mini|200px|Westwerk der Stiftskirche St. Gertrud, Nivelles 200px|rechts|thumbnail|Maastricht, Liebfrauenkirche, Ostchor mit romanischen Kapitellen mini|200px|Taufbecken von Reiner von Huy in Saint-Barthélemy in Lüttich
Die Maasländische Kunst (französisch art mosan, italienisch arte mosana) ist ein regionaler Kunst- und Architekturstil im Flussgebiet der Maas in Belgien, den Niederlanden und Deutschland, Kerngebiet ist das alte Bistum Lüttich. Obwohl die Kunst des Maaslandes wichtige Kunstwerke aus vielen Zeiträumen hinterlassen hat, ist damit ausschließlich die romanische Kunst gemeint. Der Stil erreichte seinen Höhepunkt im maasländischen Kirchenbau sowie der Steinplastik, der Goldschmiedekunst, der Emaillekunst und der Buchmalerei des 11. bis 13. Jahrhunderts.
Entwicklung der maasländischen Kunst und Verbreitung Das Flussgebiet der Maas liegt im Herzen des Karolingerreiches. Die maasländische Kunst geht deshalb zurück auf die karolingische Renaissance mit vielen von der Antike inspirierten Elementen und unterscheidet sich damit vom romanischen Stil anderer Länder wie Deutschland, Frankreich, England und Italien.
Obwohl die Ikonografie der maasländischen Kunst des 11. und 12. Jahrhunderts wie üblich von der Bibel inspiriert war, zeigen die skulptierten Kapitelle in den Maastrichter Hauptkirchen viele Szenen aus dem Alltagsleben sowie Visionen einer fremden Fantasiewelt.
Die Kunst des Maaslandes bezieht sich vorwiegend auf das ehemalige Hochstift Lüttich in den heutigen belgischen Provinzen Lüttich und Limburg, im südlichen Teil der niederländischen Provinz Limburg und in der deutschen Regio Aachen. Die wichtigsten künstlerischen Zentren des Bistums Lüttich waren die Städte Lüttich, Huy, Dinant, Namur, Tongern, Maastricht und Aachen, sowie die Abteien (Sint-Truiden, Herkenrode, Averbode, Munsterbilzen, Susteren, Sint Odiliënberg, Rolduc, Burtscheid, Kornelimünster, Stavelot, Floreffe, Nivelles, Aulne, Flône, Celles, Gembloux und Lobbes).
Die maasländische Kunst hatte einen großen Einfluss auf Nachbarregionen, wie die Erzbistümer Utrecht und Köln, und die Landgrafschaft Thüringen.
Hauptwerke der maasländischen Kunst Die romanische Kunst des Maaslandes wurde als das erste goldene Zeitalter der NiederlandeJ. J. M. Timmers: De Kunst van het Maasland. Band 1: Romaanse periode. Assen 1971. bezeichnet (vor dem süd-niederländischen und nord-niederländischen goldenen Zeitalter). Meistens wird auch die mittelalterliche niederländische Literatur zu den Höhepunkten der maasländischen Kunst gerechnet, wobei man einen Schriftsteller mit Namen kennt, Heinrich von Veldeke.
Architektur Die Architektur im Lütticher Hochstift stellt eine besondere Richtung der Romanik dar. Die Architektur des 12. Jahrhunderts ist eine Verbindung zwischen älteren maasländischen Traditionen und auswärtigen Einflüssen, vorwiegend aus dem Rheinland und Italien. Geschlossene Westwerke, Zwerggalerien und Chortürme kennzeichnen die reifere maasländische Baukunst. Saint-Barthélemy, Lüttich Saint-Denis, Lüttich Saint-Jean, Lüttich Notre-Dame, Huy Saint-George et Saint-Ode, Amay Saint-Étienne, Waha Ehemalige Stiftskirche, Fosses-la-Ville Saint-Gertrud, Nivelles St. Servatius, Maastricht Liebfrauenkirche, Maastricht Ehemalige Abteikirche, Aldeneik Ehemalige Abteikirche, Rolduc Ehemalige Abteikirche St. Amalberga, Susteren Ehemalige Abteikirche, Sint Odiliënberg Ehemalige Abteikirche, Lobbes Ehemalige Abteikirche Saint-Hadelin, Celles Ehemalige Abteikirche Saint-Pierre et Saint-Remacle, Stavelot
Romanische Bauskulptur Die maasländische Bauskulptur erreichte im 12. Jahrhundert in Maastricht, Lüttich und Nivelles einen Höhepunkt. Maastrichter 'Metsen' (Steinmetze) arbeiteten an Kapitellen und Reliefs in Utrecht, Bonn und Eisenach. Kapitelle in der Krypta der Abteikirche, Abtei Rolduc (um 1138–1143) Kapitelle in den Emporen des Westwerks St. Servatius, Maastricht (um 1140–1150) Kapitelle im Ostchor der Liebfrauenkirche, Maastricht (nach 1150) Kapitelle im Landgrafenhaus in der Wartburg bei Eisenach (um 1160) Vierge de Dom Rupert, Relief (um 1150), Curtius-Museum, Lüttich Pierre Boudon, Relief (12. Jahrhundert), Curtius-Museum, Lüttich Samson-Portal, Stiftskirche St. Gertrud, Nivelles Taufbecken, Furnaux (Namur) Eid auf den Reliquien, Relief (um 1160), Liebfrauenkirche, Maastricht Majestas Domini Tympanum (12. Jahrhundert), St. Servatius, Maastricht Doppelrelief (um 1160), St. Servatius, Maastricht Relief aus 4 Teilen (um 1150), St. Peter, Utrecht
Goldschmiedekunst In den Werken der Goldschmiedekunst des Reiner von Huy, des Godefroy von Huy und des Nikolaus von Verdun erreichte die maasländische Kunst einen Höhepunkt. Die vergoldeten Reliquienschreine des Nikolaus von Verdun in Köln, Siegburg und Tournai sind Hauptwerke der mittelalterlichen Kunst. Auch die Emailkunst erreichte in dieser Zeit ein hohes Niveau.
