mini|Carabinieri zu Pferde in traditioneller Uniform mini|Alfa Romeo 159 der Carabinieri in Rom Die Carabinieri (offiziell ) sind die Gendarmerie Italiens. Seit dem Jahr 2000 bilden sie in den italienischen Streitkräften eine eigenständige Teilstreitkraft neben Heer, Marine und Luftwaffe. Sie gehören organisatorisch dem Verteidigungsministerium an, das auch den Haushalt der Carabinieri finanziert. Abseits militärischer und administrativer Belange unterstehen sie jedoch dem Innenministerium, das allen italienischen Polizeieinheiten gegenüber weisungsbefugt ist. Die Carabinieri sind wie die Guardia di Finanza militärisch gegliedert. Ihre Personalstärke liegt bei rund 110.000 Männern und Frauen. Die Notrufnummer ist 112.

Auftrag Die Carabinieri entstanden 1814 als eine Truppengattung des piemontesischen, dann italienischen Heeres, dem sie bis zum Jahr 2000 angehörten. Heute sind sie eine eigenständige Teilstreitkraft, doch ihre Aufgaben haben sich in den letzten zwei Jahrhunderten kaum verändert. Die Carabinieri stellen die Militärpolizei der italienischen Streitkräfte und unterscheiden sich diesbezüglich nur unwesentlich von anderen Militärpolizeien wie z. B. den Feldjägern der Bundeswehr. Darüber hinaus haben sie im Verteidigungsfall die Aufgabe, mit eigenen, vorwiegend infanteristischen Verbänden und sonstigen Einheiten an der Grenzsicherung und Landesverteidigung mitzuwirken. In diesem Zusammenhang stellen sie im weitesten Sinn ein Territorialheer dar.

Der Großteil der Carabinieri versieht nach Weisung des Innenministeriums allgemeinen Polizeidienst, einige spezialisierte Einheiten sind in Bereichen wie Verbraucherschutz, Gesundheitswesen, Umweltschutz oder Kulturgüterschutz auch im Auftrag anderer Ministerien tätig. Hierbei unterscheiden sich die Carabinieri kaum von der Polizia di Stato Italiens und sonstigen Staats- und Landespolizeien anderer Staaten. Der Grund für das Bestehen zweier nationaler Polizeiorganisationen mit allgemeinen Aufgaben liegt in dem Bestreben, eine übermäßige Machtkonzentration in einer Hand bzw. in einem Ministerium zu verhindern. In Italien, aber auch in Frankreich (Gendarmerie nationale), Spanien (Guardia Civil) und anderen Staaten dienen Militär- und Zivilpolizei nicht nur dem Schutz der Bevölkerung, sondern auch der gegenseitigen Kontrolle. Der dadurch manchmal entstehende Effizienzverlust durch Redundanzen wird nach vorherrschender Ansicht dadurch aufgewogen, dass eventuellem Macht- und Amtsmissbrauch einer einzigen nationalen Polizei durch die Aufteilung in zwei verschiedene Polizeikörper vorgebeugt werden kann. Darüber hinaus verbessere das in Italien relativ ausgeprägte Konkurrenzverhältnis zwischen den Polizeien die Motivation ihrer jeweiligen Angehörigen. Die Dualität von militärischer Gendarmerie und ziviler Polizei entstand (auch im Deutschen Reich, vgl. Gendarmerie#Deutschland) wegen der früher ausgeprägten Unterschiede zwischen Stadt und Land. Für die Städte waren die bürgerlichen Zivilpolizeien zuständig, das bäuerlich geprägte Land überließ man dem Militär bzw. den zu diesem Zweck aufgestellten paramilitärischen Polizeitruppen wie den Carabinieri. Diese historisch gewachsene Polizeiorganisation ist heute noch an dem engmaschigen Netz von Carabinieri-Stationen auf dem Land zu erkennen.

Organisation mini|hochkant|Struktur Carabinieri Kommando Mobile & Spezielle Verbände Dem Comando Generale, deutsch „Generalkommando“, sind fünf Fachbereiche unterstellt:

Ausbildung Offiziersschule: Accademia Militare di Modena (Offizieranwärter), Rom (Fachausbildung) Unteroffiziersschulen: Florenz (höhere Unteroffiziere), Velletri Ausbildungszentren für Mannschaften: Rom, Turin, Campobasso, Reggio Calabria, Iglesias Schulen für Scharfschützen (Rom), Fremdsprachen (Rom), Psychologie (Rom), Piloten (Pratica di Mare), Ski und Bergführer (Wolkenstein in Gröden), Taucher (Genua), Hundeführer (Florenz), Carabinieri zu Pferde (Rom), Informatik (Velletri)

Territoriale Organisation Fünf interregionale Kommandos (in Mailand, Padua, Rom, Neapel, Messina), die das Staatsgebiet in fünf Sektoren aufteilen, denen nachgeordnet: 18 Regionalkommandos (als Legionen bezeichnet), denen nachgeordnet: 105 Provinzkommandos, denen nachgeordnet: rund 540 Gruppen- oder Kompaniekommandos, denen nachgeordnet: über 4.600 Wachstationen (inkl. einiger mit Sonderstellung)

Den Regionalkommandos oder Legionen in Apulien (Amendola), Kalabrien (Vibo Valentia), Sizilien (Sigonella) und Sardinien (Abbasanta) unterstehen kleinere luftbewegliche Jägereinheiten.

