Der Siemens Vectron ist eine Lokomotivenplattform von Siemens Mobility, die seit 2010 den Nachfolger für die elektrische EuroSprinter- sowie die dieselelektrische EuroRunner beziehungsweise deren Weiterentwicklung Siemens ES 2007 darstellt. Auf der Plattform entstehen wieder sowohl Elektro- als auch dieselelektrische Lokomotiven.

Bis Ende 2025 wurden mehr als 2800 Lokomotiven der Vectron-Familie an über 110 Kunden verkauft. Zulassungen bestehen in 20 Ländern. Die Lokomotiven legten insgesamt etwa 1,3 Milliarden Kilometer zurück.

Die Fertigung der Wagenkästen, Teile der Vormontage und die Endmontage erfolgen in München-Allach.

Geschichte Die Lokomotivplattform Vectron als Nachfolger der EuroSprinter-Plattform wurde im Juni 2010 im Prüfcenter Wegberg-Wildenrath vorgestellt – zu diesem Zeitpunkt aber nur als Elektrolokomotive.Siemens AG Pressemitteilung, 29. Juni 2010: Vectron – die universale Lokomotive von Siemens für den europäischen Schienenverkehr.newstix, 29. Juni 2010: Vectron – die universale Lokomotive von Siemens für den europäischen Schienenverkehr. Auf der Innotrans 2010 wurde dann die Diesel-Variante Vectron DE vorgestellt. Die Vectron wurde im Jahr 2010/2011 mit dem Innovationspreis des Privatbahn Magazins ausgezeichnet. Der erste Auftrag von sechs Lokomotiven erfolgte 2011 vom deutschen Leasingunternehmen Railpool. 2013 erhielt Siemens einen größeren Auftrag der finnischen Staatseisenbahn VR, für die die Lokomotiven erstmals mit Breitspurdrehgestellen ausgestattet wurden. Im Juni 2017 wurde die 500. Vectron-Lokomotive bestellt, im Mai 2020 der 1000. Vectron.

Im März 2018 hat Siemens unter der Bezeichnung Smartron eine nicht konfigurierbare, günstigere Version der Lokomotive vorgestellt.Siemens Pressemitteilung: Neue Siemens-Lokomotive „Smartron“ für Deutschland, 1. März 2018LOK Report: Siemens: Neue Standard-Lokomotive „Smartron“ für Güterverkehr in Deutschland, 1. März 2018

mini|Siemens Vectron Dual Mode 248 001 in Brake (Unterweser) Zur Innotrans 2018 wurde die Zweikraftlokomotive Vectron Dual Mode vorgestellt. Sie ersetzte die Vectron DE, welche mangels Nachfrage eingestellt wurde.Eisenbahn Magazin, 05/19, Seite 32. Im März 2019 wurde die erste Lokomotive (248 001) der Öffentlichkeit präsentiert.

Im Herbst 2019 kündigte Siemens an, eine Vectron-Variante für 230 km/h zu entwickeln. Die Lokomotive 193 780 wurde dafür mit modifizierten Drehgestellen ausgerüstet. Mitte August 2020 begannen in Österreich Messfahrten. Ende 2019 wurde die Vectron für den ETCS-Betrieb mit Baseline 3 in Deutschland zugelassen.

Als Ersatz für ältere Diesellokomotiven der Baureihen 290 und 294 für den gemischten Strecken- und Übergabedienst hat die DB Cargo im Oktober 2019 einen Rahmenvertrag über 400 Zweikraftlokomotiven ausgeschrieben. Siemens erhielt den Zuschlag für diesen Rahmenvertrag im September 2020. Als erster Abruf wurden 150 Lokomotiven der neu entwickelten Variante Vectron Dual Mode light bestellt. Im Mai und Juni 2022 verließen die ersten Vectron Dual Mode light mit den Ordnungsnummern 001–004 die Fertigung und befanden sich bis zur Auslieferung auf Probe- und Zulassungsfahrten. 2022 bestellte die DB Fernverkehr aus diesem Rahmenvertrag 21 Vectron-Dual-Mode-Lokomotiven, die erstmals mit einer Zugsammelschiene ausgerüstet sein werden. Die erste Vectron Dual Mode light mit der Betriebsnummer 249 001 und dem Eigennamen „Emma“ wurde am 15. März 2024 der DB Cargo übergeben und erhielt in Anlehnung an die Baureihenfamilie 130 der Deutschen Reichsbahn auf der vorderen Lokhälfte eine bordeauxrote Folierung mit aufgedruckten Lüftergittern ebendieser Baureihenfamilie. Vier der 150 Lokomotiven gehen an die DB Bahnbau Gruppe.

