miniatur|hochkant=1.4 Die Expedition von Hume und Hovell fand in den Jahren 1824 und 1825 unter Führung von Hamilton Hume und William Hovell statt und gehört zu den bedeutendsten Entdeckungsreisen, die im östlichen Australien unternommen wurden. Es war die erste Expedition, die einen Weg von New South Wales in das Hinterland von Victoria fand und neue Erkenntnisse über das dortige Flusssystem erbrachte. Sie war der erste Schritt zur erfolgreichen Besiedelung und Nutzung dieser fruchtbaren Gebiete. Ursprüngliches Ziel war es, Western Port zu erreichen, das die Gruppe aufgrund eines Berechnungsfehlers Hovells aber verfehlte. Stattdessen fand sie sich 100 Kilometer westlich davon in Port Phillip wieder. Der Erfolg der Forschungsreise hing maßgeblich von den Stärken der beiden Expeditionsleiter ab: Während Hume eine starke Führungspersönlichkeit und erfahrener Entdecker war, war Hovell ein exzellenter Navigator. Ihr Verhältnis war von Anfang an gespannt, trotz ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit entwickelte sich in späteren Jahren ein dauerhafter Streit.

Vorgeschichte und Vorbereitungen miniatur|Vor 1825 erhob Großbritannien nur auf die östliche Hälfte Australiens Anspruch. Die einzige Kolonie war New South Wales. Bis 1813 waren nur Australiens Küstenregionen bekannt, das gesamte Hinterland hingegen unerforscht. Die erste erfolgreiche Überquerung der Blue Mountains, die wegen ihrer Unzugänglichkeit eine Ausdehnung der Kolonie in den Westen verhinderten, gelang der von Gregory Blaxland geführten Expedition mit William Lawson und William Charles Wentworth im Jahr 1813, in dem auch George William Evans weiter ins Hinterland der Blue Mountains vordrang.Scott: Australia, S. 122

Einer der wichtigsten Entdecker vor Hume und Hovell war John Oxley, der ab 1817 die Flüsse erforschte, die von den Blue Mountains aus ins Landesinnere fließen. Oxley versuchte zunächst, dem Lachlan River zu folgen, der jedoch wie sämtliche Seitenarme in Sümpfen mündet. Er verpasste auf dieser Expedition nur knapp den Murrumbidgee River, der ein wichtiger Zufluss des Murray River und Murray-Darling-Flusssystems ist. Aufgrund dieser Ergebnisse schloss er aus, dass alle Flüsse Zuflüsse eines großen Stromes seien, der Richtung Süden ins Meer fließe, sondern vermutete ein Binnenmeer. 1818 startete er seine zweite Expedition und versuchte, auf dem Macquarie River bis zu diesem Binnenmeer zu fahren. Es stellte sich allerdings heraus, dass dem Macquarie ähnlich schwer zu folgen war wie dem Lachlan, weil der Flusslauf nach 120 Meilen in einer Marschlandschaft aufging. Diese Ergebnisse seiner Expeditionen brachten Oxley zu der Auffassung, dass der Kontinent zum Großteil von Moor bedeckt sei.Scott: Australia, S. 123

miniatur|hochkant|Hamilton Hume (1797–1873) Nach Oxleys Misserfolgen stellte der Gouverneur von New South Wales, Thomas Brisbane, kein weiteres Geld für die Erforschung der Flüsse bereit, sondern plante die Erforschung des Landes zwischen dem weitesten Punkt von Oxleys Reisen und der Südküste. Sein Plan sah vor, eine kleine Gruppe mit Vorräten auf Wilsons Promontory, einer Halbinsel im Süden Victorias, abzusetzen, von wo aus sie einen Weg nach Sydney finden sollte. 1824 schlug Brisbane Hamilton Hume als Expeditionsleiter vor. Hume war gebürtiger Australier und nahm seit seinem 17. Lebensjahr an Expeditionen teil, weshalb er bis 1824 bereits große Erfahrung hatte sammeln können und die Leitung der Expedition übernahm.Andrews: Hume and Hovell, S. 20 Er hielt indes nichts von den Plänen des Gouverneurs und schlug eine andere Vorgehensweise vor: von Sydney aus in südwestlicher Richtung vorzustoßen und Western Port, eine Bucht im Süden Victorias, zu erreichen. Brisbane versprach zwar, die Expedition zu unterstützen, hielt sich aber letztlich nicht daran. Daher gewann Hume den ehemaligen Kapitän William Hilton Hovell, der sich finanziell beteiligen wollte, wenn auch die Regierung einen Teil der Kosten trug. Hovell war gebürtiger Engländer und im Oktober 1813 nach Australien gekommen.Andrews: Hume and Hovell, S. 21–22 Wegen seiner Fähigkeiten als Navigator war er eine gute Ergänzung für Hume.Molony: Native-born, S. 102

miniatur|hochkant|William Hovell (1786–1875)

