Die SMS Meer GmbH mit Sitz in Mönchengladbach ist ein Unternehmensbereich der SMS group. SMS Meer ist weltweit führend im Anlagen- und Maschinenbau für Stahlwerke und Stranggießtechnik (Langprodukte), Rohranlagen, Profilwalzwerke, Schmiedetechnik, NE-Anlagen (Aluminium und Kupfer), Wärmetechnik und Serviceleistungen.
Der Unternehmensbereich hat rund 3.650 Mitarbeiter, der Auftragseingang im Jahr 2013 betrug 1.104 Millionen Euro.Geschäftsbericht 2012 der SMS group Die Unternehmenszentrale ist in Mönchengladbach (Deutschland). Zum Unternehmensbereich gehören auch die SMS Concast (Zürich/Schweiz), PWS (Ravensburg/Deutschland), Hertwich Engineering (Braunau/Österreich) und SMS Elotherm (Remscheid/Deutschland). Zudem ist SMS Meer mit eigenen Landesgesellschaften weltweit vertreten. Zuletzt wurde im Oktober 2010 ein Produktionsstandort in Shanghai/China eröffnet (SMS Meer Engineering (China) Ltd.)Artikel in der Westdeutschen Zeitung vom 28. Oktober 2010
Leistungsangebot Das Leistungsangebot von SMS Meer umfasst Anlagen und Maschinen für die Bereiche Stahlwerke und Stranggießtechnik für Langprodukte, Rohranlagen, Profilwalzwerke, Schmiedetechnik, NE-Anlagen, Wärmetechnik und Service.http://www.sms-meer.com/portfolio.html
Stahlwerke und Stranggießtechnik für Langprodukte Als Teil des Unternehmensbereichs SMS Meer entwickelt und produziert SMS Concast Anlagen für den gesamten Produktionsprozess von Stahl: von Elektrolichtbogenofen zum Einschmelzen unterschiedlicher Einsatzstoffe über Sekundärmetallurgie-Anlagen bis zum Stranggießen. Dabei hat sich das Unternehmen auf Anlagen für Langprodukte spezialisiert.http://www.sms-meer.com/portfolio/stahlwerke-stranggiessen-langprodukte.html Zusammen mit den anderen Firmen des Unternehmensbereichs bietet SMS Concast auch so genannte Minimills an, integrierte Stahlwerke mit direkt angeschlossener Walzstraße.Artikel „Erfolgreiche Minimill-Technologie“, METEC messe daily, Stahleisen Verlag, 2. Juli 2011.
Rohranlagen SMS Meer ist weltweit der größte Anlagen- und Maschinenbauer für die Rohrproduktion. Der Unternehmensbereich stellt Nahtlosrohranlagen, Rohrschweißanlagen,Artikel „Plants for high precision automotive products“, Tube & Pipe Technology 3/2011, Intras Ltd. Spiralrohranlagen,Artikel “Two-stage spiral pipe plant”, Tube & Pipe Technology 3/2011, Intras Ltd. Radialschmiedemaschinen zur Rohrproduktion sowie die entsprechenden Adjustageeinrichtungen her.
Profilwalzwerke Im Bereich Profilwalzwerke deckt SMS Meer Maschinen und Anlagen für Profil- und Halbzeugwalzwerke, Feinstahlwalzwerke sowie Draht- und Stabstahlwalzwerke ab. Typische Produkte, die auf Anlagen von SMS Meer hergestellt werden, sind Betonstahl, Träger, Schienen, Drähte sowie Spezialprofile. Außerdem produziert SMS Meer Maschinen und Anlagen zur Herstellung von Blankstahl.http://www.sms-meer.com/portfolio/profilwalzwerke.html
Schmiedetechnik SMS Meer bietet hydraulische Pressen und Strangpressen, Gesenkschmieden sowie Ringwalzanlagen und -maschinen an.http://www.sms-meer.com/portfolio/schmiedetechnik.html Auf den Anlagen stellen die Kunden unter anderem Turbinenschaufeln für die Luftfahrt- und Kraftwerksindustrie, Antriebs- und Achskomponenten für die Fahrzeugindustrie und Profile für die Automotive-, Luftfahrt- und Eisenbahnindustrie her. Auf Ringwalzen werden Ringe gefertigt, die im Maschinenbau- und Automotive-Bereich zum Einsatz kommen, beispielsweise als Wälzlager, als Komponenten druckbeständiger Tanks oder beim Bau von Windrädern. Auch Räder für Schienenfahrzeuge werden auf den Anlagen produziert.Artikel „Ressourceneffiziente Anlagen“, Aluminium Praxis 9/2011, Giesel Verlag.
