Die Nationalversammlung () ist das Parlament des Senegal und bildet seit der Abschaffung des Senats im Jahr 2012 das alleinige gesetzgebende Organ des Landes im Einkammersystem. Sie besteht aus 165 Abgeordneten, die für jeweils fünf Jahre gewählt werden. Sie tagt unter Vorsitz des Präsidenten der Nationalversammlung, den die Abgeordneten zunächst in der konstituierenden Sitzung oder später bei einer anderweitigen Vakanz aus ihrer Mitte wählen.
Geschichte Nach der Unabhängigkeit Senegals im Jahr 1960 und dem Zerfall der Mali-Föderation wurde mit Gesetz Nr. 60-44 vom 20. August 1960 aus der am 22. März 1959 gewählten Gesetzgebenden Versammlung die erste Assemblée nationale du Sénégal (Nationalversammlung) gebildet. Sie umfasste 80 Abgeordnete. Die zweite Nationalversammlung wurde am 1. Dezember 1963 gewählt. Zwischen 1966 und 1974 war der Senegal ein Einparteienstaat, in dem ausschließlich die Sozialistische Partei kandidieren durfte.
Ab 1978 wurde die Zahl der Sitze mehrfach verändert: zunächst auf 100, ab 1983 auf 120, ab 1998 auf 140. Nach der Wahl von 2001 wurde die Zahl auf 120 reduziert, bevor sie 2007 auf 150 und schließlich 2017 auf 165 erhöht wurde.
Von 1999 bis 2001 sowie von 2007 bis 2012 existierte mit dem Senat eine zweite Kammer, die 2012 aus finanziellen Gründen endgültig abgeschafft wurde, um Mittel zur Bewältigung schwerer Überschwemmungen bereitzustellen.
Nach den Parlamentswahlen vom 17. November 2024 wurde die 15. Nationalversammlung gebildet. Die PASTEF („Patriotes africains du Sénégal pour le travail, l’éthique et la fraternité“) unter Ousmane Sonko gewann mit 130 von 165 Sitzen die absolute Mehrheit. Die restlichen Sitze verteilen sich auf die Oppositionskoalitionen Takku Wallu Sénégal (16 Sitze), Diam ak Njarin (7 Sitze) Samm Sa Kaddu (3 Sitze) und mehrere kleinere Gruppierungen. Zum Präsidenten der Nationalversammlung wurde am 2. Dezember 2024 Malick Ndiaye gewählt, der am 24. Mai 2026 zurücktrat.APA news, 24. Mai 2026: Sénégal : démission du président de l’Assemblée nationale: „El Malick Ndiaye, a annoncé dimanche sa démission, deux jours après le limogeage du Premier ministre Ousmane Sonko par le président Bassirou Diomaye Faye“ (El Malick Ndiaye gab am Sonntag seinen Rücktritt bekannt, zwei Tage nach der Entlassung von Premierminister Ousmane Sonko durch Präsident Bassirou Diomaye Faye.) Daraufhin wurde der erst wenige Tage zuvor entlassene Premierminister Ousmane Sonko zum Parlamentspräsidenten gewählt.
Wahlsystem Die Nationalversammlung wird nach einem gemischten Wahlsystem gewählt. Von den 165 Sitzen werden: 90 in 35 Départements in Ein- und Mehrpersonenwahlkreisen nach dem Mehrheitswahlrecht vergeben, 60 nach landesweiter Verhältniswahl, und 15 Sitze von im Ausland lebenden senegalesischen Staatsbürgern besetzt.
Jede Wählerin und jeder Wähler gibt eine Stimme für eine Parteiliste ab, die sowohl für die Mehrheits- als auch für die Verhältniswahl gilt. Das aktive Wahlrecht steht allen senegalesischen Staatsbürgerinnen und -bürgern ab dem 18. Lebensjahr zu, das passive Wahlrecht ab dem 25. Lebensjahr. Eine Wahlpflicht besteht nicht.
Zusammensetzung Die 15. Nationalversammlung (2024–2029) umfasst 165 Mitglieder. Die Sitzverteilung stellt sich wie folgt dar:Senegal National Assembly Election results 2024Assemblée nationale: Les Députés de la XVᵉ Législature (Galerie der gewählten Abgeordneten) + Sitzverteilung in der 15. Nationalversammlung (2024–2029) Partei/Koalition Sitze Politische Ausrichtung PASTEF 130 Regierung / nationalistisch Takku Wallu Sénégal 16 Opposition / liberal-konservativ Diam ak Njarin 7 Opposition / Linksparteien Samm Sa Kaddu 3 Opposition / liberal Weitere kleinere Parteien 9 divers Gesamt 165
Parlamentssitz Die Nationalversammlung hat ihren Sitz in der Hauptstadt Dakar. Das Parlamentsgebäude befindet sich an der Place Soweto im Stadtbezirk Dakar Plateau, der das historische Zentrum der Stadt bildet. Es wurde 1956 fertiggestellt und diente ursprünglich als Sitz des Grand Conseil de l’Afrique Occidentale Française im damaligen Französisch-Westafrika.
Weblinks Offizielle Website der Nationalversammlung (französisch) IPU-Parline-Datenbank: Senegal African Elections Database: Elections in Senegal (englisch)
Einzelnachweise
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