Weidenberg ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Bayreuth und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Weidenberg, zu der außerdem die Gemeinden Emtmannsberg, Kirchenpingarten und Seybothenreuth gehören.
Geographie Geographische Lage Das Gemeindegebiet von Weidenberg befindet sich zwischen etwa 357 und am Fuße des Fichtelgebirges. Der Hauptort und Markt Weidenberg liegt im nordöstlichen Landkreis Bayreuth im Tal der Warmen Steinach. Die nächste größere Stadt ist Bayreuth, sie kann über die Staatsstraße 2181 im Tal der Steinach oder über den Lankendorfer Berg und Seulbitz sowie mit der Eisenbahn erreicht werden.
Der Ort Weidenberg besteht aus dem am Hang gelegenen Obermarkt und dem Untermarkt im Talboden. Sie sind durch die in einem Bogen weitgehend außerhalb der Bebauung verlaufende Neue Straße, den nicht durchgehend befahrbaren Reitweg und eine „Schied“ genannte Fußgängertreppe mit 126 Stufen miteinander verbunden.
Natur und Umwelt Der Markt Weidenberg liegt am Südrand des Fichtelgebirges am Fuße des Iskaraberges im Tal der Warmen Steinach, deren Quellgebiet sich am Südhang des Ochsenkopfes befindet. Nach Sophienthal, einem Gemeindeteil Weidenbergs, verlässt die Steinach ihr tief eingeschnittenes Tal im Gebirge und tritt in ein lichtes, weites Becken um Weidenberg ein. Dieses Becken ist ein geologisch bedeutsamer Teilbereich einer Bruchzone, die Fränkische Linie genannt wird: Vor etwa 200 Millionen Jahren kam es zu einem Bruch der Erdkruste und das alte Gebirge (Variszikum) schob sich über die jüngeren Erdschichten. So sind sowohl Urgesteine, wie Granit, Gneis, Phyllit und Rotliegend als auch jüngere Gesteinsformationen, wie Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper auf engstem Raum anzutreffen.Geologische Karte von Bayern: Erläuterungen zum Blatt Nr. 6036 Weidenberg, von Ulrich Emmert und Gerhard Stettner, München 1995, Mit der Erosion des Fichtelgebirges und der Abtransport der Gesteine durch die Steinach und anderen Flüssen entstanden Schotterebenen im Talbereich. Alle diese unterschiedlichen Bodenstrukturen führten zu einer kleinstrukturierten, abwechslungsreichen Landschaft mit jeweils eigenständiger Fauna und Flora.
Königsheide, ein teilweise sumpfiges Hochmoor Keilsteinfelsen bei Gossenreuth (Meta-Rhyolith) (Geotop-Nummer 472R016) Eisenbergwerk Rotenfels (Geotop-Nummer 377G009) Weidenberger Felsenkeller (Geotop-Nummer 472A021) Karneol-Horizonte im Buntsandstein Muschelkalk-Aufschluss am Kulmberg (Geotop-Nummer 472A007)
Weidenberger Erdblicke mini|links|hochkant=1.1|Stratigraphisches Profil Bamberg – Bayreuth – Weidenberg – Fichtelgebirge mini|Blick von der Bocksleite auf Weidenberg, im Hintergrund das Fichtelgebirge mini|Rathausplatz im Obermarkt, Blick vom Kirchturm mini|Untermarkt, Blick über die Warme Steinach zum Obermarkt
Unter dem Titel „Weidenberger Erdblicke“ führen zwei Geo-Erlebniswege durch Weidenberg und die nahen Südausläufer des Fichtelgebirges. Hier an der Fränkischen Linie prägen nicht nur erdgeschichtliche Epochen, wie Erdmittelalter und Erdaltertum die Landschaft, sondern auch zwei unterschiedliche Flusssysteme, die zur Europäischen Hauptwasserscheide gehören. Die beiden Rundwege zeigen auf 15 bzw. 7 Infotafeln nahezu 500 Millionen Jahre Erdgeschichte. Die Tafeln sind mit QR-Code versehen.GEOPARK Bayern-Böhmen e. V. Marktplatz 1, 92711 Parkstein https://www.geopark-bayern.de/Public/GeoThemenwege/Erdblicke/web.htm
Gemeindegliederung
Die Gemeinde Weidenberg hat 53 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Ziegelhütte, Stadelhaus und Schuhmühle zählen zum Gemeindeteil Weidenberg, Neuhaus zum Gemeindeteil Sophienthal und Taubenhof zum Gemeindeteil Döhlau. Berghaus und Sonnengrün sind zur Wüstung geworden.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Döhlau, Fischbach, Görschnitz, Lankendorf, Lehen, Lessau, Mengersreuth, Neunkirchen a.Main, Sophienthal, Sophienthaler Forst (Gemarkungsteil 2), Untersteinach, Weidenberg. Die Gemarkung Weidenberg hat eine Fläche von 8,080 km² und ist in 2649 Flurstücke aufgeteilt. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Rosenhammer und Schafhof.