Die Volksrepublik Mosambik () war ein sozialistischer Staat, der vom 25. Juni 1975 bis zum 1. Dezember 1990 als Nachfolgestaat der portugiesischen Überseeprovinz Mosambik existierte. Der gegenwärtige und nachfolgende Staat auf diesem Territorium ist die Republik Mosambik.
Geschichte mini|links|hochkant|Flagge Mosambiks im April 1983 Nach der endgültigen Erlangung der Unabhängigkeit von Portugal im Jahre 1975 unterstützte die Volksrepublik Mosambik bzw. ihre regierende Partei FRELIMO befreundete politische Kräfte (ZANU) im Rhodesien-Konflikt des Nachbarlandes. Die rhodesische Regierung unter Premierminister Ian Smith reagierte gegenüber Mosambik mit Sabotage- und Destabilisierungsmaßnahmen, der etwa 3000 Mosambikaner durch Tötung und Verletzung zum Opfer fielen. Es sind 350 militärische Operationen gegen Mosambik durch rhodesische Regierungstruppen bekannt geworden. Zudem unterstützte die Regierung Smith im Nachbarland entstehende Oppositionsgruppen, die mit Überfällen, Sabotageaktionen und Minenanschlägen die Verhältnisse belasteten. Größte Bekanntheit erlangte die Mozambique National Resistance (RENAMO). Das war eine konservativ-antikommunistisch orientierte Guerilla-Bewegung, deren finanzielle Hilfe und materielle Unterstützung an die Gruppe schrittweise von der Apartheidregierung Südafrikas übernommen wurde. Konkret soll der ehemalige südafrikanische Geheimdienst BOSS die subversive Unterstützung angeführt haben. Angesichts dieser Entwicklung versuchte der mosambikanische Präsident Samora Machel durch eine öffentliche Betonung einer guten Nachbarschaft mit Südafrika der sich abzeichnenden Eskalation entgegenzuwirken. Nach dem Ende der Regierung der weißen Minderheit in Rhodesien erhielten die Anti-FRELIMO-Kräfte in Nordtransvaal auf südafrikanischem Territorium neue Rückzugsräume und konnten ihre Aktivitäten gegen das östliche Nachbarland weiter fortsetzen.Ronald Meinardus: Die Afrikapolitik der Republik Südafrika. (= ISSA - wissenschaftliche Reihe. 15). Bonn, 1981, ISBN 3-921614-50-3, S. 429–431.
Mit der Unabhängigkeit von der ehemaligen portugiesischen Kolonialmacht ergab sich für die Mehrheit der Bevölkerung ein erheblicher Zugewinn an zivilen Bürgerrechten. Die erste Verfassung vom 25. Juni 1975 sicherte allen Bürgern Mosambiks Grundrechte zu und erklärte bestimmte inhumane Handlungen zu strafbewehrten Sachverhalten (Artikel 26), die als Störung des sozialen Friedens insbesondere durch differenzierende Bezugnahmen auf berufliche Stellung, Bildung, ethnische Herkunft, Geburtsort, gesellschaftliche Stellung, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder als Herbeiführung darauf beruhender Privilegien angesehen wurden. Die wichtigsten Verfassungsziele bestanden in der Beseitigung kolonialer Strukturen der Unterdrückung sowie die Ausdehnung der Volksmacht (Artikel 4 und 6). Hingegen waren die Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheiten auf die Förderung der Verfassungsziele orientiert (Artikel 27). Mit den Artikeln 29 und 33 wurden erstmals Frauen und Männern gleiche Rechtsstellungen eingeräumt, zumal Artikel 17 die „Emanzipation der Frau“ zum Staatsziel erklärte. Bei den ersten Volkswahlen im Jahr 1977 stand fast allen Bürgern das aktive und passive Wahlrecht zu, ausgeschlossen waren Personen (etwa 10 % der KandidatenPeter Ripken: Südliches Afrika. Geschichte, Wirtschaft, politische Zukunft. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1978, S. 26.), denen eine Identifizierung mit dem überwundenen Kolonialismus zugeordnet wurde.Gottfried Wellmer: Geschichte der mosambikanischen Demokratisierung. In: Evangelisches Missionswerk in Deutschland, Beratungskreis Mosambik (gemeinsam Hrsg.): Mosambik (=Weltmission heute Nr. 28), Hamburg 1997, ISSN 1430-6530, S. 125. Diese Gruppe geriet in die öffentliche Kritik und wurde mit der karikaturistischen Figur „Xiconhoca“ verfemt. Ihr rechnete man zu dieser Zeit Verhaltensweisen wie Alkoholismus, Frauenfeindlichkeit, Gewinnstreben, Huldigung modischer Auslandseinflüsse oder eine allwissende Intellektuellenhaltung zu.
