Die 73. Infanterie-Division (73. ID) war ein Großverband des Heeres der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.
Divisionsgeschichte
Aufstellung Die Division wurde am 26. August 1939 als Teil der 2. Aufstellungswelle und als Reserve-Division des Wehrkreises XIII aufgestellt. Die Aufstellung erfolgte durch die 17. Infanterie-Division, wobei der Divisionsstab aus dem Artillerie-Kommando 17 (Nürnberg) gebildet wurde.
Polenfeldzug Die Division bildete beim Überfall auf Polen eine Reserve der 4. Armee.
Westfeldzug Am Westfeldzug 1940 nahm sie anfangs als Reserve der 16. Armee (Luxemburg), in der zweiten Phase im Verband der 12. Armee (Belfort) teil.
Besatzungstruppe Frankreich Anschließend wurde sie als Besatzungstruppe im Elsass verwendet.Vgl. Im März 1941 erfolgte mit der 12. Armee die Verlegung nach Rumänien.
Balkanfeldzug Die Division rückte dann nach Bulgarien vor, von wo aus sie im April als Teil der 12. Armee zum Angriff auf Jugoslawien antrat. Sie verblieb danach für kurze Zeit in Mazedonien und bereitete sich anschließend im Raum Jassy auf den bevorstehenden Angriff auf die Sowjetunion vor.
Unternehmen Barbarossa Beim Angriff auf die Sowjetunion wurde sie im Verband der 11. Armee eingesetzt und drang über Kischinew, Nikolajew und Cherson bis zur Landenge von Perekop vor. Nach dem Durchbruch auf die Krim nahm sie an den dortigen Kämpfen teil, bis sie im Dezember an die 1. Panzerarmee abgegeben und anschließend an der Mius-Front eingesetzt wurde.
Im Sommer 1942 ging sie über den unteren Don ins Kuban-Gebiet vor (vgl.: Fall Blau) und nahm, nunmehr der 17. Armee unterstellt, unter anderem an den Kämpfen um Noworossijsk teil.
Kuban-Brückenkopf Nach dem deutschen Rückzug aus dem Kaukasus war sie an der Verteidigung des Kuban-Brückenkopfes beteiligt. Nach der Räumung des Brückenkopfes im Herbst 1943 wurde sie zeitweise bei der 6. Armee im Raum Melitopol eingesetzt.
Vernichtung Im Frühjahr 1944 wurde sie auf die Krim zurückgezogen und während der folgenden Schlacht um die Krim zerschlagen. Lediglich Reste der Division konnten über das Schwarze Meer nach Rumänien evakuiert werden.
Neuaufstellung 1944 Am 16. Juni 1944 wurde die Division in Ungarn neu aufgestellt und im August zum IV. SS-Panzerkorps an der Weichsel verlegt.
Weichsel Die Heeresgruppe Mitte hatte die 73. Infanterie-Division angefordert, um den Brückenkopf Praga östlich der Weichsel zu halten.
Vernichtung bei Warschau Im September 1944 wurde die Division bei Warschau aufgerieben und die Heeresgruppe Mitte beantragte am 18. September 1944 wegen „Versagens“ deren Auflösung. Dies wurde jedoch abgelehnt.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Band 6, Biblio-Verlag, 1972, S. 15.
Divisionsreste als Divisionskampfgruppe Im Januar 1945 sollte die Division die Verteidigung der Festung Thorn verstärken und vereinigte sich dafür mit den Restteilen der Festungs-Division Warschau.
Nach einer Neuaufstellung als Kampfgruppe kämpfte sie bis zu ihrer erneuten Vernichtung bei Danzig im April 1945.
Versenkung der Goya Der Divisionsstab wurde aus Danzig evakuiert, kam aber bei der Versenkung des Dampfers Goya durch ein sowjetisches U-Boot in der Nacht vom 16. zum 17. April 1945 ums Leben.
