mini|Ortskern von Mariazell (Luftbild)
Mariazell ist eine Stadtgemeinde in der nördlichen Obersteiermark nahe der niederösterreichischen Grenze mit Einwohnern (Stand ). Mariazell liegt im Gerichtsbezirk Bruck an der Mur, im politischen Bezirk Bruck-Mürzzuschlag und ist die flächengrößte Gemeinde der Steiermark sowie nach Sölden in Tirol und der Bundeshauptstadt Wien die drittgrößte in Österreich. Mariazell ist außerdem die höchstgelegene Stadtgemeinde Österreichs auf einer Höhe von 868 Metern liegend.
Mariazell ist durch die Gnadenstatue Magna Mater Austriae in der Basilika Mariä Geburt mit Abstand der wichtigste Wallfahrtsort Österreichs und darüber hinaus auch für viele Katholiken in den östlichen Nachbarländern von Bedeutung. Auch Wintersport wird in Mariazell betrieben.
Geographie Mariazell ist die nördlichste Gemeinde der Steiermark und befindet sich im Gebiet der nördlichen Kalkalpen. Gemäß der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen hat das Gemeindegebiet Anteile an den Ybbstaler Alpen, den Türnitzer Alpen, den Mürzsteger Alpen und an der Hochschwab-Gruppe (insbesondere an deren nordöstlichsten Teilbereich, der Zeller Staritzen). Die höchste Erhebung im Gemeindegebiet ist der hohe Ringkamp, daneben sind noch die Hochweichsel (), die Hohe Veitsch (), die Kräuterin (), die Tonion (), der Große Zellerhut (), der Hohe Student () sowie die Wetterin () zu nennen. Der Ort Mariazell selbst liegt auf einer schiefen Hochfläche am Hang der Mariazeller Bürgeralpe, welche als Ausflugsberg und Skigebiet bekannt ist.
Die Salza ist die zentrale Wasserader des Mariazellerlandes. Daneben existieren mit dem Erlaufsee und der Erlauf sowie dem Hubertussee samt der Walster noch weitere nennenswerte Gewässer im Gemeindegebiet. Ebenso verläuft die II. Wiener Hochquellenleitung durch das Gemeindegebiet.
Das Mariazellerland ist von Pässen umgeben und von Mürzzuschlag aus über den Lahnsattel oder das Niederalpl, von Kapfenberg über den Steirischen Seeberg, von Lunz am See über den Zellerrain und von St. Pölten über den Annaberg und Josefsberg bzw. über das Kernhofer Gscheid erreichbar. Einzig von Liezen kommend ist entlang der Salza kein Pass zu überwinden.
Gemeindegliederung mini|hochkant|rechts|Ansicht der Basilika von Mariazell, 2011 Seit 2015 ist Mariazell im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark mit den vordem selbständigen Gemeinden Gußwerk, Halltal und Sankt Sebastian vereinigt.Kundmachung der Steiermärkischen Landesregierung vom 10. Oktober 2013 über die Vereinigung der Stadtgemeinde Mariazell und der Gemeinden Gußwerk, Halltal und Sankt Sebastian, alle politischer Bezirk Bruck-Mürzzuschlag. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 15. November 2013. Nr. 121, 32. Stück. . S. 631.
Das Gemeindegebiet umfasst folgende 16 Ortschaften (Einwohner Stand ): Aschbach () Freingraben () Gollrad () Greith () Grünau () Gußwerk () Halltal () Mariazell () Mooshuben () Rasing () Rechengraben () Sankt Sebastian () Schöneben () Walstern () Wegscheid () Weichselboden ()
Die fünf Katastralgemeinden sind (Fläche Stand ): Aschbach () Halltal () Mariazell () St. Sebastian () Weichselboden ()
Nachbargemeinden Mariazell besitzt aufgrund seiner großen Gemeindefläche neun Nachbargemeinden, welche sich auf zwei Bundesländer und vier Bezirke aufteilen. Im Uhrzeigersinn lauten diese: Neuberg an der Mürz (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag, Steiermark) Sankt Barbara im Mürztal (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag, Steiermark) Turnau (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag, Steiermark) Thörl (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag, Steiermark) Wildalpen (Bezirk Liezen, Steiermark) Gaming (Bezirk Scheibbs, Niederösterreich) Mitterbach am Erlaufsee (Bezirk Lilienfeld, Niederösterreich) Annaberg (Bezirk Lilienfeld, Niederösterreich) St. Aegyd am Neuwalde (Bezirk Lilienfeld, Niederösterreich)