Neben Hume und Hovell nahmen sieben weitere Personen an der Expedition teil, darunter sechs Sträflinge – Benjamin Smith, Henry Angel, Samuel Bullard, Claude Barrois, Thomas Boyd, James Fitzpatrick – sowie ein Aborigine unbekannten Namens als Dolmetscher. . Abgerufen am 11. Juli 2010 Es war in Australien üblich, Sträflinge als Arbeiter an Privatleute zu verleihen oder anderweitig zur Arbeit zu zwingen.Samuel Butler: The Hand-Book for Australian Emigrants; being a descriptive history of Australia and containing an account of the climate, soil and natural productions of New South Wales, South Australia and the Swan River Settlement. Glasgow, 1838. Dargelegt im dritten Kapitel ab S. 28 online

Die Expedition von Hume und Hovell war die erste Expedition auf australischem Gebiet, die Ochsen nutzte und zur Entfernungsmessung ein Messgerät verwendete, einen sogenannten Hodometer, der die zurückgelegte Entfernung anhand der Radumdrehungen der Ochsengespanne maß. Neben Ochsen, Pferden, Hunden und zwei Planwagen führte sie Verpflegung für 16 Wochen, Zelte, Seile, Packsättel, Waffen, Munition und Navigationsinstrumente wie Kompass und Sextant mit. Da die Regierung nicht für die Kosten aufkommen wollte und kaum Ausrüstung stellte, war die Entdeckungsreise fast vollständig privat finanziert.Scott: Australia, S. 124 Lediglich Musketen, Zeltplanen und das Bettzeug wurden staatlich finanziert, was die Expedition nach Aussage Hovells um nicht mehr als 50 ₤ entlastete.Andrews: Hume and Hovell, S. 245 Gouverneur Brisbane sicherte jedoch beiden Expeditionsführern als Lohn für ihre Teilnahme Land in der Größe von je etwa 5 km² zu.T. M. Perry: Hovell, William Hilton (1786–1875). S. 556–557. Australian Dictionary of Biography, Volume 1. Melbourne University Press 1966 Online auf adb.online.anu.edu.au. Abgerufen am 11. Juli 2010

Expedition Verlauf Hume und Hovell folgten grundsätzlich einer in Süd-West-Richtung verlaufenden imaginären Linie von Sydney nach Western Port, wurden allerdings immer wieder von ihrem Kurs abgebracht und fanden sich schließlich aufgrund ungenauer Positionsbestimmungen durch Hovell rund 100 Kilometer zu weit westlich an der Corio Bay nahe Geelong im Westen der heutigen Port Phillip Bay wieder. Die zurückgelegte Route lässt sich in drei Abschnitte aufteilen.Andrews: Hume and Hovell, S. 15

Appin bis Lake George William Hovells Ausgangspunkt war seine Farm „Narralling“, elf Kilometer nordwestlich von Humes Station bei Appin gelegen. Von dort aus machte er sich am 2. Oktober 1824 mit seinen beiden Helfern, vier Ochsen, einem Pferd und mehreren Hunden auf den Weg zu Humes Farm. Nachdem Hovell am selben Tag bei Hume ankam, vereinigten sich die beiden Gruppen, bepackten die Wagen und verließen Appin am Morgen des 3. Oktober. Der erste Teil der Reise verlief ruhig und war leicht zu bewältigen, da sich die Expedition auf besiedeltem Gebiet bewegte. Unterwegs wurden befreundete Landbesitzer besucht, am 13. Oktober erreichte sie Humes Station nahe dem Lake George. Von dort aus folgten die Reisenden dem Lerida Creek zum Lake George, wo sie drei Tage blieben, bevor sie zu Humes Station zurückkehrten.William Bland: A Journey of Discovery to Port Phillip, 1831, S. 5–6, abgedruckt bei Andrews: Hume and Hovell, S. 64–66

Lake George bis Tumbarumba Creek Humes Station am Lake George war der letzte Außenposten des besiedelten Teils der Kolonie, sodass die eigentliche Erforschung des Kontinents erst hier begann. Das Vorankommen wurde vor allem durch die zu überquerenden Flüsse erschwert, aber auch durch das unwegsame Gelände.