Seit 2023 dürfen die Vectron auf dem Netz der Schweizerischen Bundesbahnen nur noch nach den Kurvengeschwindigkeiten der Zugreihen A und D verkehren. Die betriebliche Höchstgeschwindigkeit beschränkt sich damit auf 120 km/h. Die langen Drehgestelle mit einem Achsstand von 3000 mm helfen zwar dem ruhigen Lauf bei hohen Geschwindigkeiten, führen aber auf den vielen engen Bögen in den Alpenländern zu einem starken Verschleiß der Schienenköpfe. Im Güterverkehr sind die Auswirkungen marginal, da die meisten Güterzüge ohnehin nach den Zugreihen A oder D fahren. Für Reise- oder Lokzüge, die überwiegend nach Zugreihe R fahren, verlängern sich hingegen die Fahrzeiten, da die Zugreihe R eine um 5 km/h höhere Geschwindigkeit in den Gleisbögen erlaubt.

Im Februar 2025 wurde ein batteriebetriebenes Rangiermodul, das sogenannte Batterie Power Modul vorgestellt. Im März 2025 wurde eine Variante der Vectron Dual Mode als Zweisystem-Lokomotive vorgestellt. Diese kann sowohl unter 15 kV/16,7 Hz als auch unter 25 kV/50 Hz betrieben werden und soll eine Zulassung für Deutschland, Österreich, Tschechien und die Slowakei erhalten.

Im Juni 2025 wurde bekannt, dass die Vectron Dual Mode light von DB Cargo die Zulassung für ETCS erhalten hat. Im Dezember 2025 haben Lokomotiven der Vectron-Plattform von der Europäischen Eisenbahnagentur (ERA) die Zulassung für den Personenverkehr mit bis zu 230 km/h in zunächst sechs Ländern erhalten.

Im März 2026 wurde im Rahmen einer Bestellung aus einem Rahmenvertrag von Akiem eine Vectron-Dual-Mode-Lokomotive mit batterieelektrischem Antrieb vorgestellt. Die Auslieferung der Fahrzeuge soll ab 2029/2030 erfolgen.

Im Zuge der Eröffnung eines Service Centers von Siemens in München-Allach wurde im Juni 2026 die Variante Vectron X vorgestellt. Die Vectron X stellt dabei eine Erweiterung um digitale Funktionen auf Basis der bisherigen Vectron-Plattform dar. So können beispielsweise auf dem eingebauten 11,6-Zoll-Touch-Display ausgewählte Apps installiert und ausgeführt werden. Funktionen wie Starten der Lok aus der Ferne oder Anbindung an die Siemens-Xcelerator-Plattform sind ebenfalls möglich.

Am 23. Juli 2026 wurde von Siemens Mobility im Lokomotivwerk München-Allach den Österreichischen Bundesbahnen im Rahmen eines Festakts die 2000. gebaute elektrische Vectron übergeben. Es handelt sich um die 1293 164.

Varianten Zunächst wurden vier elektrische und eine dieselelektrische Basisvariante der Lokomotivplattform ohne Kundenauftrag entwickelt. 2018 wurde außerdem eine Zweikraftlokomotive vorgestellt,Siemens Pressemitteilung: Siemens Mobility präsentiert neue Lokomotive Vectron Dual Mode, 28. August 2018 deren Variante für den leichten Güterzugdienst und für Zugbildungsaufgaben seit 2021 als Vectron Dual Mode light vermarktet wird. Die Varianten sind:Siemens: technisches Produktblatt Vectron-Lokomotive (PDF). Vectron MS: Mehrsystemlokomotive mit 6400 kW (~) / 6000 kW (3 kV =) / 3500 kW (1,5 kV =)Walter, A. (2015): BLS Cargo bestellt Siemens-Lokomotiven. In: Eisenbahn Österreich (EBÖ) 05/2015, S. 221 ff. Leistung und 160, 200 oder 230 km/h Höchstgeschwindigkeit Vectron AC : Wechselstromlokomotive mit 6400 kW Leistung und 160 oder 200 km/h Höchstgeschwindigkeit (deutsche Baureihenbezeichnung 193) Vectron AC (wird nicht mehr angeboten): Wechselstromlokomotive mit 5600 kW Leistung und 160 km/h Höchstgeschwindigkeit (deutsche Baureihenbezeichnung für zwei Testlokomotiven war 192) Vectron DC : Gleichstromlokomotive mit 5200 kW Leistung und 160 oder 200 km/h Höchstgeschwindigkeit (kurzzeitig für zwei in Deutschland nicht zugelassene 3-kV-Prototypen vergebene deutsche Baureihenbezeichnung 191) Smartron Vectron DE (wird nicht mehr angeboten): dieselelektrische Lokomotive mit 2400 kW Leistung und 160 km/h Höchstgeschwindigkeit (deutsche Baureihenbezeichnung 247) Vectron Dual Mode Diesel (DM Diesel): Zweikraftlokomotive (Dual Mode) für 15 kV Wechselspannung und Dieselmotor mit 2000 kW Leistung am Rad, 160 km/h Höchstgeschwindigkeit und einer Radsatzlast von maximal 22,5 t (deutsche Baureihenbezeichnung 248) Vectron Dual Mode light (DM light): Zweikraftlokomotive (Dual Mode) für 15 kV Wechselspannung und Dieselmotor mit 750 kW Leistung am Rad, 120 km/h Höchstgeschwindigkeit und einer Radsatzlast von maximal 21 t (deutsche Baureihenbezeichnung 249) Vectron Dual Mode Electric/Battery (DM E/B): Zweikraftlokomotive (Dual Mode) für Wechselspannung und Batteriebetrieb mit flexiblen Batteriekonfigurationen von bis zu mehr als 2 MWh, jeweils bis zu 2400 kW Leistung am Rad, bis zu 160 km/h Höchstgeschwindigkeit, einer maximalen Zugkraft von 300 kN, einer Masse von rund 90 Tonnen und einer Zugenergieversorgung mit 480 kVA

