mini|Die Nordfassade der Pfarrkirche zum Hl. Clemens in Heiligenbrunn Die römisch-katholische Pfarrkirche Heiligenbrunn steht in der Gemeinde Heiligenbrunn im Bezirk Güssing im österreichischen Bundesland Burgenland. Sie ist dem Märtyrer und Papst Clemens von Rom gewidmet und gehört zum Seelsorgeraum Zur Göttlichen Barmherzigkeit/Unteres Stremtal, der im Dekanat Güssing in der Diözese Eisenstadt liegt. Zusammen mit der benachbarten Wallfahrtskapelle zum Heiligen Ulrich war sie jahrhundertelang ein wichtiges Pilgerziel der Region. Die ehemalige Wallfahrtskirche besitzt einen der größten barocken Hochaltäre des Burgenlandes und steht unter .

Lage mini|Die steil abfallenden Hänge der Kirchhöh mit der Pfarrkirche und der Ulrichskapelle Pfarrkirche und Ulrichskapelle liegen an den Hängen einer steil abfallenden Hügelkette am Westrand des Dorfes, mit der das Oststeirische Hügelland in die Pannonische Tiefebene übergeht. Die Kirche steht oberhalb der Kapelle auf einem etwas höher gelegenen Hügelplateau, und ist aufgrund ihrer erhöhten Lage ein markanter Blickpunkt der Gegend. Die im Westen angrenzenden, größtenteils bewaldeten Steilhänge sind als Kirchhöh bekannt, die südlich der Sakralbauten gelegenen Wiesen als Pfarrriegel. Sie stehen bis heute im Eigentum der Pfarre und erstrecken sich über eine Fläche von etwa 3,5 ha bis zur südlichen Ortsgrenze. Diese ursprünglich noch weitläufigeren Flächen waren Teil der Landwirtschaft der Pfarre und verfügten bis zum Ende des 20. Jahrhunderts unterhalb der Ulrichskapelle auch über einen großen Pfarrhof. Geschichte Baugeschichte Der erste bekannte Sakralbau im Bereich der heutigen Kirchhöh wurde in einer Urkunde des Jahres 1198 genannt. In dieser bestätigte König Emmerich mehrere Schenkungen, die zur Zeit der Herrschaft seines Vaters und Vorgängers Bela III. an das von diesem gegründete Zisterzienserkloster Szentgotthárd getätigt wurden. Teil dieser Schenkungen war eine Heilige Quelle (lateinisch Sacrum fontem) samt Kapelle, die der damalige Bischof von Raab, Ugrin Csák, dem ca. 13 km südwestlich von Heiligenbrunn gelegenen Kloster überließ. Deren Patrozinium und genaue Lage sind nicht überliefert, da der Ursprung der Quelle aber heute im Chorbereich der Kirche vermutet wird, dürfte es sich bei der Kapelle um einen Vorgänger der Pfarrkirche gehandelt haben. Dieser Sakralbau wurde im Laufe der Zeit entweder ausgebaut oder im 13. oder 14. Jahrhundert durch die erste bekannte Pfarrkirche ersetzt, die bereits nachweislich an der Stelle der heutigen Kirche stand. Erstmals näher beschrieben wurden sie in einem kirchlichen Visitationsbericht von 1674: Demnach hatte der gotische Bau einen Steinturm mit Glocke, Hochaltar, Wandtabernakel und Kanzel, und war mit Steinplatten gepflastert. Ein weiterer Bericht aus dem Jahr 1694 beschrieb sie als renovierungsbedürftiges Gebäude auf einem Hügel über der Pfarre, inmitten eines umzäunten Friedhofes mit Karner. Das Sanktuarium mit Hochaltar und der Kirchturm seien gewölbt, der Rest des Gebäudes flach gedeckt gewesen, mit verschiedenfarbig verzierten Balken. Im Turm haben sich zwei Glocken befunden, und die Kirche sei mit einem Beichtstuhl und zwei Tabernakeln ausgestattet gewesen. Die Pfarrkirche erhielt 1719 einen neuen Chor, 1756 eine neue Sakristei, sei aber laut Visitationsbericht von 1757 noch immer feucht und sanierungsbedürftig gewesen. Sie war bereits mit dem heute noch erhaltenen barocken Hauptaltar von 1655 ausgestattet, der ursprünglich aus der Pfarrkirche Stadtschlaining stammte. Dieser verfügte damals über zwei Altarbilder (Heiliger Clemens, Heilige Dreifaltigkeit) und zwei Apostelstatuen (Petrus und Paulus). Die beiden Seitenaltäre seien der Mutter Gottes und dem Heiligen Josef gewidmet gewesen.mini|Blick vom Pfarrriegel auf die Kirche im Jahr 1942Anstelle dieser baufälligen, mittelalterlichen Wehrkirche wurde 1764 vom damaligen Grund- und Patronatsherren Adam III. Graf Batthyány aus der Scharfensteiner Linie der Batthyány das jetzige, spätbarocke Kirchengebäude errichtet. Im Jahr 1793 erfolgte unter dessen Sohn und Nachfolger Karl II. Graf Batthyány (1742–1814) die erste Renovierung des Sakralbaus.

