Amomum ist eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Alpinioideae aus der Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae), die zu den Einkeimblättrigen Pflanzen gehört. Mit bis zu 200 Arten ist sie eine der beiden artenreichsten Gattungen in der Familie der Zingiberaceae. Einige Arten werden als Gewürz- und Heilpflanzen vom Menschen genutzt.
Beschreibung mini|links|Rhizome von Amomum compactum mini|links|Illustration von Amomum compactum mini|Illustration von Amomum nilgiricum: A. Teil des Pseudostamm B. Blatthäutchen (Ligula) C. Blütenstand D. Tragblatt E. Deckblatt F. Blüte G. Kelch H. Kronlappen I. fertiles Staubblatt J. Labellum K. Fruchtknoten mit Drüsen und Griffel L. Narbe N. Frucht; aus V. P. Thomas, M. Sabu, K.M. Prabhu Kumar: Amomum nilgiricum (Zingiberaceae), a new species from Western Ghats, India. 2012, doi:10.3897/phytokeys.8.2152 mini|links|Illustration aus Indian Medicinal Plants and Drugs Wellcome von Amomum aculeatum mini|Fruchtstand mit stacheligen Kapselfrüchten von Amomum cf. dealbatum
Vegetative Merkmale Amomum-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Sie bilden weit kriechende Rhizome als Überdauerungsorgane.
Es werden meist gutentwickelte „Pseudostämme“ aus meist vielen, selten nur ein bis vier Laubblättern gebildet. Die Blattscheide ist lang. Die Blatthäutchen (Ligulae) sind einfach oder zweilappig. Die Blattspreiten sind länglich oder lanzettlich.
Generative Merkmale Direkt aus dem Rhizom entwickelt sich auf einem kurzen bis sehr langen, mit schuppenförmigen Blattscheiden bedeckten, Blütenstandsschaft ein endständiger, traubiger, ähriger, rispiger Blütenstand, in dem die Blüten dicht zusammen stehen. Bei vielen Arten sieht der Blütenstand zapfenförmig aus. Es ist ein Tragblatt vorhanden. Jede Blüte steht über einem meist röhrenförmigen Deckblatt.
Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig mit doppelten Perianth. Die drei Kelchblätter sind röhrig verwachsen. Die drei Kronblätter sind röhrig verwachsen mit einem aufrechten Kronlappen, der länger, breiter und konvexer ist als die beiden seitlichen. Nur das mittlere Staubblatt des inneren Kreises ist fertil; es besitzt einen langen, gut entwickelten Staubfaden. Die Anhängsel des Staubbeutels sind einfach, zwei- oder dreilappig. Alle anderen Staubblätter sind zu Staminodien reduziert und mindestens eines oder drei fehlen. Die beiden seitlichen Staminodien des äußeren Kreises sind pfriemförmig, klein oder fehlen. Das mittlere Staminodium des äußeren Kreises fehlt. Die beiden seitlichen Staminodien des inneren Kreises sind zu einem sogenannten Labellum verwachsen; es stellt den auffälligsten Teil der Blüte dar. Das meist verkehrt-eiförmige und breit konkave Labellum ist gelb bis orangefarben im Zentrum, besitzt einige rote Adern oder Zeichen und oft einen weißen Rand. Drei Fruchtblätter sind zu einem dreikammerigen Fruchtknoten verwachsen mit vielen Samenanlagen in jeder Fruchtknotenkammer. Der dünne Griffel endet meist in einer trichterförmigen, bewimperten Narbe.
Die unregelmäßig geformten Kapselfrüchte besitzen eine glatte, kantige oder stachelige Oberfläche und enthalten viele Samen. Die rechteckigen oder kantigen Samen besitzen einen fleischigen oder häutigen Arillus.
Standorte Die Gattung Amomum gedeiht fast nur in tropischen Gebieten. Die meisten Amomum-Arten gedeihen als immergrüne große Pflanzen in feuchten Wäldern besonders in Lichtungen und an Waldrändern. Es gibt auch einige Epiphyten und selten saisongrüne, kleine Pflanzen, in der Krautschicht der Wälder.
Systematik und Verbreitung Die Gattung Amomum gehört zur Tribus Alpinieae in der Unterfamilie der Alpinioideae innerhalb der Familie der Zingiberaceae.
