Mering ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Aichach-Friedberg und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Mering. Der nahe Augsburg gelegene Ort stellt ökonomisch ein Unterzentrum für den südlichen Landkreis dar.
Geografie Lage und Naturraum Mering liegt im Süden des Landkreises Aichach-Friedberg im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben, etwa fünfzehn Kilometer südöstlich der Kernstadt von Augsburg, und ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Mering, zu der außerdem die Gemeinden Schmiechen und Steindorf gehören. Der Ortskern liegt bei 48° 15′ 45″ nördlicher Breite und 10° 59′ 04″ östlicher Länge; das Gemeindegebiet steigt von 505 auf 560 Meter über Normalhöhennull an. Die Gemeindefläche beträgt nach amtlicher Statistik 26,83 Quadratkilometer, während die Gemeinde selbst 2.649 Hektar angibt.
Naturräumlich liegt Mering am Ostrand des Lechfelds, das Teil der Lech-Wertach-Ebene (Haupteinheit 047) innerhalb der Haupteinheitengruppe Donau-Iller-Lech-Platte ist – einer Großregion des Alpenvorlands, die überwiegend aus pleistozänen Schotterterrassen der Donaunebenflüsse besteht, die später teilweise wieder erodiert wurden. Der Ort markiert dabei eine naturräumliche Grenze: Südlich von Augsburg verläuft die Ostgrenze der Donau-Iller-Lech-Platte östlich des Lechs ungefähr zwischen Mering, Geltendorf und Schongau, jenseits derer das Unterbayerische Hügelland mit den Isar-Inn-Schotterplatten beginnt. Damit fällt die naturräumliche Grenze annähernd mit jener Sprach-, Landes- und Kulturgrenze zusammen, die die Geschichte des Ortes über Jahrhunderte geprägt hat; die Landschaft wird als Lechrain bezeichnet, und im Einzugsbereich Merings wird der Lechrainer Dialekt gesprochen, ein schwäbischer Dialekt mit starken bairischen Einschlägen. Geologisch bestimmen die Schotter- und Terrassenkörper des Lechs sowie die Talfüllung der Paar den Untergrund; die trockenen, gut bearbeitbaren Terrassenböden erklären die dichte vorgeschichtliche Besiedlung des Gemeindegebiets.
Gewässer und Schutzgebiete Der bedeutendste Fluss im Gemeindegebiet ist die Paar, ein linker Nebenfluss der Donau, die den Ort von Süden nach Norden durchquert und auf ihrem weiteren Lauf Friedberg, Aichach und Schrobenhausen berührt. Knapp westlich des Gemeindegebiets verläuft der Lech, der hier zugleich die Grenze zum Landkreis Augsburg bildet und zur Lechstaustufe 23 aufgestaut ist. Dieser zwischen 1975 und 1978 errichtete und 2003 nach dem Fürsten Mandicho benannte Mandichosee liegt bereits im Gebiet der Nachbargemeinde Merching, ist mit rund 160 Hektar Wasserfläche aber das größte Gewässer des Landkreises Aichach-Friedberg und für Mering das wichtigste Naherholungsgebiet mit Badestränden an Ost- und Westseite. Am Nordufer des Sees besteht ein Vogelschutzbereich, in dem Wege von März bis August gesperrt sind, und westlich des Lechs schließt der als Landschaftsschutzgebiet eingetragene Lechauwald bei Unterbergen an, in dem Grauerlenwälder, Kiefernbestände und Magerrasen vorherrschen.
Gemeindegliederung Der Markt Mering besteht aus sechs amtlich benannten Gemeindeteilen, die drei deutlich unterschiedlichen Siedlungsschichten angehören: Baierberg (Kirchdorf) Harthof (Einöde) Mering (Hauptort) Meringerzell (Kirchdorf) Reifersbrunn (Weiler) Sankt Afra (Siedlung) Das Gemeindegebiet umfasst die beiden Gemarkungen Mering und Baierberg. Die Gemarkung Mering umfasst mit rund 23,77 Quadratkilometern den weitaus größten Teil des Gemeindegebiets, die 1972 hinzugekommene Gemarkung Baierberg im Osten rund 3,05 Quadratkilometer; beide ergeben zusammen die amtlich ausgewiesene Gemeindefläche von 26,83 Quadratkilometern.
