Die AHS Centaur (Australian Hospital Ship Centaur) war ein australisches Hospitalschiff, das am 14. Mai 1943 vor der Küste des australischen Bundesstaates Queensland von dem japanischen U-Boot I-177 durch einen einzigen Torpedo versenkt wurde. Von den 332 Besatzungsmitgliedern, Militärangehörigen, Ärzten und Krankenschwestern kamen 268 ums Leben. Die 64 Überlebenden mussten 36 Stunden auf Rettung warten. Die Versenkung sorgte für einen öffentlichen und politischen Aufschrei und wurde als Kriegsverbrechen angesehen, da das Schiff gemäß der Haager Friedenskonferenzen unverkennbar als Hospitalschiff gekennzeichnet war.

Die Regierungen Australiens und Großbritanniens richteten Proteste an die japanische Regierung und forderten die Verurteilung der Verantwortlichen. Japan wies jedoch jede Verantwortung von sich; der Fall wurde 1948 ohne jegliche Verurteilung geschlossen. Das U-Boot, das die Centaur versenkt hatte, konnte erst nach vielen Kontroversen in den 1970er Jahren identifiziert werden. Das Wrack des Schiffs wurde erst im Dezember 2009 gefunden.

Bau und frühe Jahre als Handelsschiff mini|links|Die Centaur während ihrer Zeit als Handelsschiff

Die Centaur wurde von der britischen Reederei Blue Funnel Line mit Sitz in Liverpool in Auftrag gegeben, um den veralteten Dampfer Charon aus dem Jahr 1903 auf der Route Australien–Singapur zu ersetzen. Das Schiff sollte für den Transport von Fracht und Vieh, aber auch von Passagieren geeignet sein und musste zudem auf flachen Sand- und Schlammbänken sitzen können, da die Gewässer am nordwestlichen Ende von Western Australia aufgrund der Gezeiten um bis zu acht Meter schwanken konnten.

Mit dem Bau wurde die Werft Scotts Shipbuilding and Engineering Company im schottischen Greenock beauftragt, wo das 3222 BRT große Motorschiff am 16. November 1923 auf Kiel gelegt wurde und am 5. Juni 1924 vom Stapel lief. Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt 146.750 Pfund Sterling (nach damaligem Geldwert). Das Schiff, das nach dem Kentaur, einer Figur aus der griechischen Mythologie, benannt wurde, war 96,22 Meter lang, 14,69 Meter breit und hatte einen maximalen Tiefgang von 6,55 Metern. Es wurde mit einem sechszylindrigen Dieselmotor des dänischen Schiffbauunternehmens Burmeister & Wain angetrieben, der auf einen Einzelpropeller wirkte und 355 nominale Pferdestärken leistete. Sie war eines der ersten zivilen Schiffe, das mit einem Dieselmotor ausgestattet wurde. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 14 Knoten. Das Schiff war ein Turmdecker, ein Schiffstyp, bei dem die unteren Decks breiter sind als die höheren. Besonders auffällig war auch der elf Meter hohe Schornstein.

Die Centaur wurde als kombiniertes Passagier- und Frachtschiff für den Australien- und Asien-Service der Reederei gebaut. Sie konnte 72 Passagiere befördern, davon 50 in der Ersten Klasse und 22 in der Zweiten Klasse, sowie 450 Rinder transportieren und hatte daneben vier Frachträume für die Ladung. Die Crew bestand aus 39 Offizieren und 29 unteren Rängen. Die Übergabe an die Blue Funnel Line erfolgte am 10. August 1924 und die endgültige Fertigstellung am 29. August 1924. Die Centaur war in Liverpool registriert und fuhr unter britischer Flagge, aber ihr tatsächlicher Heimathafen war Fremantle in Australien.

Als die Centaur Ende 1924 ihren Dienst auf der Route Fremantle–Java–Singapur aufnahm, betrieb die Blue Funnel Line noch zwei andere Schiffe auf dieser Strecke, die Gorgon und die Charon, welche durch die Centaur ersetzt wurde. Auf der Überfahrt von Fremantle nach Singapur lief das Schiff unter anderem Häfen in der Bali-Straße sowie Surabaya, Semarang und Batavia an, wobei die Zwischenstopps variierten. Von 1928 bis in die 1930er Jahre hinein war sie das einzige Schiff der Blue Funnel Line auf der Route, aber der zunehmende Handel brachte die Reederei dazu, die Gorgon wieder in Dienst zu stellen. 1936 kam zudem ein neues Schiff namens Charon hinzu. 1938 kam die Centaur dem japanischen Walfänger Kyo Maru (385 t) zu Hilfe, der auf der Rückreise von der Antarktis ein Problem mit den Kesseln bekommen und per Funk um Hilfe gebeten hatte. Die Centaur empfing diesen Notruf und schleppte das Schiff nach Geraldton an der Westküste von Western Australia.