Kommando Mobile und Spezielle Verbände Palidoro mini|hochkant|Antiterror-Spezialeinheit, Gruppo di Intervento Speciale (GIS) Division Mobile Verbände 1. Mobile Brigade 1 Carabinieri-Regiment zu Pferde (Bataillonsstärke) 11 Bereitschaftspolizeibataillone 2. Mobile Brigade 1 Fallschirmjägerregiment (Bataillonsstärke) 2 Militärpolizeiregimenter für Auslandseinsätze (Bataillonsstärke) Gruppo di Intervento Speciale (GIS), Antiterror-Spezialeinheit, gegründet am 6. Februar 1978 vom damaligen Innenminister Francesco Cossiga als Reaktion auf Rechts- und Linksterrorismus, mit Sitz in Livorno. Heute vor allem eingesetzt im Kampf gegen die Mafia, zunehmend auch bei militärischen Friedenseinsätzen im Ausland. Division Spezielle Verbände Carabinieri-Kommandos bei den Ministerien für Äußeres (Schutz der diplomatischen Vertretungen), Kultur (Kulturgüterschutz), Finanzen (Geldfälschung), Arbeit, Gesundheit sowie bei der Bank von Italien, dem Parlament, dem Amt des Ministerpräsidenten, beim Amtssitz des Staatspräsidenten (Corazzieri), bei dem Verfassungsgericht und dem Rechnungshof. Raggruppamento Carabinieri Investigazioni Scientifiche (RaCIS), zentrales und oberstes kriminaltechnisches Institut in Rom, mit vier regional tätigen Einheiten (Reparto Investigazioni Scientifiche, kurz RIS) in Rom, Parma, Messina und Cagliari. Fliegerkommando in Pratica di Mare bei Rom (Liste der aktiven Luftfahrzeuge der Carabinieri) Raggruppamento Operativo Speciale (ROS), Sondereinheit zum Kampf gegen die Organisierte Kriminalität mit Sitz in Rom, gegründet am 3. Dezember 1990, mit fünf Bereichen: Staatsschutz (politisch motivierte Verbrechen), Organisiertes Verbrechen (Mafia), Analyseabteilung (kriminologische Forschung), Drogenhandel und Entführungen, Technische Abteilung (Elektronische Aufklärung).

Forst-, Umwelt-, Landwirtschafts- und Verbraucherschutz Dieser Organisationsbereich entstand im Jahr 2016 durch die Übernahme des Corpo Forestale dello Stato (CFS), einer zivilen, staatlichen Forstpolizei, die dem Landwirtschaftsministerium in Rom unterstand und in 15 der 20 italienischen Regionen aktiv war. Rund 7.000 Beamte des CFS bildeten mit einem bis dahin bestehenden, wesentlich kleineren Carabinieri-Verband für Umwelt- und Verbraucherschutz diese neue, rationalisierte Organisation, die funktional weiterhin dem Landwirtschaftsministerium zugeordnet ist. Forstpolizeitruppe mit 14 regionalen Kommandos, rund 80 territorialen Abteilungen, etwa 800 Forstpolizeistationen und kleineren spezialisierten Diensten Kommando zum Schutz der Biodiversität mit nachgeordneten territorialen und spezialisierten Dienststellen Umweltschutzkommando, unter anderem spezialisiert auf die Bekämpfung der illegalen Müllentsorgung, mit drei regionalen Stellen in Mailand, Rom und Neapel und rund 30 nachgeordneten Einheiten (Nucleo Operativo Ecologico – NOE) Kommando Landwirtschafts-, Fischerei- und Verbraucherschutz mit fünf interregionalen Stellen in Turin, Parma, Rom, Salerno und Messina

Militärpolizei Carabinieri der territorialen Organisation und der 2. mobilen Brigade übernehmen grundsätzlich auch militärpolizeiliche Aufgaben in den italienischen Streitkräften. Darüber hinaus gibt es Carabinieri-Militärpolizeieinheiten beim Verteidigungsministerium, bei den Teilstreitkräften Heer, Marine und Luftwaffe, bei internationalen oder ausländischen Militäreinrichtungen in Italien, im Bereich der Militärjustiz sowie beim Auslandsnachrichtendienst AISE. Diese Einheiten mit ausschließlich militärpolizeilichen Aufgaben haben insgesamt in etwa Brigadestärke.

