Die 17. einheitlichen Regionalwahlen (jap. , dai-jūnana-kai tōitsu chihō senkyo) in Japan fanden im April 2011 statt. Am 10. April 2011 wurden zunächst Gouverneure in zwölf Präfekturen, 41 Präfekturparlamente sowie fünf Bürgermeister und 15 Stadträte in den 19 „Großstädten per Regierungserlass“ (seirei shitei toshi) gewählt. In der zweiten Phase fanden am 24. April 2011 rund 1000 Bürgermeister- oder Ratswahlen in weiteren Gemeinden statt, darunter in den meisten der Bezirke Tokios und in vielen kreisfreien Städten. Außerdem wurde eine Nachwahl im 6. Wahlkreis Aichi für das Shūgiin, das Unterhaus des nationalen Parlaments durchgeführt.

Wegen des Tōhoku-Erdbebens wurden auf Grundlage eines Sondergesetzes 31 Wahlen in den am stärksten betroffenen Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima verschoben, darunter die Gouverneurswahl in Iwate und die Parlamentswahlen in allen drei Präfekturen. Verschoben wurden außerdem die Bürgermeister- und Stadtratswahlen in Mito in der Präfektur Ibaraki.

Vorgeschichte und Wahlkampf Das auf nationaler Ebene regierende Kabinett Kan aus Demokratischer Partei (DPJ) und Neuer Volkspartei befand sich in einem Umfragetief und angesichts des „verdrehten Parlaments“ im Streit über haushaltsbezogene Gesetze für das im April 2011 beginnende Fiskaljahr, die die Opposition unter Führung der Liberaldemokratischen Partei blockieren kann. Die DPJ hatte seit 2010 eine Reihe von Präfektur- und Kommunalwahlen verloren, zuletzt im Februar die Gouverneurswahl in Aichi, die gleichzeitig stattfindende Bürgermeisterwahl in der Stadt Nagoya und im März 2011 die vorgezogene Ratswahl in Nagoya.

Am 11. März 2011 ereignete sich das Tōhoku-Erdbeben, dessen Folgen weite Teile Ostjapans betreffen und damit die Kandidatenfindung und den Wahlkampf beeinflussen.

Präfekturebene Gouverneure Die Gouverneure der Präfekturen werden durch einfache Mehrheitswahl bestimmt. Offizieller Wahlkampfbeginn war der 24. März 2011. Wie 2007 sollten bei den einheitlichen Regionalwahlen 2011 13 Gouverneure zur Wahl stehen, allerdings wurde die Wahl in Iwate verschoben. Für die übrigen 12 Gouverneursposten gab es zu Wahlkampfbeginn insgesamt 39 Bewerber.

Alle zur Wiederwahl stehenden Gouverneure waren wie derzeit insgesamt 46 der 47 Amtsinhaber landesweit formal als Unabhängige gewählt, die meisten Kandidaten waren ebenfalls Unabhängige. Viele wurden aber bei den Wahlen von einer oder mehreren Parteien durch Wahlkampfhilfe oder Wahlempfehlung unterstützt. Bei den meisten Gouverneurswahlen hatte ein Kandidat die explizite oder implizite Unterstützung beider großer Parteien, nur in den Präfekturen Hokkaidō, Tokio und Mie wurden jeweils zwei verschiedene Kandidaten von Liberaldemokratischer Partei (LDP) und Demokratischer Partei (DPJ) gestützt; in allen drei gewann der LDP-gestützte Kandidat.

Hokkaidō In Hokkaidō bewarb sich Gouverneurin Harumi Takahashi mit Unterstützung von LDP und Kōmeitō um eine dritte Amtszeit. DPJ, SDP und NVP unterstützten die Kandidatur von Toshiaki Kimura, einem ehemaligen Beamten des Landwirtschaftsministeriums. Weitere Kandidaten waren Satoshi Miyauchi für die KPJ und Tadashi Katsuya, ehemaliger Vizepräsident des Präfekturparlaments.

+Ergebnis der Gouverneurswahl in HokkaidōWahlaufsichtskommission von Hokkaidō: Wahlbeteiligung, Wahlergebnis Kandidat Unterstützerparteien Stimmen Anteil Harumi Takahashi LDP, Kōmeitō 1.848.504 69,44 % Toshiaki Kimura DPJ, SDP, NVP 544.319 20,45 % Satoshi Miyauchi KPJ 176.544 6,63 % Tadashi Katsuya 92.491 3,47 % Summe 2.661.858 100,00 % ungültige und verlorene Stimmen 30.071 1,11 % Wahlbeteiligung 2.691.929 59,46 %

Tokio mini|Gouverneur Ishihara In der bevölkerungsreichsten Präfektur Tokio hatte der langjährige Amtsinhaber Shintarō Ishihara, ein ehemaliger LDP-Politiker, der der konservativen LDP-Abspaltung Tachiagare Nippon nahesteht, lange offengelassen, ob er erneut kandidiert. Sein älterer Sohn Nobuteru, derzeit LDP-Generalsekretär und Vorsitzender des LDP-Präfekturverbandes, und andere konservative Führungspolitiker sprachen sich für eine weitere Kandidatur seines Vaters aus. Anfang März 2011 meldeten nationale Medien zunächst, dass sich Ishihara zurückziehen wolle, er erklärte aber am 14. März seine erneute Kandidatur.

