Die waren ein Volk polynesischer Herkunft, das etwa ab 1500 auf den heute neuseeländischen Chathaminseln siedelte und dort bis Anfang des 19. Jahrhunderts weitgehend ungestört lebte. 1835 fielen die beiden -Stämme der und der von der Nordinsel Neuseelands in ihr Stammesgebiet ein. Über 200 Moriori wurden dabei getötet und die Überlebenden versklavt. Der Stamm als solcher gilt heute als ausgestorben.
Bei der Volkszählung 2006 gaben 942 Einwohner Neuseelands an, Nachfahren der zu sein. Die Nennungen verteilten sich über das gesamte Land, wobei aber die mit 192 und die mit 132 Schwerpunkte darstellten. mini|200px|-Baumschnitzerei, Chathaminseln (1900)
Abstammung Es wurde ursprünglich angenommen, dass die ein melanesisches Volk seien. Die wissenschaftliche Erforschung der Abstammung der begann um 1894. Der erste Gelehrte, der sich mit dieser Frage beschäftigte, war , und zwar auf der Basis von 38 Personen, an denen er seine Forschungen durchführte. ging davon aus, dass Māori und beide von den Polynesiern abstammten, aber je nach unterschiedlich starke melanesische Einflüsse aufwiesen. In der Folge beschäftigten sich einige Wissenschaftler mit der Abstammungsfrage. Doch die Anzahl der , die keiner Mischehe entstammten, nahm rapide ab. , der Letzte der , verstarb am 19. März 1933. So wurde es für die Wissenschaftler zusehends schwieriger, an lebenden Personen zu forschen.
Heute gehen Anthropologen davon aus, dass die rein polynesischer Abstammung waren und je nach Auslegung zwischen dem 9. und dem 16. Jahrhundert auf den -Inseln siedelten. Meist wird aber um 1500 als Besiedelungszeitpunkt angegeben. Durch die isolierte Lage der Inselgruppe entwickelte sich unter den eine eigenständige Sprache und Kultur, sodass man sie als ein von den unterscheidbares, eigenständiges Volk betrachten muss. Brett weist jedoch darauf hin, dass sie sich selbst nicht als solches bezeichneten, sondern dass Anzeichen einer emischen kollektiven Identität vor dem Kontakt mit den Briten fehlen"there are serious questions about whether Moriori possessed a collective identity prior to contact", André Brett, ‘The miserable remnant of this ill-used people’: colonial genocide and the Moriori of New Zealand's Chatham Islands. Journal of Genocide Research 17/2, 2015, 134. DOI:10.1080/14623528.2015.1027073.
Namensherkunft Die Schreibweise des Namens der ist höchst unterschiedlich und reicht von über , , , bis hin zur jetzt gebräuchlichen englischen Form , wobei das erste „o“ lang ausgesprochen wird. Über die Entstehung des Namens und seine unterschiedlichen Ausprägungen gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Es wird angenommen, dass sich die , als die ersten zu den Inseln herüberkamen oder die ersten Europäer die betraten, selbst so benannten. Sie taten dies nicht, um sich als eine bestimmte Rasse zu bezeichnen, denn aus ihrer Sicht gab es nur Bezeichnungen für ihre Stämme, sondern dem Gegenüber zu dokumentieren, dass sie ein anderer Stamm waren. Entsprechend dem von wird das Wort mit (gewöhnliches Volk eines Ortes) übersetzt. Ableitungen davon wurden als Bezeichnung für die Bewohner der erst nach der Ankunft der Europäer verwendet.
Einflüsse von außen und Verdrängung Den vermutlich ersten Kontakt zu Europäern hatten die am 29. November 1791. An diesem Tag ging Leutnant mit der vor , der Hauptinsel der Inselgruppe, vor Anker. Bei dem Versuch, einen Tauschhandel mit den einzugehen, kam es zu Missverständnissen und in Folge zu Kampfhandlungen, bei denen einer der getötet wurde. Nach der Abreise beschlossen die Stämme, Fremden zukünftig wohlwollend zu begegnen und Konflikte friedlich zu lösen (Nunukus Gesetz). Vor der Abreise der hisste die britische Flagge, gab der Hauptinsel den Namen seines Schiffes und beanspruchte das Land für King George III.