Zweiter Weltkrieg Als Schiff der britischen Handelsmarine war die Centaur von den 1939 in Kraft getretenen Regelungen des britischen Parlaments in Bezug auf den Einzug von Handelsschiffen für den Kriegsdienst betroffen. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die Centaur am 3. September 1939 zu ihrer Verteidigung mit einem 100-mm-Schiffsgeschütz, zwei Vickers-Maschinengewehren (je eines pro Brückennock), zwei Paravane genannten Minenabweisern sowie Vorrichtungen zur Entmagnetisierung, um das Schiff für Magnetminen und Torpedos schwerer auffindbar zu machen, ausgerüstet.

mini|links|hochkant|Seeleute der Kormoran in den Rettungsbooten P2 und P4 der Centaur

Im Dezember 1939 wurden in Hongkong Sanierungsarbeiten durchgeführt, wobei ein neuer Propeller installiert und der Dieselmotor mit Technik zur Motoraufladung versehen wurde. Diese Technik zur Erhöhung des Wirkungsgrades des Motors fiel im April 1942 aus und konnte nicht ersetzt werden, da es kriegsbedingt zu Materialknappheit und stets ausgebuchten Werftkapazitäten kam. Nach diesen Veränderungen blieb das Schiff zunächst weiterhin auf seiner bisherigen Route.

Am 19. November 1941 kam es an der Nordwestküste Australiens zu einem Seegefecht zwischen dem australischen Leichten Kreuzer HMAS Sydney und dem deutschen Hilfskreuzer Kormoran. Während 316 der 397 Männer der Kormoran überlebten, sank die HMAS Sydney mit allen 645 Menschen an Bord. Als die Sydney nicht in Fremantle einlief, begann die Suche nach dem Schiff.

Am 26. November entdeckte ein Flugzeug ein beschädigtes Rettungsboot, das 62 Angehörige der Kriegsmarine an Bord hatte. Das Flugzeug dirigierte die Centaur zum Fundort. Zunächst wurden Lebensmittel in das Boot hinunter gelassen und einer der Männer wurde an Bord genommen, um Meldung zu machen. Er gab sich zunächst als norwegischer Handelsoffizier aus, gestand aber bald, der Erste Offizier der Kormoran zu sein, die sieben Tage zuvor im Kampf mit der Sydney untergegangen war. Kapitän Dark von der Centaur fürchtete die Kaperung seines Schiffs durch die Deutschen, wollte die Schiffbrüchigen jedoch nicht ihrem Schicksal überlassen. Er erlaubte neun verletzten Männern, an Bord der Centaur zu kommen und nahm das Boot anschließend in Schlepp.

Während der Fahrt nach Carnarvon wurde das Rettungsboot jedoch überschwemmt, sodass die Männer von der Kormoran, darunter der Kommandant des Schiffs, Theodor Detmers, von zwei Booten der Centaur an Bord geholt wurden. In Carnarvon wurden sie mit anderen Überlebenden der Kormoran zusammengeführt, die von anderen Schiffen aufgenommen worden waren. Die Centaur brachte sie geschlossen nach Fremantle.

Nach dem Angriff auf Pearl Harbor und dem Beginn der japanischen Invasion der Malaiischen Halbinsel am 7. Dezember 1941 wurde die Route der Centaur nach Broome im Norden Western Australias umgelegt. Ab dem 6. Oktober 1942 wurde sie nach Queensland beordert, von wo aus sie zwischen dem Osten Australiens und Neuguinea pendelte. Dabei transportierte sie Kriegsmaterial.

Australisches Hospitalschiff Nach dem Eintritt Japans in den Zweiten Weltkrieg wurde es offensichtlich, dass die drei Hospitalschiffe, die bereits im Dienst Australiens standen – die Manunda (ex-Adelaide Steamship Company), die Wanganella (ex-Huddart Parker Ltd.) und die Oranje (ex-Netherland Line) – nicht für den Verkehr in den flachen Gewässern Südostasiens geeignet waren. Von den Schiffen der australischen Handelsmarine (Australian Merchant Navy) erwies sich kein Schiff als zweckdienlich, daher wurde beim britischen Ministry of War Transport (MoWT) nachgefragt. So kam es, dass die Centaur am 4. Januar 1943 der australischen Regierung zur Verfügung gestellt wurde.

