mini|Die Katholische Hofkirche, heute Kathedrale Ss. Trinitatis, in Dresden mini|Teilweise stark zerstörte Statuen der äußeren Balustrade 1948 miniatur|Grad der Erhaltung: Teilweise ergänzt (Teresa von Ávila), vollständig ersetzt (Dominikus) und nahezu unbeschädigt (Aloisius von Gonzaga), v. l. n. r. Die Liste der Mattielli-Statuen der Katholischen Hofkirche in Dresden gibt einen Überblick über sämtliche Statuen von Lorenzo Mattielli und seinem Nachfolger Francesco Mattielli, die an und auf der Katholischen Hofkirche platziert sind.
Geschichte und Hintergrund Die Katholische Hofkirche in Dresden – seit 1980 Kathedrale Ss. Trinitatis des Bistums Dresden-Meißen sowie Pfarrkirche der Dompfarrei – wurde von 1739 bis 1754 freistehend erbaut. Jede Seite ist als Schauseite konzipiert, wobei die Fassade, der Turm und die innere und äußere Balustrade insgesamt 78 überlebensgroße Statuen tragen.
Die Auswahl der dargestellten Personen trafen die Königin von Polen und Kurfürstin von Sachsen Maria Josepha, der italienische Jesuit und Hofbeichtvater Ignatius Guarini sowie der Erbauer der Hofkirche Gaetano Chiaveri. Dargestellt sind männliche und weibliche Heilige, unter ihnen Apostel, Evangelisten, Kirchenväter, Ordensgründer und bedeutende Jesuiten, aber auch Schutzpatrone des sächsischen, böhmischen, habsburgischen und polnischen Raums sowie allegorische Gestalten. Die Figuren standen dabei miteinander in Bezug, auch wenn das Anordnungskonzept in der Gegenwart nicht mehr in jedem Bereich zu entschlüsseln ist.Die Statuen von Lorenzo Mattielli. In: Siegfried Seifert, Clemens Ullmann (Hrsg.): 250 Jahre Katholische Hofkirche Dresden, Kathedrale des Bistums Dresden-Meißen. benno, Leipzig 2000, S. 24.
Der italienische Bildhauer Lorenzo Mattielli wurde mit der Anfertigung der Statuen beauftragt. Er begann die Arbeit an den 3,50 Meter hohen Statuen im Jahr 1738. In seiner Werkstatt waren außer ihm fünf weitere Bildhauer tätig. Nach Mattiellis Tod im Jahr 1748 wurde das Werk bis 1752 von seinem Sohn Francesco Mattielli fertiggestellt – in diesen vier Jahren entstanden vor allem die noch fehlenden Turmfiguren. Alle Statuen bestehen aus Cottaer Sandstein aus der Region um Pirna. Wie die Kirche dem Spätbarock zugeordnet wird, sind auch die Figuren stilistisch nicht mehr ausschließlich dem Barock zuzuordnen, sondern weisen bereits Anklänge der Antike und des frühen Klassizismus auf,Dompfarramt der Kathedrale Dresden: Die Mattielli-Statuen der Katholischen Hofkirche Dresden. Hille, Dresden 1995. auch wenn die Fülle der Darstellungen „ein Bildprogramm barocker Heiligenverehrung deutlich [macht].“Die Statuen von Lorenzo Mattielli. In: Siegfried Seifert, Clemens Ullmann (Hrsg.): 250 Jahre Katholische Hofkirche Dresden, Kathedrale des Bistums Dresden-Meißen. benno, Leipzig 2000, S. 27.
Bei der Bombardierung Dresdens im Februar 1945 wurden nach aktuellen Angaben 16 Statuen vollkommen zerstört und 18 schwer beschädigt. Zahlreiche weitere Statuen wiesen kleinere Schäden auf.Die Statuen von Lorenzo Mattielli. In: Siegfried Seifert: Katholische Hofkirche Dresden. Schnell & Steiner, München 1990, S. 10. Eberhard Hempel verzeichnete 1955 nur neun vollständig zerstörte Statuen.Vgl. Skizze in: Eberhard Hempel: Gaetano Chiaveri. Der Architekt der Katholischen Hofkirche zu Dresden. Jess, Dresden 1955. Von 1961 bis 1972 erfolgte die Restaurierung der beschädigten Statuen. Von 1968 bis 2002 wurden die zerstörten Figuren durch originalgetreue Kopien ersetzt. Nach 2002 wurden weitere, inzwischen instabile Statuen am Turm durch Kopien ersetzt.
Nicht alle Statuen sind für den Betrachter mit bloßem Auge erkennbar, was jedoch beabsichtigt ist.
Die Statuen haben, je nach Standort, unterschiedliche Größen. Die Figuren der unteren Balustrade sind ca. 3,5 m, die der oberen Balustrade um die 3 m und die Turmfiguren um die 2,5 m hoch.