Fürsorge, Betreuung und Freizeitgestaltung 5 Erholungsheime 23 Badeanstalten/Strandabschnitte Pensionsfonds (auch als Studienstipendien für Kinder der Carabinieri) Sport Traditionspflege

Zu den Carabinieri gehört das Regiment der Corazzieri, das dem Präsidenten der Republik als Ehrengarde und Sicherheitsdienst zugeteilt ist. Bei offiziellen Anlässen tritt das Regiment hoch zu Ross in einer repräsentativen Kürassier-Uniform mit glänzenden Harnischen in Erscheinung.

Uniform mini|links|Granatemblem der Carabinieri mini|hochkant=0.5|Ein Carabiniere Die Carabinieri tragen seit ihrer Gründung dunkelfarbige Uniformen mit eigenen Kragenspiegeln und Rangabzeichen. Die Uniformhosen hatten bei den Infanterie-Einheiten einfache, bei den Kavallerie-Einheiten doppelte rote Längsstreifen. Dieses Uniform-Design hat sich bis heute erhalten. Ein traditionelles Uniformstück ist bei Mannschaften und Unteroffizieren ohne Portepee das weiße Bandelier. Höhere Unteroffiziere tragen in der Regel, Offiziere eher selten ein schwarzes, rot bordiertes Koppel mit Schulterriemen. Offiziere legen nur zum großen Dienstanzug eine blaue Schärpe an. Bei besonderen Anlässen wird eine schwarze Paradeuniform mit Zweispitz getragen. Bis Ende der 1980er Jahre trugen die Carabinieri in den Sommermonaten einen khakifarbenen Dienstanzug, der sich von denen anderer Heerestruppen nur unwesentlich unterschied, danach bestand die Sommeruniform aus dunkelblauer Hose und hellblauem Hemd. Heute sind die Dienstanzüge mit Ausnahme der Hemden allgemein schwarz, es bestehen nur Unterschiede bei der stofflichen Beschaffenheit. Ausnahmen gibt es unter anderem bei Ausbildungs- und Bereitschaftspolizei-Einheiten, die dunkelblaue Einsatzanzüge verwenden. Kampfeinheiten tragen Flecktarn, dessen Farben sich entweder nach der europäischen Landschaft oder nach Wüstengebieten richten. Das dazugehörige Barett ist in der Regel dunkelblau oder schwarz, bei Fallschirmjägern und Spezialeinheiten (GIS) bordeauxrot, bei luftbeweglichen Jägereinheiten korallenrot, bei forst- und umweltpolizeilichen Einheiten grün.

Wie etliche andere Gendarmerietruppen tragen die Carabinieri auf ihren Kopfbedeckungen eine stilisierte Granate als Emblem. Dieses Emblem stammt von den Grenadieren, die früher im Rahmen der Infanterie eine Elite bildeten. Ihr Emblem wurde später zum Erkennungszeichen für Elitetruppen. Da die Carabinieri wie die piemontesischen Grenadiere in ihrem Bereich ebenfalls eine besondere Stellung hatten, übernahmen sie (später auch andere Truppen, jedoch mit Modifikationen) dieses Emblem. Napoleon bezeichnete seine Carabiniers auch gern als „Grenadiere zu Pferde“, weil sie wie die Grenadiere u. a. auch mit Handgranaten ausgerüstet waren.

Bei Mannschaften und Unteroffizieren ist das Granatemblem silberfarben, bei höheren Unteroffizieren und Offizieren goldfarben. Bei Generalen wird das Emblem der Truppengattung wie bei Heer und Guardia di Finanza durch die so genannte Aquila ersetzt, die einem römischen Legionsadler ähnelt, da Generale über den einzelnen Truppengattungen stehen und sie in ihrer Gesamtheit führen sollen. Die Aquila ist bei Ein- und Zweisterne-Generalen silberfarben, ansonsten goldfarben.

Siehe auch: Dienstgradabzeichen der Carabinieri

Geschichte mini|links|Carabinieri in Venedig (1924) mini|Carabinieri-Offiziere. Von links: Oberst, Generalmajor, zwei Brigadegeneräle mini|Boot der Carabinieri in Venedig mini|Carabinieri-Fallschirmjäger des 1. Regiments „Tuscania“ (Militärparade in Rom, 2. Juni 2007) mini|Carabinieri-Unteroffizierin mini|2-Euro-Münze von 2014, herausgegeben zum 200. Jahrestag der Gründung der Carabinieri