mini|Das Logo der Diakonie Bayern Das Diakonische Werk Bayern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern e.V. ist für die soziale Arbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zuständig. Als zweitgrößter Wohlfahrtsverband in Bayern vertritt das Diakonische Werk Bayern die Interessen seiner Mitglieder und der ihnen anvertrauten Menschen gegenüber Politik, Gesellschaft, Medien, Öffentlichkeit, Kirche sowie anderen gesellschaftlichen Akteuren.

Zahlen und Fakten Unter dem Kronenkreuz arbeiten in Bayern über 96.000 Menschen (Stand: Ende 2021) hauptberuflich und ca. 20.000 Menschen ehrenamtlich in mehr als 3.000 Einrichtungen. Das Diakonische Werk Bayern der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern e.V. mit Sitz in Nürnberg (und einer Außenstelle in München) ist damit der zweitgrößte Wohlfahrtsverband in Bayern nach der Caritas und bildet mit ihr sowie den vier anderen Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege in Bayern die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Bayern (LAGFW). Zu den über 1.300 Mitgliedern gehören unter anderem Kirchengemeinden, Träger der Kinder-, Jugend-, Behinderten- und Altenhilfe und verschiedener Beratungsdienste. Dabei handelt es sich um große diakonische Träger wie Diakoneo (das frühere Diakoniewerk Neuendettelsau), die Rummelsberger Diakonie (früher Rummelsberger Anstalten), die Diakonie Hochfranken, die Augsburger Diakonissenanstalt oder die Innere Mission München, die mit mehreren Tausend Mitarbeitenden oft zu den größten Arbeitgebern in der jeweiligen Region zählen, aber auch um kleine Diakonievereine mit nur wenigen Mitarbeitenden. Zu den bekanntesten Arbeitsbereichen der Diakonie in Bayern gehören die Telefonseelsorge, die Bahnhofsmission sowie der Bundesfreiwilligendienst. Aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen der vergangenen Jahre hat dieses Arbeitsfeld bei Einrichtungen und Dienste der Diakone Bayern enorm an Bedeutung gewonnen. So haben sich die Plätze der Jugendhilfe, in der unbegleitetene Minderjährige (UMs) bzw. unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMFs) betreut werden, in den Jahren 2014–2016 mehr als verdoppelt.

Im Auftrag der Evangelisch-Lutherischen Kirche führt das Diakonische Werk Bayern die jährliche Aktion „Brot für die Welt“ in Bayern durch. Außerdem gibt es große Sammlungen im Frühjahr und im Herbst zur Finanzierung der Vereinszwecke.

Während sich das Diakonische Werk Bayern aus Mitgliedsbeiträgen sowie Mitteln der Landeskirche und der öffentlichen Hand finanziert, werden die Träger und Einrichtungen der Diakonie Bayern vorrangig von den Kostenträgern (etwa den überörtlichen Sozialhilfeträgern) und den Kassen finanziert. Die Diakonie in Bayern handelt damit auf Grundlage des Subsidiaritätsprinzips. Grundlegend für das Verhältnis zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ist das Diakoniegesetz, das 2006 auf der Diakoniesynode in Bad Alexandersbad verabschiedet wurde.

Arbeitsbereiche Unter dem Dach der Diakonie in Bayern finden sich über 100 verschiedene Arbeitsbereiche. Sie reichen von Angeboten für alte Menschen bis zum Zivildienst. Zu den wichtigsten gehören:

Altenhilfe (z. B. Altenpflegeheime, Begegnungsstätten) Arbeit und Arbeitslosigkeit (z. B. Beschäftigungsunternehmen, Jugendarbeitshilfe) Aus- und Fortbildung von Mitarbeitern Begleitung und Förderung junger Menschen im Bundesfreiwilligendienst und Freiwilligen sozialen Jahr (nach Aussetzung der Wehrpflicht und in der Folge auch des Zivildienstes) Hilfen für Menschen mit Behinderung(z. B. Beratungsstellen, Schulen, Ausbildung und Eingliederung, Wohnangebote) Familienhilfe (z. B. Frauenhäuser, Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen und Schwangerschaftskonflikte) Hilfe in besonderen sozialen Schwierigkeiten (z. B. Wohnungslosenhilfe, Strafentlassenenbetreuung, Bahnhofsmission) Gesundheit, Krankenhäuser, Hospizarbeit Jugendhilfe (z. B. stationäre, teilstationäre und ambulante Kinder- und Jugendhilfe, Kindergärten, Kinder- und Jugendsozialarbeit) Krankenpflege (Diakonie-Sozialstationen) Migration (z. B. Beratung für Migranten, Asylbewerber, Flüchtlinge, Aussiedler, Auswanderer) Psychiatrie Suchtkrankenhilfe (Beratungsstellen, Fachkliniken und Rehabilitation) Telefonseelsorge

