mini|Preußischer Artilleriehelm mit Devise Mit Gott für König und Vaterland

Die Artillerietruppe des Heeres im Deutschen Reich umfasste die artilleristischen Kräfte des Heeres. Diese setzte sich zusammen aus der Feldartillerie und der Fußartillerie mit der Festungs- und der Belagerungsartillerie.

Zum Einsatz kam die Artillerietruppe hauptsächlich während des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918.

Schießende Artillerie mini|Brigadestandorte – die Brigaden der Feldartillerie sind als Rechteck mit einem Punkt darin dargestellt

Im Zuge der Mobilmachung 1914 wurden planmäßig aufgestellt: 102 Feldartillerie-Regimenter und 29 Reserve-Feldartillerie-Regimenter mit je zwei Abteilungen zu drei Batterien mit je sechs Geschützen, die als Feldartillerie in die Artilleriebrigaden der Infanterie- bzw. Reserve-Divisionen eingegliedert wurden oder als Fußartillerie auf Armee- oder Heeresgruppenebene geführt wurden, dazu kamen 11 reitende Abteilungen der Kavalleriedivisionen zu drei Batterien mit je vier Geschützen, 5 selbständige Landwehr-Batterien, 22 Landsturm-Batterien, 3 Landwehr-Feldartillerie-Ersatzabteilungen und 40 mobile Feldartillerie-Ersatzabteilungen zu zwei Batterien mit je sechs Geschützen.

Mit der Mobilmachung 1914 wurde die Fußartillerie schließlich aufgelöst und auf Heeresgruppen und Armeen verteilt. Bei Kriegsausbruch standen bereit: 26 schwere Feldhaubitz-Bataillone, Kaliber 15 cm, zu je 16 Geschützen, die den Armee-Korps unterstellt wurden, dazu ein weiteres Bataillon mit 10-cm-Geschützen, das dem IX. Reservekorps der I. Armee an der Westfront zu Verstärkung des rechten Angriffsflügels unterstellt wurde. 14 Mörser-Bataillone, Kaliber 21 cm zu je acht Geschützen. Diese wurden zur Bekämpfung gegnerischer Festungen an der Westfront verlegt. 5 (drei schienengebundene und zwei motorisierte) Batterien schwere Küstenmörser, Kaliber 30,5 cm zu je zwei Geschützen. 3 Batterien 42-cm-Mörser, davon zwei schienengebunden. weitere 15 ½ Bataillone waren ortsgebunden in Festungen eingesetzt, darunter der Großteil der 50 Reserve-Artilleriebataillone, die über keine Bespannung und keine Munitionskolonnen verfügten.

Insgesamt betrug damit die Kriegsstärke 633 Feldartillerie-Batterien zuzüglich 828 Feldartillerie-Batterien der Reserveformationen. Hinzu kamen 50 Fußartillerie-Bataillone des Heeres und 122 aus Reserveformationen. Die Artillerie zog mit 14.681 Offizieren und 412.323 Unteroffizieren und Mannschaften ins Feld und bildete damit 22 % des Feldheeres. Die französische Feldartillerie bewies sich gegenüber der deutschen, die deutsche und österreichische schwere Artillerie gegenüber der der Alliierten als überlegen, was insbesondere beim Niederringen der Grenzfestungen im Westen von großer Bedeutung war.Joachim Engelmann, Horst Scheibert: Deutsche Artillerie 1934–1945. Verlag Starke, Limburg an der Lahn 1974, , S. 7. Andererseits machte sich das Fehlen schwerer Artillerie in den Reserve- und des Landwehrkorps bereits kurz nach dem Kriegsbeginn schmerzlich bemerkbar und erzwang eine entsprechende Truppenvermehrung, zum Beispiel durch die Lieferung von Marinegeschützen, später durch die Entwicklung von Eisenbahngeschützen. Aus Ersatzeinheiten und Festungsverbänden wurden daher weitere Bataillone aufgestellt, so dass bis 1917 jede Division auch eine schwere Abteilung erhielt.

Die höhere Feuergeschwindigkeit ermöglichte auch in der deutschen Feldartillerie im Kriegseinsatz zwischen Herbst 1914 und März 1915 – wie vor dem Kriegsbeginn bereits in der französischen, schwedischen und schweizerischen Armee – eine Reduzierung von sechs auf vier Geschütze je Batterie, womit die Bildung von 300 neuen Batterien für die Neuaufstellung weiterer Divisionen möglich wurde. Auch die Artilleriebrigaden wurden bis 1917 aufgelöst.Erlass vom 16. Februar 1917. Die Divisionsartillerie wurde in einem Artillerie-Regiment mit drei Abteilungen zusammengefasst, wovon zwei mit Feldkanonen und eine mit Feldhaubitzen ausgerüstet wurde. Die Umgliederungen der Divisionsartillerie wurden bis zum Frühjahr 1917, die der 1917 geschaffenen Heeresartillerie, die unter Befehl der OHL stand, bis zum Herbst 1917 abgeschlossen. Die Führung der Divisions-Artillerieverbände erfolgte durch einen Artilleriekommandeur (Arko), auf Armee-Ebene wurde der bisherige General der Fußartillerie zum „General der Artillerie“ umbenannt.