Die Demokratische Partei hatte lange offengelassen, ob sie einen eigenen Kandidaten nominiert oder einen anderen Kandidaten unterstützt. Unter anderem galten die Verwaltungsministerin Renhō, die 2010 ein Rekordergebnis in Tokio bei den Wahlen für das nationale Oberhaus erzielte, und Wirtschaftsminister Banri Kaieda als mögliche Kandidaten. Shigefumi Matsuzawa, bisher Gouverneur von Kanagawa und ehemaliges Mitglied der Demokratischen Partei, hatte am 1. März 2011 seine Kandidatur erklärt, am 14. März nach dem Tōhoku-Erdbeben aber wieder zurückgezogen.

Im Präfekturparlament, das mit Ausnahme einer Nachwahl in Suginami nicht neu gewählt wurde, sind seit der Wahl 2009 die Demokraten stärkste Partei; es steht mit Gouverneur Ishihara unter anderem über den geplanten Umzug des Marktes Tsukiji und den Haushalt im Konflikt.

Die wichtigsten der insgesamt elf Kandidaten waren: Shintarō Ishihara, ehemaliger Schriftsteller, Abgeordneter und Minister und seit 1999 Gouverneur der Präfektur Tokio, der ohne formale Empfehlung der Parteien aus LDP und Kōmeitō unterstützt wurde, Hideo Higashikokubaru, ehemaliger Komiker und bis Januar 2011 Gouverneur der Präfektur Miyazaki, der Unternehmer (Watami-Gruppe) Miki Watanabe, der ohne formale Unterstützung der Partei aus der demokratischen Fraktion im Präfekturparlament unterstützt wurde und Akira Koike, ein ehemaliger Abgeordneter der KPJ im nationalen Oberhaus.

+Ergebnis der Gouverneurswahl in TokioWahlaufsichtskommission der Präfektur Tokio: • (japanisch) Kandidat Unterstützerparteien Stimmen Anteil Shintarō Ishihara – (teilweise/inoffiziell: LDP, Kōmeitō) 2.615.120 43,4 % Hideo Higashikokubaru – 1.690.669 28,1 % Miki Watanabe – (teilweise/inoffiziell: DPJ) 1.013.132 16,8 % Akira Koike KPJ 623.913 10,4 % „Dr. NakaMats“ – 48.672 0,8 % Yūjirō Taniyama – 10.300 0,2 % Keigo Furukawa – 6.389 0,1 % Takeshi Sugita Atarashii Nippon („Neues Japan“) 5.475 0,1 % Mac Akasaka Sumairu-tō („Smile-Partei“) 4.598 0,1 % Osamu Ogami Tōkyō Ishin no Kai 3.793 0,1 % Kenji Himeji Heiwa-tō kakuheiki haizetsu heiwa undō(„Friedenspartei – Friedensbewegung für die Abschaffung von Kernwaffen“) 3.278 0,1 % Summe 6.025.339 100,0 % ungültige und verlorene Stimmen 47.265 0,8 % Wahlbeteiligung 6.072.604 57,8 %

Kanagawa In der Präfektur Kanagawa hatte Amtsinhaber Shigefumi Matsuzawa zunächst angekündigt, für das Gouverneursamt in Tokio kandidieren zu wollen, sich aber später zurückgezogen. Er bewarb sich nicht für eine dritte Amtszeit in Kanagawa. DPJ, LDP und Kōmeitō unterstützen daraufhin den ehemaligen Nachrichtensprecher Yūji Kuroiwa als Nachfolger, Gegenkandidaten waren Jun'ichi Tsuyuki, ehemaliger Bürgermeister von Kaisei, dessen Kandidatur von Minna no Tō und den Regionalparteien Kanagawa Network und Network Yokohama unterstützt wurde, die KPJ-gestützte Hiroko Kamoi und der Immobilienhändler Osamu Teruya.

+Ergebnis der Gouverneurswahl in KanagawaWahlaufsichtskommission der Präfektur Kanagawa: (japanisch) Kandidat Unterstützerparteien Stimmen Anteil Yūji Kuroiwa Kōmeitō (teilweise/inoffiziell: DPJ, LDP) 1.728.826 55,5 % Jun'ichi Tsuyuki Minna, Kanagawa Network, Network Yokohama 821.981 26,4 % Hiroko Kamoi KPJ 466.223 15,0 % Osamu Teruya 99.751 3,2 % Summe 3.116.817 100,0 % ungültige und verlorene Stimmen 148.296 4,5 % Wahlbeteiligung 3.265.113 45,2 %

Fukui In der Präfektur Fukui bewarb sich Amtsinhaber Issei Nishikawa formal unterstützt von LDP, Kōmeitō als De-facto-Kandidat der drei größten Parteien um eine dritte Amtszeit. Gegenkandidat für die KPJ war wie bereits 2007 Kunihiro Uno.

