City, Utah) ist ein US-amerikanischer Serienmörder aus Seattle. Er wurde im Jahre 2003 wegen 48 gestandener Morde an Frauen zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Jahre 2011 gestand er einen 49. Mord. Er wurde unter dem Namen Green River Killer bekannt, da er seine ersten Opfer vornehmlich im oder in der Nähe des Green River deponierte.W. D. Haglund, M. A. Reichert, D. G. Reay & T. Donald: Recovery of decomposed and skeletal human remains in the ‘‘Green River Murder’’ investigation. Am. J. Forensic Med. Pathol. Band 11, 1990, S. 35–43.

Seiner Verhaftung war eine der umfangreichsten und langwierigsten Ermittlungen in der Geschichte der USA vorangegangen.

Frühe Jahre Ridgway wurde als zweiter von drei Söhnen in Salt Lake City geboren. Zu seiner dominanten Mutter fühlte er sich von früh an hingezogen, weniger zu seinem Vater, einem Busfahrer. Die Eltern stritten bisweilen gewalttätig. Andererseits wusch die Mutter dem folgsamen Sohn die Genitalien, wenn er bis ins frühe Teenageralter das Bett genässt hatte. Ereignisse wie diese erregten Ridgway und stießen ihn gleichermaßen ab. Seine Mutter soll sich in der Öffentlichkeit frei und ungeniert gezeigt haben. Bei Bustouren durch den Strip, ein Prostituiertenviertel, soll der religiös-konservativ geprägte Vater gegenüber dem Sohn seine Abneigung gegen den ihn umgebenden „Abschaum“ geäußert haben. Gleichwohl verkehrte er mit Prostituierten.

Mit elf Jahren lebte Ridgway in SeaTac, einem Außenbezirk von Seattle im Bundesstaat Washington nahe dem Flughafen, einer Gegend, in die es viele zog, weil die Immobilienpreise niedrig waren und – unterbezahlte – Arbeitsstellen zur Verfügung standen. Spielbanken, billige Motels und Bordelle, Anziehungspunkte für Prostituierte, Drogenhändler, Kleinkriminelle und Ausreißer prägten das Bild des Stadtviertels. Mit 16 Jahren machte Ridgway erste Gewalterfahrungen: Er stach einen Sechsjährigen mit einem Messer nieder und lief anschließend lachend davon. Die Tat blieb ungeahndet. Ansonsten galt er als durchschnittlicher Teenager mit unterdurchschnittlichen Schulleistungen. Talent hatte er im American-Football-Spiel und war sozial unter Gleichaltrigen gut eingebunden. Er galt als freundlich und wenig eloquent. Gerne veranstaltete er im lokalen Jugendclub Partys und näherte sich Mädchen an.

Als junger Mann arbeitete er in einer Lastwagenfabrik und leistete seinen Militärdienst bei der U.S. Navy. Ein Jahr später, im Jahr 1970, heiratete er. Das Ehepaar zog nach San Diego, wo Ridgway stationiert war. Seine Frau blieb längere Zeit allein, wenn Ridgway mit der Navy im Südpazifik weilte. Beide gingen Affären ein, wobei Ridgway die seiner Frau nicht duldete. Die Ehe wurde geschieden; 1973 heiratete Ridgway erneut. Seine zweite Ehefrau gab später zu Protokoll, Ridgway habe sie als Sexobjekt und Haushälterin betrachtet, Sex sei häufig im hohen Gras des nahe gelegenen Green River ausgeübt worden. Die Geburt eines Sohnes im Jahr 1975 ließ Ridgway sich einem religiös geprägten Lebensabschnitt zuwenden. Er las die Bibel und wandte sich den Baptisten, später der Pfingstbewegung zu. Gleichzeitig ging er seinen Gewaltfantasien nach. Unvermittelt würgte er seine Frau bis zur Bewusstlosigkeit und integrierte die Praxis in Sexspiele. 1981 wurde auch diese Ehe geschieden. Nun lebte er seine sexuellen Bedürfnisse hemmungslos aus. Später sagte er den Behörden: „Wenn ich meine zweite Frau umgebracht hätte, hätte ich niemals je eine weitere Frau getötet.“

