mini|hochkant|Göth während seiner Zeit in polnischer Haft (Aufnahme 1946)

Amon Leopold Göth (* 11. Dezember 1908 in Wien, Österreich-Ungarn; † 13. September 1946 in Krakau, Polen) war ein österreichischer SS-Offizier, zuletzt im Rang eines SS-Hauptsturmführers.

Göth war bereits während seiner Jugendzeit Sympathisant deutschnationaler Kreise und bekennender Antisemit. Nach seinem Beitritt zur Schutzstaffel stieg er rasch in der dortigen Hierarchie auf. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs fand Göth im Generalgouvernement zunächst für verschiedene Dienststellen Verwendung. 1943 war er, neben anderen bereits begangenen Kriegsverbrechen, für die Liquidierung des Krakauer Ghettos und die Deportation und Ermordung tausender jüdischer Bewohner verantwortlich. Bekannt wurde Göth jedoch als Kommandant und „Schlächter von Płaszów“ des gleichnamigen Konzentrationslagers sowie aufgrund seiner Bekanntschaft zu dem Industriellen Oskar Schindler. Die Geschichte Göths während seiner Krakauer Zeit wird im oscarprämierten Film Schindlers Liste in Ausschnitten erzählt. Durch den breitenwirksamen Film wurde er im Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit der neben Rudolf Höß bekannteste Kommandant eines Konzentrationslagers.

Wegen persönlicher Aneignung von Wertgegenständen aus jüdischem Besitz und diverser Dienstvergehen wurde Göth im Sommer 1944 durch die Gestapo verhaftet und vor ein SS-Ehrengericht gestellt. Einer rechtskräftigen Verurteilung entkam er durch das Kriegsende. Von US-amerikanischen Behörden gefasst und alsbald den polnischen Behörden überstellt, wurde ihm 1946 wegen Massenmordes und anderer Verbrechen vor dem Obersten Nationalen Tribunal in Krakau der Prozess gemacht. Von diesem wurde er zum Tode verurteilt und wenige Tage nach der Urteilsverkündung gehängt.

Kindheit, Jugend und beruflicher Werdegang Amon Leopold Göth wurde am 11. Dezember 1908 im Wiener Bezirksteil Gumpendorf als einziger Nachkomme von Amon Franz Göth (1880–1964Taufbuch Wien 17., Hernals 01-041, S. 282 (Faksimile)) und dessen Ehefrau Bertha Göth geb. Schwendt (1877–1936) im elterlichen Haus der Morizgasse 5 geboren. Die Taufe des Kindes erfolgte am 18. Dezember des gleichen Jahres in der Gumpendorfer Pfarrkirche. Die Eltern betrieben zu jener Zeit ein gemeinsames Buch- und Kunsthandelsgeschäft, das sich überwiegend auf den Vertrieb von religiösen Schriften und militärischen Werken spezialisiert hatte. Dessen Erlöse ermöglichten es der Familie, einen gutbürgerlichen Lebensstil zu führen. Bedingt durch ihre Handelstätigkeiten fanden Amons Eltern allerdings nur wenig Zeit, sich um ihr Kind zu kümmern. Daher wuchs der Junge größtenteils bei einer kinderlos gebliebenen Tante väterlicherseits auf. Von dieser bekam er den Spitznamen Mony.Johannes Sachslehner: Der Henker: Leben und Taten des SS-Hauptsturmführers Amon Leopold Göth. Styria Verlag Wien 2013, ISBN 978-3-222-13416-6, S. 15–18.

Im Jahr 1915 wurde Amon Göth an einer privaten Volksschule eingeschult. Am Unterrichtsgeschehen zeigte er jedoch nur wenig Interesse, weswegen seine schulischen Leistungen mangelhaft blieben. Daraufhin wurde er 1920 von seinen Sorgeberechtigten in die Obhut eines streng geführten katholischen Internats in Waidhofen an der Thaya gegeben, wo er an der dortigen Oberrealschule den Grundstein für ein späteres erfolgreiches Berufsleben legen sollte. Diese Hoffnungen erfüllten sich nicht. Stattdessen entwickelte der von seiner Umgebung als widerspenstig wahrgenommene Göth eine Abneigung gegen die Autorität der Lehrerschaft. Daneben offenbarte sich bei ihm ein Hang zu sadistischen Scherzen. Im Sommer 1925 brach er schließlich die schulische Ausbildung ohne Abschluss ab und nahm eine Lehre zum Verlagsbuchhändler in der elterlichen Firma auf.Johannes Sachslehner: Der Henker: Leben und Taten des SS-Hauptsturmführers Amon Leopold Göth. Styria Verlag Wien 2013, ISBN 978-3-222-13416-6, S. 18–21.