+Ergebnis der Gouverneurswahl in FukuiWahlaufsichtskommission der Präfektur Fukui: Wahlergebnis (PDF-Datei; 52 kB) Kandidat Unterstützerparteien Stimmen Anteil Issei Nishikawa LDP, Kōmeitō 298.307 81,6 % Kunihiro Uno KPJ 67.459 18,4 % Summe 365.766 100,0 % ungültige Stimmen etc. 9.467 2,5 % Wahlbeteiligung 375.233

Mie In Mie zog sich Gouverneur Akihiko Noro nach zwei Amtszeiten zurück. Um die Nachfolge bewarb sich mit LDP-Unterstützung Eikei Suzuki, ehemaliger Beamter des Wirtschaftsministeriums und LDP-Kandidat bei den Unterhauswahlen 2009 im 2. Wahlkreis Mie, dem Wahlkreis von Masaharu Nakagawa. Auch Minna no Tō und Genzei Nippon unterstützten Suzukis Kandidatur. Die DPJ unterstützte die Kandidatur von Naohisa Matsuda, bisher Bürgermeister von Tsu, KPJ-gestützte Kandidatin war Emi Okano.

+Ergebnis der Gouverneurswahl in MieWahlaufsichtskommission der Präfektur Mie: • (japanisch) Kandidat Unterstützerparteien Stimmen Anteil Eikei Suzuki LDP, Kōmeitō, Minna 379.472 46,5 % Naohisa Matsuda DPJ 369.105 45,2 % Emi Okano KPJ 68.253 8,4 % Summe 816.830 100,0 % ungültige Stimmen etc. 13.519 1,6 % Wahlbeteiligung 830.349 55,7 %

Nara Amtsinhaber Shōgo Arai wurde in der Präfektur Nara für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Gegenkandidaten waren der ehemalige kommunistische Präfekturparlamentsabgeordnete Shigekazu Kitano, der wie Arai eine Teilnahme Naras am „Zweckverband Kansai“ ablehnte, und Shunji Shiomi, Präsident der Ärztekammer der Präfektur, der seine Kandidatur erst am 23. März erklärt hatte.

+Ergebnis der Gouverneurswahl in NaraVerband der Wahlaufsichtskommissionen der Präfekturen: Kandidat Unterstützerparteien Stimmen Anteil Shōgo Arai LDP, Kōmeitō 292.654 50,8 % Shunji Shiomi 223.519 38,8 % Shigekazu Kitano KPJ 60.301 10,5 % Summe 576.491 100,0 % ungültige und verlorene Stimmen 19.458 3,3 % Wahlbeteiligung 595.949 52,7 %

Tottori Mit Unterstützung von LDP und Kōmeitō trat in Tottori der seit 2007 amtierende Gouverneur Shinji Hirai erneut an. Einzige Gegenkandidatin war mit KPJ-Unterstützung Junko Yamauchi vom Shin Nihon fujin no kai, einer kommunistisch beeinflussten Bewegung für Geschlechtergleichstellung.

+Ergebnis der Gouverneurswahl in Tottori Kandidat Unterstützerparteien Stimmen Anteil Shinji Hirai LDP, Kōmeitō 255.367 91,67 % Junko Yamauchi KPJ 23.218 8,33 % Summe 278.585 100,00 % ungültige und verlorene Stimmen 4.369 1,54 % Wahlbeteiligung 282.954 59,11 %

Shimane Gegen Shimanes Gouverneur Zembē Mizoguchi, der mit LDP-Kōmeitō-Unterstützung für eine zweite Amtszeit kandidierte, trat nur Shin’ichi Mukose (KPJ) an; Tadao Sasaki (ehemals unter anderem Mitglied der Liberalen Liga) zog eine vorher erklärte Kandidatur am 22. März zurück. Ein weiterer Kandidat, der ehemalige Angestellte Shigeki Abe, hatte seine Kandidatur nach dem Tōhoku-Erdbeben widerrufen.

+Ergebnis der 17. Gouverneurswahl in Shimane Kandidat Unterstützerparteien Stimmen Anteil Zembē Mizoguchi LDP, Kōmeitō 269.636 88,93 % Shin’ichi Mukose KPJ 33.571 11,07 % Summe 303.207 100,00 % ungültige und verlorene Stimmen 4.148 1,35 % Wahlbeteiligung 307.355 52,7 %

Tokushima In Tokushima bewarb sich Amtsinhaber Kamon Iizumi um eine dritte Amtszeit. Die Demokratische Partei verzichtete auf einen eigenen Kandidaten, die Kōmeitō unterstützte ihn ebenfalls. KPJ-Gegenkandidatin war Chiyoko Yamamoto.

+Ergebnis der Gouverneurswahl in TokushimaPräfektur Tokushima: (japanisch) Kandidat Unterstützerparteien Stimmen Anteil Kamon Iizumi 262.440 82,19 % Chiyoko Yamamoto KPJ 56.887 17,81 % Summe 319.327 100,00 % ungültige und verlorene Stimmen 8.362 2,55 % Wahlbeteiligung 327.689 50,55 %

Fukuoka