Aufbau, Struktur, Aufgabe

Die Diakonie in Bayern ist als Verband mit der Geschäftsstelle in Nürnberg organisiert. Laut Satzung wählen die 1.300 Mitglieder des Diakonischen Werkes Bayern e.V. den „Diakonischen Rat“, das Aufsichtsorgan des Verbandes. Der Diakonische Rat beruft den Präsidenten (in anderen diakonischen Landesverbänden „Landespfarrer“) sowie die bis zu fünf weiteren Vorstandsmitglieder. Neben der Leitung ihrer jeweiligen Fachabteilungen in der Geschäftsstelle obliegt dem Vorstand laut Satzung auch die Aufsicht gegenüber den angeschlossenen Rechtsträgern.Satzung des Diakonischen Werkes der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern in der Fassung vom 27.09.2022 Das Diakonische Werk seinerseits ist wiederum Mitglied im Bundesverband der Diakonie, dem „Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung“. Laut Satzung „koordiniert und fördert es die diakonische Arbeit ... in Bayern.“ Es „vertritt die diakonische Arbeit und die in ihm zusammengeschlossenen Rechtsträger“ gegenüber Kirche, Politik, den Kostenträgern, den Medien und anderen. Als Landesverband unterhält das Diakonische Werk Bayern selbst keine eigenen Einrichtungen – anders als andere diakonische Landesverbände.

Biblische Grundlage „Die Diakonie ist Lebens- und Wesensäußerung von Kirche“. So formuliert es das Diakoniegesetz der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Nach evangelischem Verständnis ist die Diakonie damit ebenso wenig ohne Kirche denkbar wie Kirche ohne Diakonie.

Die Diakonie beruft sich in ihrem Handeln grundsätzlich auf den Gedanken der Gottesebenbildlichkeit des Menschen, wie sie im Schöpfungsbericht formuliert ist (Gen 1,27). Daraus folgt der Einsatz für den Nächsten, konkret für den „Schwachen“. Deutlich wird dies in verschiedenen Psalmen, etwa Psalm 82,3, aber auch bei den Propheten. Neben Jesaja (57, 15) ist hier insbesondere Amos (4,1; 8;4) zu nennen. Auch im Pentateuch finden sich deutlich Bezüge, so in Leviticus 19 und in Deuteronomium 24.

Zentral für das diakonische Selbstverständnis ist im Neuen Testament das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (Lukas 10,30). Dabei steht der Samariter, der den unter die Räuber Gefallenen pflegt, nicht nur für das spontane helfende diakonische Handeln. Gleichzeitig wird darin auch die Bereitschaft zur Professionalität und für den Zusammenhang zwischen Hilfeleistungen und damit verbundenen Kosten sichtbar, wenn der Kranke einem Wirt zur Pflege gegen Bezahlung übergeben wird. In Matthäus 23 wird deutlich, dass gerade das Engagement für soziale Gerechtigkeit, für Arme und Kranke sowie für die bereits im Alten Testament genannten „Witwen und Waisen“ nach Jesu Auffassung zwingende Konsequenzen des Gottesglaubens sind. In der urchristlichen Gemeinde Jerusalems lässt sich die Diakonie ebenfalls nachweisen, inkl. des Amtes des Diakons. Diakonie bedeutet hier primär die Unterstützung armer und kranker Gemeindeglieder.