Schwere Schäden erlitt die Kirche während des Zweiten Weltkrieges (siehe Heiligenbrunn, Geschichte) und durch einen Blitzschlag im Juli 1947, durch den der mit Schindeln gedeckte Turm abbrannte. Der Turm wurde 1947 wieder errichtet, die Kirche 1954 generalsaniert.

Bei Renovierungsarbeiten 1975 und 1982 erfolgte eine Umgestaltung des Innenraumes nach den Vorgaben der Inter Oecumenici (siehe Ausstattung). Die letzte umfassende Generalsanierung der Pfarrkirche erfolgte 1995–1997.Pfarre Heiligenbrunn. In: martinus.at. Diözese Eisenstadt, abgerufen am 6. September 2022. Bei Fassadenrenovierungsarbeiten im Jahr 2023 wurde die ursprüngliche spätbarocke Fassadengestaltung wiederhergestellt. Pfarrgeschichte Die Wurzeln der Pfarre reichen vermutlich bis ins 12. Jahrhundert zurück, sind aber urkundlich nicht eindeutig belegbar. Der Kirchenhistoriker Josef Rittsteuer vermutete 1998 einen in der Urkunde von 1198 genannten Presbyter () Jakobus als ersten Pfarrer einer bereits damals bestehenden Pfarrgemeinde. Historisch belegt ist die Gründung der Pfarre für die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sie wurde vermutlich zwischen 1225 und 1254 gegründet und bestand daher nachweislich im Jahr 1255. Einer urkundlich dokumentierten Schenkung dieses Jahres nach, erhielt König Béla IV. vom Raaber Domherren Werenhart die Possessio () Heiligenbrunn mit den Orten Heiligenbrunn, Sumetendorf, Merhart, Ujfalu und Pinka übertragen. Die letzten drei Ortschaften sind heute nicht mehr zuordenbar, werden aber mit den späteren Filialgemeinden der Pfarre in Verbindung gebracht: Strem, Reinersdorf und (Deutsch) Bieling. Die beiden kirchlichen Schenkungen von 1198 und 1255 durch ranghohe Vertreter der Diözese Győr, und die explizite Bezeichnung der Orte als Possessio deuten darauf hin, dass Heiligenbrunn zu dieser Zeit das Zentrum einer geistlichen Kleinherrschaft gewesen sein dürfte. Mit dieser wurde 1255 Herrand aus dem Geschlecht der Héderváry belehnt. Die Herrschaft wurde Teil des sogenannten Stremer Disktrikts, dessen weltliches Zentrum eine nicht mehr vorhandene Wehranlage am Schloßriegel Strem war. Ihr geistiges Zentrum waren die mittelalterliche Pfarre und Pfarrkirche Heiligenbrunn. mini|1255 erhielt König Bela IV. die kirchliche Herrschaft Heiligenbrunn vom Raaber Domherren Werenhart Im Jahr 1522 fielen Pfarre und Ort zusammen mit anderen Besitztümern der Héderváry an die Familie Batthyány, die sie 1524 in die Herrschaft Güssing eingliederte. Als deren Grundherr Christoph I. Batthyány († 1570) zum Protestantismus konvertierte, wurde auch Heiligenbrunn protestantisch. Die Pfarre wurde vermutlich ab 1610 von evangelischen Predigern betreut, unter anderem 1618–1619 vom kalvinischen Prediger Christoph Summerauer und 1624–1629 von dessen Mitbruder Eberhard Graul. Aufgrund der Unruhen während der Bocskai-Aufstände, durch die auch ein Großteil der Höfe in Heiligenbrunn verwüstet wurde, ist allerdings unklar ob und wie weit es zu dieser Zeit überhaupt eine Pfarrorganisation gab. So bezeichnete sich Graul auf der kalvinischen Generalsynode in Körmend 1629 etwa als Prediger von Strem, und nicht von Heiligenbrunn. Summerauer trat auf Synoden 1618, 1624 und 1625 wiederum als Pfarrer von Szentkút () auf.

