Der Nahverkehr im Kreis Herford besteht aus einem gut ausgebauten Schienennetz, drei Stadtbussystemen, Regionalbuslinien, einzelnen Stadt- bzw. Ortsbuslinien und zahlreichen Buslinien für den Schülerverkehr. Der nordrhein-westfälische Kreis besteht aus dem städtischen Ballungsraum Herford – Bünde – Löhne mit insgesamt ca. 180 000 Einwohnern und einem Randbereich mit den Städten bzw. Gemeinden Rödinghausen, Vlotho und Spenge. Die größte Bevölkerungsdichte haben die Kreisstadt Herford und Hiddenhausen, die Stadt Enger bildet den südwestlichen Übergang zu ländlicher Besiedelung, Kirchlengern gehört nur mit dem südlichen Gemeindegebiet zum Ballungsraum. Es bestehen starke Bindungen zur südlich angrenzenden Großstadt Bielefeld.
Nach Angaben des Straßenverkehrsamtes waren am 1. Januar 2010 im Kreis Herford 166.154 Fahrzeuge (Pkw, Lkw, Busse, Motorräder etc.) gemeldet, davon 141.952 Pkw. Das sind 564 Pkw pro 1.000 Einwohner, was der zweithöchsten Dichte an Personenkraftwagen in Nordrhein-Westfalen entspricht. Den ersten Platz besetzt der Rheinisch-Bergische Kreis mit 572 Pkw pro 1.000 Einwohner.Quelle: Kreis Herford#Verkehr
Die Bahnhöfe Herford und Bünde sind an das IC-Netz angeschlossen. mini|500px|Bahnhof Bünde, links Radstation mini|Haupteingang des Bahnhofs Löhne (Westf)
Geschichte Schienenverkehr Die Hauptstrecken des heutigen Bahnnetzes entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts. Im Kreis Herford waren dieses die Bahnstrecke Hamm–Minden (1847) und die Strecke Löhne–Rheine (1855). Die ehemalige Hauptbahn – heute eingleisige Nebenbahn – entlang der Weser (Bahnstrecke Elze–Löhne) ging 1875 in Betrieb. Als weitere Verbindung wurde um die Jahrhundertwende die Bahnstrecke Herford–Kirchlengern gebaut. Das Schienennetz vervollständigte die ehemalige Herforder Kleinbahn (1900–1966) Spenge – Enger – Herford – Bad Salzuflen – Vlotho. In Enger war die Strecke an die Bielefelder Kreisbahnen angeschlossen. Außerdem gab es von 1897 bis 1937 eine Kleinbahn Kirchlengern – Löhne – Mennighüffen – Oberlübbe (Wallücker Willem). Der Bahnhof Löhne hatte als Umsteige- und Güterbahnhof früher eine herausragende Bedeutung, heute ist der Bahnhof Herford der wichtigste Regionalbahnhof in der Region.
Der Bedeutung des regionalen Bahnverkehrs ist ab den 1970er Jahren stark zurückgegangen. Die Ravensberger Bahn und auch die Weserstrecke waren von der Stilllegung bedroht. Wochenendverkehre wurden auf die Straße verlegt (Buslinie Herford – Bünde – Rahden). Erst der Verkehrsverbund im Zusammenhang mit einer Vertaktung und Privatisierung der Angebote änderte die Situation grundlegend (Gemeinschaftstarif ab Juni 2000).
Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg mini|Stadtbus der ehemaligen VMR am Bahnhof Herford im Februar 2011 Zwischen 1927 und 1931 übernahm das Elektrizitätswerk Minden-Ravensberg (ab 1982 Verkehrsbetriebe Minden-Ravensberg VMR) nach und nach die Anteile an der Herforder Kleinbahn. Das Unternehmen baute ein Überlandbusnetz in den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke auf (siehe auch Nahverkehr in Minden) und entwickelte ein Stadtbussystem in Herford. Im August 1994 starteten die VMR einen Versuch, ein neues übersichtlicheres Liniennetz einzuführen. Dieses erwies sich jedoch als kaum befahrbar und führte wegen Fehlplanungen zu starken Protesten in der Bevölkerung. Bereits nach sechs Monaten wurden die Änderungen komplett zurückgenommen. Es entstand ein erheblicher Imageverlust für das Unternehmen.