Die Umbauarbeiten vom Handels- zum Hospitalschiff begannen bereits am 9. Januar 1943. Gemäß Abschnitt 10, Artikel 5 der Haager Friedenskonferenz von 1907 wurde die Centaur in den festgelegten Farben für ein Hospitalschiff gestrichen. Dazu gehörten weiße Decksaufbauten, ein weißer Rumpf mit einem grünen Längsstreifen und rote Kreuze, die von beiden Seiten als auch von oben gesehen werden konnten. Auch die Identifikationsnummer 47 wurde aufgemalt. Nachts wurden die Markierungen zur besseren Erkennung beleuchtet. Außerdem wurde die Bewaffnung, die 1939 installiert worden war, wieder demontiert. Die Umwandlung des Schiffs und die Identifikationsdaten wurden am 5. Februar 1943 an das Rote Kreuz übermittelt, die dies wiederum unmittelbar an Japan weitergaben. Die Informationen wurden außerdem durch die Presse bekannt gemacht.

Am 1. März 1943 trat das Schiff offiziell als AHS (Australian Hospital Ship) Centaur in Dienst und am 12. März wurden Probefahrten durchgeführt, bei denen die Eignung des Schiffs geprüft wurde. Nach der ersten Fahrt von Melbourne nach Sydney stellten der Kapitän, der Leitende Offizier und der Chief Medical Officer eine Mängelliste zusammen. Nach den entsprechenden Ausbesserungen unternahm die Centaur eine weitere Testfahrt von Townsville nach Brisbane und beförderte dabei erstmals verwundete Soldaten. Nachdem sich das Schiff nun als tauglich für seinen neuen Einsatzzweck erwiesen hatte, wurde die Centaur damit beauftragt, am 21. März medizinisches Personal von Sydney nach Port Moresby (Papua-Neuguinea) zu bringen und auf der Rückfahrt verwundete australische und amerikanische Soldaten sowie einige japanische Kriegsgefangene zu transportieren.

Die letzte Fahrt Beginn der Reise in Sydney Nach der Rückkehr von der ersten Fahrt nach Sydney am 8. Mai 1943 wurde die Centaur nach Darling Harbour geschickt. Dort lief sie am Mittwoch, dem 12. Mai 1943 um 10:44 Uhr unter dem Kommando des 53-jährigen Kapitäns George Alexander Murray zu ihrer zweiten Fahrt nach Port Moresby aus. An Bord waren 332 Menschen: 75 Besatzungsmitglieder, acht Army-Offiziere, 46 untere Army-Ränge, 192 australische Soldaten der 2/12th Field Ambulance, der Torres-Straßen-Lotse Richard Mumford Salt sowie zwölf australische Krankenschwestern des Australian Army Nursing Service (AANS) unter der Leitung der 39-jährigen Oberschwester Sarah Anne Jewell. Während das männliche Army-Personal direkt der Centaur zugeteilt worden war, kam der Großteil der Krankenschwestern von der Oranje.

Bei der Beladung des Schiffs kam es zu einem Zwischenfall, als die Krankenwagenfahrer der Field Ambulance ihre persönlichen Waffen und Munition an Bord bringen wollten. Sie stießen auf Widerstand durch Kapitän Murray und den Chief Medical Officer und erregten Besorgnis unter Besatzung und Hafenarbeitern, dass die Centaur möglicherweise Militärgüter wie Waffen nach Neuguinea bringen würde. Waffen waren nach Artikel 8 der Haager Friedenskonferenz an Bord nur erlaubt, wenn dem Kapitän offiziell bestätigt wurde, dass sie nur zur „Aufrechterhaltung der Ordnung und Verteidigung der Verwundeten“ verwendet wurden. Die übrige Ladung des Schiffs wurde auf der Suche nach weiterer Bewaffnung durchsucht, aber es wurde nichts gefunden.

Die Centaur verließ Sydney ohne jegliche Bewaffnung, ohne Geleitschutz und ohne kampffähige Truppen an Bord. Erster Zwischenstopp der Reise sollte Cairns im Norden von Queensland sein. Nachts wurde die äußere Lackierung angestrahlt, damit das Schiff unmissverständlich als Hospitalschiff zu erkennen war.

Versenkung