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Warmensteinach, Kirchenpingarten, Seybothenreuth, Emtmannsberg, Bayreuth und Goldkronach.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung mini|hochkant|Lieutenant Johann Ludwig von Künsberg zu Weidenberg (1625–1659) als Altarfigur in der Friedhofskirche in Weidenberg mini|Obere Marktstraße im Obermarkt mini|Bürgerhaus aus der Markgrafenzeit mit barocken Ornamenten (z. B. Fensterschürzen) mini|Felsenkeller der ehemaligen Wildmeisterei mini|Denkmalgeschützte Scheunen am einstigen Ortsrand (hier Richtung Waizenreuth) Der Weidenberger Raum war um das Jahr 1000 von Mainslawen dünn besiedelt, zu denen zum Zweck der Christianisierung Franken stießen.800 Jahre statt 870: Weidenberg wird heute jünger in: Nordbayerischer Kurier vom 21./22. Oktober 2023, S. 19. Bedingt durch die alte nordwest-südost-orientierte Handels- und Heerstraße handelte es sich vor allem um ein Durchzugsgebiet. Es entstand eine Reihe von Turmhügeln zur Sicherung der Straßen und des Grenzsaumes zwischen fränkischem und bayerischem Territorium. Die bedeutendste Turmhügelanlage lag oberhalb des Gemeindeteiles Sophienthal auf einem strategisch günstigen Bergsporn. Dieser Burgstall Schlosshügel mit seinen gut sichtbaren Gräben und Wällen kann besichtigt werden.
Bis vor wenigen Jahren sah es danach aus, als sei der Ort 1153 als „Widenberg“ erstmals schriftlich erwähnt worden. Der Historiker Hermann Joseph Hiery wies jedoch nach, dass es sich bei der vermeintlichen Urkunde um eine Fälschung handelte. Sie wurde vom Kloster Langheim vermutlich nachträglich erstellt, um Gebietsansprüche in Weidensees zu untermauern. In einer Urkunde vom 20. Oktober 1223 erfolgte die Erwähnung als „Widenberc“. In ihr bezeugte ein Eberhard von Widenberc einen Vertrag, in dem Otto VII. finanzielle Gaben versprach, wenn man nach seinem Tod Gedächtnismessen für ihn abhalte.250 Weidenberger feiern ihre Geschichte in: Nordbayerischer Kurier vom 23. Oktober 2023, S. 16.
Der Ort war damals im Sitz der Herren von Weidenberg. 1398 wurde der Ort als Markt bezeugt. 1418 starb das Adelsgeschlecht der Weidenberger aus, 1446 kaufte Adrian von Künsberg den gesamten Besitz. Die Herren von Künsberg besaßen die beiden Schlösser in Weidenberg als zollersches Lehen bis 1634/51. Ein „unteres Schloss“ wurde erstmals 1601 erwähnt, 1651 brannte es aus und ging an die Herren von Lindenfels über. 1745 verkaufte Carl Willibald von Lindenfels für 84 000 Gulden seine Güter und Lehen in und um Weidenberg an Markgraf Friedrich zu Brandenburg-Bayreuth.
Im frühen 15. Jahrhundert wurde der Ort während der Hussitenkriege stark zerstört. Bald nach der Reformation wurde Weidenberg im 16. Jahrhundert protestantisch. 1750 fiel nahezu der gesamte Untermarkt einem Feuer zum Opfer.Infotafel GEO-Erlebnisweg „Weidenberger Erdblicke“ im Ortsteil Obermarkt
Weidenberg war der erste ländliche Ort im Fürstentum Bayreuth, der nach einer Feuersbrunst systematisch in Sandstein wieder errichtet wurde. In der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober 1770 wurden weite Teile des Obermarkts mit 44 Holzhäusern ein Raub der Flammen.Kompletter Wiederaufbau in Sandstein in: Nordbayerischer Kurier vom 4. Dezember 2024, S. 16. Einem markgräflichen Erlass entsprechend wurden die betroffenen Häuser aus Stein neu errichtet. Der feine, einheitlich gekörnte Lettenkohlensandstein wurde in mehreren Steinbrüchen im nahen Lessau gewonnen. Geleitet wurde der Wiederaufbau durch das markgräfliche Bauamt in Bayreuth, in Anlehnung an Sankt Georgen ließ der Architekt und Bauamtsleiter Johann Gottlieb Riedel „herrschaftliche“, zweigeschossige Häuser mit Walm- und Mansarddächern bauen. Es entstanden geschlossene Straßenzüge und schlichte Bürgerhäuser aus Sandsteinquadern mit Linienornamenten und – erstmals außerhalb Bayreuths – Fensterschürzen. Damit änderte sich zwischen 1770 und 1776 das Gesicht des Orts vom Dorf hin zu einer Kleinstadt. Nachdem bei dem Brand auch alle Scheunen zerstört wurden, entstanden am Ortsrand vier Scheunenviertel; in drei dieser Viertel wurden die Scheunen ebenfalls aus Sandstein gebaut. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Weidenberg am Bauen mit Sandstein festgehalten.
