mini|Melingo auf dem TFF Rudolstadt 2010 Daniel Melingo oder auch nur Melingo (* 22. Oktober 1957 in Parque Patricios, Buenos Aires als Alejandro Daniel Melingo; † 30. Juni 2026 in Chacarita, Buenos Aires) war ein argentinischer Musiker (Klarinette, Gitarre, Saxophon, Komponist und Sänger). Ursprünglich vom Alternative Rock kommend, widmete er sich ab Mitte der 1990er Jahre als Sänger und Multiinstrumentalist mit seiner Band Los Ramones del Tango überwiegend dem Tango Argentino.

Leben mini|V. l. n. r.: Romain Lecuyer, Melingo, Diego Trosman, Manolo Cedron, Rodrigo Guerrra Schon als Kind kam Melingo mit dem Musikgeschäft in Kontakt, da sein Stiefvater der Manager des berühmten Tangosängers Edmundo Rivero war. Seine musikalische Ausbildung begann er mit dem Klarinettenstudium. Nachdem er zwischen 1975 und 1980 mit dem brasilianischen Sänger Milton Nascimento aufgetreten war, arbeitete Melingo in den frühen 1980ern unter der argentinischen Militärdiktatur in der unabhängigen Theaterszene von Buenos Aires. Als nach dem Falklandkrieg die Einschränkungen im kulturellen Bereich allmählich gelockert wurden, wirkte er u. a. an einer Rockoperversion von Die Insel des Dr. Moreau mit. Zwischen 1980 und 1982 bzw. 1983 wirkte er als Saxofonist, Klarinettist, Gitarrist und Sänger in der 1967 von Miguel Abuelo gegründeten Band mit Abuelos de la Nada mit, der u. a. auch Andrés Calamaro angehörte. 1982 spielte bei der u. a. von The B-52’s beeinflussten Band Los Twist, deren Mitbegründer er auch war. Ab 1986 lebte Melingo für knapp zehn Jahre in Spanien, wo er die Band Lions in Love leitete.

Nach der Rückkehr in die Heimat 1994 veröffentlichte er seine Bearbeitung der argentinischen Graphic Novel El Eternauta. Ab Mitte der 1990er Jahre wendete sich Melingo mit seinen Veröffentlichungen dem Tango zu und tourt seitdem mit seinem Programm und der Begleitband Los Ramones del Tango weltweit. In der britischen Presse wurde er als „der Mann, der den Tango ernsthaft cool machte“ bezeichnet. Seine Texte sind in Lunfardo, der „Gaunersprache“ von Buenos Aires verfasst – sie handeln von den Absurditäten seines Barrios, von Serienmördern (Pequeño paria) oder Taschendieben. Der Kritiker Christoph Buchs nannte ihn den „Tom Waits des Tango“.Danza y Movimento (eingesehen am 7. Juli 2010) Um seine Poesie angemessen interpretieren zu können, begann Melingo im Alter von 43 Jahren klassischen Gesang zu studieren.

Auf seinem Album Maldito Tango („Verfluchter Tango“) aus dem Jahr 2007 wirkt u. a. der Sänger Cristóbal Repetto mit.Interview mit Daniel Melingo zur Veröffentlichung von Maldito Tango von

Auf dem Album Tango 3.0 von Gotan Project aus dem Jahr 2010 ist er bei dem Stück Tu Misterio als Sänger und Klarinettist zu hören.

Mit Anda aus dem Jahre 2016 widmete sich Melingo, im Vergleich zu den vorherigen, eher am argentinischen Tango orientierten Alben, verstärkt der Weltmusik, Rumba-Klassikern, Fox-Trots, aber auch Jazz, bis hin zur Klassik. Dabei interpretierte er die Stücke in einem abermals zum zeitgenössischen Tango hinführenden Stil. Der Kritiker Jörn Kitzhöfer bemerkte dazu: „Viele Rezensenten zogen in der Vergangenheit einen Vergleich Melingos zu Tom Waits; mit Anda wirkt dieser Musiker jedoch eher als zeitreisend-träumender Vagabund, der auf dem Weg Bekanntes und Verschüttetes aufliest und neu interpretiert.“

Zitat

„Ohne Schmerz kommt man gar nicht erst darauf, sich die Fragen zu stellen, zu denen man die Antworten sucht. Natürlich steht beides auch in enger Verbindung, das Leiden und die Tangokultur und der Topos des sich Entliebens, des desamor, der sehr stark mit dem Tango in Verbindung steht […]. Ich finde gerade im Leiden auch die Freude. Der Schmerz macht mich fröhlich.“Melingo über das Album Maldito Tango, siehe Anm. 3, Tangodanza 2/2008

Auszeichnungen Premios Gardel 2009: Maldito Tango als bestes Tangoalbum eines männlichen Künstlers Latin Grammy 2009: Maldito Tango nominiert als bestes Tangoalbum

Diskografie 1995: H2O 1998: Tangos Bajos 2003: Ufa 2004: Santa Milonga 2008: Maldito Tango 2011: Corazón & Hueso 2014: Linyera 2016: Anda 2020: Oasis

Weblinks

Website von Daniel Melingo

Einzelnachweise

Kategorie:Weltmusik-Sänger Kategorie:Musiker (Argentinien) Kategorie:Multiinstrumentalist Kategorie:Tango Kategorie:Argentinier Kategorie:Geboren 1957 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann