mini|Lina von Schauroth 1902 Lina von Schauroth, geboren Lina Susanna Holzmann (* 9. Dezember 1874 in Frankfurt am Main; † 6. November 1970 ebenda) war eine deutsche Malerin, Grafikerin, Künstlerin. Bis Anfang der 1920er Jahre entwarf sie vornehmlich Werbegrafik. Sie wurde ab 1920 durch die Gestaltung von Glasfenstern und Mosaiken einer breiten Öffentlichkeit bekannt und schuf nach dem Zweiten Weltkrieg noch ein Alterswerk. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit war sie insbesondere zwischen den Weltkriegen sozial und gesellschaftspolitisch aktiv, später engagierte sie sich für den Tierschutz. Sie war Zeit ihres Lebens Anhängerin der Monarchie. In der Deutschnationalen Volkspartei engagierte sie sich im Vorstand. Schauroth unterstützte den Kapp-Putsch und wurde deshalb verurteilt.
Biografie Anfänge Lina, genannt Linz, entstammte der wohlhabenden Frankfurter Bauunternehmerfamilie Holzmann. Das Unternehmen ihres Vaters Philipp Holzmann (1836–1904) war beim Bau der Bagdadbahn und des Suez-Kanals beteiligt. Ihre Mutter war Eleonore Bastert (1839–1929). Lina wuchs als jüngste Tochter von fünf Kindern auf. Ihr ältester Bruder Philipp August wurde 1861 geboren. Danach folgten Emilie (1862–1945, verheiratete Sonntag), der Bauingenieur Carl (auch Karl) Justus Holzmann (1863–1918) und der spätere Kunsthistoriker Wilhelm Holzmann (1869–1951). Lina Holzmann wurde in der Leerbachstraße 27 geboren. Die Familie bewohnte das Anwesen ab Mai 1874 und zog im Jahr 1879 in eine Villa mit weitläufigem Park am Untermainkai 70.
Über die Schulzeit von Lina Holzmann ist lediglich ein autobiographischen Text überliefert: „Mit mir war als Kind gar nichts anzufangen. Still zog ich mit meinem Holzpferd alleine durch den Park. Später hatte ich nur Interesse für Pferde, Malerei, Hunde und Katzen. Der Schulunterricht war damals sehr trocken, und da meine Ideen stets bei Malerei und Vaterland weilten, hörte ich wohl nie recht zu, denn ich blieb egal sitzen. Als mir das zum dritten Male passierte, stand ich doch recht unglücklich vor meinem Vater. Da tröstete er mich mit den Worten: ‚Weine nicht, Deine Lehrer sind zu dumm für Dich!‘“
Das künstlerische Talent des Mädchens wurde von ihren Eltern erkannt. Sie erhielt im Alter von 13 Jahren den ersten Zeichenunterricht bei Heinrich Hasselhorst am Städelschen Institut. Daneben widmete sich Lina Holzmann dem Reiten. Der für angehende Künstler übliche Studienaufenthalt in Paris mit Atelierbesuchen und akademischen Diskussionen sagte ihr nicht zu.
Ehe mit Hans von Schauroth Im Alter von 21 Jahren heiratete Lina Holzmann 1895 in Frankfurt am Main den damaligen Seconde-Lieutenant und Bataillons-Adjutant beim 1. Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 81 in Frankfurt/Main, Hans von Schauroth. Er entstammte preußischem Adel aus dem Geschlecht Schauroth. Lina von Schauroth begleitete ihren Mann bei dessen Garnisonsaufenthalten an verschiedenen Stationen quer durch Deutschland. Dem Paar war die Liebe zu Pferden gemeinsam; Lina von Schauroth war insbesondere als Springreiterin im Damensitz erfolgreich. Am 28. Januar 1905 wurde der gemeinsame Sohn und spätere Frankfurter Architekt Wolff Udo von Schauroth (1905–1988) geboren.Walter von Hueck, Hans Friedrich von Ehrenkrook, Erik Amburger, Dick van Duin, Johann Georg von Rappard, u. a.: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser. A (Uradel). Band VIII, Band 38 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1966, , S. 435–436. Bald darauf verletzte sich Hans von Schauroth bei einem Reitunfall schwer; nach langjährigen Sanatoriumsaufenthalten starb er im Jahr 1909 in Bonn.
