Die Freie Deutsche Jugend (FDJ) ist ein kommunistischer Jugendverband.

In der DDR war sie eine staatlich anerkannte und geförderte Jugendorganisation, eine De-facto-Jugendorganisation der SED. Sie war als Massenorganisation Teil eines parallelen Erziehungssystems zur Schule. Die FDJ ist Mitglied im Weltbund der Demokratischen Jugend und im Internationalen Studentenbund. Nach dem Ende der DDR versank sie in der politischen Bedeutungslosigkeit. Die FDJ in Westdeutschland ist seit 1954 als verfassungswidrige Organisation verboten, während die FDJ heute legal operieren kann.

Vorgeschichte mini|hochkant|Fahne der FDJ in England, August 1939 mini|Mitgliedsabzeichen der FDJ – Anstecknadel Erste Gruppen der FDJ entstanden schon vor dem Zweiten Weltkrieg im Exil im Juni 1936 in Paris und am 8. Mai 1938 in Prag. Die Arbeit der FDJ in der Tschechoslowakei und in Frankreich kam mit der deutschen Besetzung zum Erliegen, da ihre Mitglieder fliehen mussten (→ 1938 – Münchner Abkommen, → 1940 – deutsche Besetzung Frankreichs). Dafür entstanden ab April 1939 in Großbritannien FDJ-Gruppen. Nur dort gelang es, landesweit unter den Emigranten tätig zu werden. In Schottland und anderen Regionen entstanden Gruppen,Arno Gräf: Die Freie Deutsche Jugend in Schottland 1942 bis 1946, in: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft I/2009. deren Hauptaufgabe die Unterstützung der meist sehr jungen jüdischen Emigranten darstellte. Etwa zehn Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren, die mit Kindertransporten nach Großbritannien ausreisen konnten, traten später dort der FDJ bei. In 23 Städten gründeten sich Gruppen der FDJ mit insgesamt etwa 600 Mitgliedern.Alfred Fleischhacker(Hrsg.): Das war unser Leben. Erinnerungen und Dokumente zur Geschichte der FDJ in Großbritannien 1939–1946. ISBN 3-355-01475-3, S. 8 Die FDJ gab die Organisationszeitungen Freie Deutsche Jugend und Freie Tribüne: Anti-Nazi Monthly heraus. Ab April 1943 rief die FDJ in Großbritannien ihre Mitglieder dazu auf, in die britische Armee einzutreten. Etwa 150 Mitglieder folgten diesem Aufruf. Ebenfalls 1943 trat die FDJ als Organisation der am 25. September in London gegründeten „Freien Deutschen Bewegung“ bei. Am Gründungskongress des Weltbundes der Demokratischen Jugend im Oktober 1945 nahm die FDJ mit einer achtköpfigen Delegation teil und erhielt im Weltbund einen Beobachterposten.

In Großbritannien stellte die FDJ im Sommer 1946 ihre Tätigkeit ein, da viele ihrer Mitglieder inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt waren.Martin Broszat, Hermann Weber (Hrsg.): SBZ-Handbuch – Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945–1949. Oldenbourg-Verlag, München. 2. Auflage 1993. ISBN 978-3-486-55262-1. Alfred Fleischhacker spricht 2008 in einem Interview von etwa 750 Mitgliedern, die die FDJ zwischen 1941 und 1945 in Großbritannien hatte. Von denen seien etwa 100 nach Kriegsende wieder nach Deutschland zurückgekehrt. (Interview mit Alfred Fleischhacker)

Vorsitzende in dieser Zeit waren: Adolf Buchholz (8. Mai 1938–März 1942, in Prag/London) Horst Brasch (12. April 1942–Ende 1945) in London bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland Albert Kleeberg (Ende 1945–Sommer 1946)

