Das Gefecht bei Épinal fand statt während des Winterfeldzuges 1814 der Befreiungskriege am 11. Januar 1814 zwischen französischen und württembergischen Truppen, die von russischen Kosaken unterstützt wurden.
Napoleon selbst hatte Épinal als einen Schlüsselpunkt seiner Verteidigung gegen die nach Frankreich einmarschierende Böhmische Armee der Koalition hervorgehoben: In einer am 6. Januar 1814 abgefangenen Depesche an Marschall Victor schrieb er diesem:
Als französische Truppen drei Tage später Épinal besetzten, waren auch die Württemberger bereits im Moseltal angelangt. Durch die schwere Niederlage, die die französischen Truppen dann im Gefecht von Épinal erlitten, wurden sie bewogen, sich von den Vogesen-Übergängen fort weit nach Westen zurückzuziehen. Damit wurde die Region westlich der Vogesen, insbesondere das Plateau von Langres, frei für den Aufmarsch der Böhmischen Armee.
Vorgeschichte Die linksrheinischen Stellungen der französischen Truppen zum Jahreswechsel 1813/1814 Nach ihrer Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig hatten sich die Reste der französischen Armee am 1. und 2. November 1813 vollständig auf die linke Rheinseite zurückgezogen. Die meisten Truppenteile überschritten den Rhein bei Mainz-Kastel. Es waren noch circa 70.000 Mann, die sich über den Rhein hatten retten können. Von diesen fielen aber viele den Krankheiten zum Opfer, die sich unter den Soldaten, aber auch der Zivilbevölkerung, ausbreiteten. Nach alten Quellenvgl. Beitzke starben in Mainz 17.000 Mann der französischen Besatzung und 2.400 Einwohner. Die furchtbarste der Krankheiten war das Fleckfieber (Typhus ambulatorius), dessen Schrecken als Typhus de Mayence im Bewusstsein der Franzosen erhalten blieb.vgl. hierzu auch die Schilderung bei Marmont, 19. Buch
Napoleon selbst traf am 2. November 1813 um 5:00 Uhr morgens von Höchst kommend in Mainz ein, wo er eine Woche blieb und versuchte, seine Truppen zu ordnen. Am 7. November 1813 um 22:00 Uhr reiste er nach Paris ab, wo er am 10. November 1813 eintraf.vgl. Chandler, Dictionary … Unverzüglich erhöhte er die Steuern und machte seine Forderungen nach der Aushebung einer neuen Armee öffentlich. Am 15. November 1813 stimmte der Senat in Paris der Einberufung weiterer 300.000 Rekruten zur französischen Armee einstimmig zu.
Die Truppen, die nun Anfang November 1813 zur Verteidigung der französischen Ostgrenze zur Verfügung standen, hatte Napoleon in folgender Weise positioniert:vgl. Beitzke, Petre und Marmont, 19. Buch
+ Die Napoleonische Armee linksrheinisch im Dezember 1813 Abschnitt Kommandant Hauptquartier Truppenstärke Oberrhein: Basel bis Landau Marschall Victor Straßburg 10.000 Mittelrhein: Landau bis Koblenz Marschall Marmont Mainz 13.000 Festung Mainz: General Morand Mainz zunächst 30.000, fast alle erkrankt, weniger als 15.000 überlebten Mittelrhein: Koblenz bis zur Lippe General Sebastiani (unter dem Oberbefehl von McDonald) 4.500 Niederrhein: von der Lippe bis Nijmegen Marschall McDonald Köln 10.000 Summe kampffähiger Truppen 37.500
Auf der rechten Rheinseite wurde von den Franzosen nur noch Mainz-Kastel und bis zum 9. November 1813 Hochheim am Main gehalten.
Die rechtsrheinischen Koalitionstruppen der Böhmischen Armee im Dezember 1813 Die Koalitionstruppen hatten ihr Hauptquartier am 5. November 1813 nach Frankfurt am Main verlegt. Dort begannen intensive Beratungen zwischen den verbündeten Mächten über den weiteren Fortgang des gemeinsamen Heerzuges. Am 1. Dezember 1813 wurde in Anwesenheit von Zar Alexander und des österreichischen Kaisers Franz beschlossen, einen Winterfeldzug nach Frankreich hinein zu führen. Der gemeinsame Plan bestand grob in Folgendem: die Koalitionstruppen sollten zum Jahreswechsel den Rhein überschreiten, und zwar die Schlesische Armee am Mittelrhein, die Böhmische Armee am Oberrhein. Die Böhmischen Armee sollte dann bis zum 15. Januar 1814 das Plateau von Langres besetzen und ihr Hauptquartier in die gleichnamige Stadt verlegen. Die Schlesische Armee sollte bis zum 15. Januar 1814 die Festung Metz erreicht und eingeschlossen haben.