Die Gattung Amomum wurde 1753 durch Carl von Linné in Monandria Monogynia zum ersten Mal aufgestellt mit vier Arten: Amomum zingiber, Amomum zerumbet, Amomum cardamomum und Amomum grana-paradisi. Diese vier Arten gehören heute zu Aframomum , Zingiber und Elettaria . Die heute gültige Veröffentlichung der Gattung Amomum erfolgte 1820 durch William Roxburgh in Plants of the Coast of Coromandel, 3, S. 75William Roxburgh: Plants of the Coast of Coromandel, 3, 1820, S. 75 eingescannt bei biodiversitylibrary.org. mit der Typusart Amomum subulatum Der Gattungsname Amomum leitet sich vom griechischen Wort ἄμωμον, amomon ab, das für eine indische Gewürzpflanzenart benutzt wurde. Amomum (bzw. arabisch Hamama) bezeichnete im Mittelalter möglicherweise eine Dionysia-Art wie Dionysia diapensiaefolia.Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 212–213 (zu Pes columbinus). Synonyme für Amomum sind: Cardamomum , Conamomum , Geocallis , Meistera , Paludana , Paramomum , Torymenes nom. nud., Zedoaria , Wurfbainia .
Die bisherige Aufgliederung der Gattung in zwei Untergattungen kann von Yong-Mei Xia et al. 2004 nicht bestätigt werden, auch eine Gliederung in Sektionen ist mit den derzeitigen Ergebnissen aus den molekulargenetischen Untersuchungen nicht möglich; es zeigen sich gut bestätigte Kladen, aber weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die Verwandtschaftsverhältnisse klar zu zeigen.
Das Hauptverbreitungsgebiet ist Südostasien. Einzelne Arten kommen vom Himalaja durch Südostasien bis ins nördliche Australien und bis zum zentralen Pazifikraum vor. In China kommen 39 Arten vor, davon 29 nur dort.
mini|Habitus von Amomum compactum in Kultur mini|Zygomorphe Blüte von Amomum compactum mini|Blatthäutchen (Ligulae) von Amomum nilgiricum mini|Oberirdische Pflanzenteile von Amomum nilgiricum mini|Unterirdische Pflanzenteile von Amomum nilgiricum mini|Zapfenförmiger Blütenstand von Amomum nilgiricum mini|Fruchtstand von Amomum nilgiricum mini|Tragblatt von Amomum nilgiricum mini|Deckblatt von Amomum nilgiricum mini|Kelch von Amomum nilgiricum mini|Kronlappen von Amomum nilgiricum mini|Labellum von Amomum nilgiricum mini|Fertiles Staubblatt mit abgeflachten Staubfaden von Amomum nilgiricum mini|Fruchtknoten mit Griffel von Amomum nilgiricum mini|Narbe von Amomum nilgiricum mini|Habitus von Amomum pterocarpum im Habitat mini|Zygomorphe Blüten von Amomum pterocarpum mini|Habitus des Schwarzen Kardamom (Amomum subulatum) mini|Zygomorphe Blüte des Schwarzen Kardamom (Amomum subulatum) mini|Habitus von Amomum villosum
Amomum aculeatum (Syn.: Cardamomum ciliatum , Amomum ciliatum , Amomum aurantiacum , Amomum flavum , Amomum hatuanum , Amomum aculeatum var. gymnocarpum , Amomum aculeatum var. macrocarpum ): Sie kommt in Thailand, Myanmar, Vietnam und von den Andamanen bis Neuguinea vor. Amomum acuminatum : Dieser Endemit kommt in Sri Lanka nur im Distrikt Ratnapura vor. Amomum agastyamalayanum : Sie wurde 2012 aus dem indischen Bundesstaat Kerala erstbeschrieben. Amomum alborubellum : Sie kommt nur in Papua-Neuguinea vor. Amomum andamanicum : Sie wurde 2010 von den Andamanen erstbeschrieben. Amomum angustipetalum : Sarawak. Amomum anomalum : Borneo. Amomum apiculatum : Sumatra. Amomum aquaticum : Sri Lanka. Amomum argyrophyllum : Südliches Thailand. Amomum aromaticum : Nepal bis Bangladesch. Amomum benthamianum : Dieser Endemit kommt in Sri Lanka nur im Distrikt Kalutara vor. Amomum bicorniculatum : Kalimantan. Amomum bicornutum : Westliches Neuguinea. Amomum biflorum : Malaiische Halbinsel bis Sumatra. Amomum bilabiatum : Sie wurde 1998 aus Sarawak erstbeschrieben. Amomum blumeanum : Dieser Endemit kommt nur auf der Insel Java vor. Amomum borealiborneense (Syn.: Amomum sylvestre nom. illeg., Amomum ridleyi nom. illeg.): Der gültige Name wurde 1998 veröffentlicht. Die Art kommt nur in Sarawak vor. Amomum borneense : Sie kommt nur in Sarawak vor. Amomum botryoideum : Sie wurde 2000 aus Brunei erstbeschrieben. Amomum bulusanense : Sie kommt nur auf Luzon vor. Amomum burttii : Sarawak. Amomum