Taufbecken (um 1107–1118) von Reiner von Huy, Saint-Barthélemy in Lüttich Tragaltar von Stavelot (um 1140–1150), Musées royaux d’art et d’histoire, BrüsselBilder des Tragaltars von Stavelot. Alexanderreliquiar mit dem Haupt des Papstes Alexander I. (um 1140–1150), Musées royaux d’art et d’histoire, Brüssel Remaklusretabel (um 1150), ehemals im Kloster Stavelot Stavelot-Triptychon (um 1156/58), Morgan Library & Museum, New York Servatius-Schrein (um 1165), St. Servatius, Maastricht Barbarossaleuchter (1165–1170), Aachener Dom Hadelinus-Schrein (um 1170), Stiftskirche St. Martin und St. Hadelin, Visé Domitianus-Schrein, (um 1176), Huy Fuß des Kreuzes aus der Abtei Saint-Bertin (um 1180), Museum von Saint-Omer Pfingstretabel (ca. 1160/70), Musée national du Moyen Âge, ParisSeite beim Museum. Dreikönigenschrein (1180) von Nikolaus von Verdun, Kölner Dom Annoschrein (1183) von Nikolaus von Verdun, Abtei Michaelsberg, Siegburg Marienschrein (1205) von Nikolaus von Verdun, Kathedrale, Tournai Karlsschrein (1215), Aachener Dom Marienschrein (1220–1239), Aachener Dom Maurus-Schrein (1225–1230), Schloss Bečov in Bečov nad Teplou Remaklus-Schrein (1268), Stavelot
Wandmalerei, Buchmalerei Von der ehemals berühmten maasländischen Wandmalerei ist nur sehr wenig erhalten. Wolfram von Eschenbach spricht in seinem Parzival vergleichsweise von Maastrichter (und Kölner) Malern.Wolfram von Eschenbach: Parzival. Übersetzt von Dietmar Peschel. FAU University Press, Erlangen 2017 (Digitalisat auf nbn.resolving.org, abgerufen am 4. Juni 2022), S. 123.
Die Buchmalerei im ehemaligen Hochstift Lüttich war in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts hoch entwickelt. Die wichtigsten Zentren waren die Abtei von St. Laurent in Lüttich und die Abteien von Stavelot und Lobbes. Deckenmalerei (stark restauriert), St. Servatius, Maastricht Bibel von Stavelot (1093–1097), British Library, London Add MS 28106 und 28107 Bibel von Floreffe (um 1170), British Library, London Add MS 17738 Evangeliar von Averbode (um 1165–80), Universitätsbibliothek, Lüttich Ms. 363 Handschriften der Abtei Sint-Truiden Evangeliar des Notker, Lüttich, Musée Curtius (10.–12. Jahrhundert)
Einzelnachweise
Literatur Jan Joseph Marie Timmers: De Kunst van het Maasland. Band 1: Romaanse periode. Van Gorcum, Assen 1971 Anton Legner (Hrsg.): Rhein und Maas. Kunst und Kultur 800–1400. Eine Ausstellung des Schnütgen-Museums der Stadt Köln und der belgischen Ministerien für französische und niederländische Kultur. Schnütgen-Museum, Köln 1972 Gretel Chapman: Mosan art. In: Dictionary of the Middle Ages. Bd. 8, Scribner, New York 1987, S. 495–496. E. den Hartog: Romanesque Architecture and Sculpture in the Meuse Valley (= Maaslandse Monografieën. Groot formaat Bd. 8). Eisma, Leeuwarden-Mechelen 1992. A(drianus) M(aria) Koldeweij: Mosana, arte. In: Enciclopedia dell’arte medievale. Bd. 8. Treccani, Rom 1997 (italienisch, online auf treccani.it, abgerufen am 4. Juni 2022). Elizabeth den Hartog: Romanesque Sculpture in Maastricht. Maastricht 2002, ISBN 90-72251-31-8 Benoît Van den Bossche (Hrsg.): L’Art mosan. Liège et son pays à l’époque romane du XIe au XIIIe. Éditions du Perron, Lüttich 2007, ISBN 978-2-87114-217-1 Sophie Balace: Historiographie de l’art mosan. Dissertation Universität Lüttich 2009 (online)
Kategorie:Romanik Kategorie:Maas