miniatur|Mount Kosciuszko ist der höchste Berg auf dem Festland Australiens und liegt in den Snowy Mountains. (Blick vom Mount Townsend) Am Sonntag, den 17. Oktober brach die Expedition ohne den einheimischen Führer für die Yass-Ebene auf, da dieser die Gruppe am Tag zuvor unerwartet verlassen hatte. Am folgenden Tag durchquerte sie das Grasland, die Mcdougal’s Plains, sodass sie am 19. Oktober am Ufer des Murrumbidgee River stand.Andrews: Hume and Hovell, S. 17 Wegen des steigenden Wasserstands wurde von einer Überquerung des Flusses zunächst abgesehen, bis die Forschungsreisenden am 22. Oktober den Entschluss fassten, trotz des hohen Wasserstandes ein Übersetzen zu versuchen. Dazu bauten sie einen Karren zu einem schwimmfähigen Boot um und mussten im Folgenden ein Seil über den 30 bis 40 Meter breiten Fluss spannen, um daran den Karren über den Fluss und wieder zurück bewegen zu können. Insgesamt dauerte es vier bis fünf Stunden, bis alle Vorräte und Ausrüstungsgegenstände zum anderen Ufer gebracht waren.

miniatur|Geehi Walls nahe Mount Kosciuszko in den Snowy Mountains. Dieser Teil der Australischen Alpen wurde am 8. November 1824 erstmals gesichtet Nach dem Murrumbidgee River erwartete die Gruppe schwieriges Terrain, denn der Murrumbidgee und der Goodradigbee River fassen ein hoch gelegenes und felsiges Gebiet fast vollständig ein. Im Süden erhebt sich das Gelände bis zu 1900 Meter hoch. Im Westen schließt sich eine weitere Gebirgsformation an, die im Süden die Snowy Mountains in den Australischen Alpen bildet, in denen sich auch der höchste Berg auf dem Festland Australiens, der Mount Kosciuszko, erhebt.Andrews: Hume and Hovell, S. 71

Wegen des schwierigen Geländes musste die Expedition seit der Flussquerung einem Zickzackkurs folgen, wobei sie sich weiterhin in südwestlicher Richtung hielt.William Bland: A Journey of Discovery to Port Phillip, 1831, S. 9, abgedruckt bei Andrews: Hume and Hovell, S. 74 Am 24. Oktober wurden die Männer von einer Bergkette aufgehalten und verbrachten den Tag damit, einen Pass über die Berge zu suchen. Nachdem Hume einen solchen noch am Abend desselben Tages gefunden hatte, konnte die Gruppe am Nachmittag des 25. Oktober die Bergkette durchqueren. Sie fand sich nun am Ufer des Goodradigbee Rivers wieder und benötigte den folgenden Tag, um ihn zu queren. Im Angesicht des bergigen Landes vor ihnen entschieden sich Hume und Hovell dazu, die Ochsenkarren an Ort und Stelle stehen zu lassen und nur noch mit den Tieren als Lastenträgern weiterzuziehen.William Bland: A Journey of Discovery to Port Phillip, 1831, S. 12, abgedruckt bei Andrews: Hume and Hovell, S. 80

Am 27. Oktober folgte die Gruppe dem Hinweis einiger Aborigines auf einen Pass über die Berge und zog nach Norden entlang des Flusses weiter, bis sie wieder auf den Murrumbidgee trafen. Dort mussten sie feststellen, dass der beschriebene Weg für das Vieh nicht zu bewältigen war, und kehrten daher um.William Bland: A Journey of Discovery to Port Phillip, 1831, S. 13, abgedruckt bei Andrews: Hume and Hovell, S. 82

Erst zwei Tage später gelang es Hume, einen Weg aus dem Tal des Goodradigbee River zu finden. Von nun an bewegten sie sich hauptsächlich durch eine waldige Landschaft, die sich mit Sümpfen und Grasflächen abwechselte.William Bland: A Journey of Discovery to Port Phillip, 1831, S. 15–17, abgedruckt bei Andrews: Hume and Hovell, S. 86–90 Sie überquerten den Goobarragandra River am 2. November, bevor sie wenig später auf den Tumut River stießen. Zunächst folgten sie ihm stromaufwärts in südlicher Richtung, ehe sie am 3. November übersetzten und ihm weiter nach Süden folgten, bis sie am 4. November eine Lücke in der Bergkette westlich von ihnen fanden.

Am 6. November stießen sie auf den Burra Creek, der sie zum Tumbarumba Creek brachte. Dort sichteten sie als erste Europäer der Geschichte am 8. November im Süden die schneebedeckten Gipfel der Australischen Alpen.William Bland: A Journey of Discovery to Port Phillip, 1831, S. 28, abgedruckt bei Andrews: Hume and Hovell, S. 112

Tumbarumba Creek bis Corio Bay