calcaratum : Sie wurde 2012 aus Laos erstbeschrieben. Amomum calcicolum : Sie wurde 2012 aus Laos erstbeschrieben. Amomum calyptratum : Sie wurde 1998 aus Sarawak erstbeschrieben. Amomum cannicarpum : Südwestliches Indien. Amomum capsiciforme : Sie wurde 1989 erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von etwa 1400 Metern nur im Kreis Yingjiang im westlichen Yunnan. Amomum carnosum : Sie wurde 2012 aus Nagaland in Assam erstbeschrieben. Amomum celsum : Sie wurde 2012 erstbeschrieben. Sie kommt in Laos und Vietnam vor. Amomum centrocephalum : Nördliches Sumatra. Amomum cephalotes : Malaiische Halbinsel. Amomum cerasinum : Westliches und zentrales Sumatra und Sarawak. Amomum chaunocephalum : Papua-Neuguinea. Amomum chevalieri : Vietnam. Amomum chinense : Sie gedeiht in Wäldern in Hainan, in Thailand, Kambodscha, Laos und Vietnam. Amomum chryseum : Laos. Amomum compactum (Syn: Amomum cardamomum sensu auct., Amomum kepulaga ): Sie kommt ursprünglich auf Sumatra und im westlichen Java vor. Sie wird als Heilpflanze verwendet. Amomum conoideum : Philippinen. Amomum coriaceum : Sarawak. Amomum coriandriodorum : Sie gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von 1300 bis 1500 Metern im südlichen Yunnan und im nördlichen Thailand. Amomum cylindraceum : Malaiische Halbinsel bis Sumatra. Amomum dallachyi : Nördliches Queensland. Amomum dampuianum : Sie wurde 2013 aus Mizoram in Assam erstbeschrieben. Amomum dealbatum : Sie kommt in Yunnan, Bangladesch, Indien, Sikkim, Thailand, Laos, Kambodscha, Myanmar, Vietnam, im östlichen Nepal und vielleicht auch auf Sumatra vor. Amomum deorianum : Sie kommt im indischen Bundesstaat Meghalaya vor. Amomum deuteramomum : Nördliches Sulawesi. Amomum dictyocoleum : Sarawak. Amomum dimorphum (Syn.: Alpinia polycarpa , Amomum polycarpum nom. illeg.): Der gültige Name wurde 2001 veröffentlicht. Dieser Endemit kommt nur in Sarawak vor. Amomum dolichanthum : Dieser Endemit gedeiht in Wäldern nur im Longzhou Xian im südwestlichen Guangxi. Sie wird als Heilpflanze verwendet. Amomum durum : Sarawak. Amomum echinatum : Indien und Sri Lanka. Amomum echinocarpum : Sri Lanka, Laos, Java, Sulawesi, Neuguinea und Bismarck-Archipel. Amomum elegans : Philippinen. Amomum elephantorum : Thailand, Kambodscha, Laos und Vietnam. Amomum epiphyticum : Sarawak. Amomum flavidulum : Sarawak. Amomum flavoalbum : Sarawak. Amomum flavorubellum : Papua-Neuguinea. Amomum fragile : Sie wurde 1989 erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht in Wäldern nur im Kreis Menghai im südwestlichen Yunnan. Amomum fulviceps : Sie kommt in Sri Lanka und im südwestlichen Indien vor. Amomum gagnepainii (Syn.: Amomum thyrsoideum non ): Sie wurde 2000 erstbeschrieben. Sie kommt im südwestlichen Guangxi und nördlichen Vietnam vor. Amomum garoense : Sie wurde 1999 aus Assam erstbeschrieben. Amomum ghaticum : Südwestliches Indien. Amomum glabrifolium : Sie wurde 2012 aus Laos erstbeschrieben. Amomum glabrum : Sie wurde 1989 erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von etwa 700 Metern nur im Kreis Mengla im südwestlichen Yunnan und in Laos vor. Amomum globba : Thailand. Amomum gracile : Westliches Sumatra bis Java. Amomum gramineum : Myanmar. Amomum graminifolium : Sri Lanka. Amomum gymnopodum : Südliches Sulawesi. Amomum gyrolophos : Westliches Sumatra und Sarawak. Amomum hansenii : Sarawak. Amomum hastilabium : Thailand, Malaysia und Sumatra. Amomum hedyosmum (Syn.: Amomum trilobum nom. illeg.): Der gültige Name wurde 2000 veröffentlicht. Die Art kommt auf den Philippinen vor. Amomum hirticalyx : Sie kommt nur in Thailand vor. Amomum hochreutineri : Java. Amomum holmesii : Südwestliches Indien. Amomum hypoleucum : Südliches Indien, Sri Lanka und Malaiische Halbinsel. Amomum irosinense : Luzon. Amomum jainii : Sie wurde 1999 erstbeschrieben. Dieser Endemit kommt in Assam nur in Meghalaya vor. Amomum jingxiense : Sie wurde 1989 erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht in Wäldern in Höhenlagen von etwa 1300 Metern nur im Kreis Jingxi im westlichen Guangxi.