Etwa zu diesem Zeitpunkt begann sich der mittlerweile 17-jährige Göth ernsthaft für den Nationalsozialismus und dessen Ideologie zu begeistern. Im Umfeld von „Hakenkreuzlern“ und weiteren deutschnationalen Gruppierungen festigte sich in der Folgezeit sein antisemitisch geprägtes Weltbild. Um 1927 trat Göth dem paramilitärischen Verband des Steirischen Heimatschutzes in Wien bei. Der Historiker Johannes Sachslehner vermutet in diesem Schritt eine Suche Göths nach etwaigen Berufsalternativen. Vor diesem Hintergrund soll er sich auch – allerdings erfolglos – um ein Studium der Landwirtschaft bemüht haben. Unabhängig von den genannten Bestrebungen zeigte sich Göth alsbald vom Heimatschutz enttäuscht. Insbesondere störte er sich an der dort fehlenden Radikalität sowie der Zerstrittenheit der Heimatführer untereinander, so dass er um 1929/30 zu den „Hakenkreuzlern“ zurückkehrte.Johannes Sachslehner: Der Henker: Leben und Taten des SS-Hauptsturmführers Amon Leopold Göth. Styria Verlag Wien 2013, ISBN 978-3-222-13416-6, S. 22–25.

Am 24. Jänner 1940 trat er als Gesellschafter in das väterliche Unternehmen im 6. Wiener Bezirk in der Mariahilfer Straße 105 ein. Der Verlag für Militär- und Fachliteratur Amon Franz Göth firmierte fortan als Verlag für Militär- und Fachliteratur A. Franz Göth & Sohn.

Werdegang in der SS

Anfänge und Aufstieg Beförderungseckdaten unbekannt SS-Unterscharführer Mai 1933 SS-Scharführer Jänner 1941 SS-Oberscharführer November 1941 SS-Untersturmführer übersprungen SS-Obersturmführer Juli 1943 SS-Hauptsturmführer Die Erfolge der aufstrebenden Nationalsozialisten bei der Reichstagswahl 1930 im Deutschen Reich bewogen Göth, zum 13. Mai 1931 bei der Wiener Ortsgruppe in Margareten der NSDAP beizutreten (Mitgliedsnummer 510.764).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/11350419 das Geburtsdatum wird auf der Karte fälschlich mit 14. Dezember 1905 angegebenJohannes Sachslehner: Der Tod ist ein Meister aus Wien. Leben und Taten des Amon Leopold Göth. Styria, Wien 2008, ISBN 978-3-222-13233-9, S. 25. Nach einem rein formalen Wechsel zur Wiener Ortsgruppe Mariahilf nahm er dort die Funktionen eines Politischen Verwalters wahr. Um rasche Karriere bestrebt, bewarb sich Göth noch im gleichen Jahr um seine Aufnahme in die Schutzstaffel. Nach positiver Entscheidung seines Gesuchs (SS-Nummer 43.673)Bundesarchiv R 9361-III/526707 das Eintrittsjahr wird als 1930 angegeben wurde er dem Trupp „Deimel“, einer Teilformation des Wiener SS-Sturms „Libardi“, zum Dienst zugeteilt.Johannes Sachslehner: Der Henker: Leben und Taten des SS-Hauptsturmführers Amon Leopold Göth. Styria Verlag Wien 2013, ISBN 978-3-222-13416-6, S. 25ff. Im Jänner 1933 erfolgte seine Versetzung als Adjutant zum Stab der 52. SS-Standarte „Donau“ nach Krems. Zusätzlich wurde er zum Motorstaffelführer bestellt. In letzterer Eigenschaft zog sich Göth, der ab Mai 1933 den Rang eines SS-Scharführers bekleidete, bei einem Verkehrsunfall mit der SS-Standarte 11 bei Drosendorf schwere Verletzungen zu. Sich auf diese berufend, stellte er vergeblich einen Antrag zum Erwerb des Blutordens.