Zu Auseinandersetzungen kam es auch zwischen den protestantischen Predigern der Gegend: Graul beschuldigte 1624 seine Kollegen aus Schlaining, Hannersdorf und Großpetersdorf ihn im Pfarrhof verprügelt und anschließend hinausgeworfen zu haben. Ihm selbst wurde vom Patronatsherren Franz II. Batthyány vorgeworfen im ganzen Distrikt für Unannehmlichkeiten verantwortlich zu sein, und sein Rechnitzer Senior Wolfgang Lang beschuldigte ihn der Trunksucht. Graul wurde auf einer außerordentlich einberufenen Synode für schuldig befunden und musste beim Grundherren auf Burg Güssing und bei den Pfarrmitgliedern im Rahmen einer Messe in der Kirche Abbitte leisten.

1630 wurde die Pfarre durch den Übertritt des Sohnes und Nachfolgers von Franz II., dem neuen Grund– und Patronatsherren Adam I. Batthyány, zum römisch-katholischen Glauben wieder katholisch. mini|Durch die Konversion von Graf Adam I. wurde die vorübergehend protestantische Pfarre 1630 wieder katholisch

Der Pfarre waren jahrhundertelang die meisten Orte der Umgebung als Filialgemeinden unterstellt, auch jene mit einer größeren Zahl an Einwohnern und Gläubigen. Im Visitationsbericht von 1697 wurden Deutsch Bieling, Deutsch- und Kroatisch-Reinersdorf, Luising, Strem und Sumetendorf als Filialgemeinden genannt. Zusätzlich wurde von 1656 bis 1788 die ursprünglich selbstständige Pfarre Hagensdorf mit den Filialgemeinden Luising und Ungarisch Bieling als Ortskaplanei von Heiligenbrunn aus mitbetreut. Die einzigen Kirchen dieses weitläufigen Seelsorgegebietes befanden sich in Heiligenbrunn und Hagensdorf, und ab 1852 auch in Strem. Die letzten beiden Dörfer wurden aufgrund ihrer höheren Bevölkerungsanzahl später zu eigenständigen Pfarren erhoben: Hagensdorf 1807 und Strem 1877.

Die Pfarre Heiligenbrunn verfügte über eine Vielzahl an Grundeigentum in der Umgebung und sie besitzt bis heute den Großteil der Flächen südlich von Kirche und Kapelle. Ende des 19. Jahrhunderts war der Besitz so groß, dass der damalige Pfarrer Kaspar Pavdy für die Bewirtschaftung zwei Mägde und eine eigene Verwalterfamilie beschäftigte.

Am 5. April 1923 kam es zu einem Tötungsdelikt im Pfarrhof von Heiligenbrunn, bei dem der Pfarrer Matthias Vinzenz Mitnyek erschossen wurde. Der einige Jahre nach der Tat verdächtigte und temporär inhaftierte Oberlehrer Johann Mayer, der mit dem Pfarrer in Feindschaft gelebt gehabt haben soll, wurde 1931 in Ermangelung eines Schuldbeweises freigesprochen. Der Täter und das Motiv konnten nie ausgeforscht werden.

Liste der Pfarrseelsorger