Günter Bohnsack (* 1939 in Berlin; † 2013 ebenda) war ein Oberstleutnant der Hauptverwaltung A (HVA) innerhalb des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), des Auslandsnachrichtendienstes der DDR.

Leben Bohnsack studierte von 1959 bis 1964 an der Fakultät Journalistik an der Karl-Marx-Universität in Leipzig, anschließend war er Mitarbeiter der Staatssicherheit. 1975 erwarb er einen Abschluss als Diplomaußenpolitiker.Steffen Reichert: Transformationsprozesse: der Umbau der LVZ (= Medienwandel in Ostdeutschland 1). Lit, Münster 2002, ISBN 3-8258-4487-0, S. 250.

Er war Oberstleutnant der Hauptabteilung X. Bohnsacks Abteilung hatte die Aufgaben Informationsbeschaffung und Desinformation in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin. Bohnsack veröffentlichte nach der deutschen Wiedervereinigung zwei Bücher, in denen er das Innenleben des MfS und seine Arbeit kritisch beleuchtete. MfS-Kollegen haben sich daher von ihm distanziert, wie sein ehemaliger Vorgesetzter Werner Großmann („Dieser Lump!“).Nikolaus Jilch, Jens Lang: In: Datum, 1. Juni 2008.

Seit der deutschen Wiedervereinigung war Günter Bohnsack ein gesuchter ErinnerungszeugeFrank Rothe: Die Geschichte der Catherine Gittis – Es ist kein Stein auf ihrem Grab. der Freitag vom 13. Juli 2001 für die nicht zuverlässig belegteJürgen Dahlkamp, Gunther Latsch: Sieg ohne Sieger. Der Spiegel 44/2004 vom 25. Oktober 2004, S. 216–218. Zusammenarbeit prominenter Westdeutscher mit dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Er benannte Bernt EngelmannDirk Banse, Michael Behrendt: Stasi führte Bernt Engelmann als IM „Albers“. Die Welt, 19. Juni 2004 und Günter Wallraff als inoffizielle Mitarbeiter des MfS. In einem Artikel für den Spiegel klassifizierte Bohnsack 1991 gemeinsam mit seinem ehemaligen Stasi-Kollegen Herbert Brehmer Beate Klarsfeld als . Die Autoren schrieben: Günter Bohnsack, Herbert Brehmer: Treffen auf der Parkbank – Die Ex-Stasi-Offiziere Günter Bohnsack und Herbert Brehmer über ihre Tricks gegen Geheimdienste und Medien (II) In: Der Spiegel, 22. Juli 1991. Er beschrieb Stasi-Kampagnen gegen Hans Filbinger und Heinrich Lübke.Jochen Kummer: Der gute Stern der Stasi. Welt am Sonntag, 29. April 2001. 2012 schätzte der Spiegel-Autor Peter Wensierski im Zusammenhang mit Bohnsacks Aussagen über Beate Klarsfeld ein: „...zu seinen Aufgaben gehörte die Desinformation. Mit entsprechender Vorsicht sind wohl auch seine heutigen Aussagen zu bewerten.“

Publikationen mit Herbert Brehmer: Auftrag Irreführung. Wie die Stasi Politik im Westen machte. Carlsen Verlag, Hamburg 1992, ISBN 3-551-85003-8. Die Legende stirbt – Das Ende von Wolfs Geheimdienst. Berlin 1997, ISBN 3-929161-25-7.

Siehe auch William Borm

Weblinks

A. Jeschke, D. Uentzelmann: Gänsebraten im Dschungel: Die ehemaligen Stasi-Offiziere Günter Bohnsack und Herbert Brehmer über Ost-Berlins Tricks gegen Bonn (I). Der Spiegel 29/1991, 15. Juli 1991, S. 34–38 Stasi: Häufig zum Tee. Der Spiegel 30/1991, 22. Juli 1991, S. 57–58 (Teil 2 des Berichts über Bohnsack und Bremer.)

Nikolaus Jilch, Jens Lang: Ostalgiker. In: Datum, 1. Juni 2008.

Einzelnachweise

Kategorie:Oberstleutnant des Ministeriums für Staatssicherheit Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1939 Kategorie:Gestorben 2013 Kategorie:Mann