NE-Anlagen Im Bereich Aluminium ist SMS Meer Komplettanbieter auf dem Gebiet der Aluminium-Gießeinrichtungen.Artikel “SMS investiert 60 Millionen Euro”, Aluminium Praxis 10/2011, Giesel VerlagArtikel “SMS Siemag and SMS Meer – Successful equipment partners to the aluminium industry in the Gulf”, International Aluminium Journal 4/2011, S. 34–39, Giesel Verlag Die Kompetenzen in der Aluminium-Verarbeitung bündelt das Tochterunternehmen Hertwich Engineering., S. 66.Artikel „Hertwich Engineering casthouse masters“, Aluminium Times 9/2011, Modern Media Communications Ltd. Das Portfolio umfasst Schmelzöfen, Homogenisierungsanlagen, Gießanlagen, Barrenfräsen und Bandsägen sowie Nebeneinrichtungen.http://www.sms-meer.com/portfolio/ne-anlagen/aluminiumanlagen/lieferprogramm-aluminiumanlagen.html
Im Bereich Kupfer verkauft SMS Meer Anlagen für die Draht- und Rohrerzeugung sowie zur Herstellung von Halbzeug. In diesen Bereich fallen auch Stranggießanlagen für Gusseisen, Edelmetalle und Sonderlegierungen.http://www.sms-meer.com/portfolio/ne-anlagen/kupferanlagen.html
Wärmetechnik Die beiden SMS Meer-Tochterfirmen SMS Elotherm und SMS Meer S.p.A. stellen Erwärmungsanlagen her.http://www.sms-meer.com/portfolio/waermetechnik.html Damit werden Werkstücke auf Verarbeitungstemperatur gebracht oder bereits bearbeitete Produkte gehärtet und vergütet, um die Materialeigenschaften zu verbessern. SMS Meer S.p.A. bietet gas- oder ölbefeuerte Öfen, SMS Elotherm ist spezialisiert auf Induktionstechnik.Artikel „High efficient bar furnace sold to steel producer in western US“, Tube & Pipe Technology 9/2011, Intras Ltd.
Service Das Service-Portfolio von SMS Meer umfasst technische Dienstleistungen wie die Inbetriebnahme der Anlagen, die Versorgung mit Ersatzteilen, Modernisierungen oder Notfallservice, aber auch die professionelle Schulung der Anlagenbediener, Unterstützung beim Betrieb der Anlagen und Consulting-Angebote.http://www.sms-meer.com/portfolio/service.htmlArtikel „Instandhaltung mit Methode“, Instandhaltung 5/2011, verlag moderne industrie GmbH
Unternehmensgeschichte Gründung im 19. Jahrhundert Die Wurzeln von SMS Meer reichen rund 140 Jahre zurück: Am 10. Dezember 1872 gründeten die Brüder Michael und Peter Meer in Mönchengladbach die „Gebr. Meer Maschinenfabrik und Eisengiesserei o.H.“. Sie stellten Dampfmaschinen her und belieferten vor allem die starke Textilindustrie am Niederrhein.Vgl. Friedrich-Wilhelm Henning, Die Industrialisierung in Deutschland 1800 bis 1914, München, Wien, Zürich 1973.
Kurze Zeit nach der Firmengründung starb Michael Meer. Von diesem Zeitpunkt an führte Peter Meer das Unternehmen allein. Er erweiterte das Produktprogramm um Kompressoren und Wasserpumpen.Mannesmann-Meer: Manuskript zum Thema „Entwicklungsgeschichte Mannesmann-Meer“ 1872–1970, veranlasst von Grunwald und Henle, 1970. Zu den Kunden zählten neben Webereien und Spinnereien nun auch Ölmühlen, Bergwerke und Wasserwerke.Vgl. Mannesmann-Meer: Manuskript zum Thema „Entwicklungsgeschichte Mannesmann-Meer“ 1872–1970, veranlasst von Grunwald und Henle, 1970. In dieser Zeit begann Meer mit der Instandsetzung und Wartung seiner Produkte und wurde damit auch zum Dienstleistungsunternehmen.
1912 starb Peter Meer. Die Söhne der beiden Firmengründer, Willy und Hermann Meer, übernahmen die Geschäftsleitung.Interview mit Klaus-Werner Meer am 5. November 2010 in Mönchengladbach Während des Ersten Weltkrieges produzierte die Firma Rüstungsgüter.Vgl. Profile und Portraits von Dr. Schmelzer, o. J. (evtl. vor 1948). Nach Kriegsende kam 1921 mit Karl Gruber ein neuer Teilhaber und technischer Direktor ins Unternehmen.Vgl. Die MEER Chronik, S. 6. Er führte einen neuen Produktionszweig ein: den Bau von Anlagen für die Herstellung von nahtlosen Stahlrohren. Mannesmann hatte im späten 19. Jahrhundert das Verfahren zur Herstellung nahtloser Stahlrohre entwickelt, ein Quantensprung in der Rohrproduktion. Schon 1923 lieferte Meer das erste Rohrwalzwerk an einen Kunden in Düsseldorf, zwei Jahre später erfolgte die erste Lieferung in die Vereinigten Staaten.Vgl. Die MEER Chronik, S. 7.