Die Morde Vorgehensweisen Mehr als ein Jahr nach seiner Scheidung begann Ridgway eine der größten Mordserien in der Geschichte der USA. Dazu fuhr er mit seinem Wagen durch die Straßenstriche rund um Seattle und lud Prostituierte und Ausreißerinnen auf seinen Pick-up, um mit ihnen entweder zu sich nach Hause oder zu Lieblingsplätzen im Wald rund um den Green River zu fahren, an denen er Geschlechtsverkehr mit ihnen hatte. Anschließend ermordete er sie nach dem häufig gleichen Muster: Von hinten legte er ihnen überraschend den Arm um den Hals und würgte sie zu Tode. Danach verging er sich an der Leiche. Diverse Taten verübte er in seinem Schlafzimmer und verwischte die Spuren schnell. Die Leichen brachte er in die Wälder rund um den Green River oder andere abgelegene Plätze. Nachts kehrte er häufig zurück, um erneut Geschlechtsverkehr mit den toten Frauen auszuüben oder ihre Körper zu verstümmeln. Schmuck, den er den Frauen abgenommen hatte, legte er dann bisweilen an seinem Arbeitsplatz aus, wobei es ihn reizte, wenn Kolleginnen diesen an sich nahmen und ihn trugen. Er soll zum Verkauf auch Garagenflohmärkte veranstaltet haben. Ridgways Wesen soll auf die Frauen unbedarft, geradezu harmlos gewirkt haben, weshalb sie grundsätzlich Vertrauen zu ihm hatten. Selbiges verstärkte sich insofern, als er zu seinem Sohn eine intensive Beziehung aufbaute und ihn jedes zweite Wochenende zu sich nahm oder bei den nächtlichen Fahrten mit den Frauen mitnahm. Die Spielsachen im Haus wirkten auf die weiblichen Gäste einladend und beruhigend.

Opfer Ridgway bevorzugte keinen besonderen Frauentyp. Erheblich war nur, dass er sie als „Abfall“ betrachten konnte. Das jüngste bestätigte Opfer war 14, das älteste 38 Jahre alt, darunter Schwarze, Weiße jeglicher Haarfarbe, Lateinamerikanerinnen, Dicke, Dünne, Große und Kleine ohne besondere Präferenz. Ridgway gab an, so viele Frauen ermordet zu haben, dass er sich unmöglich an alle erinnern könne. Die höchsten Schätzungen belaufen sich auf über 71 vermutete Opfer. 49 Morde wurden bestätigt.

Bestätigte Opfer # Name Alter Verschwunden Gefunden 1 Wendy Lee Coffield 16 8. Juli 1982 15. Juli 1982 2 Gisele Ann Lovvorn 17 17. Juli 1982 25. September 1982 3 Debra Lynn Bonner 23 25. Juli 1982 12. August 1982 4 Marcia Fay Chapman 31 1. August 1982 15. August 1982 5 Cynthia Jean Hinds 17 11. August 1982 15. August 1982 6 Opal Charmaine Mills 16 12. August 1982 15. August 1982 7 Terry Rene Milligan 16 29. August 1982 1. April 1984 8 Mary Bridget Meehan 18 15. September 1982 13. November 1983 9 Debra Lorraine Estes 15 20. September 1982 30. Mai 1988 10 Linda Jane Rule 16 26. September 1982 31. Januar 1983 11 Denise Darcel Bush 23 8. Oktober 1982 12. Juni 1985 12 Shawnda Leea Summers 16 9. Oktober 1982 11. August 1983 13 Shirley Marie Sherrill 18 20.–22. Oktober 1982 Juni 1985 14 Rebecca "Becky" Marrero 20 3. Dezember 1982 21. Dezember 2010 15 Colleen Renee Brockman 15 24. Dezember 1982 26. Mai 1984 16 Alma Ann Smith 18 3. März 1983 2. April 1984 17 Delores LaVerne Williams 17 8.–14. März 1983 31. März 1984 18 Gail Lynn Mathews 23 10. März 1983 18. September 1983 19 Andrea M. Childers 19 14. April 1983 11. Oktober 1989 20 Sandra Kay Gabbert 17 17. April 1983 1. April 1984 21 Kimi-Kai Pitsor 16 17. April 1983 15. Dezember 1983 22 Marie M. Malvar 18 30. April 1983 26. Dezember 2003 23 Carol Ann Christensen 21 3. Mai 1983 8. Mai 1983 24 Martina Theresa Authorlee 18 22. Mai 1983 14. November 1984 25 Cheryl Lee Wims 18 23. Mai 1983 22. März 1984 26 Yvonne "Shelly" Antosh 19 31. Mai 1983 15. Oktober 1983 27 Carrie Ann Rois 15 31. Mai – 13. Juni 1983 10. März 1985 28 Constance Elizabeth Naon 19 8. Juni 1983 27. Oktober 1983 29 Kelly Marie Ware 22 18. Juli 1983 29. Oktober 1983 30 Tina Marie Thompson 21 25. Juli 1983 20. April 1984 31 April Dawn Buttram 16 18. August 1983 30. August 2003 32 Debbie May Abernathy 26 5. September 1983 31. März 1984 33 Tracy Ann Winston 19 12. September 1983 27. März 1986 34 Maureen Sue Feeney 19 28. September 1983 2. Mai 1986 35 Mary Sue Bello 25 11. Oktober 1983 12. Oktober 1984 36 Pammy Annette Avent 15 26. Oktober 1983 16. August 2003 37 Delise Louise Plager 22 30. Oktober 1983 14. Februar 1984 38 Kimberly L. Nelson 21 1. November 1983 14. Juni 1986 39 Lisa Yates 19 23. Dezember 1983 13. März 1984 40 Mary Exzetta West 16 6. Februar 1984 8. September 1985 41 Cindy Anne Smith 17 21. März 1984 27. Juni 1987 42 Patricia Michelle Barczak 19 17. Oktober 1986 Februar 1993 43 Roberta Joseph Hayes 21 Zuletzt gesehen beim Verlassen des Gefängnisses von Portland, Oregon am 7. Februar 1987 11. September 1991 44 Marta Reeves 36 5. März 1990 20. September 1990 45 Patricia Yellowrobe 38 Januar 1998 6. August 1998 46 Wendy StephensGene Johnson: Genetic Genealogy Helps ID Victim of Green River Killer. NBC Los Angeles, 25. Januar 2021, abgerufen am 12. September 2021. 14 Gestorben vor Mai 1983 21. März 1984 47 Sandra Denise Major 20 24. Dezember 1982 30. Dezember 1985 48 Lori Anne RazpotnikSara Smart & Aya Elamroussi: For decades, human remains tied to the ‘Green River killer’ were known only as Bones 17. Now, DNA testing has revealed a name. CNN, 21. Dezember 2023, abgerufen am 21. Dezember 2023. 15 1982 2. Januar 1986 49 Tammie Charlene Liles 16 9. Juni 1983 April 1985, August 2003