Die böhmische Armee, die auf die Rheinebene zu rückte, gliederte sich in zwei leichte Divisionen, sechs Korps und ein Reservekorps sowie die russischen und preußischen Garden und Grenadiere. Im Einzelnen:vgl. Plotho, Beitzke, Sporschil, Damitz, Thielen, Houssaye; die angegebenen Zahlen differieren enorm; Plotho gibt höhere Zahlen an; die Gesamtzahl ist aber überall etwa gleich
+ Die Böhmische Armee rechtsrheinisch im Dezember 1813 Truppenteil Herkunftsland Kommandant Truppenstärke Leichte Division Österreich Ferdinand von Bubna und Littitz 10.500 Leichte Division Österreich Moritz von Liechtenstein 8.100 erstes Korps Österreich Hieronymus von Colloredo-Mansfeld 18.700 zweites Korps Österreich Aloys von Liechtenstein 12.700 drittes Korps Österreich Ignácz Gyulay 14.700 viertes Korps Württemberg Kronprinz Wilhelm von Württemberg 14.400 fünftes Korps Bayern Carl Philipp von Wrede ca. 35.000 sechstes Korps Russland Ludwig Adolf Peter zu Sayn-Wittgenstein 21.000 Reservekorps Österreich Erbprinz Friedrich von Hessen-Homburg 19.000 Garden und Grenadiere Russland und Preußen Michael Andreas Barclay de Tolly 39.000 Kosaken Russland Matwei Iwanowitsch Platow 6.000 Summe kampffähiger Truppen ca. 200.000
Die Böhmische Armee führte etwa 700 Geschütze mit. Sie wurde während des Feldzuges laufend durch nachrückende Truppen verstärkt, so zum Beispiel durch die badischen Truppen.
Der Rheinübergang der Böhmischen Armee Es zeigte sich bald, dass die Rheinebene die große Zahl an Soldaten der Böhmischen Armee zur Winterszeit nicht ernähren konnte. Deshalb mussten einige Kontingente zunächst in Schwaben und Thüringen zurückbleiben. Um den Durchzug der Truppen abzukürzen, begann der Rheinübergang über eine Schiffsbrücke bei Basel in der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember 1813. Als erste überschritt die leichte Division Bubna den Fluss, dann die Korps Gyulay und Aloys Liechtenstein, am 22. Dezember folgte das Korps Wrede. Bei Laufenburg, östlich von Basel, überschritten die leichte Division Moritz Liechtenstein und das Korps Colloredo den Rhein, bei Schaffhausen das österreichische Reservekorps. Das württembergische Korps und die Garden begannen den Übergang am 1. Januar 1814 bei dem Örtchen Märkt nördlich von Weil am Rhein. Das russische Korps Wittgenstein schloss zunächst die Festung Kehl am Rhein ein und begann ebenfalls am Neujahrstag des Jahres 1814 den Rheinübergang weiter im Norden bei Rastatt über eine Pontonbrücke.
Die Bewegungen der französischen Truppen Die Bewegungen des Korps Victor Die einzigen französischen Truppen, die Ende Dezember 1813 im Elsass zwischen Vogesen und Rhein standen, waren die des Korps Victor, dessen Gros bei Straßburg stand. Eine weitere Division unter General Milhaud stand bei Colmar. Angesichts der großen Masse gegnerischer Truppen, die den Rhein überschritten, zog sich Marschall Victor mit dem Gros seiner Truppen nach Saverne (Zabern) nordwestlich von Straßburg zurück und befahl General Milhaud, sich in die Vogesen nahe Sainte-Marie-aux-Mines (Markirch), an der Straße nach St.Dié nordwestlich von Colmar, zurückzuziehen. Victors Intention bestand darin, sich baldmöglichst mit dem Korps Marmont zu vereinen, um dem Gegner mit stärkeren Kräften entgegentreten zu können. Dieser Plan scheiterte, da Marmont mit seinen Truppen von der Schlesischen Armee innerhalb einer Woche bis zum 7. Januar 1814 über die Saar zurückgedrängt wurde. Victor verließ daraufhin mit seinen Truppen Saverne und begab sich über Mutzig nach Baccarat, westlich von St. Dié im oberen Tal der Meurthe. Bei Saverne blieben nur zwei Regimenter der Ehrengarde stehen, die feindlichen Bewegungen bei Straßburg zu beobachten.