Klima Das Mariazellerland besitzt ein winterkaltes und nur mäßig sommerwarmes bis kühles Klima. Es ist maritim geprägt und durch die Lage Mariazells am Nordstau der Alpen sehr niederschlagsreich. Mit 41,7 % relativer Sonnenscheindauer „zählt der Mariazeller Raum zu den am meisten benachteiligten Gebieten Österreichs. Die Wald- und Baumgrenzen zählen zu den niedrigsten in Österreich.“ Besonders kalt werden kann es zum Beispiel im Halltal, wo die Temperaturminima −30 °C unterschreiten. Die günstigste Jahreszeit ist der Herbst (im Oktober 51 % relative Sonnenscheindauer). Der Wind weht meist aus nordwestlicher Richtung, wobei auch oft föhnige Effekte aus südlicher Richtung auftreten (Fallwinde aus Richtung Hochschwab-Veitsch-Rax).Umwelt Steiermark, Klimaregionen der Steiermark, abgerufen am 21. Juni 2021
Die Winter gelten als relativ schneesicher, durchschnittlich gibt es an 121 Tagen im Jahr eine Schneedecke. Zudem treten jährlich durchschnittlich 146 Frosttage und 32 Eistage auf, demgegenüber stehen jährlich 19 Sommertage und 1 Tropentag.Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, Klimadaten von Österreich 1971–2000, abgerufen am 21. Juni 2021
Geschichte mini|Mariazell, Einzug der Grazer Prozession,Lithographie um 1830
Frühzeit Für die Antike sind im Bereich des heutigen Mariazellerlandes keine größeren bzw. geschlossenen Siedlungen nachweisbar. Berg- und Flussnamen keltischen und slawischen Ursprungs in der Region werden von der Forschung jedoch als Hinweis auf (auch unterbrochene) Besiedlung gedeutet. Beispielsweise wird die Bezeichnung Ötscher oft auf eine slawische Wurzel („otec“ für „Vater“) zurückgeführt.
Mittelalter mini|hochkant|Historische Ansicht der Basilika Mariazell, ca. 1880 1025 machte König Konrad II. seiner Schwägerin Beatrix – vermählt mit Adalbero von Eppenstein – Teile der Grafschaft im Mürztale zum Geschenk. Bei der Schenkung handelte es sich um 100 Huben (niederdeutsch „Hufe“), zu denen auch das Gebiet des späteren Marktes Mariazell gehörte. Langjährige Streitprozesse wurden um diese Schenkung vor dem Reichsgericht und sogar vor dem Papst ausgetragen. Der Salzburger Erzbischof Eberhard entschied im Jahre 1151 in der Sache zugunsten des Stiftes St. Lambrecht, das die letzten Eppensteiner (erloschen 1122) in den Jahren um 1100 gegründet hatten. Es dürfte schon kurz darauf zur Teilung des Pfarrgebietes Mariazell und der Herrschaft Aflenz gekommen sein. Aus einer Urkunde von Papst Hadrian IV. entnehmen wir das Datum 21. Dezember 1157 – noch heute wird dieser Tag traditionellerweise als Gründungstag von Mariazell gefeiert, auch wenn er historisch nicht belegbar ist.
1157 kam der Mönch Magnus mit seiner aus Lindenholz geschnitzten Marienstatue in das Zellertal und errichtete um die auf einem Baumstrunk stehende Statue die erste Kapelle, um die der spätere Ort heranwuchs. Diese hatte der Legende nach zuvor einen Felsen geteilt, der den Weg versperrte. Aus ‚Maria in der Zelle‘ entstand der Name Mariazell.
1344 wurde der Ort zum Markt erhoben. 1340–1380 wurden an der Kirche Umbauten im gotischen Stil vorgenommen.
1420 kamen die Türken das erste Mal nach Mariazell, wobei es zu einem Brand des Ortes und der Kirche kommt. 1474 verwüstet ein weiterer Brand den Ort. 1532 kamen die Türken abermals nach Mariazell und steckten mehrere Häuser in Brand. Die Kirche blieb jenes Mal verschont.
Neuzeit mini|Historische Ansicht von Mariazell, ca. 1900 1644 wurde die Barockisierung der Kirche durch Abt Benedikt Pierin eingeleitet und mit den Arbeiten Baumeister Sciassia beauftragt. Nach seinem Tode wurden die Bauarbeiten von verschiedenen Baumeistern fortgesetzt und 1780 abgeschlossen.
1679 besuchte Kaiser Leopold I. die Mariazeller Gnadenmutter und schleppte in seinem Gefolge durch einen infizierten Kammerdiener die Pest in Mariazell ein. 156 Personen fielen der Seuche zum Opfer.
1683 wurden aus Furcht vor neuerlichen Türkeneinfällen die Gnadenstatue sowie das Schatzkammerbild nach St. Lambrecht gebracht, von wo diese noch im selben Jahr wieder zurückkamen.