Die Siemens Charger (DE) und Amtrak Cities Sprinter (AC) basieren auf der Vectron-Plattform. Sie werden im Siemens-Mobility-Werk in Sacramento/Kalifornien für den nordamerikanischen Markt gebaut. Beide Bauarten sind für 200 km/h Höchstgeschwindigkeit ausgelegt.

Als Baureihenbezeichnungen sind für die verschiedenen Vectron-Varianten in Deutschland 6191 bis 6193 für die elektrischen, 1247 für die dieselelektrische und 2248 sowie 2249 für die Dual-Mode-Variante vorgesehen beziehungsweise in Benutzung. Der Preis eines Exemplars beträgt je nach Ausstattung (Elektro-/Dieselversion, Optionen Mehrsystempaket und Hilfsdiesel) zwischen drei und fünf Millionen Euro.

Technische Beschreibung mini|Führerstand der Vectron MS (193820) auf der Trako 2015 in Danzig mini|hochkant|Maschinenraum der Vectron AC (193922)

Allgemeines Bei den Fahrzeugen der Vectron-Plattform handelt es sich um Streckenlokomotiven sowohl für den schnellfahrenden Reise- als auch für den interoperablen Güterverkehr mit zwei Endführerräumen und der Radsatzanordnung Bo’Bo’. Gemäß dem Plattform-Gedanken werden möglichst viele Gleichteile über alle Varianten hinweg eingesetzt. Daneben existieren vielfältige Options- und Ausrüstungspakete, welche je nach Anforderungen des Betreibers eingesetzt werden.

Die Betriebsmasse der vierachsigen Lokomotiven liegt je nach Version zwischen 80 und 90 Tonnen. Die Wagenkästen sind für den Einbau der UIC-Mittelpufferkupplungen und vergleichbarer Kupplungen in europäischer Höhe vorbereitet. Genutzt wurde die Möglichkeit erstmals bei den Lokomotiven der VR Sr3 für Finnland. Vectron-Lokomotiven können mit allen in Europa benötigten nationalen Zugbeeinflussungssystemen sowie ETCS ausgestattet werden. Der Platz des Triebfahrzeugführers liegt bei allen Lokomotiven in Fahrtrichtung rechts.

Die äußere Gestaltung der Vectron-Lokomotiven unterscheidet sich nur wenig von der der Siemens ES 2007.

Wagenkasten und Frontend Neben den Führerhäusern besteht der Wagenkasten der Vectron aus dem Untergestell und den beiden Seitenwänden. Der Wagenkasten besteht vollständig aus Stahl. Drei abnehmbare Dachsegmente bilden das Dach über dem Maschinenraum. Während die Führerhäuser weitgehend identisch bei den elektrischen wie auch bei den dieselelektrischen Varianten ausgeführt sind, unterscheiden sich das Untergestell, die Seitenwände und die Dächer bei diesen.

Die Stirnfronten des Wagenkasten werden mit sogenannten Frontenden verschlossen. Das Frontend schließt das Führerhaus nach vorne ab. Diese werden im Gegensatz zu den Fronten der ES64U2 und ES64U4 vollständig aus Stahl gefertigt und beinhalten keine GFK-Elemente. Das Frontend entspricht der Crashnorm und kann nach Unfällen getauscht werden. In das Frontend integriert sind unter anderem:

Die Frontscheibe inklusive der Scheibenwaschanlage und Frontscheibenheizung Der vollständige Führertisch inklusive aller für die Fahrt notwendigen Bedienelemente Die Klimaanlage des Führerhauses Die Leuchten für das Dreilicht-Spitzensignal (mit Fernlicht), das Zugschlusssignal, bzw. Signale an Zügen gemäß nationaler Bestimmungen

Auf den Einbau von zusätzlichen Seitenfenstern in die Führerstände wurde bei den meisten Lokomotiven verzichtet, nur in den Einstiegstüren gibt es Seitenfenster. Lediglich die finnischen Breitspurlokomotiven wurden mit Seitenfenstern im Führerhaus ausgestattet.

Laufwerk