Übernahme durch Mannesmann 1926 wurde Meer von den Mannesmannröhren-Werken übernommen, die sich bereits seit Anfang der 1920er Jahre für Meer interessierte.Mannesmann-Archiv: Sitzung des Aufsichtsrats der Mannesmannröhren-Werke AG, Düsseldorf am 28. August 1926. Mit einem Grundkapital von 1,8 Millionen Reichsmark wurde die „Maschinenfabrik Meer AG“ gegründet und ging in den Besitz des Düsseldorfer Konzerns über.
Meer profitierte von steigenden Auftragseingängen und entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem der führenden Hersteller von Rohrwalzwerken.Mannsmann-Archiv, M 17.600: Brief an Generaldirektor Dr. Bierwes. 1930 erwarb Meer zusammen mit Mannesmann und der Kronprinz AG die deutschen Patente für Asselwalzwerke,Vgl. Horst Wessel, Kontinuität im Wandel. 100 Jahre Mannesmann 1890-1990, Mannesmann AG 1990, S. 240. entwickelte die Methode weiter und erreichte eine höhere Genauigkeit bei Rohrdurchmesser und Wanddicke. So konnten die auf Asselwalzwerken produzierten Rohre für die Produktion von Kugellagern eingesetzt werden und Meer stieg zu einem der Hauptlieferanten der europäischen Kugellagerindustrie auf.Vgl. Horst Wessel, Kontinuität im Wandel. 100 Jahre Mannesmann 1890-1990, Mannesmann AG 1990, S. 241.
Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Maschinenfabrik Meer in die Rüstungsproduktion eingebunden. Das Werk wurde erweitert und produzierte Munitionsmaschinen, Kolbenmaschinen für Minensuchboote oder Panzerteile.Stadtarchiv Mönchengladbach, 29c 25/1551: Schreiben des Remscheider Stadtrats als leitende Institution der Sofortmaßnahmen bei Kriegsschäden, ohne Datum (vermutlich im Herbst 1943).
Im August 1943 wurde die Maschinenfabrik Meer bei einem Bombenangriff schwer beschädigt.Stadtarchiv Mönchengladbach, 29c 25/1551: Schreiben des Rüstungskommandos Düsseldorf, Außenstelle Viersen, am 24. Januar 1945 über Schaden nach dem Fliegerangriff vom 31. August 1943. In der Nacht vom 19. auf den 20. September 1944 zerstörten britische Bomber das Werk fast vollständig.Vgl. Margit Sollbach-Papeler, Mönchengladbach und Rheydt 1939-1945, Hagen 1997, S. 39. Nach Kriegsende zerlegten die Alliierten das Mannesmann-Industriekonglomerat in drei Teile.
Wiederaufbau ab 1946 Im zerstörten Nachkriegsdeutschland gestaltete sich der Wiederaufbau der Firma, die zu diesem Zeitpunkt der Mannesmann-Nachfolgegesellschaft STAMAG (Stahl- und Maschinengesellschaft mbH) angehörte,Vgl. Hanno Bernett, Von der Entflechtung bis zur Wiederherstellung alter Konzernstrukturen – Die Unternehmensorganisation deutscher Montanunternehmen am Beispiel Mannesmann (1945 – 1958/9), Bonn 1991. schwierig. Erst 1948 stand durch die Währungsreform und den Marshallplan wieder genügend Geld zur Verfügung.Bundesarchiv Koblenz, B 109/4644: Schreiben der KfW an Meer, am 3. September 1949, Betreff: „Spätlese 1949“: Meer erhält einen Kredit in Höhe von 500.000,00 Mark. Ursprünglich beantragt waren 1.500.000,00 Mark. Durch die weltweite Nachfrage nach Stahl und Maschinen, die der Koreakrieg Anfang der 1950er Jahre auslöste, wuchs Meer schnell. 1953 beschäftigte das Unternehmen bereits wieder 700 Mitarbeiter und machte einen Umsatz von rund 25 Millionen Mark.
1955 wurde der Mannesmann-Konzern wieder zusammengeführt und Meer wurde unter dem Namen „Mannesmann-Meer“ integriert.HStAD NW 74 Wirtschaftsministerium 198: Bericht des Vorstands (Mannesmann) über das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis 31. Dezember 1955, S. 7. In der Folgezeit investierte Meer stark – sowohl in Forschung und EntwicklungMannesmann-Meer: Eine Entwicklungsgeschichte der Technik 1872-1970, veranlasst von Grunwald und Henle, S. 7–10.Stadtarchiv Mönchengladbach, 37/4/3: Meer Berichte „Moderne Rohrreduzierwalzwerke“, Maschinenfabrik Meer AG 1954. als auch in die Produktionskapazität und die Ausbildung der Mitarbeiter.Vgl. Artikel „Dem Nachwuchs gilt die besondere Sorge“ aus der Westdeutschen Zeitung, 12. Jahrgang – Nr. 244 vom 3. November 1959. Das patentierte Streckreduzierwalzwerk in Drei-Walzen-Bauart mit mechanisch-hydraulischem Überlagerungsantrieb war eine der wichtigsten Neuentwicklungen der Nachkriegszeit.Vgl. Die MEER Chronik, S. 17.