Zum Bedienungsgebiet der VMR gehörten alle Orte des Kreises außer Bünde, Rödinghausen, Kirchlengern und Teile von Hiddenhausen. Grundlegende Veränderungen in der Nutzung der Verkehrsmittel (unter anderem Bedeutungszunahme des regionalen Bahn- und Individualverkehrs und damit Fahrgastverlagerungen) verbunden mit hohen Einnahmedefiziten machten dringend Einsparungen notwendig. Wenig nachgefragte Verbindungen wurden dazu schrittweise durch Anrufbuslinien ersetzt. Nach Umstrukturierungen und durch Wettbewerbsbedingungen musste die Gesellschaft den größten Teil ihres Stadtverkehrs in Vlotho und Löhne abgeben. 2007 wurde zwischen Herford und Spenge eine Nachtbuslinie zum Sondertarif eingerichtet. 2009 erfolgte versuchsweise die Einführung weiterer Nacht- und „DiscoBusse“ – ebenfalls zu Sondertarifen. Die Fahrten im Stadtgebiet von Herford wurden wegen geringer Nachfrage bereits Ende Mai 2010 wieder eingestellt. Mitte 2010 gab das Unternehmen seine Auflösung zu Ende Juni 2011 bekannt, am 19. Januar 2011 mussten die VMR Insolvenz beantragen. Da sich keine Betreibergesellschaft für den eigenwirtschaftlichen Betrieb des Busverkehrs auf dem VMR-Netz finden wollte, hat in der Folge hat der Aufgabenträger Kreis Herford über seine Aufgabenträgergesellschaft mhv eine europaweite Ausschreibung platziert. Das wirtschaftlich beste Angebot hat in der Folge den Zuschlag erhalten und so hat am 12. Juni 2011 auf dem VMR-Netz der DB Bahn Ostwestfalen-Lippe-Bus (Busverkehr Ostwestfalen GmbH BVO) den Fahrbetrieb im Auftrag des Kreises Herford übernommen.
Herford mini|Der großzügige ZOB am Bahnhof Herford mini|Rendezvous am Alten Markt Herford Ende der 1990er Jahre wurde am damals von Bussen stark frequentierten Bahnhof Herford ein moderner Busbahnhof mit überdachtem Zugang gebaut. Es gab ein sehr gut ausgebautes Stadtnetz mit zwei zentralen Punkten am Alten Markt und Bahnhof: 401: Oetinghausen / Eickum – Dickenbrock – Engerstraße – Bahnhof – Alter Markt – Ortsieker Weg – Magdeburger Straße 402 / 412: Falkendiek – Eimterstraße (412) – Werrestraße – Lübbertor – Alter Markt – Ahmser Straße – Schobeke (412) – Ahmsen 403: (Bahnhof –) Alter Markt – Maiwiese – Erika-Friedhof 404: Kiebitzstraße – Bahnhof – Alter Markt – Stiftbergstraße – Stadtholzstraße – Tierpark 407: Osterfeuer – Alter Markt – Bergertor – Kastanienallee – Hamscheberg 413: Bahnhof – Alter Markt – Elverdisser Straße – Elverdissen, Nasse Welle 426: Dieselstraße – Bahnhof – Alter Markt – Mindener Straße – Ortsieker Weg – Klinikum – Amselplatz 436: Otterheiderweg – Bielefelder Straße – Bahnhof – Alter Markt – Ortsieker Weg – Klinikum – Amselplatz 439: Tierpark – Stiftbergstraße – Alter Markt – Sachsenstraße – Salzufler Straße – Friedenstal, Ellersieker Bach (– Tierpark)
Im November 2003 erfolgte in Zusammenarbeit mit der Stadt eine Optimierung und Straffung des bestehenden Stadtbusnetzes. Das neue „innovative“ Stadtbussystem besteht aus nur noch sechs Linien (S1 bis S6)Quelle: www.vmr-online.de / Geschichte der VMR (Abgefragt am 9. Juli 2010). Neu war ein Rendezvous-Konzept mit Treffpunkt am Alten Markt, verbunden mit Anschluss-Wartezeiten (die Busse fahren nicht mehr sofort weiter). Vom Bahnhof wurden Linien zurückgezogen und das Angebot stark ausgedünnt. Bisher fuhren im Abstand von abwechselnd 10 und 20 Minuten Busse über Alter Markt bis Ortsieker Weg (8 Haltestellen); systembedingt ergab sich nun ein 30-Minuten-Takt, wobei alle Busse gleichzeitig hintereinander herfahren. Durch die Wartezeit am Alten Markt ergaben sind erhebliche Fahrzeitverluste für Fahrgäste vom/zum Bahnhof, die Bahnhofsanbindung wurde unattraktiv. Gegen die neu eingeführten Anrufbusse zum Hamscheberg gab es Proteste, sie wurden daher bald wieder durch Stadtbusse ersetzt.
Zum 1. Dezember 2025 wurde das Stadtbusnetz in Herford neu strukturiert. Ziel war es, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu gestalten, die Anbindung an den Schienenverkehr zu verbessern und den ZOB am Bahnhof Herford als zentralen Umsteigepunkt zu etablieren. Mit der Umstrukturierung sollte zudem der Busverkehr am Alten Markt entlastet werden, indem zentrale Umstiege jetzt am ZOB stattfinden. Gleichzeitig wurden neue Wohn‑, Gewerbe‑ und Nahversorgungsgebiete besser in den Liniennetzplan integriert. Alle Linien fahren im 30-Minuten-Takt, auf stark nachgefragten Strecken fahren mehrere Linien, so dass sich der Takt auf 15 Minuten verdichtet. Die Linien wurden neu strukturiert und nummeriert daher tragen sie das Präfix „H“, um eine Verwechslung zu den vorherigen S-Linien auszuschließen. Teilweise fährt der Bus am ZOB weiter, während sich nur die Liniennummer ändert, sodass Fahrgäste nicht umsteigen müssen.