Datum Armeekorps Armee Heeresgruppe Schauplatz September 1939 Reserve – Nord Polen Oktober 1939 XII 1. Armee C Saarpfalz Dezember 1939 – Januar 1940 Reserve OKH Eiweiler, Saarpfalz Mai 1940 16. Armee A Luxemburg Juni 1940 XXIII 12. Armee Frankreich Juli 1940 XXXIII C Belfort, Frankreich August 1940 XXV Frankreich September – Oktober 1940 XXV 1. Armee November 1940 LX D Dezember 1940 – Februar 1941 XI März 1941 XXX 12. Armee – Rumänien April bis Mai 1941 XXXX Griechenland Juni 1941 Reserve Jugoslawien Juli 41 OKH Süd Jassy August – Oktober 1941 LIV 11. Armee Nikolajew, Perekop November – Dezember 1941 XXXXII Krim Januar 1942 Reserve 1. Panzerarmee Mius, Taganrog Februar – Mai 1942XIV Mius Juni 1942 – Juli 1942 LVII August 1942 XXXXIX 17. Armee A Kaukasus September 1942 – September 1943 V Noworossijsk Oktober 1943 XXIX 6. Armee Melitopol November – Dezember 1943 XXXXIV Januar – Februar 1944 3. rumänische Armee März 1944 V 17. Armee Kertsch, Krim April 1944Südukraine Sewastopol Mai 1944 – Reserve Rumänien Juni – Juli 1944 Neugliederung – – Debrecen, Ungarn August 1944 IV. SS 9. Armee Mitte „Praga“, Warschau September 1944 Oktober – November 1944 XXXXVI Modlin, Warschau Dezember 1944 – Januar 1945 A Februar 1945 – März 1945 XXVII 2. Armee Weichsel Westpreußen April 1945 Reserve OKH – Westpreußen, Danzig
Gliederung mini|Gliederung der 73. Inf. Div. am 31. März 1941, taktische Zeichen + Veränderungen in der Gliederung der 73. ID 1939 1942 1943–1945 Infanterie-Regiment 170 Grenadier-Regiment 170 Infanterie-Regiment 186 Grenadier-Regiment 186 Infanterie-Regiment 213 Grenadier-Regiment 213Wurde nach der Vernichtung auf der Krim nicht wieder neu aufgestellt und am 16. Juni 1944 komplett durch Grenadier-Regiment 70 ersetzt. Artillerie-Regiment 173 Panzerabwehr-Abteilung 173 Panzerjäger-Abteilung 173 Aufklärungs-Abteilung 173 Radfahr-Schwadron 173 Füsilier-Bataillon 73 Pionier-Bataillon 173 Nachrichten-Abteilung 173 Feldersatz-Bataillon 173 Versorgungseinheiten 173
Personen + Kommandeure der 73. IDDienstzeit Dienstgrad Name 1. bis 29. September 1939General der ArtillerieFriedrich von Rabenau 29. September 1939 bis 29. Oktober 1941General der InfanterieBruno Bieler1. November 1941 bis 1. Februar 1943General der InfanterieRudolf von Bünau 1. Februar bis 7. September 1943GeneralmajorJohannes Nedtwig 7. September 1943 bis 13. Mai 1944,danach KriegsgefangenschaftGeneralleutnantHermann Böhme 26. Juni bis 29. Juli 1944,danach KriegsgefangenschaftGeneralleutnantFriedrich von Franek 30. Juli bis 7. September 1944OberstKurt Hähling (mit der Führung beauftragt) 7. September 1944 bis 10. April 1945GeneralmajorFranz Schlieper
+ Stabsoffiziere (Ia) der 73. IDDienstzeit Dienstgrad Name 26. August 1939 bis 10. März 1940 Major Robert Macher 10. März 1940 bis 10. Juni 1942 Major Georg Buntrock10. Juni bis August 1942 Major Helmut Ziervogel August bis September 1942 Major Fritjof Heyse September 1942 bis 1. März 1943 Hauptmann Roland Wagner März bis Dezember 1943 Major Rudolf Japs 1. Dezember 1943 bis 25. September 1944 Oberstleutnant Otto Becker 25. September 1944 bis 5. April 1945 Major Franz Lang
Bekannte Divisionsangehörige (Auswahl) Johannes Gerber (1919–2004), war von 1978 bis 1980, als Generalmajor des Heeres der Bundeswehr, stellvertretender Kommandierender General des III. Korps Kurt Hähling (1897–1983), war von 1953 bis 1963 für die NDPD Abgeordneter des Bezirkstages Dresden und stellvertretender Vorsitzender seiner Partei Otto Hitzfeld (1898–1990), war von Juli 1941 bis August 1942 Kommandeur des Infanterie-Regiments 213 Ignaz Peslmüller (1897–1957), Kommandeur des Artillerieregiments 173
Literatur Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg: RH 26–73.
Einzelnachweise
Kategorie:Division der 2. Aufstellungswelle Kategorie:Gegründet 1939 Kategorie:Aufgelöst 1945 Kategorie:Militär (Nürnberg) Kategorie:Historische Organisation (Nürnberg)