Der Burgstall Alter Rothenberg bezeichnet die Reste einer hochmittelalterlichenliche Höhenburg auf dem Alten Rotenberg, auch Reisberg genannt, oberhalb der Einöde Lochhof in der Gemeinde Simmelsdorf im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land. Der Burgstall ist heute fast vollkommen abgegangen. Von der einstigen Bebauung sind keine aufgehenden Baureste erhalten; die zweiteilige Burganlage ist jedoch durch Gräben, Wälle und weitere Geländeformen noch deutlich erkennbar.

Geographische Lage mini|links|hochkant=1.5|Bild 2: Der Alte Rotenberg aus südöstlicher Richtung über dem Markt Schnaittach. Am Fuß des Berges ist der Lochhof zu erkennen. (2010)

Die ehemalige Burganlage befindet sich im Westteil der Fränkischen Alb auf der hohen Kuppe des Alten Rotenberges, der auch als Reisberg bezeichnet wird.Topographische Karte 1:25000, Blatt 6533 Lauf a. d. Pegnitz Der Alte Rotenberg liegt am Südende einer sich von Nord nach Süd ziehenden kleinen Hügelkette, die an der Westseite vom Tal des Röttenbaches und östlich von Tal der Schaittach begrenzt wird. Der Burgstall liegt circa 150 Meter über dem Tal und etwa 640 Meter nordnordwestlich der Einöde Lochhof, an deren Stelle der Wirtschaftshof der Burg vermutet wird.Sven Thole: Die Festung Rothenberg. Der Festungsbau im 18. Jahrhundert, Maßnahmen der Erhaltung und Möglichkeiten der Konservierung. Dissertation, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Bamberg 2007, online.

Im Umkreis weniger Kilometer befinden sich noch weitere ehemalige mittelalterliche Burgen: nordnordöstlich der Burgstall auf dem Hienberg über dem Rampertshof, und etwas weiter in ostnordöstlicher Richtung die Burgruine Osternohe. Auch die Festung Rothenberg über Schnaittach, an deren Stelle sich die spätmittelalterliche Vorgängerburg befand, liegt etwa 3,8 Kilometer in südöstlicher Richtung. Nordwestlich liegt der Burgstall Hainburg bei Igensdorf.

Der Name Rothenberg (alte Schreibweise auch Rotenberg) geht auf die rötliche Färbung des hier anstehenden Eisensandstein zurück, der geologisch dem Braunen Jura („Dogger“) zuzuordnen ist. Die seit 1366 belegte Bezeichnung ''Reisberg'' leitet sich vom mittelhochdeutschen ''rîs'' („Zweig, Ast, Gebüsch“, vgl. auch „Reisig“) ab und bezeichnet einen mit Gebüsch oder Niederwald bestandenen Berg.

Geschichte der Burg Die Befestigungsreste auf der Kuppe des Alten Rothenbergs wurden aufgrund ihrer Größe zunächst für eine vorgeschichtliche Wallanlage gehalten. Im Jahr 1936 führte die Abteilung für Vorgeschichte der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg unter Hans Ehrngruber eine archäologische Ausgrabung in der Anlage durch.Hans Ehrngruber: Aufzeichnungen über die Ausgrabungen am Reisberg. Unveröffentlichtes Manuskript, Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg.Sage und Wahrheit über den Alten Rothenberg. Eine vorgeschichtliche oder frühmittelalterliche Burganlage. In: Alt-Lauf und seine Umgebung. Heimatbeilage zum Laufer Tageblatt, Nr. 12, 1935, S. 104.Fritz Schnelbögl: Das Geheimnis des „Alten Rothenbergs“. In: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft, Jg. 1, Heft 1, 1952, S. 6–11. Der zeitgenössische Jahresbericht bezeichnete sie aufgrund der Untersuchungsergebnisse als „Burgstall des 13. Jahrhunderts“.Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg: Jahres-Bericht 1936, S. 14–15. Die archäologischen Funde werden in der neueren Literatur in die Jahrzehnte um 1200 datiert.Robert Giersch, Andreas Schlunk, Berthold Frhr. von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Lauf an der Pegnitz 2006, ISBN 978-3-00-020677-1, S. 28–29. Die Burg wurde vermutlich noch früher, in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, erbaut.Gustav Voit: Der Adel an der Pegnitz 1100–1400. (= Freie Schriftenfolge der Gesellschaft für Familienforschung in Franken. Band 20). Kommissionsverlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1979, S. 221–224Heinz 1992, S. 2. Der Grundbesitz auf dem die Burg stand, lag aber in Händen des Hochstifts Bamberg, über den die Staufer über ihre Untervögte die Vogtei ausübten.