Weiterführende künstlerische Studien Lina von Schauroth gab an, bei Ottilie Roederstein, Bernhard Mannfeld und Wilhelm Trübner Unterricht genommen zu haben. Roederstein wirkte ab 1891, Mannfeld ab 1895 und Trübner ab 1896 in Frankfurt. Nach diesen Daten führte sie ihre künstlerische Ausbildung somit wohl auch nach der Eheschließung fort.
Nach dem Tod ihres Mannes nahm sie die eigene künstlerische Ausbildung wieder auf. Der erste Studienaufenthalt führte Lina von Schauroth um 1905/06 nach München. Bei dem Plakatkünstler, Grafiker und Architekten Ludwig Hohlwein, dem Tiermaler Angelo Jank und dem Düsseldorfer Bildhauer Karl Janssen eignete sie sich neue Arbeitstechniken an. Sie spezialisierte sie sich auf Tierdarstellungen, insbesondere Pferde.
Rückkehr nach Frankfurt mini|hochkant|Hauptfriedhof Frankfurt, Grab F 1786 von Schauroth Um das Jahr 1906 bezog Schauroth eine Etagenwohnung in der Sandhofstraße 10, heute Paul-Ehrlich-Straße, in Frankfurt-Sachsenhausen. Sie mietete ein Atelier im Städel (laut Adressbuch in den Jahren 1907–11). Danach bezog sie ein eigenes Haus mit Wohnung und Atelier am Schaumainkai 91/Ecke Schaubstraße. Sie war bei den Jahresausstellungen im Frankfurter Kunstverein erstmals im November 1908 mit einer Radierung vertreten. Auf dem Frankfurter Hauptfriedhof fertigte sie 1911 das Grabmal für ihren verstorbenen Ehemann an, ihre einzige Grabskulptur.
Grafische Arbeiten bis in die 1920er Jahre Künstlerisch konzentrierte sich Schauroth in dieser Zeit jedoch auf Gebrauchsgrafik. Bis in die 1920er Jahre entwarf sie Werbung u. a. für die Messe Frankfurt, den Frankfurter Zoo und verschiedene Sportveranstaltungen. Auf der Bugra in Leipzig 1914 kuratierte sie neben Fia Wille die Abteilung für Reklamekunst und Werbemittel. Sie gestaltete den Plakatraum und steuerte selbst grafische Arbeiten bei. Schauroth entwarf einen Amazonenfries für den Reklameraum. Mit Fia Wille und Margarete Brugmann verantwortete sie den Bereich Reklame und Werbemittel und in der Sonderausstellung „Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik“ 1914. Sie selbst erhielt eine Anerkennung für ihr Werk (Abteilung Reklame). 1914 war sie zudem für die Organisation der Abteilung „Plakat und Reklame“ im Haus der Frau auf der Kölner Werkbundausstellung zuständig. Hier war sie Ansprechpartnerin beim Reklame-Wettbewerb für das Haus der Frau und wirkte das Unternehmen Dr. Oetker in der Jury. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs entwarf Schauroth Grafik für Kriegspropaganda. Ihre patriotischen Plakate, Feldpostkarten und Schmuckblätter wurden in die Sammlung des Historischen Museums Frankfurt aufgenommen.
Ab 1919 war sie Mitglied im Deutschen Werkbund.
Künstlerisches Schaffen zur Zeit der Weimarer Republik mini|hochkant|Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges an der Christuskirche in Oberursel, ehemals Frauenfriedenskirche
In den 1920ern wandte sich Schauroth zunehmend der Dekorativen Kunst zu. Die kunsthandwerklichen Kenntnisse zur Ausübung der Glaskunst erwarb sie Anfang der 1920er Jahre in der Treptower Glasschliffwerkstatt bei August Wagner. Sie spezialisierte sich auf Glas- und Wandmalerei, Mosaik und, ab etwa 1927, Glasschliff. Mit dieser Fertigkeit wurde sie über die Grenzen Frankfurts hinaus als Künstlerin wahrgenommen und arbeitete für Auftraggeber in Berlin, Friedberg oder Wetzlar, im kirchlichen sowie privaten Bereich. Bei den um 1921 bis 1923 für May und Carl von Weinberg entstandenen Fenstern für die Privatkapelle der Villa Waldfried in Frankfurt-Niederrad handelt es sich um eines der ersten Glaskunstwerke. Die Auftragsarbeiten intensivierte sie nach der Weltwirtschaftskrise ab 1929, als sie ihr Vermögen verlor. Im Auftrag von Hans Poelzig schuf sie um 1931 eines ihrer außergewöhnlichen Werke. Für den großen Saal des IG-Farben-Gebäudes einwickelte sie eine Glasdecke und ein Sternbildfries in Glasschliff. Beides wurden bei den Luftangriffen auf Frankfurt im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der mit Schauroth befreundete Georg von Schnitzler bestellte umgehend eine Neufassung. Zu einer Ausführung kam es nicht mehr. Die Entwurfszeichnungen für die Neufassung sind erhalten und befinden sich im Historischen Museum Frankfurt.