Geschichte Überblick Entstanden ist die Diakonie im 19. Jahrhundert als Antwort auf die sozialen Folgen der Industrialisierung. 1848 entstand, auf Anregung des Hamburger Pfarrers Johann Hinrich Wichern, die „Innere Mission“. Er wollte damit ein Instrument zur Bekämpfung von Armut und Verelendung in den Großstädten schaffen. Wichern zählt heute zusammen mit dem fränkischen Pfarrer Wilhelm Löhe zu den Gründervätern der Diakonie in Deutschland, und bis heute führen sowohl der Landesverband der bayerischen Diakonie als auch einige Träger den Begriff „Innere Mission“ in ihrem Namen.

Im Zentrum diakonischen Handelns standen am Anfang Menschen mit Behinderung sowie Kinder und Jugendliche. 1850 entstanden in Erlangen, Hof, Martinsberg und anderen Städten Bayerns die ersten diakonischen Einrichtungen. 1854 gründet Wilhelm Löhe in der Nähe von Ansbach das Diakoniewerk Neuendettelsau, das bis heute zu den großen diakonischen Trägern in Bayern gehört. Mit der Diakonisse entstand zudem ein Beruf, aus der Berufung wird eine Profession. Die Diakonissen prägten das Bild der Diakonie über viele Jahrzehnte hinweg.

1890 wird in Nürnberg die „Landesdiakonenanstalt“ gegründet, die heutigen „Rummelsberger Anstalten“. Mit dem Diakon entsteht hier das männliche Gegenstück zur Diakonisse. Im „Dritten Reich“ unterstellen sich die Dienste der Inneren Mission, wie sich die diakonischen Einrichtungen damals nannten, aus Sorge vor der „Gleichschaltung“ der bayerischen Landeskirche. Allerdings: Einrichtungen der Inneren Mission lassen teilweise auch das Euthanasie-Programm der Nationalsozialisten und das Ermorden „ihrer“ Behinderten zu.

Um die Nöte in den Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg zu lindern, gründet die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) 1945 das „Evangelische Hilfswerk“. 13 Jahre später, 1958, verbinden sich Hilfswerk und Innere Mission zum Diakonischen Werk – zunächst übergreifend als Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland, später als einzelne Landesverbände – so auch das Diakonische Werk Bayern.

Die Erweckungsbewegung Verschiedene Strömungen prägen die evangelische Kirche zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Entscheidend für die Geschichte der Diakonie ist die Erweckungsbewegung. Männer wie August Hermann Francke (1663–1727) oder Philip Jacob Spener (1760–1825) wollen die biblische Botschaft wieder zum Leben erwecken und fordern die Menschen in Deutschland zu einer eindeutigen Entscheidung für ihren Glauben heraus. Das Wort der Predigt soll wieder von allen verstanden werden, und jeder soll seine Entscheidung für Gott treffen. Aus dieser Bewegung kommen jene Frauen und Männer, die sich karitativ betätigen. Zwar hat für sie die religiöse Erneuerung Vorrang vor karitativem Handeln, aber auch durch Wohltätigkeit wird versucht, die Menschen für das Evangelium zurückzugewinnen. Dieses Gedankengut prägt das sozial-karitative Konzept der Erweckungsbewegung. Und noch etwas verändert sich: Die Not der Menschen wird nicht mehr nur als persönliches, von Gott gegebenes Schicksal gesehen, sondern auch auf Gründe wie fehlende Arbeitsmöglichkeiten und mangelnde Lebensperspektiven zurückgeführt.

In der Folge wendet sich die Aufmerksamkeit auch neuen Personengruppen zu: Kindern und Jugendlichen, Waisen oder Menschen mit Behinderung, Kranke, Arme und sozial Schwache. Es ist darum nicht verwunderlich, dass gerade die „Rettungshausbewegung“ – Rettungshäuser nehmen Waisen und Jugendliche ohne familiäre Bindung auf – den Beginn der diakonischen Arbeit markiert. Wegbereiter der Rettungshausbewegung sind Christian Heinrich Zeller (1779–1860), der im badischen Beuggen 1820 ein erstes Rettungshaus gründet, und Johannes Daniel Falk (1768–1826), der sich für heimatlose Kinder einsetzt und 1823 den Lutherhof bei Weimar aufbaut.