Die persönliche Rolle Göths beim sogenannten Juliputsch der Nationalsozialisten im Sommer 1934 in Krems und dem daraus folgenden Verbot der österreichischen NSDAP ist bis heute strittig und Gegenstand zahlreicher Kontroversen. Fest steht, dass sich Göth einer polizeilichen Fahndung nach ihm durch Flucht nach München entzog, wo er bei einem Hundezüchter Unterschlupf fand. Von dort aus betätigte er sich als Schmuggler und Kurierfahrer im deutsch-österreichischen Grenzgebiet. Im Oktober 1933 wurde Göth allerdings auf heimischem Territorium durch Justizbeamte aufgespürt und in Untersuchungshaft genommen. Das gegen ihn angestrengte Gerichtsverfahren endete im Dezember 1933 mit Freispruch aus Mangel an Beweisen. Im Folgenden widmete sich Göth wieder dem elterlichen Geschäft, unterhielt aber weiterhin Kontakte zur im Untergrund agierenden NS-Bewegung. Dieser relativ beständige Lebensabschnitt zerbrach mit dem Tod der Mutter im März 1936 und dem Scheitern Göths erster Ehe im Sommer des gleichen Jahres. Gelangweilt vom Bücherverkauf und motiviert von seinem Wunsch nach weiterer Verwendung in der SS, siedelte Göth 1937 schließlich nach München über. Nach dem Anschluss Österreichs kehrte er im Frühjahr 1938 nach Wien zurück, wo er der SS-Standarte 11 „Planetta“ zugeteilt wurde. Im Herbst des gleichen Jahres heiratete er ein weiteres Mal.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges meldete sich Göth im März 1940 freiwillig zur Waffen-SS. In dieser wurden ihm die Funktionen eines Verwaltungsführers bei der Einsatzführung Ost in Oberschlesien mit Dienstsitz in Teschen übertragen. Nach eigenen Aussagen soll er dort unter anderem mit der Registrierung von Pferdebeständen und anderen Nutztieren betraut gewesen sein. Diese Tätigkeit war jedoch nur von kurzer Dauer, denn bereits im Herbst 1940 wechselte Göth, nunmehr als Kassenverwalter, in das in Kattowitz ansässige Büro der Volksdeutschen Mittelstelle (Vomi) – eine Art Anlauf- und Koordinierungsstelle für umsiedlungswillige Volksdeutsche. In dieser Stellung erfolgte im Jänner 1941 seine Beförderung zum SS-Oberscharführer und am 9. November 1941 die zum SS-Untersturmführer. Seine bis dato erstellten Dienstbeurteilungen waren allesamt ohne Beanstandung.

Radikalisierung Die Motive und Begleitumstände für Göths Abkommandierung in das vom Deutschen Reich annektierte Generalgouvernement nach Lublin in den persönlichen Stab um Odilo Globocnik im Frühjahr 1942 sind spekulativ. Möglicherweise spielten hierbei etwaige persönliche Kontakte oder sein Ruf als guter Organisator eine gewichtige Rolle. Sein neuer Dienstsitz wurde dort die Julius-Schreck-Kaserne. In dem ehemaligen Schulgebäude auf der Pierackistraße waren zu jenem Zeitpunkt neben den mutmaßlichen Drahtziehern der laufenden Aktion Reinhardt auch die hierfür abgestellten Polizei- und SS-Mannschaften stationiert, darunter Mörder und Kriegsverbrecher wie der SS-Oberscharführer Reinhold Feix (1909–1969). Möglicherweise radikalisierte sich Göth in der Umgebung dieser Männer und deren praktizierten rassischen Vernichtungswahns sprunghaft. Noch aber wurde Göth von derartigen Mordaktionen ausgenommen.

Stattdessen betraute man ihn zunächst mit der Bauüberwachung im Rahmen der Erweiterung des bereits bestehenden SS-Arbeitslagers in Budzyń, wobei für etwa 2000 vornehmlich jüdische Zwangsarbeiter aus dem Ghetto Końskowola zusätzliche Lagerbaracken errichtet wurden. Anschließend beteiligte sich Göth organisatorisch an den Selektionsmaßnahmen bei der Räumung des Ghettos Bełżyce sowie der Deportation der Arbeitsunfähigen, Alten und Kinder in das Konzentrationslager Majdanek. Hierbei sind neben unzähligen Gräueltaten durch Angehörige der SS-Einsatzgruppen auch hundertfache Bestechungsannahmen, sogenannte „Freikäufe“, Göths dokumentiert, die seinen späteren Ruf als „korrumpierten Offizier“ begründen sollten. Die Unterschlagung der überwiegend aus wertvollen Fellen, Pelzen und Edelsteinen bestehenden Beute wurde jedoch aufgedeckt. Das hierauf gegen Göth eingeleitete Ermittlungsverfahren blieb allerdings folgenlos.

Über den Sommer 1942 hinweg war Göth sodann mit der Beschaffung von Baumaterialien für im SS-Jargon bezeichnete „Geheime Baumaßnahmen“ betraut. Vermutlich handelte es sich hierbei um die Requirierung von Roh- und Werkstoffen zur Errichtung der Krematorien in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka. Die ihm ausgestellte Zutrittsgenehmigung zu genannten Lagern könnte jedoch auch mit der Kontrolle und Erfassung der dortigen gelagerten Kunst- und Wertgegenstände im Zusammenhang gestanden haben. Im Zeitraum ab Oktober 1942 war Göth mit der Bauaufsicht für den Umbau des Kriegsgefangenenlagers Poniatowa zu einem Arbeitslager für jüdische Zwangsarbeiter betraut.