Die wirtschaftliche Situation bei der Machtübernahme nach dem Ende der Kolonialherrschaft war extrem desolat. Während der Anfangsphase wanderten etwa 90 Prozent der Portugiesen aus, was einen Kreis von etwa 230.000 Personen umfasste. Zuvor zerstörten viele von ihnen Teile der Infrastruktur des Landes. Beispielsweise wurden aus Rohbauten für Wirtschaft und Verwaltung die bereits installierten Medien entfernt. Da ein sehr großer Teil des ingenieurtechnischen Personals durch die kolonialwirtschaftlichen Verhältnisse aus Portugiesen bestand, musste die neue Regierung von Samora Machel einen nicht schnell zu behebenden Fachkräftemangel hinnehmen. Diese Situation veranlasste sie zum Aufruf nach internationaler Hilfe, in deren Folge umfangreiche Aktivitäten einiger Länder, wie die DDR, in Gang kamen. Die DDR gewährte ab 1975 zunächst nur politische Unterstützung, ging jedoch seit 1977 aus eigenen drängenden wirtschaftlichen Erwägungen auf eine ökonomische Kooperation mit Mosambik ein und bediente sich dabei auch des Sonderwirtschaftsbereichs Kommerzielle Koordinierung.Rolf Steinbuch: Mosambik. Schwarz und arm und ziemlich weit weg. Schmetterling Verlag, 2. Aufl. Stuttgart 2010, S. 43–47.
Die Volksrepublik Mosambik unterhielt neben der DDR enge Beziehungen mit Bulgarien, das in der damaligen Zeit ebenso ein sozialistischer Staat war. Ferner nahm Mosambik auch Beziehungen zu Frankreich, Italien, Kuba, den Niederlanden und Schweden auf. Das Verhältnis zur Sowjetunion blieb, abgesehen von Waffenlieferungen und sehr begrenzter Hilfe mittels Ärzten, Lehrern und Geologen, schwierig. Der Antrag auf Aufnahme in den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) wurde von der DDR und Bulgarien unterstützt, jedoch von der Sowjetunion entschieden abgelehnt.Jacob Emmanuel Mabe (Hrsg.): Das kleine Afrika-Lexikon. Politik, Gesellschaft, Wirtschaft. Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2004, ISBN 978-3-89331-538-3, S. 178. Die Volksrepublik Mosambik blieb ein Beobachter des RGW. Das mosambikanisch-sowjetische Verhältnis verharrte abgekühlt, auch weil Mosambik einen Militärstützpunkt verweigerte und ferner als Staatsziel verfolgte, den Indischen Ozean von Nuklearwaffen frei zu halten.Joseph Hanlon: Mosambik. Revolution im Kreuzfeuer. (= edition südliches Afrika. 21). Bonn 1986, ISBN 3-921614-25-2, S. 279.Konrad-Adenauer-Stiftung: Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). auf www.kas.de.
Verkehr Bereits in der Zeit als Volksrepublik bedeutende Seehäfen von Mosambik befinden sich auch heute noch in den größeren Küstenstädten Maputo im Süden, Beira, Quelimane, Nacala und Pemba im Norden.