Die Siedlungsstruktur spiegelt die Topografie: Der Hauptort liegt im Paartal, Meringerzell etwa eineinhalb Kilometer östlich davon auf dem ansteigenden Gelände, Baierberg auf den Höhen im Osten und Sankt Afra als jüngste Erweiterung im Westen gegen den Lech hin. Baierberg gehörte bis zum 1. Juli 1972 zum oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck, sodass der Osten des heutigen Gemeindegebiets unmittelbar an der Grenze zum Regierungsbezirk Oberbayern liegt.
Nachbargemeinden Im Norden grenzt Mering an die Gemeinde Kissing, im Nordosten und Osten an die Gemeinde Ried, und zwar über deren Gemarkungen Hörmannsberg und Sirchenried, und im Süden und Südwesten an die Gemeinde Merching, mit der Mering über drei Gemarkungen – Merching selbst sowie Steinach b. Mering und Hochdorf – die längste gemeinsame Grenze besitzt; alle drei Gemeinden gehören wie Mering zum Landkreis Aichach-Friedberg.
Im Osten und Südosten stößt die Gemarkung Baierberg an die Gemarkungen Oberdorf und Tegernbach der Gemeinde Mittelstetten sowie an die Gemarkung Althegnenberg; beide Gemeinden liegen im Landkreis Fürstenfeldbruck und damit im Regierungsbezirk Oberbayern. Die östliche Gemeindegrenze Merings ist somit gleichzeitig Landkreis- und Bezirksgrenze – eine Grenzlage mit langer Vorgeschichte, denn Baierberg bildete bis zum 1. Juli 1972 gemeinsam mit Oberdorf eine eigenständige Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck und wurde erst mit der Gebietsreform nach Mering eingegliedert, während Oberdorf an Mittelstetten fiel.
Die bemerkenswerteste Nachbarschaft liegt im Nordwesten: Dort grenzt die Gemarkung Mering unmittelbar an die Gemarkung Meringerau, die zur kreisfreien Stadt Augsburg gehört. Diese rund 16,12 Quadratkilometer große Gemarkung in der Lechaue ist nahezu unbewohnt – der Zensus weist für sie 109 Einwohner aus – und reicht als südlicher Ausläufer des Augsburger Stadtgebiets bis an die Meringer Flur. Mering ist damit trotz einer Entfernung von rund fünfzehn Kilometern zwischen den Siedlungskernen direkter Nachbar einer Großstadt, und der Name der Augsburger Gemarkung bewahrt den Bezug auf Mering bis heute. Die Grenze verläuft dort im Bereich der Lechauen, deren Gewässerlauf historisch die Scheide zwischen dem schwäbischen und dem altbayerischen Raum bildete. Von den sechs Nachbargemeinden liegen damit drei im eigenen Landkreis, zwei im Landkreis Fürstenfeldbruck und eine ist eine kreisfreie Stadt.
Bemerkenswert ist zudem, was nicht angrenzt: Die beiden übrigen Mitgliedsgemeinden der von Mering geführten Verwaltungsgemeinschaft, Schmiechen und Steindorf, haben keine gemeinsame Grenze mit dem Markt, weil das Gebiet der Gemeinde Merching mit den Gemarkungen Steinach und Hochdorf dazwischenliegt. Die Verwaltungsgemeinschaft ist also kein räumlich zusammenhängender Nachbarschaftsverband, sondern eine Zweckgemeinschaft über eine fremde Gemeindeflur hinweg; die Verbindung wird verkehrlich durch die Buslinie 106 hergestellt, die vom Bahnhof Mering über Merching, Steinach, Hofhegnenberg und Hausen nach Steindorf führt.
Praktische Bedeutung hat die Nachbarschaft vor allem im Süden des Landkreises: Die Bürgermeister von Kissing, Mering, Merching und Ried pflegen seit mehreren Jahren einen regelmäßigen Austausch und streben angesichts der angespannten kommunalen Finanzlage eine engere interkommunale Zusammenarbeit an; Mering und Merching bringen sich zudem wechselseitig in die Öffentlichkeitsbeteiligung bei Bauleitverfahren der jeweils anderen Gemeinde ein.
Geschichte mini|200px|Wehranlage St. Michael mit Kirchbogen
Vorgeschichte und Frühmittelalter Für die Zeit vor der ersten urkundlichen Nennung von 1021 ist Mering ausschließlich archäologisch erschlossen, dafür aber ungewöhnlich dicht: Die Bayerische Denkmalliste führt für den Markt 25 Bodendenkmäler, die eine Besiedlung des Gemeindegebiets von der Jungsteinzeit bis ins Frühmittelalter erkennen lassen. Die Gunst der Lage erklärt diese Dichte: Das Gemeindegebiet liegt am Ostrand des Lechfelds über dem Tal der Paar, auf trockenen, leicht zu bearbeitenden Terrassenböden zwischen zwei Flusssystemen und an der natürlichen Nord-Süd-Achse des Lechtals.