Ab Mai 1918 wurden sechs Artillerie-Regimenter erstmals mit Lastkraftwagen motorisiert.

Die Batterien der schweren Artillerie der Kaliber 13 cm und 21 cm wurden im Sommer 1917 auf drei Geschütze, 15 cm, 17 cm auf zwei Geschütze gebracht. Jede Batterie bekam nun eine eigene Munitionskolonne.

Die deutsche Artillerie verwendete im Krieg 73 verschiedene Geschütztypen, davon 57 Typen Beutegeschütze.

Während des Ersten Weltkrieges wuchs die Artillerie u. a. an auf 297 Feldartillerie-Regimenter mit je drei Abteilungen zu je drei Batterien mit vier Geschützen (also insgesamt 36 Geschütze pro Feldartillerie-Regiment) 6 selbständige Abteilungen 3 reitende Abteilungen 6 fahrende Abteilungen 7 Gebirgsartillerie-Abteilungen 50 Infanterie-Geschütz-Batterien 53 Infanterie-Begleit-Batterien 785 leichte Munitionskolonnen Damit besaß die Artillerie bei Kriegsende 11.300 Feldgeschütze, der Anteil der Haubitzen zu Kanonen hatte sich seit der Mobilmachung (1:3) verdoppelt (1:1,5). Die Stärke der schweren Artillerie war um 30 % gewachsen.

Einsatz- und Führungsgrundsätze Das offene Auffahren und Abprotzen der Batterie zum Feindbeschuss im direkten Richten beim Angriff oder im Begegnungsgefecht verlor nach 1914 im Stellungskrieg an Bedeutung. Wichtig war vielmehr das gedeckte Auffahren der Geschütze, wobei die Feuerstellung einer beobachteten Bekämpfung durch den Feind entzogen wurden und der Feuerkampf im – in Friedenszeiten bei der Feldartillerie kaum geübten – indirekten Richten über eine Beobachtungsstelle geleitet wurde. Im Verlaufe des Krieges wurde mit zunehmender Präzision das Planschießen entwickelt, das ohne langwieriges und den Gegner vorwarnendes Einschießen überraschende Feuerüberfälle nach voraus berechneten Schusswerten auf geortete Feindziele ermöglichte.

Die Feldartillerie wurde ab 1889 auch als fahrende Artillerie bezeichnet, denn während des Marsches saßen die Kanoniere auf den Zugpferden, der Protze und dem Geschütz auf, um jederzeit aus dem Marsch in Stellung gehen und den Feuerkampf eröffnen zu können. Neben den Geschützprotzen verfügte jede Batterie auch über einen sechsspännigen Beobachtungswagen mit Mannschaft und Gerät zum Aufbau der Beobachtungsstelle.

Beim In-Stellung-gehen fuhren die Geschütze in Linie nebeneinander auf, die Munitionswagen der Staffel etwa acht Schritt dahinter. Die Geschützmannschaft bestand aus dem Geschützführer und sechs Kanonieren (K1-K6), die jeweils fest zugeordnete Aufgaben hatten, etwa beim Richten des Geschützes, der Vorbereitung von Munition mit Zünder, Kartusche oder Treibladung, dem Abfeuern oder Auswischen des Rohres usw.

Etwa 300 m rückwärts der Feuerstellung fuhren die Protzen und die übrigen Munitionsfahrzeuge der Batterie in Deckung, 600 m rückwärts hielt sich die leichte Munitionskolonne bereit.

mini|Verfahren der taktischen Feuerleitung im indirekten Richten durch Beobachtungsstelle Nach dem Herstellen der Wirkungsbereitschaft begann das Einschießen der Geschütze, geleitet vom Batteriechef aus der Artilleriebeobachtungsstelle heraus. Von dieser mussten sowohl die Batterie als auch das Ziel einsehbar sein.

Die Zielortung nach Gelände und Karte erfolgte mit dem Scherenfernrohr, der Winkel zum Ziel wie zur Batterie wurde mit dem auf einen Vollkreis von 6400 Strich eingeteilten Richtkreis eingemessen und in ein Feuerkommando umgesetzt, das der Winkertrupp den Kanonieren mit Signalflaggen übermittelte, bei der Feldartillerie per Morsesystem mit einer Flagge, bei der Fußartillerie mit zwei Signalflaggen nach der Winkerrose. Im Stellungskrieg wurde auch per Feldfernsprecher kommuniziert, wobei das Leitungsnetz bei heftigem Feindbeschuss ständig gefährdet war. Die Kommunikation zwischen Kampftruppe, Beobachtungsstelle und Feuerstellung war unter Feindeinwirkung oder im Bewegungsgefecht stets gefährdet.