Ein die bedeutenden Häfen verbindendes Eisenbahnnetz, was auch Verteilungsaufgaben inkl. humanitäre Hilfe innerhalb des Landes entlang der etwa 2500 km langen Küste übernehmen könnte, bestand nicht in der damaligen Volksrepublik Mosambik. Die Hauptfunktion der Eisenbahn Mosambiks bestand in der Funktion als Partner der drei wichtigsten Häfen und der Nachbarländer. Hauptstrecken der Eisenbahn verbanden damals den Hafen Maputo mit den benachbarten Ländern Südafrika und Swasiland, den Hafen Beira mit den benachbarten Ländern Simbabwe und Malawi sowie den Hafen Nacala ebenfalls mit dem benachbarten Malawi. Darüber hinaus bestanden noch einige voneinander isolierte Nebenstrecken von rein lokaler Bedeutung. Zum nördlich gelegenen Nachbarland Tansania bestand sowohl vor als auch nach der Erlangung der Unabhängigkeit Mosambiks von Portugal in 1975 keine Eisenbahnverbindung.Egon Hammerschmied: Fünf am Indik. Die Seehäfen der Volksrepublik Mocambique. In: Jahrbuch der Schiffahrt. ein Rundblick über die internationale See- u. Binnenschiffahrt, Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin, Jg. 1982, S. 78–84, ISSN 0075-238X.DNB: bibliografischer Nachweis. Insgesamt verfügte die damalige Volksrepublik Mosambik um 1977 nur über 3700 km meist eingleisige Eisenbahnstrecken und 40.000 km Straßen, von denen etwa 4000 km befestigt waren. Eine ganzjährig befahrbare Nord-Süd-Verbindung existierte nicht.Peter Ripken (Hrsg.): Südliches Afrika. Geschichte, Wirtschaft, politische Zukunft. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1978, S. 12.
Die Vervollkommnung der Umschlag-Technologien in den Häfen von Mosambik und deren weiterer Ausbau im Zeitalter der sich immer weiter entwickelnden Containerisierung („Containerrevolution“) im Seeverkehr wurde damals auch von der DDR unterstützt unter anderem durch Entsendung von Beratern und Hafenspezialisten und Erarbeitung von Projekten in wissenschaftlich-technischen Expertengruppen zur Lösung von Schwerpunktproblemen. Im Jahre 1979 wurde ein Seeverkehrsabkommen zwischen der DDR und der VR Mosambik abgeschlossen.
Die auch im wiedervereinigten Deutschland weiterhin existierende Deutsche Seereederei (DSR) in Rostock lief seinerzeit im Rahmen der Beziehungen der DDR und der Volksrepublik Mosambik im damaligen Ostafrika-Liniendienst die drei Haupthäfen Maputo innerhalb der Maputo-Bucht im Süden, Beira im Zentrum (Hauptstadt der Provinz Sofala) und Nacala Provinz Nampula im Norden des Landes regelmäßig an.
Die erkennbare Unterentwicklung der Eisenbahn und auch der Häfen nach der Erlangung der Unabhängigkeit von Portugal 1975 im Zuge der Nelkenrevolution konnte in der Zeit von 1975 bis 1990 in der kurzen Orientierungsphase des Landes als Volksrepublik nicht beseitigt werden und erschwerte die wirtschaftliche Entwicklung und auch humanitäre Hilfe in Mosambik. Die Staatsführung setzte vorrangig auf landwirtschaftliche Entwicklungsinitiativen. Das im Dezember 1976 für das Folgejahr beschlossene Investitionsprogramm enthielt 51 Projekte, worin keine ausländischen Finanzmittel für den Transportsektor vorgesehen waren.Peter Ripken (Hrsg.): Südliches Afrika. Geschichte, Wirtschaft, politische Zukunft. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1978, S. 32.
Internationale Militärkooperation Im Februar 1975 weilten Generäle und Offiziere der Nationalen Volksarmee (NVA) in Maputo. Dabei kam es zu einem Zusammentreffen von Ministerpräsident Chissano und Generalleutnant Helmut Borufka. Im Verlaufe dieser Konsultationen begannen sich erste Konturen der späteren Militärkooperation zwischen beiden Staaten abzuzeichnen. Die Vertreter der DDR wurden wegen des von Anfang an harmonischen Verhältnisses um ein stärkeres Engagement gebeten. Mosambik beabsichtigte zu dieser Zeit mit Hilfe der Volksrepublik China den Ausbau der eigenen Landstreitkräfte und hoffte auf sowjetische Hilfe für seine Luft- und Seestreitkräfte.Klaus Storkmann: Geheime Solidarität. Militärbeziehungen und Militärhilfen der DDR in die »Dritte Welt«. Ch. Links Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86153-676-5, S. 263–264, 291, 294–295.