Das „Obere Schloss“ wurde 1770 Amtshaus und diente auch als Gefängnis.In den Fängen der Tötungsmaschinerie in: Nordbayerischer Kurier vom 27. Januar 2020, S. 17. Das Amt des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth fiel mit diesem im Frieden von Tilsit 1807 als Pays réservé an Frankreich und kam 1810 durch Verkauf zum Königreich Bayern. Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Neustadt am Kulm.
Weidenberg bildete mit Brunnenhaus, Schuhmühle und Ziegelhütte eine Realgemeinde. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Weidenberg 176 Anwesen. Die Hochgerichtsbarkeit stand dem bayreuthischen Stadtvogteiamt Bayreuth zu. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Amt Weidenberg. Grundherren waren das Amt Weidenberg (159 Anwesen: Amtshaus, 1 Hof, 1 Halbhof, 1 Mahl- und Schlagmühle, 1 Schneidmühle mit Nebenhaus, 1 Mühle, 38 Güter, 1 Gut mit Nebenhaus, 8 Halbgüter, 18 Halbgütlein, 67 Tropfhäuser, 1 Tropfgut, 1 Kellerhaus mit Wohnung, 1 Halbgut mit Bräuhaus, 1 Kellerhäuslein, 16 Wohnhäuser, 1 Söldengütlein); die Hofkanzlei Bayreuth (6 Häuser); die Pfarrei Weidenberg (7 Gütlein, 3 Tropfhäuser, 1 Häuslein).R. Winkler: Bayreuth, S. 397.
19. und 20. Jahrhundert 1812 wurde infolge des Gemeindeedikts der Steuerdistrikt Weidenberg gebildet. Außer dem Hauptort gehörten hierzu Berghaus, Rosenhammer, Schafhof, Schuhmühle, Stadelhaus und Ziegelhütte.R. Winkler: Bayreuth, S. 496. Zugleich entstand die Ruralgemeinde Weidenberg, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Weidenberg zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Bayreuth (1919 in Finanzamt Bayreuth umbenannt). Ab 1862 gehörte Weidenberg zum Bezirksamt Bayreuth (1939 in Landkreis Bayreuth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Weidenberg (1879 in Amtsgericht Weidenberg umgewandelt), seit 1931 ist das Amtsgericht Bayreuth zuständig.R. Winkler: Bayreuth, S. 486f. Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 8,089 km².
In der Zeit um den Ersten Weltkrieg war Weidenberg eine sozialdemokratische Hochburg, später dann deutsch-national bestimmt. Vor der Machtübernahme Hitlers stimmten die Weidenberger mehr als die Wähler in katholischen Orten für die NSDAP. Ansässige Juden gab es im Ort nicht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten Heimatvertriebene aus dem Osten die Gablonzer Glasindustrie mit.Das Fichtelgebirge / Weidenberger Raum bei bayern-fichtelgebirge.de, abgerufen am 20. Januar 2015 Im Glasknopfmuseum werden Maschinen, Öfen und die damit erzeugten Glasprodukte, wie Knöpfe, Lüsterbehänge, Glaskugeln und andere Flachglasprodukte aus dieser Zeit ausgestellt.
21. Jahrhundert Im Jahr 2003 wurde in Weidenberg der 850. Geburtstag des Orts gefeiert. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass die dem Datum zugrunde liegende Urkunde eine Fälschung war, wurde im Oktober 2023 der 800. Geburtstag begangen.
Eingemeindungen Gemeindeteil Einwohner(1970) Eingemeindungs-datum Döhlau 223 1. Mai 1978 Fischbach 82 1. Januar 1970 Görschnitz 381 1. Januar 1978 Lankendorf 88 1. Januar 1972 Lehen 202 1. Mai 1978 Lessau 261 1. Januar 1972 Mengersreuth 250 1. Juli 1972 Neunkirchen am Main 318 1. Januar 1978 Sophienthal 237 1. Januar 1975 Untersteinach 280 1. Mai 1978
Einwohnerentwicklung
Gemeinde Weidenberg