Der Bahnhof Buchloe ist ein Eisenbahnknotenpunkt im Süden von Bayern in der Stadt Buchloe. Er ist ein Kreuzungsbahnhof, an dem die Bahnstrecken München–Buchloe, Augsburg–Buchloe, Buchloe–Lindau und Buchloe–Memmingen aufeinandertreffen. Der Bahnhof verfügt über fünf Bahnsteiggleise sowie weitere Güter- und Abstellgleise. Im Fahrplanjahr 2024 wird Buchloe täglich von ungefähr 150 Regionalzügen der DB Regio, der Bayerischen Regiobahn und von Arverio Bayern sowie von sechzehn Eurocity-Express-Zügen (ECE) von und nach München und Zürich bedient.
Der Bahnhof Buchloe wurde 1847 durch die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen als Durchgangsbahnhof an der Ludwig-Süd-Nord-Bahn eröffnet. Mit der Inbetriebnahme der Strecke in Richtung München 1872 und der Strecke nach Memmingen 1874 wurde er zum Kreuzungsbahnhof. Die bis 1906 noch einmal erweiterten Gleisanlagen für den Güter- und Rangierverkehr wurden ab den 1970er Jahren teilweise zurückgebaut. Von 1928 bis 1972 gab es in Buchloe ein eigenständiges Bahnbetriebswerk.
Lage Der Bahnhof befindet sich westlich der Stadtmitte von Buchloe, etwa einen Kilometer vom zentralen Rathausplatz entfernt. Die Gleise des Bahnhofs verlaufen von Nordosten nach Südwesten durch das Stadtgebiet. Das Empfangsgebäude stand östlich der Gleisanlagen an der Bahnhofstraße. Im Güterbereich im Nordosten wird das Bahnhofsgelände durch die Straße Am Ladehof und einen P+R-Parkplatz begrenzt, westlich der Gleise befinden sich ein weiterer Parkplatz und die Karwendelstraße. Im nördlichen Bahnhofsbereich unterquert die Mindelheimer Straße die Gleise durch eine Unterführung.
Im Bahnhof Buchloe treffen vier Hauptbahnen aufeinander: Die zweigleisige, elektrifizierte Bahnstrecke München–Buchloe und die zweigleisige, nicht elektrifizierte Bahnstrecke Augsburg–Buchloe führen von Norden in den Bahnhof Buchloe ein. Die Strecke aus München endet in Buchloe bei Streckenkilometer 67,995, die Strecke aus Augsburg bei Kilometer 38,896. Zudem beginnen in Buchloe die zweigleisige, nicht elektrifizierte Strecke über Kempten nach Lindau und die eingleisige, elektrifizierte Strecke nach Memmingen, die den Bahnhof in Richtung Süden verlassen.
Geschichte Eröffnung und Ausbau zum Knotenpunkt Am 25. August 1843 verabschiedete die bayerische Regierung das Eisenbahndotationsgesetz zum Bau der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn, die von Hof über Bamberg, Nürnberg, Nördlingen, Augsburg und Kaufbeuren nach Lindau am Bodensee führen sollte. Die Stadt Landsberg am Lech setzte sich für eine Streckenführung von Augsburg durch das Lechfeld nach Landsberg und weiter über Waal nach Kaufbeuren ein, welche Buchloe nicht bedient hätte. Aufgrund der einfacheren Streckenführung wurde 1845 jedoch ein Streckenverlauf über Bobingen, Schwabmünchen und Buchloe beschlossen. Der Bahnhof Buchloe entstand einen Kilometer westlich des Ortes, der zu dieser Zeit mit etwa 850 Einwohnern eine relativ geringe Bedeutung hatte. Dennoch war in Buchloe eine von elf Wasser- und Eilgutcursstationen entlang der Strecke von Augsburg nach Lindau vorgesehen. Am 1. September 1847 eröffneten die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen den Bahnhof Buchloe als Durchgangsbahnhof am eingleisigen Streckenabschnitt von Augsburg nach Kaufbeuren der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn. Das Empfangsgebäude, ein zweigeschossiger Backsteinbau, wurde erst ein Jahr später am 15. Oktober 1848 fertiggestellt. Als Wasser- und Eilgutcursstation erhielt der Bahnhof ausreichende Gleisanlagen für Zugkreuzungen. Zum Wasserfassen der Dampflokomotiven wurden Wasserkräne und ein zweigeschossiges Wasserhaus errichtet. Nördlich des Empfangsgebäudes entstand die Güterabfertigung mit einer Güterhalle für drei Güterwagen und einer Laderampe für die Viehverladung. Ebenso gab es eine 35 Meter lange Wagenremise, in der kleinere Reparaturen vorgenommen werden konnten. Bis zum 1. März 1854 war die Gesamtstrecke der Ludwig-Süd-Nord-Bahn von Hof nach Lindau fertiggestellt. In den folgenden Jahren wurden immer mehr Häuser entlang der Bahnhofstraße erbaut.
Zum 9. April 1869 erließ der Bayerische Landtag das Gesetz zum Bau einer Bahnstrecke von München nach Memmingen, die am Bahnhof Buchloe die Ludwigs-Süd-Nord-Bahn kreuzen sollte. Ende 1869 begannen die Bauarbeiten für die eingleisige Bahnstrecke. Am 1. November 1872 nahmen die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen den Abschnitt von Kaufering nach Buchloe in Betrieb, wodurch Buchloe zum Trennungsbahnhof wurde. Nachdem die Strecke ab 1873 bis München befahrbar war, wurde am 1. Mai 1874 der restliche Streckenabschnitt von Buchloe über Mindelheim nach Memmingen eröffnet. Die vorhandenen Anlagen waren für den gestiegenen Zugverkehr des Kreuzungsbahnhofs nicht mehr ausreichend, sodass größere Umbauten notwendig wurden. Das Empfangsgebäude wurde 1873 abgetragen und durch einen größeren zweigeschossigen Neubau mit seitlichen Anbauten ersetzt. Die alte Güterabfertigung und die Wagenremise wurden abgebrochen und durch eine neue Güterhalle und eine Lokomotivremise mit zweiständigen Schuppen und Drehscheibe ersetzt. Daneben wurden ein Übernachtungsgebäude für das Bahnpersonal, ein Verwaltungsgebäude der Bahnmeisterei und einige weitere Bauten errichtet. Die Gleisanlagen wurden deutlich erweitert. Wegen der großen Zahl an zu stellenden Weichen entstand für die Wechselwärter im Nordkopf und Südkopf des Bahnhofs jeweils ein Wechselwärterhaus. Durch den Ausbau des Bahnhofs zum Knotenpunkt verstärkte sich der Aufschwung der Gemeinde Buchloe und der Ort wuchs an den ursprünglich einen Kilometer entfernten Bahnhof heran.
Erweiterungen ab 1890 und Rückbauten Am 1. Mai 1897 nahmen die Bayerischen Staatsbahnen die mechanischen Stellwerke Buchloe Nord und Buchloe Süd in Betrieb, von den aus die Weichen zentral gesteuert werden konnten. Zur elektrischen Beleuchtung des Bahnhofs wurde 1898 ein Maschinenhaus errichtet. 1902 wurde die Ludwig-Süd-Nord-Bahn zwischen Augsburg und Buchloe zweigleisig ausgebaut, von 1904 bis 1905 folgte der Abschnitt von Buchloe nach Kempten. In den Jahren 1905 und 1906 bauten die Bayerischen Staatsbahnen auch die Bahnstrecke München–Buchloe zweigleisig aus. Dafür wurden die Gleisanlagen des Knotenbahnhofs Buchloe 1902 und 1906 jeweils erweitert. Die bisherigen Schüttbahnsteige wurden durch befestigte Bahnsteige ersetzt. Der Bahnhof entwickelte sich in den folgenden Jahren zunehmend zu einem wichtigen Knotenpunkt im Regional- und Fernverkehr.
1928 stufte die Deutsche Reichsbahn die Buchloer Betriebswerkstätte, die bisher eine Außenstelle des Bw Kempten war, zum eigenständigen Bahnbetriebswerk auf.Deutsche Bahnbetriebswerke auf bahnstatistik.de, abgerufen am 11. Juni 2016 Ende der 1930er Jahre führte die Deutsche Reichsbahn am Bahnhof Buchloe geringfügige Umbauten und Modernisierungen durch. Trotz seiner Bedeutung als Eisenbahnknoten wurde der Bahnhof im Zweiten Weltkrieg kaum durch Luftangriffe der Alliierten beschädigt. Durch Bombardierungen der nach Buchloe führenden Strecken wurde allerdings der Zugverkehr mehrfach beeinträchtigt. Nach dem Ende des Krieges war aufgrund der Zerstörung mehrerer Eisenbahnbrücken erst im Sommer 1946 wieder ein durchgehender Zugverkehr von München über Buchloe nach Kempten möglich.
1967 wurde das Empfangsgebäude von 1873 abgebrochen und durch einen einfachen Flachbau aus Beton ersetzt. 1970 war der Bahnhof mit 19 Gleisen der zweitgrößte Rangierbahnhof in der Bundesbahndirektion Augsburg. In der Folgezeit ging der Güterverkehr immer stärker zurück und die umfangreichen Gleisanlagen wurden deutlich zurückgebaut. 1972 stufte die Deutsche Bundesbahn das Bahnbetriebswerk wieder zur Außenstelle des Bw Kempten herab. 1975 nahm die Deutsche Bundesbahn ein neues Spurplandrucktastenstellwerk in Betrieb, das die mechanischen Stellwerke ersetzte. Die Formsignale, die zum Teil noch aus der Länderbahnzeit stammten, wurden durch Lichtsignale ersetzt. 1993 integrierte die DB den Bahnhof Buchloe in den Allgäu-Schwaben-Takt, wodurch die Fahrgastzahlen wieder anstiegen. Im Dezember 2004 wurden die letzten Reste des ehemaligen Bahnbetriebswerks abgebrochen.
Bereits ab den 1980er Jahren gab es Planungen zum Neubau des Empfangsgebäudes, da der Flachbau von 1967 den Anforderungen nicht mehr gerecht wurde. Der Baubeginn war zunächst für 2012 anvisiert, jedoch begannen letztendlich erst Anfang Juli 2013 die Vorarbeiten für den Neubau. Neben dem Abriss des bereits ab Januar 2013 geräumten alten Gebäudes wurde zuvor auch der Hausbahnsteig an Gleis 1 verlängert und erhöht sowie neue technische Systeme verlegt.augsburger-allgemeine.de - Bahnhof Buchloe: Die Bauarbeiten haben begonnen 1. Juli 2013 Das Bahnhofsgebäude wurde schließlich im März 2014 abgerissen, um Platz für den Neubau zu schaffen. Der neue Hausbahnsteig an Gleis 1 wurde bereits weitgehend fertiggestellt. Ebenfalls geplant ist in diesem Zusammenhang die Errichtung eines Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) und eine damit verbundene Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes.
Aufbau Empfangsgebäude Erster Bau von 1848 bis 1873 miniatur|Zeichnung des ersten Buchloer Empfangsgebäudes von 1848 Das als „Expeditionslokal“ bezeichnete erste Buchloer Empfangsgebäude wurde vom Architekten Friedrich Bürklein entworfen. Das von ortsansässigen Handwerkern errichtete Bahnhofsgebäude wurde am 15. Oktober 1848 fertiggestellt, der Bau kostete 15.197 Gulden. Das Empfangsgebäude war ein zweigeschossiger Backsteinbau mit einer Länge von etwa 26 Metern. Es bestand aus zwei querstehenden Kopfbauten mit Walmdach, die über einen etwas schmaleren Mitteltrakt mit Satteldach verbunden waren. Vom Bahnhofsplatz und von den Bahnsteigen war das Gebäude jeweils über drei Türen in Rundbogenöffnungen zugänglich, auch die Fenster im Erdgeschoss waren als Rundbogen ausgeführt. Auf der Gleisseite waren entlang der beiden Kopfbauten hölzerne Vordächer angebracht. Den Dachfirst des Mitteltrakts zierte ein Dachreiter mit Glocke. Im Erdgeschoss befanden sich Fahrkartenschalter, Wartezimmer für die 1. und 2. Klasse, die Gepäckabfertigung und verschiedene Betriebsräume. Im ersten Stockwerk waren die Wohnungen des Stationsverwalters und Oberbahnwärters untergebracht. Im Gebäude befanden sich außerdem die Poststation und das Telegraphenamt.
Mit dem Ausbau des Bahnhofs zum Knotenpunkt war die Größe des bisherigen Empfangsgebäudes nicht mehr ausreichend. Um Platz für einen Neubau zu schaffen, wurde das Gebäude 1873 abgebaut und auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofsplatzes wieder aufgebaut. Dabei wurde es um ein drittes Stockwerk erweitert und der Dachreiter entfernt. Der inzwischen verputzte Backsteinbau ist bis heute an dieser Stelle erhalten und wird als Wohnhaus benutzt.
Zweites Gebäude von 1873 bis 1967 mini|Zweites Empfangsgebäude 1910 Für 160.000 Gulden wurde 1873 an der Stelle des alten Gebäudes ein Neubau errichtet. Es handelte sich um zweigeschossiges Gebäude mit Walmdach, das im Norden und Süden mit eingeschossigen Anbauten versehen war. Direkt über dem Eingang auf der Straßenseite befand sich eine Dachgaube mit Schweifgiebel und einer großen Uhr. Die Erdgeschossfenster waren erneut als Rundbogenkonstruktionen ausgeführt. Über dem Erdgeschoss und dem ersten Stock befand sich jeweils ein umlaufendes Gesimsband. Das Gebäude beinhaltete im Erdgeschoss neben Warteräumen, Fahrkartenschaltern und Gepäckabfertigung noch eine Bahnhofsgaststätte und zusätzliche Diensträume. Im Obergeschoss des neuen Empfangsgebäudes befanden sich wieder Wohnungen.
In den 1950er und 1960er Jahren verschlechterte sich der Zustand des Gebäudes zunehmend, sodass Pläne zur Sanierung erstellt wurden. 1962 stimmte der Buchloer Stadtrat aufgrund der Kosten von 50.000 D-Mark gegen die