Die FDJ in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und in der DDR mini|hochkant|Gründungsfeier der Berliner FDJ im Friedrichstadtpalast, November 1947 mini|FDJ-Mitgliedsausweis von 1948 mini|FDJ-Hemd („Blauhemd“) Die Führung der KPD in Moskau hatte schon vor der Wiedergründung der Partei in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) Pläne für ihre Nachkriegsjugendpolitik entwickelt: Sie wollte nicht wieder einen kommunistischen Jugendverband schaffen, sondern eine „breite antiimperialistische demokratische“ Jugendorganisation unter der Bezeichnung „Freie Deutsche Jugend“. Im Sommer 1945 gab dann die Sowjetische Militäradministration in Berlin die Errichtung von Jugendausschüssen bekannt, bei denen die Führung antifaschistischen Jugendlichen übertragen wurde, die lernen sollten, mit eigener Kraft die Aufgaben zu lösen. Am 1. September 1945 trafen sich KPD- und SPD-Vertreter, um einen Ausschuss zur Schaffung des Jugendausschusses für die gesamte sowjetische Besatzungszone zu errichten. Aus den Antifaschistischen Jugendausschüssen sollte eine „freiheitliche deutsche Jugendbewegung“ erwachsen. Obwohl die SPD auch an der Errichtung einer eigenen Jugendorganisation arbeitete, verständigten sich ihre Vertreter auf der Gründungssitzung des Zentralen Antifaschistischen Jugendausschusses („Antifa-Jugend“) mit den Kommunisten auf eine paritätische Besetzung. Erich Honecker sollte das Gremium leiten. Honecker gewann auch ein aus der katholischen Jugend kommendes Mitglied für den Ausschuss. Nachdem die KPD bei der Bildung der antifaschistischen Einheitsfront in der sowjetischen Besatzungszone die Führungsrolle übernehmen konnte, holte sie sich im Februar 1946 in Moskau die politische Zustimmung zur Gründung der „Freien Deutschen Jugend“ und erhielt von den inzwischen schon nicht mehr frei handlungsfähigen Sozialdemokraten Otto Grotewohl, Max Fechner und Fritz Schreiber (1905–1994) eine prinzipielle Zustimmung.

Das Sekretariat des Zentralkomitees der KPD legte die Gründung auf den 24. Februar 1946 fest, stieß aber auf heftigen Widerstand der an den Vorentscheidungen nicht beteiligten Kirchen, die ihr Recht auf eigene kirchliche Jugendarbeit gefährdet sahen. Nachdem dieses Recht zugesagt worden war, erfuhr Wilhelm Pieck am 6. März von der Genehmigung der FDJ-Gründung durch die SMAD, die am folgenden Tag öffentlich bekannt gemacht wurde. Name und Emblem der Exilgruppen wurden bei der Gründung übernommen, letzteres dabei leicht verändert. Allerdings verstand sich die neu gegründete FDJ nicht als Rechtsnachfolger der Exilgruppen. Der 7. März wurde als offizieller Gründungstag der FDJ begangen.

Symbolik

Zielsetzung der ersten Jahre Die im Mitgliedsbuch formulierten Ziele der FDJ in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands bis 1949 waren: die Erhaltung der Einheit Deutschlands, die Gewinnung der deutschen Jugend für die großen Ideale der Freiheit, des Humanismus, einer kämpferischen Demokratie, des Völkerfriedens und der Völkerfreundschaft, die aktive Teilnahme aller Jugendlichen beim Wiederaufbau des Vaterlandes, die Schaffung eines neuen Deutschlands, das der Jugend das Mitbestimmungsrecht durch aktive Teilnahme an der Verwaltung des öffentlichen Lebens einräumt, und allen Jugendlichen ohne Unterschied ihrer Herkunft, des Vermögens und des Glaubens eine gute Berufsausbildung, Zutritt zu allen Bildungs- und Kulturstätten, gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit, ausreichenden Urlaub und Erholung sichert, die Förderung von jugendlichem Zusammengehörigkeitsgefühl durch die Entwicklung aller Interessengebiete des Lebens; die Bildung von Arbeits- und Interessengemeinschaften sozialer, kultureller und sportlicher Art sowie Förderung des Jugendwanderns.