Die ältesten Befunde gehören dem Jungneolithikum an; ein 1966 entdecktes jungsteinzeitliches Dorf lässt die Besiedlung der Gegend bis etwa 3500 v. Chr. zurückverfolgen.
Aus der Bronzezeit und der folgenden Urnenfelderzeit stammen Siedlungsspuren sowie Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung und ein einziger Fundplatz im Gemeindegebiet verzeichnet Siedlungsschichten der Bronze-, der Urnenfelder- und der Latènezeit sowie der römischen Kaiserzeit – ein Hinweis auf eine über etwa zwei Jahrtausende hinweg immer wieder oder durchgehend genutzte Siedlungsstelle.
Für die keltische Epoche sind neben Siedlungen der Latènezeit zwei viereckige Graben- und Wallanlagen dokumentiert, wie sie in Süddeutschland als Viereckschanzen bekannt sind und heute überwiegend als Herrenhöfe oder Kultplätze der späten Latènezeit gedeutet werden.
Mit der Eingliederung des Alpenvorlands in das Römische Reich rückte das Gebiet in das unmittelbare Hinterland von Augusta Vindelicum, des heutigen Augsburg, rund fünfzehn Kilometer nordwestlich. Aus der römischen Kaiserzeit sind im Gemeindegebiet mehrere Siedlungen sowie Brandgräber nachgewiesen, dazu zwei Trassen von Straßen der römischen Kaiserzeit und zwei weitere Straßentrassen vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung – der Ort lag also an einem Bündel überregionaler Verkehrswege, dessen mittelalterliche Fortsetzung später als Salzstraße über Friedberg lief. Besonders bemerkenswert für die Zeit unmittelbar vor der ersten Nennung ist ein Fundplatz, der eine Siedlung der römischen Kaiserzeit und einen Ringwall des Frühmittelalters vereint; ein weiterer Ringwall vor- und frühgeschichtlicher Zeitstellung ist gesondert verzeichnet. Damit ist für das Gemeindegebiet eine befestigte Anlage der Zeit vor 1021 archäologisch bezeugt, lange bevor die Burg Mering 1329 erstmals urkundlich erscheint.
Das älteste heute noch aufgehende Bauwerk des Gemeindegebiets steht nicht im Hauptort, sondern in Meringerzell: Die Denkmalpflege datiert den Kern der Filialkirche St. Johannes Baptist, eines flachgedeckten Saalbaus mit eingezogenem Chor und nördlichem Spitzhelmturm, auf die Zeit um 950/1050, womit das Gebäude möglicherweise älter ist als die erste Nennung Merings selbst. Nach der örtlichen Überlieferung wurde die Kirche um das Jahr 1000 als Taufkirche errichtet; die Pfarrei feierte 1988 deren Jahrtausendfeier, was auf eine Gründung um 988 verweist. Somit dürfte der kirchliche Mittelpunkt des Raumes ursprünglich nicht in Mering, sondern in dessen östlicher Nachbarsiedlung Meringerzell gelegen haben.
11. Jahrhundert Die erste bekannte schriftliche Nennung Merings fällt auf den 14. November 1021: In der Datumszeile einer Urkunde Kaiser Heinrichs II. erscheint die Ortsangabe apud villam Moringa. Die Beurkundung erfolgte während des Italienzuges von 1021/22, als das Reichsheer von Augsburg nach Süden aufbrach; die Nennung ist damit ein überlieferungsgeschichtlicher Zufallsbefund und besagt nichts über Alter oder Größe der Siedlung. Villa bezeichnet hier einen Herrenhof beziehungsweise eine Ortschaft; die Ortsliteratur vermutet den zugehörigen Königshof im Bereich zwischen der heutigen Pfarrkirche St. Michael und dem innerörtlichen Parkplatz, archäologisch gesichert ist diese Lokalisierung nicht.
Namenkundlich gehört Moringa zu den -inga-Bildungen und wird auf einen Personennamen *Moro (zu lateinisch Maurus) zurückgeführt; ältere und populäre Deutungen gingen von „Moor“ oder von vorgefundenen römischen Mauerresten aus. Die Belegreihe lautet (M)oringa (1021), Moringen (1078), Meringin (1140) und Moringin (12. Jahrhundert).