Neben die Erd- trat die Luftbeobachtung, zunächst mittels an Seilwinden befestigter Fesselballons der Feldluftschiffer oder vom Flugzeug aus durch Artillerieflieger, vor allem, nachdem ab 1915 die Verständigung vom Flugzeug mittels Funktelegrafie möglich wurde.

Feld- und Fußartillerie verwendeten die gleichen Schießverfahren, d. h. die Ortung des Ziels nach Lage, Höhe, Ausdehnung, dessen Eingabeln durch Kurz- und Weitschüsse in 100-m-Sprüngen.

Als Feuereinheit galt die Batterie oder die Abteilung. Als Wirkungsfeuer galten folgende Verfahren: Salvenfeuer: Gleichzeitiges Abfeuern aller Geschütze auf ein Kommando Staffelfeuer: Abfeuern der Geschütze nacheinander auf jeweils etwas kürzere Entfernung Flügelfeuer: Abfeuern der Geschütze der Linie vom befohlenen Flügel aus mit Zeitverzug Gruppenfeuer: Geschützweises Abfeuern und Nachladen unter Leitung der Geschützführer Schnellfeuer

Munition Das Schwarzpulver wurde nach der Erfindung des Dynamits 1867 durch Alfred Nobel, der Sprenggelatine 1877 und des rauchlosen Pulvers 1887 durch rauchschwache Treibladungen in Metallhülsen oder bei Haubitzen durch entsprechende Kartuschen ersetzt. Damit vereinfachte sich der Ladevorgang; die geringe Qualmentwicklung behinderte bei Schnellfeuer nicht die Sicht und erschwerte die Aufklärung der Feuerstellung durch den Feind.

Als Munitionsarten wurden Brisanzgranaten und Schrapnells – zur Nahverteidigung auch Kartätschen – eingesetzt, später auch Leuchtgranaten sowie Panzergranaten zur Panzerabwehr. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs verfügte Deutschland außerdem über ein Einheitsgeschoss, das je nach Bedarf als Sprenggranate oder Schrapnell verwendet werden konnte. Als Zünder wurden je nach Bedarf Aufschlag- oder Zeitzünder (Doppelzünder) verwendet.

Ab 1916 wurden auch mit farblichen Kreuzen gekennzeichnete Gasgranaten verschossen, darunter Blaukreuz mit Arsengasen wie Diphenylarsinchlorid Grünkreuz mit erstickenden Gasen wie Chlor und Phosgen Gelbkreuz mit Senfgasen wie Lost und Yperit

Feldartillerie Der Auftrag der Feldartillerie war die unmittelbare Unterstützung der Kampftruppe, insbesondere der Infanterie, wobei die Feldartillerie mit ihren Geschützen die Feindziele niederkämpfen sollte, die außerhalb des Wirkungsbereichs der infanteristischen Handfeuerwaffen lag. Dabei lag aufgrund der Kriegserfahrungen 1864–71 der Schwerpunkt beim weitreichenden Schrapnellschuss gegen lebende Ziele.

Eine Batterie der Feldartillerie wurde geführt von einem Batteriechef im Rang eines Hauptmanns oder Rittmeisters. Sie umfasste 1914 etatmäßig fünf Offiziere und 148 Unteroffiziere/Mannschaften mit 139 Pferden, 17 Fahrzeugen und sechs Geschützen.

Die Batterie gliederte sich in die Gefechtsbatterie mit Beobachtungswagen, der Gefechtsstaffel aus drei (später zwei) Geschützzügen mit je zwei Geschützen, den dazugehörigen meist sechsspännigen Protzen und drei Munitionswagen, die Gefechtsbagage mit drei weiteren Munitions- und einem Versorgungswagen und die Große Bagage mit je einem Vorrats-, Lebensmittel- und Futterwagen und der Feldschmiede.

Die Kanoniere waren mit Pistolen, die Offiziere mit Degen bewaffnet, zur Nahverteidigung sollten die Besatzungen ihr Geschütz einsetzen. Nachdem es jedoch 1914 an der Ostfront durch Kavallerieüberfälle zu Verlusten gekommen war, begann auch die Ausrüstung der Artilleristen mit Gewehr oder Karabiner. 1918 kamen pro Batterie zwei leichte MG zur Fliegerabwehr und Nahverteidigung hinzu.

Die Munitionsversorgung der Feldartillerie erfolgte über die leichte Munitionskolonne der Abteilung, die im Stellungskrieg zum Teil auch der Armee unterstellt wurden.

Feldgeschütze