Weltanschauliche Ausrichtung Die Organisation hatte die Aufgabe, die Jugend in den Marxismus-Leninismus einzuführen und zu „klassenbewussten Sozialisten“ zu erziehen, welche die „entwickelte sozialistische Gesellschaft in der Deutschen Demokratischen Republik“ mitgestalten. Sie verstand sich offiziell als Kampfreserve der SED, da die Partei keine eigene Jugendorganisation hatte, und entfaltete demgemäß ihre Aktivitäten. Die „Vertiefung der Freundschaft“ zur Sowjetunion und die Unterstützung „aller Völker der Welt“ im Kampf gegen das „imperialistische System“ hatte sich die FDJ als internationale Ziele gesetzt. So waren „FDJ-Brigaden“ am Bau der Erdgasleitung „Druschba“ (Druschba-Trasse) und der Eisenbahnstrecke Baikal-Amur-Magistrale (BAM) in der Sowjetunion beteiligt oder arbeiteten als Entwicklungshelfer z. B. im sandinistischen Nicaragua oder zeitweise in Mosambik und Angola. Eine zentrale Rolle kam der FDJ bei der Zurückdrängung kirchlicher Jugendorganisationen zu. Kirchliche Vertreter beklagten bereits 1946, dass „die Freie Deutsche Jugend in weiten Kreisen trotz aller betonten Freiwilligkeit [...] eine Zwangsjugend beziehungsweise Staatsjugend in neuer Aufmachung“Erklärung der kirchlichen Vertreter zu den Verhandlungen über die Freie Deutsche Jugend vom 26. Februar 1946. In: Ulrich Mählert; Gerd-Rüdiger Stephan: Blaue Hemden – Rote Fahnen. Die Geschichte der Freien Deutschen Jugend. Opladen 1996, S. 33. sei. In den 1950er Jahren wurden FDJ-Mitglieder gezielt gegen die kirchliche Jugendarbeit mobilisiert.Vgl. Ellen Ueberschär: Junge Gemeinde im Konflikt. Evangelische Jugendarbeit in SBZ und DDR 1945–1961. Stuttgart 2003. mini|Pionierveranstaltung im Zwickauer Pionierhaus Wilhelm Pieck, 1979 Freizeitangebot Neben der ideologischen Zielsetzung war die Organisation der Freizeitbetreuung ihrer Mitglieder eine wesentliche Aufgabe des Jugendverbandes. Er organisierte die offiziöse Jugendkultur in der DDR. Dazu gehörten Freizeitangebote und Jugendklubs, Urlaubsreisen für junge Leute über ihre Reiseagentur Jugendtourist und zahlreiche Jugendhotels. Über Jugendtourist organisierte Auslandsreisen ins westliche Ausland waren für „normale Mitglieder“ jedoch in der Regel nicht erreichbar.

Der FDJ oblag die Leitung der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“. In jeder größeren Stadt gab es ein Pionierhaus, in dem vielfältige Arbeitsgemeinschaften angeboten wurden. Darüber hinaus gab es Pionierferienlager, Expertenlager und Stationen Junger Naturforscher und Techniker. Zentrales Pionierlager war die Pionierrepublik Wilhelm Pieck am Werbellinsee bei Berlin; dorthin wurden aber nur von der Organisation ausgezeichnete Pioniere delegiert.

Organisationsstruktur Prinzip des demokratischen Zentralismus Die FDJ war, wie alle Parteien und Massenorganisationen der DDR und auch die DDR selbst, nach dem Prinzip des „demokratischen Zentralismus“ organisiert. Sie hatte in aufsteigender Reihenfolge die folgenden Organisationseinheiten: Gruppe (Schulklasse/Seminargruppe, Jugendbrigade), Abteilungs-FDJ-Organisation (AFO in Großbetrieben/Einheiten der NVA), Grundorganisation (Schule/Universität/Betrieb), Kreisleitung (Kreis im verwaltungstechnischen Sinne oder Großeinheit, z. B. Kreisleitung der FDJ im MfS, in der NVA, im VEB Bandstahlkombinat „Hermann Matern“ und anderen Kombinaten), Bezirksleitung (Bezirk als zweitgrößte Verwaltungseinheit der DDR). Oberste Verwaltungsebene bildete der Zentralrat der FDJ mit dem Ersten Sekretär an der Spitze.

Mitgliedschaft Die Jugendlichen wurden auf entsprechenden Antrag ab dem Alter von 14 Jahren in die FDJ aufgenommen; in der Regel mit dem Wechsel von der 7. zur 8. Klasse. Die Mitgliedschaft war laut Statut freiwillig, doch hatten Nichtmitglieder erhebliche Nachteile bei der Zulassung zu weiterführenden Schulen sowie bei der Studien- und Berufswahl zu befürchten und waren zudem starkem Druck durch linientreue Lehrkräfte ausgesetzt, der Organisation beizutreten. So traten ihr bereits bis Ende 1949 rund eine Million Jugendliche bei, was fast einem Drittel der Jugendlichen entsprach. Lediglich in Berlin, wo auf Grund des Vier-Mächte-Status auch andere Jugendorganisationen zugelassen waren, beschränkte sich der Anteil der FDJ-Mitglieder an der Jugend 1949 auf knappe 5 Prozent.Vgl. Marc-Dietrich Ohse: „Wir haben uns prächtig amüsiert“ – Die DDR, ein „Staat der Jugend“? In: Thomas Großbölting (Hg.): Friedensstaat, Leseland, Sportnation? DDR-Legenden auf dem Prüfstand. Berlin 2009, S. 76. 1985 hatte die Organisation etwa 2,3 Millionen Mitglieder, entsprechend etwa 80 Prozent aller DDR-Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren.