Die deutsche B-Fußballnationalmannschaft war eine ständig stark fluktuierende Auswahl von Spielern, die zum Zweck der Erweiterung bzw. Heranführung an den Kader der A-Auswahl vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) geführt wurde. Zwischen 1951 (0:2 gegen die Schweiz am 14. April in Karlsruhe) und 1986 (3:0 gegen Schweden am 28. Oktober in Essen) bestritt die B-Elf 62 Länderspiele (40 Siege, 7 Unentschieden, 15 Niederlagen; Torverhältnis 122:65).Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball. Das Lexikon. S. 64–65. Laut dem früheren Bundestrainer Sepp Herberger diente sie „der Erfassung und Förderung des Nachwuchses in einer spielstarken Mannschaft“.Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft. S. 126. Die Juniorennationalmannschaft U 21 löste schließlich diese Mannschaft ab, nachdem seit 1974 keine Länderspiele mehr mit der Juniorennationalmannschaft U 23 durchgeführt wurden.

Geschichte Die Rahmenbedingungen der Nationalmannschaft Anfang der 1950er Jahre Im DFB wurde die Leistungsspitze des Fußballsports Anfang der 1950er Jahre durch die Nationalmannschaft, Repräsentativspiele der Regionalverbände, die Staffeln der Fußball-Oberligen (Süd, Südwest, West, Nord, Berliner Stadtliga) und die Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft repräsentiert. Zur Saison 1950/51 wurden mit Schaffung einer 2. Liga (anfangs auch II. Division) im Süden zu der bereits 1949/50 im Westen bestehenden eine weitere Vertragsspielerklasse eingeführt und die 1. Amateurliga als oberste Spielklasse des Amateurfußballs installiert.

Repräsentativspiele der Regionalverbände hatten nach dem Zweiten Weltkrieg fast den Charakter von Länderspielen. Historischer Hintergrund waren die vormaligen Wettbewerbe um den Kronprinzenpokal beziehungsweise ab 1919 um den Bundespokal der Verbandsauswahlmannschaften der Regionalverbände des DFB.Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball. Das Lexikon. Sportverlag. Berlin 2000. ISBN 3-328-00857-8. S. 93, 365 Am 24. März 1946 fand in Stuttgart das erste Spiel dieser überregionalen Begegnungen statt. Süddeutschland gewann mit 3:0 Toren gegen Westdeutschland. „Eineinhalb Jahrzehnte hatte sie in der Oberligaära sozusagen ihren zweiten Frühling, und die Popularität war immens. Etliche Wochen vor jedem dieser Matches gab es ausführliche Vorschauen und Formberichte, und die Fachpresse ließ ihre Leser über die Aufstellungen abstimmen, mit riesigem Echo. Entsprechend waren Ehrgeiz und Einsatz der Spieler.“Jens Reimer Prüß in Werner Skrentny (Hrsg.): Als Morlock noch den Mondschein traf. Die Geschichte der Oberliga Süd 1945–1963. Klartext-Verlag, Dortmund 1993, ISBN 3-88474-055-5, S. 64. Zur Sichtung waren sie für Bundestrainer Sepp Herberger beim Aufbau der Nationalmannschaft besonders wertvoll. Von einer „engmaschigen“ Sichtung des Spielermaterials – gleich gar nicht von mehrmaligen Augenscheinsterminen – in den fünf Oberligen konnte unter den damaligen personellen Gegebenheiten im DFB, der noch nicht gegebenen Fernsehberichterstattung sowie der vergleichsweise eingeschränkten Mobilität keine Rede sein. Die vertrauensvolle Mitarbeit der Verbandssportlehrer deckte alleine die Fläche ab, der entscheidenden Instanz des Bundestrainers waren aber nur begrenzte „Stichproben“ möglich. Die Berichterstattung in den Zeitungen über die regionalen Oberligen waren nicht objektiv verwertbar im Streit über das konkurrierende Leistungsvermögen der Spieler im Süden, Südwesten, Westen, Norden und Berlin. Die Journalisten im Süden – das traf selbstverständlich auch im Umkehrschluss zu – hatten wenig Ahnung über das Spielerreservoir in den Oberligen West und Nord, zumindest nicht in der Breite. Lediglich über die Endrundenteilnehmer der „fremden“ Oberligen konnte man sich ein Bild verschaffen. Ob darüber hinaus aber ein Talent in Heide, Düren oder Augsburg beobachtungswert sei, darüber fehlte in diesen Jahren auch den Zeitungsleuten jede ernsthafte Handhabe. Bei Landefeld wird dazu festgehalten:Harald Landefeld, Achim Nöllenheidt (Hrsg.): Helmut, erzähl mich dat Tor... Neue Geschichten und Porträts aus der Oberliga West 1947–1963. Klartext, Essen 1993, ISBN 3-88474-043-1, S. 84. Mehr half das legendenumwobene „Notizbuch“ des Bundestrainers, in dem alle Talente und Könner des deutschen Fußballs notiert sein sollten. „Der Notizbuch-Legende hat der Bundestrainer nie widersprochen. Solche Mythen liebte er, übten sie doch auf die Umwelt eine suggestive Kraft aus.“Harald Landefeld, Achim Nöllenheidt (Hrsg.): Helmut, erzähl mich dat Tor... Neue Geschichten und Porträts aus der Oberliga West 1947–1963. Klartext, Essen 1993, ISBN 3-88474-043-1, S. 84. Das Schema der Herbergerschen Nachwuchssuche hatte eindeutig mit den damals zur Verfügung stehenden einfachen Kommunikationswegen zu tun. Es gab für ihn die Berichte der Verbandstrainer und die Beurteilungen der Oberligatrainer. Erst wenn sich mehrmals die Vorschläge und Beurteilungen von Verbands- und Vereinstrainer deckten, nahm Herberger die Spieler persönlich unter die Lupe.

In der Saison 1950/51 führten in den Oberligen die Vereine 1. FC Nürnberg, SpVgg Fürth, VfB Mühlburg (Süd), 1. FC Kaiserslautern, Wormatia Worms, FK Pirmasens (Südwest), FC Schalke 04, Preußen Münster, Borussia Dortmund (West), Hamburger SV, FC St. Pauli, Holstein Kiel (Nord) sowie in Berlin Tennis Borussia, SC Union 06 und Hertha BSC die Tabelle an. Die Zweitklassigkeit spielte sich im Norden in fünf Amateurstaffeln, im Südwesten in sechs Amateurstaffeln (ab 1951/52 wurde die 2. Liga Südwest eingeführt), in Berlin in der Amateurligastaffel mit 12 Vereinen, im Westen in einer zweigeteilten 2. Liga und in Süddeutschland in der 2. Liga mit 18 Vereinen ab. Die persönliche Sichtungsmöglichkeit im Ligaalltag war somit durch den Bundestrainer alleine schon durch die Anzahl der in Frage kommenden Spielklassen nur punktuell möglich.

Mehr an Relevanz und auch deutlich an Qualität und Aussagekraft brachte die alljährliche Phase der Endrundenspiele um die deutsche Meisterschaft. Von 1948 bis 1951 hatte es die vier Meister mit dem 1. FC Nürnberg (1948), VfR Mannheim (1949), VfB Stuttgart (1950) und dem 1. FC Kaiserslautern (1951) gegeben. Den Einzug in die Endspiele hatten der 1. FC Kaiserslautern (1948), Borussia Dortmund (1949), Kickers Offenbach (1950) und Preußen Münster im Jahr 1951 erreicht.

Für Spieler, die sich mit ihren Vereinen in den Endrunden präsentieren konnten, war es objektiv leichter, die Aufmerksamkeit der Fußballöffentlichkeit zu erreichen und Aufnahme in das „Notizbuch“ des Bundestrainers zu finden. Talente und reife Könner dagegen, die mit der Leistungsstärke ihrer Vereine nicht die sportliche Möglichkeit hatten, in die Endrunde zu gelangen, die hatten es sehr schwer, überregional wahrgenommen zu werden.

Als ab der Saison 1955/56 erstmals der Europacup der Landesmeister ausgespielt wurde – ab 1960/61 wurde auch der Cup der Pokalsieger ausgetragen –, wurde dem Vereinsfußball die Möglichkeit geschaffen, sich über die Landesgrenzen hinaus unter Wettbewerbsbedingungen zu messen. Von dieser sportlich wie auch finanziell belebenden Konkurrenz profitierte auch die Sichtung für die Nationalmannschaft, wenn auch in Deutschland in den Anfangsjahren des Europacups, seine Faszination und sein Beitrag zur Leistungssteigerung nicht in seiner elementaren Bedeutung für den europäischen Fußball erkannt worden ist. Eigentlich ging die Wahrnehmung des Europapokals erst mit dem unerwarteten Finaleinzug im Wettbewerb 1959/60 durch Eintracht Frankfurt in Deutschland los und wurde durch den Hamburger SV im Jahr darauf mit den Spielen gegen den FC Burnley und den FC Barcelona fortgesetzt.

Beispielhaft zeigt sich die Einstellung des DFB zu den europäischen Wettbewerben am Anfang der geplanten Europameisterschaft der Ländermannschaften. An den ersten zwei Turnieren um die Europameisterschaft, 1960 und 1964, nahm der DFB aus Protest mit seiner Nationalmannschaft nicht teil. Bundestrainer Herberger hatte zum „Europacup der Nationen“ bemerkt:Hardy Grüne: Fußball EM Enzyklopädie. 1960 bis 2012. 2. Auflage. AGON Sportverlag, Kassel 2008, ISBN 978-3-89784-350-9, S. 40. Auch die bundesdeutsche Medienwelt räumte dem Europaturnier nur spärlichste Aufmerksamkeit ein. In Deutschland herrschte die Sorge vor, den übervollen Terminkalender nicht mehr bewältigen zu können, und auch die Klage über die starke Beanspruchung der Spieler wurde als Argument gegen die Einführung und Teilnahme der Europameisterschaft als Argument angeführt.

Auswahlmannschaften des DFB in der Oberligaära, 1950 bis 1963 Das erste Länderspiel der A-Nationalmannschaft nach dem Zweiten Weltkrieg fand am 22. November 1950 in Stuttgart gegen die Schweiz statt. Die zwei Repräsentativspiele von Auswahlmannschaften der Regionalverbände am 11. und 12. NovemberKarl-Heinz Jens: Der allwissende Fußball. Sport-Magazin im Olympia-Verlag, Nürnberg 1966, S. 201. in Ludwigshafen beziehungsweise Frankfurt am Main zwischen Südwest (Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich, Fritz Walter, Ottmar Walter) und Süd (Erich Retter, Andreas Kupfer, Gunther Baumann, Fritz Balogh, Rudolf de la Vigne) – 2:2 vor 62.000 Zuschauern – sowie einer zweiten Mannschaft des Südens (Karl Barufka, Gerhard Kaufhold, Max Morlock, Horst Schade, Richard Herrmann) gegen Westdeutschland (Toni Turek, Paul Mebus, Josef Röhrig, Felix Gerritzen, Alfred Preißler, Karl Hetzel, Hans Schäfer, Bernhard Klodt) – 5:4 vor 24.000 Zuschauern – waren die abschließende Prüfung der Nationalmannschaftskandidaten. Das Rückspiel wurde am 15. April 1951 in Zürich ausgetragen und der Bundestrainer nutzte die Gelegenheit und hob mit dem Einverständnis des DFB als Unterbau die B-Nationalmannschaft aus der Taufe.

Das erste offizielle Spiel einer B-Nationalmannschaft fand am 14. April 1951 – einen Tag vor dem zweiten A-Länderspiel in Zürich – im Karlsruher Stadion Honsellstraße statt und endete mit einer 0:2-Niederlage gegen die Schweiz.Heimann, Jens: Kicker Almanach. 1989, S. 104. Die Spieler der ersten B-Nationalmannschaft waren: Willi Rado (FSV Frankfurt) – Erich Retter (VfB Stuttgart), Adolf Knoll (SpVgg Fürth) – Hans Haferkamp (VfL Osnabrück), Paul Matzkowski (Schalke 04), Heinz Trenkel (VfB Mühlburg) – Gerhard Kaufhold, Kurt Schreiner (beide Kickers Offenbach), Paul Lipponer (SV Waldhof), Horst Buhtz (VfB Mühlburg), Rolf Blessing (VfB Stuttgart) Die Auswahl setzte sich damit aus neun Akteuren der Oberliga Süd und je einem Vertreter aus dem Norden und Westen zusammen. Aus dieser Mannschaft wurden später Verteidiger Retter, Außenläufer Haferkamp und Angreifer Kaufhold auch in die A-Nationalmannschaft berufen, der Mann aus Osnabrück bereits zwei Monate nach dem Debüt der B-Elf am 17. Juni 1951 in Berlin beim Länderspiel gegen die Türkei. Bundestrainer Herberger hielt in der Folgezeit die Häufigkeit der Einsätze der B-Elf in Grenzen, lediglich im Jahr 1956 führte der DFB als Spitzenwert vier B-Länderspiele durch. Zwei, drei B-Spiele pro Jahr waren die Regel. Für die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki baute Herberger daneben eine Amateurnationalmannschaft auf, die er über Jahre zusätzlich bei der Talentsichtung auch für die Nationalmannschaft zum Einsatz brachte. Die letzte neu geschaffene DFB-Mannschaft in der Herberger-Ära, welche die Basis der Auswahlteams ergänzte, die U-23-Nationalelf, debütierte am 25. Juni 1955 in Frankfurt mit einem 3:3-Remis gegen Jugoslawien.