Bünde In Bünde und den angrenzenden Bereichen ist traditionell eine Busbedienung durch Privatunternehmen verankert. Am Bahnhof Bünde wurde ein moderner Busbahnhof gebaut. Bünde führte 1998 zwei Stadtbuslinien ein. In mehreren Stufen (Dezember 2001 bis 2004) entstand daraus ein Stadtbussystem mit heute vier Linien. Als innovatives Konzept wurden Regionallinien im Umlandbereich und gebrochene Linienführungen integriert. Als zentraler Treffpunkt ist ein überdachter Bussteig im Stadtzentrum für direkte Übergänge ohne Zeitverluste entstanden. Zum Einsatz kamen zunächst Midibusse.
Löhne In Löhne wurde die Einführung eines Stadtbussystems diskutiert, ein Beschluss dazu wurde wegen hoher zu erwartender Kosten im Stadtrat jedoch nicht gefasst. Im April 2003 erfolgte dann eine Angebotsumstellung. Das neue als „WerreBus“ eingeführte Netz ersetzte zahlreiche bisherige Buslinien durch Kleinbusse im Anrufbetrieb„(1. April 2003) In Zusammenarbeit mit den beiden Städten Löhne und Bad Oeynhausen sowie den Partnerunternehmen BVO und OVG Steinwald wird das ÖPNV-Angebot in beiden Kommunen im wesentlichen Bereichen verbessert.“ Quelle: Geschichte der VMR (www.vmr-online.de abgefragt am 9. Juli 2010). Das Angebot wurde entsprechend der Nachfrage in mehreren Schritten auf „Taxibusse“ umgestellt. Zunächst gab es eine reguläre Busbedienung im Stundentakt Bischofshagen, Heimatmuseum – E-M-R-Platz – Ostscheid (Linie 431).
Es kam besonders in Bad Oeynhausen zu zahlreichen Protesten der Fahrgäste wegen der notwendigen Anrufe. Das innerstädtische Angebot in Bad Oeynhausen wurde nach nahezu vollständiger Umstellung auf Anrufbetrieb zu Beginn des „WerreBus“ großenteils wieder auf eine reguläre Bedienung umgestellt.
Vlotho Das Stadtgebiet wurde jahrzehntelang nur von Überland- bzw. Regionalbussen bedient. Es verkehrten im Stundentakt die VMR-Linien 408: Minden – Hausberge – Holzhausen – Uffeln – Kirchplatz – Bahnhof – Bad Seebruch – Bad Senkelteich (ab Bahnhof bis Bad Senkelteich alle zwei Stunden) 433: Herford Bahnhof – Alter Markt – Wiesestraße – Friedenstal – Bad Salzuflen – Exter – Kirchplatz – Bahnhof – Winterberg, Schöne Aussicht 457: Lohe (Bad Oeynhausen) – Südstadt – ZOB Bahnhof Bad Oeynhausen – Rehme – Babbenhausen – Bahnhof – Kirchplatz – Bonneberg Ab September 2001 bauten die Stadtwerke Vlotho GmbH ein modernes Stadtbussystem auf der Basis von Kleinbussen und Anruflinien auf. Ziel war unter anderem, alle Stadtteile mit Taktangeboten zu versorgen. Die bestehenden Regionallinien wurden in mehreren Schritten gebrochen.
Im Dezember 2010 übernahm die VlothoBus GmbH, eine Tochter der Stadtwerke Vlotho, den städtischen Busverkehr. Die Anrufbusse wurden wieder durch eine feste Bedienung im Stundentakt, jedoch weiterhin mit Kleinbussen, ersetzt. Auf drei Ringlinien besteht nunmehr ein Fahrtangebot in beiden Richtungen, um damit im 2-Stunden-Takt Fahrzeiten zu verkürzen. Pressemeldung vom 18. November 2010 Heute wird in Richtung Minden (ehemals durchgehend Linie 408) nur noch ein Schülerverkehr bis Hausberge angeboten. Die bei der Umstellung im Jahr 2011 zwischenzeitlich nur noch von Exter über Schwarzenmoor nach Herford verkehrende Linie 434 wurde von der BVO nach kurzer Unterbrechung wieder durchgängig vom Bahnhof Vlotho bis Herford und zurück bedient. Zuvor war der Abschnitt Exter bis Bahnhof Vlotho als „S1“ im Vlothoer Stadtbus-System in das neue System integriert. Im Regionalbusverkehr hatte zuvor ein Betreiberwechsel zur BVO stattgefunden.
Aktuelles Angebot Schienenverkehr Der Kreis ist durch neun Bahnhöfe bzw. Haltepunkte im Schienenpersonenverkehr gut versorgt: Bieren-Rödinghausen, Bruchmühlen (auf niedersächsischem Gebiet unmittelbar an der Kreisgrenze, Melle-Bruchmühlen), Bünde, Herford, Hiddenhausen-Schweicheln, Kirchlengern, Löhne, Neue Mühle (Bedarfshalt direkt an der nördlichen Kreisgrenze) und Vlotho.