1254 nannte sich der Reichsministeriale Hiltpold von Hiltpoltstein erstmals Hilteboldus de Rotenberge, als er den Magdalenerinnen in Nürnberg einen Hof in Rüsselbach übertrug. Der Grundbesitz im Bereich der Burg lag beim Hochstift Bamberg, während die Staufer beziehungsweise ihre Untervögte die Vogteirechte ausübten. In der Literatur wird erwogen, dass die örtlichen Reichsministerialen die Schwächung der königlichen Gewalt nach 1241/50 zum Ausbau einer eigenen Herrschaftsstellung nutzten; der genaue Zeitpunkt und die Umstände der Errichtung der Burg sind jedoch nicht urkundlich überliefert. Die Ministerialen von Lauf-Hiltpoltstein-Rothenberg erscheinen mit Ottnand letztmals 1285 in den Urkunden. Die Burg kam dann durch die Ehe der Tochter des letzten Hiltpold mit Dietrich I. von Wildenstein an die Herren von Wildenstein.Robert Giersch, Andreas Schlunk, Berthold Freiherr von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Herausgegeben von der Altnürnberger Landschaft e. V., Lauf an der Pegnitz 2006, S. 28–29. Der Übergang der Burg an die Herren von Wildenstein lässt sich spätestens 1289 sicher fassen. In diesem Jahr werden Dietrich I. von Wildenstein und seine Söhne ze dem Rotenperg genannt. Infolge der Heirat übernahmen sie auch das Wappen der Hiltpoltsteiner. 1297 wird Heinrich IV. von Wildenstein von dem Rotenberge, ein Sohn des Dietrich, im Dienst Herzog Rudolfs von Bayern bezeugt.Robert Giersch, Andreas Schlunk, Berthold Frhr. von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Lauf an der Pegnitz 2006, S. 29.

Die Zerstörung der Burg ist für 1301 belegt und geht auf die Fehde zwischen Graf Gebhard VII. von Hirschberg, des Grafen von Oettingen und König Albrechts I. und dem bayerischen Herzog zurück, bei der zahlreiche Burgen vernichtet wurden.Alfried Wieczorek 2010, S. 225.Daniel Burger: Simmelsdorf: Der Burgstall „Alter Rothenberg“ auf dem Reisberg. In: Alfried Wieczorek (Hrsg.): Nürnberg und Nürnberger Land. Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2368-2, S. 224–226. Archäologisch nachgewiesene Brandschichten bestätigen die Zerstörung zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Dietrich I. von Wildenstein ließ im um 1330 die Vorgängeranlage der heutigen Festung Rothenberg bei Schnaittach bauen. Spätestens mit diesem Neubau verlor die ältere Anlage auf dem Reisberg ihre Funktion.

Bamberger Nekrologe verwenden zwischen den 1280er Jahren und 1316 die Bezeichnung castrum Rotenberge zur geographischen Bestimmung von Besitzungen beziehungsweise Servitien in benachbarten Orten.Robert Giersch, Andreas Schlunk, Berthold Frhr. von Haller 2006, S. 29. Diese Nennungen belegen daher nicht zwingend eine fortdauernde Nutzung der Burg bis 1316. 1350 erscheint Rothenberg nur noch als Ortsbezeichnung (Weygenheimstorf pei dem Rotenperg), 1366 begegnet für den Berg bereits die Bezeichnung Reisberg (Weygenstorf unter dem Reisberg).

Heute ist die Burgstelle dicht bewaldet. Erhalten sind vor allem der Abschnittsgraben zwischen Vor- und Hauptburg, der Ringgraben der Hauptburg sowie Teile des stark verschliffenen Grabens der Vorburg. Das vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als „Mittelalterlicher Burgstall“ geführte Bodendenkmal trägt die Denkmalnummer D-5-6433-0172.Burgstall Alter Rothenberg auf der Seite des BLfD

Beschreibung des Burgstalls Die ehemalige Höhenburg befindet sich auf der höchsten Stelle des Alten Rotenberges (Bild 2), einer flachen und ovalförmigen Kuppe, die bis auf die leicht abfallende nordwestliche Seite steil und tief zum Tal hin abfällt.