Das Hilfskorps unter Marschall Ney Napoleon, der sich zwar in Paris befand, mit dem seine Marschälle aber in ständigem Kontakt standen, tadelte Victors Verhalten streng. Nach seiner Meinung war der Rückzug allzu eilig vollzogen worden. Er ordnete an, dass eine Division Rekruten mit 400 Reitern und zwei Batterien, die kurz zuvor in Saarlouis aufgestellt worden war, nach Nancy zu verlegen sei, wo sich Marschall Ney befand, der kurz zuvor beauftragt worden war, dort ein neues Korps aufzustellen. Marschall Ney ordnete die Truppen neu und sandte 4000 Mann mit 600 Reitern und einigen Kanonen unter Generalmajor Rousseau das Moseltal aufwärts nach Épinal. Marschall Victor, der nunmehr meinte, Verstärkung und Reserven hinter sich zu haben, rückte wieder nach Osten vor und befahl einer Division unter General Duhèsme, die um Dragonermöglicherweise waren es Kürassiere unter General Lhéritier verstärkt worden war, auf St. Dié vorzurücken, wo sie am 10. Januar 1814 im Gefecht von St. Dié auf Truppen des bayerischen Korps Wrede trafen.
Der Marsch der Alten Garde unter Marschall Mortier Zwei Divisionen der Alten Garde hatten sich bis zum 24. Dezember 1813 unter dem Befehl von Marschall Mortier in Namur im heutigen Belgien gesammelt. Als in Paris bekannt wurde, dass die Böhmische Armee den Rhein zu überschreiten begonnen hatte, wurde Mortier mit seinen Divisionen zunächst nach Reims und dann – mit anderen Truppenteilen – nach Langres beordert, um den direkten Weg nach Paris zu sperren. Am 10. Januar 1814 traf als erste die Kavallerie-Division Laferriére in Langres ein und zwei Tage später Marschall Mortier mit den Divisionen der Alten Garde.
Am 9. Januar 1814 waren aber auch die ersten Truppen der Vorhut des österreichischen Korps Gyulay zur Erkundung in der Umgebung von Langres eingetroffen, wo sie verharrten, bis das Gros des Korps wenige Tage später eintraf.
Die Bewegungen der österreichischen Truppen Die Division Bubna Die leichte Division Bubna erreichte über Bern, Fribourg und Lausanne am 30. Dezember 1813 Genf, das bereits seit Jahren fest in das französische Kaiserreich integriert war. Die Stadt wurde im Handstreich genommen, die französische Besatzung floh. Von Genf aus wurde das damals französische Wallis wieder besetzt und die Pässe des Großen Sankt Bernhard und des Simplon gegen die französischen Truppen in Norditalien gesichert. Mit dem Gros seiner Truppen zog Bubna weiter, nahm am 11. Januar 1814 Bourg-en-Bresse ein und stand am 18. Januar 1814 mit noch 4.000 Mann vor Lyon. Bubna wusste nicht, dass Lyon von nicht mehr als 1.600 Mann verteidigt wurde und die wohlhabenden Bürger die Stadt bereits verlassen hatten. Er zog seine Truppen nach Pont-d’Ain zurück und nahm sein Hauptquartier wieder in Genf.
Das Korps Colloredo mini|Die Festung Auxonne, bis heute erhalten Das Korps Colloredo und die leichte Division Moritz Liechtenstein zogen über Aarau nach Bern und weiter nach Neuchâtel. Dort teilte sich das Korps, zwei Divisionen unter Colloredo gingen über Baume-les-Dames und Montbozon nach Langres, eine Division und die leichte Division Moritz Liechtenstein gingen wesentlich weiter westlich über Dole nach Auxonne, das stark befestigt war. Dort lag eine französische Besatzung von 3000 Mann unter dem Befehl von General Veaux, die allein über 60 Geschütze verfügten. Eine Division blieb dort zur Belagerung zurück; die leichte Division Moritz Liechtenstein marschierte über Dijon westlich an Langres vorbei nach Châtillon-sur-Seine in der Richtung auf Troyes.
Das Korps Aloys Liechtenstein mini|Das Château de Joux Das Korps Aloys Liechtenstein ging über Solothurn nach Neuchâtel und von dort nordwestwärts nach Pontarlier. Vor Pontarlier versperrte das befestigte und uneinnehmbare Château de Joux den Weg. Das Korps umging es nordöstlich über den Grand Taureau. Château de Joux wurde von einem Kontingent eingeschlossen und kapitulierte am 15. Januar 1814. Das Gros des Korps Liechtenstein erreichte am 6. Januar 1814 auf der Straße über L’Hôpital-du-Grosbois die Stadt Besançon, dessen gewaltige Festung es einschloss und bis auf weiteres belagerte. mini|Die Zitadelle der Festung Besançon
Das Korps Gyulay