Anfang 1800 hatten sich einige Walfänger und Seehundjäger auf den -Inseln niedergelassen und um 1827 herum und in den Folgejahren sollen größere Mengen Schweinefleisch von den -Inseln nach Neuseeland transportiert worden sein. Gut 35 Jahre nach Landung kamen die in Kontakt zu sechs Schiffbrüchigen der Brigg Glory, die am 15. Januar 1827 vor Pitt Island havarierte und sank. Es wird angenommen, dass die sechs Überlebenden mit einem Kanu der zurück nach Neuseeland segeln konnten und schließlich die sicher erreichten.
Am 17. November 1835 kam Kapitän mit der , begleitet von rund 500 der Stämme und der zu den . Andere Quellen sprechen von 900 Okkupanten, die in zwei Transporten zu den Inseln kamen. Die von der strapaziösen dreitägigen Überfahrt geschwächten wurden gastfreundlich empfangen. Doch bei später aufkommenden Konflikten gingen die kriegerischen zum Angriff über, töteten über 200 und versklavten die Überlebenden. Am 5. Juli 1866 wurden die zu einer Strafkolonie umfunktioniert, in der die im Rahmen der militärischen Niederschlagung der religiösen Bewegung gefangen genommenen Māori inhaftiert wurden. Unter ihnen war , der zwei Jahre später am 4. Juli 1868 mit 300 Gefolgsleuten auf dem gekaperten Schoner entkommen konnte.
ging in seiner Publikation 1972 davon aus, dass um 1791 2.000 auf den Inseln der gelebt haben, wogegen 1862 der Council der 101 noch überlebenden eine Namensliste der 1.663 erstellte, die kurz vor der Invasion durch die im Jahr 1835 auf den Inseln gelebt hatten. Der Rückgang der Einwohnerzahl von 1791 bis 1835 ergab sich durch die von Europäern eingeschleppten Krankheiten wie Grippe und Masern, an denen viele starben. Der Verlust von über 1.500 Bewohnern von 1835 bis 1862 wurde durch Tötung, Versklavung und Verschleppung durch die von der Nordinsel Neuseelands eingefallenen verursacht. Der letzte verstarb am 19. März 1933. hatte es als der letzte Überlebende seines Stammes zu einer gewissen Bekanntheit gebracht.
Der Historiker André Brett von der Curtin University klassifiziert die Vernichtung der Moriori als VölkermordAndré Brett, ‘The miserable remnant of this ill-used people’: colonial genocide and the Moriori of New Zealand's Chatham Islands. Journal of Genocide Research 17/2, 2015, 133–152. DOI:10.1080/14623528.2015.1027073.
Waitangi Tribunal In den 1990er-Jahren fingen die Nachfahren der an, sich in der Öffentlichkeit vermehrt als (die ersten -Inselbewohner) darzustellen. Sie trugen ihre Ansprüche an den erstmals am 9. Mai 1994 dem vor, das zu diesem Zweck zur ersten Anhörung in der auf den stattfand. Seit dieser Zeit gab es 14 Anhörungen mit dem Ergebnis eines ersten Reports, der am 25. Mai 2001 erstellt wurde.
Der Report stellte klar, dass die Versklavung der im Jahre 1835 auch nach der Annexion der Inseln durch die britische Krone im Jahre 1842 noch über 20 Jahre lang stattfand und damit seitens der Krone gegen den Slavery Abolition Act von 1833 und die damaligen Menschenrechtsstandards verstoßen wurde. Weiterhin wurde festgestellt, dass Landentschädigungen nicht in ausreichendem Maße und zu ungerechten Preisen stattgefunden hatten. Es wurde festgestellt, dass mindestens die Hälfte des Landes hätte zurückgegeben werden müssen. Verhandlungen darüber begannen im Jahr 2004.
Gegenwart Die neuseeländische Bildungsministerin präsentierte im März 2011 acht neue Schulbücher, in denen die Geschichte und Kultur der neu dargestellt wurde. Sie stellte diese Bücher mit einem symbolischen Akt im auf den vor und bemerkte, dass „zum ersten Mal die eine authentische Stimme in den Schulbüchern hätten“. 169 Jahre nach der britischen Besitznahme der Chatham Islands wurde nun den Vorurteilen über Herkunft, Kultur und Charakter der , die häufig als primitives, faules und heimtückisches „Naturvolk“ dargestellt wurden, offiziell widersprochen.
Siehe auch Liste der Iwi in Neuseeland
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ethnie in Australien und Ozeanien
Kategorie:Chatham-Inseln Kategorie:Völkermord