Die Fläche dieser relativ großen Gipfelburg ist von ovaler Form und hat eine Länge von etwa 220 Meter und eine größte Breite von 100 Metern. Diese Maße waren vermutlich auch der Grund zur Annahme einer vorgeschichtlichen Anlage. Sie teilt sich in eine Vorburg und in eine etwa gleich große Hauptburg, die von einem gemeinsamen Ringgraben mit teilweisem Außenwall umgeben wird.Grundriss des Burgstalls Alter Rothenberg

Die Vorburg lag vermutlich an der weniger steil abfallenden Westseite, der Ringgraben, der sie einst schützte, ist heute stark verschliffen und nur noch an ihrer Südseite erkennbar (Bild 3 und 4). An der Nordseite deutet eine Terrasse die Fortsetzung des Grabens an. Die Ostseite der Vorburg wird auf der gesamten Breite von einem Graben zwischen Vor- und Hauptburg begrenzt. Ihr Plateau hat eine etwa trapezförmige Fläche mit den Maßen von etwa 100 mal 80 Metern. Der Zugang zur Burg lag vermutlich an der Südseite.Heinz 1992, S. 4. Bebauungsspuren sind bis auf einen kleinen 5 mal 3 Meter messenden, rechteckigen Hügel am Graben zur Hauptburg nicht mehr sichtbar.

Zwischen der Vorburg und der etwa gleich großen Hauptburg befindet sich ein etwa 6 Meter tiefer und an seiner Oberseite noch 10 bis 12 Meter breiter Abschnittsgraben (Bild 5), der gerade von Nord nach Süd verläuft. Die Grabensohle ist an den beiden Enden heute noch bis 4 Meter breit,Heinz 1992, S. 4. die Mitte des Grabens ist durch einen Erdrutsch stark verengt. Am östlichen und vor allem am nördlichen Grabenende hat sich je ein großer Abraumhügel erhalten, der nördliche springt noch etwa 20 Meter bastionsartig aus dem hier steil abfallenden Hang hervor, und fällt dann ebenfalls sehr steil zum Tal hin ab (Bild 6).

Auf der durch steilen Abfall des Geländes besser geschützten Ostseite lag vermutlich der Bereich der Hauptburg. Die unregelmäßig oval geformte und unebene, teiles mit kleineren Mulden und Erdhügeln durchsetzte Oberfläche hat eine größte Länge von 100 Metern von Nord nach Süd, und eine größte Breite von etwa 80 Meter. Ihre Westseite wurde durch den Abschnittsgraben geschützt, die drei restlichen Seiten umzieht ein ausgeprägter Ringgraben mit Außenwall (Bild 1 und 7). Der einzige Rest der ehemaligen Bebauung ist ein etwa 30 Meter langer Wall, der noch ungefähr einen Meter hoch und 5 Meter breit ist, und sich am westlichen Rand der Hauptburg unmittelbar am Abschnittsgraben entlangzieht. Vermutlich verlief der Zugang zur Hauptburg über eine Brücke über den Abschnittsgraben.Heinz 1992, S. 4. Der Ringgraben mit Außenwall zog sich, mehrfach gebogen und durch Waldfuhren unterbrochen um die Hauptburg, und hat noch eine Breite von 4 bis maximal 8 Meter und eine Tiefe von ein bis drei Meter. Wallschnitte ergaben keine Hinweise auf Ein- oder Aufbauten aus Holz oder Stein, nur eine zweistufige Erdbrustwehr an der Innenseite des Walls wurde festgestellt.

Da im Bereich der Burganlage nur geringe Fundamentreste gefunden wurden, schlossen die Ausgräber 1936 auf Gebäude aus Holz, möglicherweise vielleicht mit Steinfundamenten.Robert Giersch, Andreas Schlunk, Berthold Frhr. von Haller 2006, S. 28 ff.

Bilder des Burgstalls

Literatur

Volker Alberti, Lorenz Baumann, Horst Holz: Burgen und Schlösser im Schnaittachtal. (= Fränkische Adelssitze. Band 1). Simmelsdorf-Hüttenbach 1999, S. 26–31. Horst Wolfgang Böhme (Hrsg.): Die Salier – Burgen der Salierzeit, Teil 2: In den südlichen Landschaften des Reiches. 3. Auflage. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1992, ISBN 3-7995-4134-9, S. 194ff. Daniel Burger: Simmelsdorf: Der Burgstall „Alter Rothenberg“ auf dem Reisberg. In: Alfried Wieczorek (Hrsg.): Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland, Band 52: Nürnberg und Nürnberger Land – Ausflugsziele zwischen Pegnitz und Fränkischer Alb. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2368-2, S. 224–226. Robert Giersch, Andreas Schlunk, Berthold Frhr. von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Herausgegeben von der Altnürnberger Landschaft e. V., Lauf an der Pegnitz 2006, ISBN 978-3-00-020677-1, S. 28–29. Walter Heinz: Ehemalige Burgen im Umkreis des Rothenbergs – Eine Auswahl, 1. Teil: Von Schnaittach bis Wildenfels (Vom Rothenberg und seinem Umkreis, Heft 15/1). Herausgegeben vom Heimatverein Schnaittach e. V., Schnaittach 1992, S. 1–6. Fritz Schnelbögl: Das Geheimnis des „Alten Rothenbergs“. In: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft. Band 1, 1952, Heft 1, S. 6–11.