Carl Gottlieb Weisser, auch Weißer oder Gottlob Weisser (* 21. August 1779 in Berlin; † 2. April 1815 in Weimar) war ein deutscher Bildhauer.GoethezeitportalRose Unterberger: Friedrich Schiller, Orte und Bildnisse: ein biographisches Bilderbuch. S. 216.

Leben und Werk mini|hochkant|Goethes Lebendmaske vom 13. Oktober 1807, abgenommen von Carl Gottlieb Weisser, seit 1918 im Besitz der University of Edinburgh Carl Gottlieb Weisser wurde am 21. August 1779 in Berlin als Sohn des Kaufmanns Johann Christian Weisser und seiner Ehefrau Maria Dorothea Tugendreich, geb. Tessmann, geboren.Călin Alexandru Mihai weist in seiner Publikation Johann Peter Kauffmann und die spätklassizistische Skulptur am Weimarer Hof ausdrücklich darauf hin, dass diese Angaben zwar der tradierten Version folgen, ein schlüssiger Beweis für diese Angaben aber bislang fehlt. So lässt sich auch für den 4. September 1776 die Geburt eines Carl Gottlob Weisser als Sohn des Kaufmanns Carl Friedrich Weisser und seiner Frau Maria Catharina, geb. Lenck, nachweisen (vgl. ebd. S. 49). Über die Kindheit und Jugend ist nichts weiter bekannt. Weisser studierte spätestens ab 1793 Bildhauerei an der Berliner Kunstakademie bei Heinrich Sigismund Bettkober. Im Jahr 1802 kam er mit Christian Friedrich Tieck – ebenfalls ein Schüler Bettkobers – nach Weimar, um unter dessen Leitung und in dessen Solde an den Bildhauerarbeiten des Schlossneubaus mitzuwirken. Nach Tiecks Abreise im Frühjahr 1805 arbeitete er hier selbständig weiter unter der menschlichen und künstlerischen Anteilnahme Johann Wolfgang von Goethe. 1807 wurde er in Nachfolge von Martin Gottlieb Klauer zum Sächsisch-Weimarischen Hofbildhauer ernannt. mini|hochkant|Schiller-Büste (1806), Gips, 65 cm Er fertigte Büsten in enger Anlehnung an Tiecks klassizistischen Stil. Für den Kronprinzen Ludwig von Bayern schuf er eine Büste des Malers Lucas Cranach der Ältere, die sich heute in der Ruhmeshalle in München befindet. Goethe schrieb hierzu am 19. Dezember 1810 an Friedrich Heinrich Jacobi:

mini|hochkant|Marmor-Büste von Wilhelmine Arnoldi, geb. Cronrath, 1808 Von Tiecks Weimarer Büsten, ebenso wie von seinen eigenen, stellte Weisser Gipsabgüsse zum Verkauf her, die er eigenhändig überarbeitete.

1806 fertigte er eine Büste Friedrich von Schillers an und 1807 nahm er bei Anwesenheit des Phrenologen Franz Joseph Gall Goethe eine Lebendmaske ab, nach der er 1808 die heute nach ihm benannte Weißer-Büste fertigte. Sie gilt neueren Forschungen zufolge unter den vielen als die einzig authentische Abbildung von Goethes Kopf; alle weiteren nach 1808 gehen auf diese Büste zurück.

Eine Anfang des 19. Jahrhunderts in Dresden gefertigte Bronzekopie seiner 1811/12 geschaffenen Büste von Christiane von Goethe befindet sich unter dem Pavillon im Kurpark von Bad Lauchstädt. Weisser schuf auch das Grabmal des 1814 in Weimar verstorbenen Kupferstechers Johann Friedrich Bause.

Verarmt und möglicherweise depressiv ging Carl Gottlieb Weisser am 2. April 1815 in den Freitod. Goethe schrieb am 26. Mai 1816 an seinen Landesherren Carl August:

Sein Nachfolger als Sachsen-Weimarischer Hofbildhauer wurde 1817 Peter Kaufmann. mini|hochkant|Löwe von Carl Gottlieb Weisser, 1806, Sandstein, Schlossportal, Stadtschloss Weimar Werke (Auswahl) 1805: Marmor-Büste von Friedrich August Herzog von Braunschweig-Oels (Abbildung). 1806: Gips-Büste von Friedrich von Schiller. Jeweils ein Exemplar befindet sich heute im Schiller-Nationalmuseum in Marbach und im Goethe-Nationalmuseum in Weimar (Abbildung). 1806: Löwenplastiken bei der sogenannten Löwentreppe an der Westseite des Weimarer Stadtschlosses. 1807: Grabmal für Friedrich Wilhelm Karl von Schmettau (Weimar, Jacobsfriedhof). 1807: Gemeinsames Grabmal für Christoph Martin Wieland, dessen Ehefrau Anna Dorothea sowie Sophie Brentano (Wielandgut in Oßmannstedt). 1808: Marmor-Büste von Wilhelminie Arnoldi, geb. Cronrath. Ehefrau von Ernst Wilhelm Arnoldi, Gründer der Gothaer Versicherungsbanken (Abbildung). 1808: Herme aus Marmor von Anna Amalia von Sachsen–Weimar–Eisenach (Abbildung). 1809: Marmor-Büste von Carl Ludwig Fernow (Abbildung). 1810/12: Marmor-Büste von Charles Gore (Abbildung). 1812: Gips-Büste von Lucas Cranach, die 1814 als Vorlage für die Kopie in Marmor diente, die heute in der Ruhmeshalle in München steht (Abbildung). 1812: Gips-Büste von Christiane v. Goethe, geb. Vulpius (Abbildung).

Quellen Stadtgeschichtliches Museum Leipzig Brief von Carl Gottlieb Weisser an Johann Georg Keil vom 30. Oktober 1814

Nachwirkungen Carl Gottlieb Weisser ist Mittelpunkt von Jutta Heckers Novelle Die Maske. Sie erschien zuerst 1957 in Weimar im Volksverlag.

Literatur Johann Rudolf Füssli: Allgemeines Künstlerlexikon, oder: Kurze Nachricht von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Kunstgießer, Stahlschneider: nebst angehängten Verzeichnissen der Lehrmeister und Schüler, auch der Bildnisse, der in diesem Lexikon enthaltenen Künstler. 2. Theil, 11. Abschnitt, Zürich 1820, S. 5026. (Digitalisat) Johann Wolfgang von Goethe: Gesammelte Werke (Weimarer Ausgabe). Hrsg. im Auftrag der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach, Weimar 1887–1919. J. A. Stargardt (Hrsg.): Original-Büsten der Goethe-Zeit von Klauer, Krull, Tieck, Weisser, Rauch, Schadow, David: aus alten Schlössern (Katalog Nr. 329), Berlin 1932 (doi:10.11588/diglit.6181#0022).

Călin Alexandru Mihai: Johann Peter Kauffmann und die spätklassizistische Skulptur am Weimarer Hof: ein Beitrag zur regionalen Kunstgeschichte Thüringens. Ed. Mega, Cluj-Napoca 2004, S. 49–55, 232–261 (Werkverzeichnis). Gabriele Oswald: Goethes Plastiksammlung. Spiegel eines Kunstverständnisses. Halle 2005, S. 227–238 (Textband), Abb. 248, 253, 256–259, 262–266, 268–270, 272 (Abbildungsband). Simone Steger: Die Bildnisbüsten der Walhalla bei Donaustauf. Von der Konzeption durch Ludwig I. von Bayern zur Ausführung (1807–1842). Dissertation. München 2011, S. 143, 694–699. (Digitalisat) Effi Biedrzynski: Zum 200. Todestag des Bildhauers Carl Gottlob Weißer (21.8.1779 oder 1780 – 2.4.1815). In: AugenBlick. Mitteilungen des Freundeskreises Goethe-Nationalmuseum e. V. Weimar, Bd. 15, H. 1 vom 15. Januar 2015, S. 1. (Digitalisat) Gabriele Oswald: Weisser, Carl Gottlieb. In: Andreas Beyer, Bénédicte Savoy und Wolf Tegethoff (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon (AKL). Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Bd. 115: Wang, Guan – Werve, De Gruyter, Berlin/Boston 2022, S. 409ff., ISBN 978-3-11-055066-5.

Weblinks

"Wir wissen endlich, wie Goethe (nicht) aussah." Artikel aus der Welt vom 14. Oktober 2008. Büste der Christiane von Goethe in Bad Lauchstädt, Saalekreis im Bild vom 25. Mai 2015. Goethe und sein Umkreis (Ausstellungskatalog) Galerie Hans, Hamburg 2019. Nachguß der Lebendmaske von Johann Wolfgang v. Goethe im Beethoven-Haus Bonn.

Einzelnachweise

Anmerkungen

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