1742 erteilte die Kaiserin Maria Theresia dem Abt Eugen Inzaghi die Privilegien zum Erzabbau in Gollrad und Aschbach, sowie für den Bau und Betrieb eines Mariazeller Eisengusswerkes. 1786 hob Kaiser Joseph II. im Rahmen seiner Klosteraufhebungen auch das Stift St. Lambrecht auf, wovon auch Mariazell betroffen war. Die Wallfahrten wurden erschwert und später gänzlich untersagt.
1798 verwüstete neuerlich ein Großbrand den Ort, wobei vornehmlich die Wiener Straße betroffen war. 1805 kam es in der Schlacht bei Mariazell zu Kampfhandlungen mit den französischen Truppen unter Napoleon. 1809 wurde der Kirchenschatz vor den französischen Truppen nach Temesvár in Ungarn in Sicherheit gebracht. Wenige Wochen später rückten die Franzosen in Mariazell ein. Kampfhandlungen, Requirierung und Missernten führten in diesen Jahren zur Ausblutung der Bevölkerung.
mini|Mariazell vom Sigmundsberg aus fotografiert 1816 wurde zu einem regelrechten Hungerjahr. Erzherzog Johann ließ die Kartoffel einführen und Armenäcker in der Gegend zur Bekämpfung des Hungers anlegen. 1818 kaufte Erzherzog Johann den Brandhof.
1827 kam es in der Allerseelennacht zum größten Brand, der fast den gesamten Ort einäscherte und bei dem die Kirche schwere Brandschäden erlitt. 1828–1832 konnte der Ort unter großen Mühen und Opfern wieder aufgebaut werden.
1892 wurde im stillgelegten Bohrwerk des Eisenwerkes ein Elektrizitätswerk aufgebaut und in den folgenden Jahren Mariazell erstmals mit elektrischem Strom versorgt. 1896 erfolgte der Bau der ersten allgemeinen Wasserleitung. 1898 wurde das Mariazeller Eisengusswerk stillgelegt.
1907 wurde die im Jahr zuvor fertiggestellte Mariazellerbahn dem öffentlichen Verkehr übergeben. 1911 wurde die Mariazellerbahn elektrifiziert.
1924 wurden die Mariazeller Festspiele im neu erbauten Festspielhaus eröffnet. Sie erlebten 1925 ihren Höhepunkt. In den folgenden Jahren kam es jedoch zum finanziellen Niedergang und zum Ende der Spiele.
1928 wurde als eine der ersten Seilbahnen in Österreich die Seilschwebebahn auf die Bürgeralpe gebaut. Im gleichen Jahr wurde die allgemeine Wasserleitung um die „Student-Quelle“ erweitert.
Zweite Republik
mini|Die Basilika von der Grazerstraße aus gesehen mini|Die Grazerstraße mini|hochkant|Das Brauhaus in der Wiener Straße
1945 zog die Rote Armee der Sowjetunion in Mariazell ein und nahm mit 5000 Mann Quartier; als Teil der Steiermark kam der Ort aber später im Jahr zur britischen Besatzungszone.
1948 wurde Mariazell zur Stadt erhoben. Eine generelle Kirchensanierung erfolgte von 1955 bis 1957. In diesen Jahren wurden auch die Ortsumfahrung und ein neues Postamt gebaut.
1966 lösten die Patres des Stiftes Kremsmünster die Patres des Schottenstiftes ab, die seit 1949 die kirchliche Leitung Mariazells innehatten. In den folgenden Jahren gab es umfangreiche Sanierungsarbeiten an der Kirche und am Pfarrhof sowie den umliegenden Kapellen vorgenommen und der neue Rosenkranzweg wurde gebaut.
1976 erhielt Mariazell ein Hallenbad und einige Jahre darauf eine Erweiterung der Hauptschule.
1983 besuchte Papst Johannes Paul II. Mariazell. Der Papstaltar wurde am Hauptplatz aufgebaut. Im Zuge dieses Großereignisses wurden in der gesamten Stadt Fassaden umfassend renoviert, der Hauptplatz neu gestaltet und Parkplätze geschaffen.
1990 fand eine Dank- und Freiheitswallfahrt der ehemaligen Ostblockländer mit 25.000 Teilnehmern statt.
1992 wurde die Wallfahrtsseelsorge von den Benediktinern aus Kremsmünster in die Obhut des Gründerstiftes und Mutterklosters St. Lambrecht übergeben.
1988 stellte die Mariazellerbahn ihren Betrieb zwischen Mariazell und Gußwerk ein; 2003 wurden die Anlagen der Mariazellerbahn zwischen Mariazell und Gußwerk abgetragen.
2004: Mitteleuropäischer Katholikentag – Wallfahrt der Völker nach Mariazell mit über 100.000 Besuchern.