mini|hochkant|Die Pfarrkirche

Ernsthofen ist ein Ortsteil der Gemeinde Modautal im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geographie Ernsthofen liegt im vorderen Odenwald an der Modau, ca. 12,5 km südöstlich von Darmstadt. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3099. Für Ernsthofen besteht eine eigene Gemarkung. Innerhalb der Gemarkung befindet sich das Kreis-Jugendlager.

Geschichte Ortsgeschichte Das Dorf wurde, soweit bekannt, im Jahre 1362 erstmals urkundlich genannt. Weitere Erwähnungen erfolgten unter den Ortsnamen (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Ernsthofen (1403), Ernsthofen (1415), Ernsthoffen (1449), Ernsthoven (1516), Ernsthoiffen (1529) und Ernshoven (1545).

Der Ort lag im Territorium der Grafen von Katzenelnbogen.Katzenelnbogensche Urkunde vom 19. Mai 1362 in der Graf Wilhelm II. von Katzenelnbogen einen Hermann Werberg (Hermann vom Stein) benennt, dem Lehensrechte (der Zehnte) über Klein-Bieberau verliehen wurden und in der der Nachbarort Ernsthofen miterwähnt wurde. Urkunde befindet sich im Besitz des Hessischen Staatsarchivs in Marburg. Das Datum wird auch in der alten Dorfchronik benannt, aber dort ohne Literaturnachweis. Vgl. auch

Im Jahr 1545 gab Landgraf Philipp von Hessen als Erbe der Katzenelnbogener das Schloss mit zugehörigen Dörfern den Herren von Wallbrunn zum Lehen.

1722 verkauften die Brüder Johann Moritz Friedrich von Wallbrunn dem Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen Schloss und Gut zu Ernsthofen mit den dazugehörigen Dörfern, nämlich Ernsthofen, Asbach, Hoxhohl, Klein-Bieberau und Neutsch, nebst Gefällen in zwölf weiteren Orten, darunter Ober-Modau, Rodau, Waldhausen, Billings und Meßbach.

Ernsthofen lag im Gerichtsbezirk der Zent Oberramstadt. Die Zent war in sogenannte „Reiswagen“ eingeteilt, denen jeweils ein Oberschultheiß vorstand, die dem Zentgrafen unterstellt waren. Dieser Bezirk hatte einen Frachtwagen (Reiswagen) einschließlich Zugtieren und Knechten für Feldzüge bereitzustellen. Ernsthofen gehörte zum „Brandauer Reiswagen“, dem auch noch die Orte Brandau Neunkirchen, Allertshofen, Hoxhohl, Herchenrod, Lützelbach, Neutsch, Klein-Bieberau und Webern angehörten. Die gesamte Zent Oberramstadt war dem Amt Lichtenberg zugeteilt. Diese Einteilung bestand noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Ernsthofen:

Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 31. Dezember 1971 die bis dahin selbstständige Gemeinde Herchenrode auf freiwilliger Basis nach Ernsthofen eingemeindet. Am 1. Januar 1977 wurde dann Ernsthofen kraft Landesgesetz mit der am 1. April 1971 gebildeten Gemeinde Modautal und weiteren Gemeinden zur neuen Gemeinde Modautal zusammengeschlossen. Für Ernsthofen wurde ein Ortsbezirk gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Ernsthofen angehört(e):

vor 1722: Heiliges Römisches Reich, Herren von Wallbrunn, Zentherr Landgraf von Hessen-Darmstadt ab 1722: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (durch Kauf), Obergrafschaft Katzenelnbogen, (1787: Amt Lichtenberg, Zent Oberramstadt, Brandauer Reiswagen) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk ReinheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Lichtenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DarmstadtIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde ModautalAm 1. Januar 1977 als Ortsbezirk zur Gemeinde Modautal.

Gerichte Ernsthofen gehörte zum Zentgericht Oberramstadt. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war für Ernsthofen das Amt Lichtenberg zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Lichtenberg das Gericht erster Instanz, zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten: ab 1848: Landgericht Reinheim (Verlegung nach Reinheim), zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt ab 1879: Amtsgericht Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt ab 1968: Amtsgericht Darmstadt mit der Auflösung des Amtsgerichts Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011 in Ernsthofen 957 Einwohner. Darunter waren 57 (6,0 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 156 Einwohner unter 18 Jahren, 396 zwischen 18 und 49, 216 zwischen 50 und 64 und 192 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 408 Haushalten. Davon waren 108 Singlehaushalte, 144 Paare ohne Kinder und 120 Paare mit Kindern, sowie 30 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 87 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 279 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1629: 11 Hausgesesse • 1806: 283 Einwohner, 34 Häuser • 1829: 386 Einwohner, 46 Häuser • 1867: 474 Einwohner, 57 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 383 lutherische (= 99,22 %) und 3 katholische (= 0,78 %) Einwohner • 1961: 423 evangelische (= 79,21 %), 83 katholische (= 15,54 %) Einwohner

Politik Ortsbeirat Für Ernsthofen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Ernsthofen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat Ernsthofen 66,5 %. Alle Kandidaten gehörten der „Gemeinsamen Liste Ernsthofen“ an. Der Ortsbeirat wählte Manuel Daniel zum Ortsvorsteher.

Wappen und Flagge mini|100px

Wappen links|100px|Wappen von Ernsthofen

Blasonierung: In schräglinksgeteiltem Wappenschild vorne ein stilisierter, blaubezungter roter Löwe in Gold, hinten drei silberne Rauten in Blau.

Das Wappen wurde der Gemeinde Ernsthofen im Landkreis Darmstadt am 20. Mai 1963 durch den Hessischen Innenminister genehmigt.

Gestaltet wurde es durch den Bad Nauheimer Heraldiker Heinz Ritt.

Der Löwenkopf stammt aus dem Wappen der Grafen von Katzenelnbogen, die Rauten aus dem Wappen der Herren von Wallbrunn. Beide hatten früher Besitz im Ort.

Flagge Gemeinsam mit dem Wappen wurde der Gemeinde auch eine Flagge genehmigt, die wie folgt beschrieben wird: „Auf rot- und weißgestreiften Flaggentuch aufgelegt das Gemeindewappen.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Die Einfahrt zum Schloss mini|Fachwerkhaus Schloßstraße 5 Sehenswert ist das Wasserschloss Schloss Ernsthofen, welches ehemals im Besitz der Herren von Wallbrunn war, seit 1923 in Privathand ist, dadurch aber nicht direkt besichtigt werden kann. Erwähnenswert ist die Gedenktafel am Toreingang des Schlosses zu Ehren des Deutschamerikaners Edmund A. Stirn, auf der sein Wirken in und um das Schloss Ernsthofen und seine Verdienste für den Ort festgehalten sind.

In der ev. Kirche steht das beschädigte Epitaph der Maria von Wallbrunn, geborene Leyser von Lambsheim († 1628).

Entlang der schön renovierten Schloßstraße befinden sich einige liebevoll sanierte alte Fachwerkhäuser.

Regelmäßige Veranstaltungen August: Kerb September: OktoberfestDarmstädter Echo, Montag, 12. September 2016, S. 22

Persönlichkeiten Berthold Eitel (1895–1989), evangelischer Pfarrer und Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau

Literatur

Weblinks

Ortsteile. In: Webauftritt der Gemeinde Modautal. Ernsthofen. In: Webauftritt der Gemeinde Modautal. (Aus Webarchiv)

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Darmstadt-Dieburg Kategorie:Ortsbezirk von Modautal Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Darmstadt-Dieburg) Kategorie:Ersterwähnung 1362 Kategorie:Gemeindeauflösung 1977