Anordnungskonzept mini|Lage der einzelnen Figuren auf einer schematischen Übersicht Das Anordnungskonzept der Statuen ist heute nicht mehr vollständig erkennbar. Die vier Evangelisten sind in Nischen beiderseits des Hauptportals angeordnet: Links Johannes und Matthäus, rechts Markus und Lukas. In der geistlichen Hierarchie sind die Evangelisten Johannes und Matthäus auch Apostel – die Reihe der Apostel wird auf der äußeren Balustrade oberhalb des Hauptportals fortgesetzt: Links des Turms reihen sich Andreas, Thomas, Jakobus der Jüngere und Simon Zelotes aneinander, rechts die Apostel Bartholomäus, Jakobus der Ältere, Philippus und Judas Thaddäus.
Über beiden Apostelreihen erhebt sich der Kirchturm, in dessen Nischen sich die „Apostelfürsten“ Petrus und Paulus befinden. In den Erdgeschossnischen auf der Süd- und Nordwestseite befinden sich mit Ambrosius und Augustinus zwei Kirchenväter, die zusammen mit den Aposteln in übertragenem Sinne das „Fundament“ der Kirche allgemein und dieser Kirche speziell bilden: „Zum Zeugnis der Offenbarung und Überlieferung tritt das Zeugnis der Väter und Lehrer der Kirche.“ Zusammen mit den Apostelfürsten befinden sich zudem die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe sowie die Kardinaltugend der Gerechtigkeit in allegorischer Gestalt auf dem Kirchturm.
Um die Tafel des Kirchturms, die lateinisch die Inschrift „Gott dem Höchsten hat diesen heiligen Tempel Augustus III. erbaut 1754“Original: „D.O.M. sacr. hanc aedem Augustus III. condidit MDCCLIV“ trägt, wurden Statuen gesetzt, zu denen Stifter Friedrich August II. in besonderer Beziehung stand: Ida von Toggenburg und Hubertus von Lüttich, die der leidenschaftliche Jäger Friedrich August II. besonders verehrte,Während das Dompfarramt der Kathedrale die zwischen Ida und Hubertus stehende Statue als „Mauritius“ identifiziert, bezeichnet ihn Seifert als Eustachius, den Schutzpatron der Jäger. Vgl. Seifert: Das Bildprogramm …, S. 17. Augustus als Namensgeber des Kurfürsten und Norbert von Xanten und Stanislaus von Krakau als die Schutzheiligen Sachsens und Polens.
Im Anschluss an die Apostel der äußeren Balustrade lassen sich nur noch bedingt Bezüge herstellen. Auf der äußeren Balustrade schließen sich jeweils auf beiden Seiten – nordwestlich und südöstlich – an die Statuen von Simon und Judas Thaddäus die Paare Sebastian und Johannes der Täufer (Märtyrer, Patrone des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation), Katharina und Apollonia (Schutzheilige der sächsischen und die der polnischen Lande) und Anna und Josef von Nazaret (Großmutter und Ziehvater Jesus’, Schutzheilige des sächsischen Bergbaus) an. Nach den Schutzheiligen der Gesamtkirche stehen so die des Reiches, anschließend die der Länder und daran anschließend mit Anna und Josef die des sächsischen Bergbaus im Erzgebirge.
Die weitere Anordnung unter anderem von Ordensgründern, Jesuiten und Märtyrern, erfolgt ohne erkennbare Ordnung. Auffallend ist jedoch, dass die Heiligen, die über der Sakramentskapelle der Kirche postiert wurden – darunter Florian von Lorch, Maria Magdalena, Rosalia und Rochus von Montpellier –, vom Kurfürstenhaus besonders verehrt wurden.Georg Dehio (Hrsg.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Dresden. Aktualisierte Auflage. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 2005, ISBN 3-422-03110-3, S. 24.
Legende Bild: zeigt ein Foto der Statue Name: gibt den Namen des Dargestellten an, ein Stern zeigt an, dass es sich um die Kopie einer laut aktueller Literatur vollständig zerstörten Figur handelt, ein weiterer Stern markiert die neun Statuen der 16, die laut Hempel (1955) vollständig zerstört waren Eigenschaft / Bedeutung: gibt Hintergrundinformationen zur dargestellten Figur und, wenn vorhanden, ihre besondere Bedeutung für das sächsische Kurfürstenhaus, Eigenschaft und Bedeutung sind dabei in der Box durch einen Schrägstrich getrennt Beschreibung: beschreibt das Aussehen der Statue und ihre Attribute Lage: gibt neben der Lage der Statue auf der Kirche auch die Koordinaten der Statue an
Die Liste ist zum Teil sortierbar. Die Grundsortierung der Liste ist alphabetisch.
Liste der Mattielli-Statuen