Lina von Schauroth sollte auch Teile der Ausstattung der Frauenfriedenskirche ausführen, aufgrund von unterschiedlicher gestalterischer Auffassung zwischen ihr und dem Architekten Hans Herkommer kam es dazu nicht, eine bereits fertiggestellte Säule wurde nach Oberursel gebracht. Die Stadt Oberursel plante ohnehin eine Gedenkstätte für die 224 Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Die Säule wurde neben der Christuskirche aufgestellt und am 12. Oktober 1930 eingeweiht. Die 8,85 Meter hohe Mosaiksäule wurde 1932 durch eine Kugel aus Kupferblech bekrönt. Der Vorschlag Schauroths, ein „Eisernes Kreuz“ auf der Spitze der Säule anzubringen, setzte sich nicht durch. Die Säule ist erhalten und wurde in der Zeit zwischen 2014 und 2017 restauriert.
Engagement in Zeit des 1. Weltkrieges und der Weimarer Republik Im Ersten Weltkrieg widmete sich Schauroth karitativen Tätigkeiten. Ab 1914 organisierte sie Hilfsgütersammlungen für Frontsoldaten, sogenannte Liebesgaben. Einmal, im Herbst 1914, brachte sie die Spenden selbst zu den Verteilungsstellen an der Westfront. Um die Bestattung ihres gefallenen Neffens bei der Familie in Frankfurt zu ermöglichen, überführte sie im Frühjahr 1915 den Sarg mit dem Leichnam von der Ostfront nach Hause. Sie leitete von 1915 bis 1918 ein Soldatenheim in Frankfurt. Um Frauen zu kriegswichtigen Arbeitseinsätzen zu motivieren, arbeitete sie 1918 kurzzeitig in einer Monitionsfabrik. Schauroth erhielt für ihre Verdienste das Königlich Preußische Verdienstkreuz, die preußische Rote-Kreuz-Medaille und das hessische Allgemeinen Ehrenzeichen für Kriegs-Verdienste. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie mit dem Ehrenkreuz des Weltkrieges geehrt, die sie zeitlebens zu besonderen öffentlichen Anlässen trug.
Schauroth gehörte dem Frankfurter Frauenclub seit der Gründung 1907 an. Sie arbeitete als Grafikerin für Frauenvereinigungen und -initiativen, beispielsweise um das Jahr 1912 für die Rechtsschutzstelle für Frauen. Nach der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland und als Anhängerin der Monarchie war sie Mitbegründerin und Vorstandsmitglied der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) in Frankfurt. Die Partei war nationalkonservativ, republikfeindlich, antisemitisch und völkisch ausgerichtet. Schauroth unterstützte den Kapp-Putsch und wurde deshalb vor Gericht gestellt. Sie wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Die Strafe musste sie dann wegen der Amnestie vom 2. August 1920 nicht verbüßen. Schauroth war Mitglied im Luisenbund, vermutlich seit Gründung 1923. Sie bekleidete hier über mehrere Jahre das Amt der Landesführerin für Großhessen. In den Stand 2025 bekannten Quellen wird nicht deutlich, ob sie 1928 in die nahestehende Frauenorganisation des Wehrverbands Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten wechselte oder im Bund Königin Luise blieb. Ihre Verbandstätigkeit endete 1934 mit der Eingliederung des Stahlhelm-Bundes in die SA bzw. der Gleichschaltung des Luisenbunds.
Zeit des Nationalsozialismus mini|hochkant|Glasfenster „Aufsteigender Christus“ in der Alten Nikolaikirche