mini|Brunnen in Niederreifenberg Im Gebiet des Rheinischen Schiefergebirges, vornehmlich im Taunus und Westerwald, befinden sich in einer Vielzahl von Gemeinden Laufbrunnen aus Gusseisen. Diese Form der Wasserversorgung stellte im Taunus seit dem 19. Jahrhundert die übliche Form der dar. Mit dem Aufbau einer dezentralen Wasserversorgung ab Anfang des 20. Jahrhunderts haben sie ihre Funktion verloren. Heute sind die restaurierten Brunnen Schmuckstücke in sehr vielen Taunusdörfern und stehen vielfach unter Denkmalschutz.
Vorgeschichte Seit jeher war die Versorgung mit Wasser eine Voraussetzung für das Entstehen von menschlichen Siedlungen. Die überwiegende Zahl der Siedlungen erfolgte daher in der Nähe von Fließgewässern, aus denen die Bewohner Trink- und Nutzwasser schöpfen konnten. Mit der Bildung von Dörfern und Städten wurden im Taunus die einzelnen Gehöfte in Taunus über flache Einzelbrunnen mit Wasser versorgt, da die Entfernung zum nächsten Wasserlauf anstieg. Bedingt durch die Geologie des Taunus waren diese Brunnen vielfach wenig ertragreich, da der Taunusschiefer Regenwasser schnell in tiefe Lagen versickern lässt. Auch die Fließgewässer waren keine zuverlässigen Wasserspender, da die Böden im Taunus nur eine sehr geringe Speicherfähigkeit für Regenwasser bieten.
Spätestens ab dem 18. Jahrhundert wurde damit begonnen, eine zentrale Wasserversorgung aufzubauen. Diese bestand aus einem zentralen tiefen Brunnen hoher Kapazität und aus Laufbrunnen an verschiedenen Stellen des Dorfes, die mit Leitungen aus dem Brunnen gespeist wurden. Diese Laufbrunnen bestanden jeweils aus einem hölzernen Trog und einem Zulauf, aus dem dieser gefüllt wurde. Über einen Überlauf wurde nicht verbrauchtes Wasser an den nächsten, tiefer gelegenen Laufbrunnen weitergeleitet.
Solche Brunnen waren flächendeckend vorhanden. Die Statistik weist für das Jahr 1885 im Regierungsbezirk Wiesbaden 1239 Laufbrunnen und 1780 Brunnen mit Pumpe aus.Amtsblatt der Regierung in Wiesbaden, 1885, S. 64, .
Gusseiserne Brunnen Diese Technik hatte jedoch den Nachteil mangelnder Haltbarkeit und Hygiene. Das verwendete Holz verrottete im Lauf der Zeit, wurde undicht und ließ sich nicht gut reinigen. Daher wurden in Gegenden, in denen geeignete Steine verfügbar waren, derartige Laufbrunnen aus Sandstein oder ähnlichem Material gefertigt. Im Taunus standen keine geeigneten Natursteine zur Verfügung. Daher wurden in nahezu allen Taunusorten die Brunnen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Laufbrunnen aus Gusseisen ersetzt.
Die Brunnen waren handwerklich aber nach einem einheitlichen Aufbau gefertigt. Sie bestanden aus zwei bis sechs (vereinzelt mehr) gleich großen Eisenplatten, die Vorder- und Rückseite bildeten, und jeweils einer gleich großen Seitenplatte. Diese Platten waren individuell mit unterschiedlichen Motiven verziert.
Herkunft Dort, wo die Herkunft der Brunnen erforscht ist, haben sich zwei Haupthersteller ergeben: Die Michelbacher Hütte sowie die Gießerei von Buderus in Audenschmiede. Eine dritte Bauform ist noch keinem Hersteller zugeordnet. Vereinzelt wurden Brunnen in neuerer Zeit rekonstruiert oder nach altem Vorbild hergestellt. Abgesehen von wenigen Sonderfällen lassen sich die Brunnen zwei Haupttypen zuordnen, die vermutlich mit den beiden Herstellern korrelieren.
Typ Michelbach Diese Brunnen tragen oft vertikale, horizontale und/oder diagonale Streben als Verzierung, in der Plattenmitte befinden meist sich gleichmäßige Akanthusrosetten. Es existieren aber auch komplett schmucklose Exemplare, manche Brunnen haben Füße. Auf einigen ist Michelbacher Hütte als Inschrift eingegossen.
Typ Audenschmiede Von diesen Brunnen wird bei manchen Exemplaren in der Literatur oder in Denkmallisten Buderus in Audenschmiede als Herkunft angenommen. Gemeinsames Merkmal aller dieser Brunnen ist die neogotische Randverzierung der Platten. Als Zierornamente finden sich kreuzförmige Akanthusrosetten, Löwenköpfe oder ein bärtiger Männerkopf. Diese Ornamente sind oft entweder von einem gepunkteten Kreisbogen oder verschnörkelten Linien eingerahmt. Sehr oft besitzen diese brunnen eine aufwändige, achteckige Brunnensäule; einzelne eine rechteckige mit Pyramidendach.
Typ Lahn-Dill Diese Brunnen eines unbekannten Herstellers existieren in rechteckiger oder achteckiger Form. Die meisten kommen im Westerwald beziehungsweise im Lahn-Dill-Kreis vor. Charakteristisch sind zahlreiche vertikale Zierstreben mit Blütenrosetten gleicher Zahl am oberen Rand. Die rechteckigen Tröge weisen ungeteilte, lange Seitenelemente auf, die mit Doppelkanten aneinander stoßen. Von diesen existieren auch schmucklose Exemplare.
Weitere Typen Abgesehen von den beiden am meisten vorkommenden Typen finden sich einige „Sonderlinge“. Die Brunnen in Birlenbach und Laimbach weichen völlig von den anderen Bauarten ab, die Säulen der beiden sind jedoch sehr ähnlich. Der Marktbrunnen in Ober-Rosbach besitzt auch individuelle Trogplatten, seine Säule jedoch ähnelt sehr jenen der Brunnen aus Audenschmiede. Eine ähnliche Säule besitzt auch der Brunnen in Kubach, dessen Trogzier wiederum der des Brunnens in Köppern entspricht.
Modernere Typen Einige Brunnentröge sind nicht wie die vorhergehenden Typen aus mehreren Platten zusammengesetzt, sondern in einem Stück gegossen, was auf eine nuere Entstehungszeit hindeutet. Sie finden auch bei Zierbrunnen Anwendung. Dazu kommen rekonstruierte Typen nach historischem Vorbild, wie jene im Hessenpark hergestellte Exemplare nach mutmaßlich Audenschmieder Vorlage.
Liste der Brunnen im Taunus