Ermittlungen Leichenfunde und Green River Task Force Am 15. Juli 1982 fanden Kinder die Leiche der sechzehnjährigen Ausreißerin Wendy Lee Coffield im Green River treibend. Sie war erwürgt worden. Die Polizei nahm an, dass es sich hierbei um ein Opfer häuslicher Gewalt handelte. Vom 12. bis zum 15. August wurden vier weitere Frauenleichen im oder in der Nähe des Green River gefunden. Nun kam der Polizei der Verdacht, es mit einem Serienmörder zu tun zu haben. Die Untersuchungen leitete Dave Reichert vom King County Sheriff's Office. Ridgway war als Kunde des Straßenstrichs dort bereits bekannt, da er von einer Undercover-Beamtin des Freiertums überführt war. Anhand seiner Kreditkartenabrechnung konnten sie in Erfahrung bringen, dass er einen enormen Benzinverbrauch hatte. Während dieser Jahre soll Ridgway öfter seinen Pick-up gewechselt haben, um nicht aufzufallen. Nachdem am 30. April 1983 die 18-jährige Prostituierte Marie Malvar verschwunden war, identifizierte deren Freund den Pick-up Ridgways als denjenigen, in den sie auf dem Pacific South Highway zuletzt eingestiegen war. Ridgway bestritt, mit ihr Kontakt gehabt zu haben, registrierte jedoch im Zusammenhang mit den Leichenfunden erstmals den Arm der Justiz. Am 20. November 1983 gab die Polizei bekannt, dass 11 Frauen, die man im South King County tot aufgefunden hatte, von demselben Mann ermordet worden seien.

Am 16. Januar 1984 berief das Kings County Sheriff's Office die größte Task-Force seit dem Fall Ted Bundy ins Leben. Sie bestand aus Personen vom Port of Seattle Police Departement, vom Seattle Police Departement, vom Pierce County Sheriff's Office, von der Washington State Patrol, vom FBI und der Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Washington, Green River Task Force genannt. Über Jahre versuchte sie, Beweise gegen die mehr als 12.000 Verdächtigen zu sammeln, ließ die besonders gefährdeten Orte überwachen, sammelte jedes Indiz vom Fundort der Leichen und katalogisierte es, jedoch meist erfolglos.