miniatur|400px|Festung der Stadt Shigatse (im Jahr 1938)

Die Tsangpa-Dynastie (tib.: ; Wylie: gTsang pa), die im Tibet der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Samzhubzê aufstieg und deren Blütezeit in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts fiel, war die letzte tibetische HerrscherdynastieWährend der Zeit der späten chinesischen Ming-Dynastie., die Tibet aus eigener Kraft regierte.

Einleitung Die auf den Gründer Shingshapa Tsheten Dorje (zhing shag pa tshe brtan rdo rje)chin. Xinshaba Cidan Duoji ; abweichende Angaben zu Lebenszeit und Herrschaftszeit! Zu den Angaben vgl. José Ignacio Cabezón, S. 155, Anm. 9. zurückgehende Tsangpa-Dynastie herrschte von 1565 bis 1642 über weite Teile Tibets – einschließlich des Gebiets von Lhasa. Ihre Hauptstadt Samdrubtse (bSam grub rtse) auf dem Gebiet des heutigen Stadtbezirks Samzhubzê bildete das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Tibets.

Die Zeit der Tsangpa-Herrschaft war eine Zeit der Karmapa-Hegemonie, d. h. einer Hegemonie der Karma-Kagyü-Schule (karma bka' brgyud pa) des Tibetischen Buddhismus (ihren religiösen Gegenspieler bildete die Gelug-Schule). Ihr letzter Herrscher wurde 1642 von einem Fürsten der westmongolischen Khoshuud des Kokonor-Gebiets bezwungen. Die säkulare Tsangpa-Herrschaft löste die der Phagmodrupa und Rinpungpa ab.Zur Periodisierung der tibetischen Geschichte vgl. himalaya.socanth.cam.ac.uk: "Some Reflections on the Periodization of Tibetan History" (Bryan J. Cuevas; PDF; 136 kB), wo diese drei Dynastien unter "Zeitalter der monastischen Hegemonien" folgendermaßen datiert werden: Nedong (sne'u gdong) -Periode und Phagmodrupa-Hegemonie (ca. 1354–1478); Rinpung (rin spungs) -Periode und Sharmapa (zhwa dmar pa) -Hegemonie (ca. 1478–1565); Shigatse (gzhis ka rtse) -Periode und Karmapa (karma pa) -Hegemonie (ca. 1565–1642), die wiederum von der Lhasa-Periode und Gandenpa (Dga' ldan pa) -Hegemonie (ca. 1642–1705) abgelöst wurde (Cuevas, S. 51: "Appendix I: A Suggested Periodization Scheme for the History of Tibet").

Shingshapa Tsheten Dorje Ursprünglich diente Shingshapa Tsheten Dorje unter den RinpungpaDeren Hauptsitz in Rinpung (rin spungs) lag.. Als Gouverneur des damaligen Shigatse zettelte er eine Rebellion an, gewann nach und nach an Macht und bezwang 1565 den letzten Rinpungpa-Herrscher Ngawang Jigme Dragpa (rin spungs pa ngag dbang 'jigs grags; 1482–1565). Nur wenig später erstreckte sich Shingshapas Einflussbereich praktisch über ganz Ü-Tsang (tib. dbus gtsangchin. (hier) ). Er selbst nannte sich 'König von Tsang'chin. Zangba jiabo (auch Zangdui Jiebo ), wobei mit Tsang (chin. Zang) das heutige Gebiet Shigatse gemeint ist und (chin.) jiabo "König" bedeutet - gefunden am 22. Juni 2010..

Karma Phüntshog Namgyel Im Versuch, die Herrschaft über ganz Tibet zu übernehmen, drang der Tsang-König (wahrscheinlich Phüntshok Namgyelbzw. Phuntsog Namgyal, chin. Gama Pengcuo Nanjia ) 1611 wieder einmal nach Ü vor und zog in Lhasa ein. Aber schon im Folgejahr übergab er die Stadt wieder den Gelugpa und erbat sich von ihnen eine religiöse Initiation, um einen Ausgleich zustande zu bringen. Das wurde von den Gelugpa abgelehnt und der 4. Dalai Lama zog es vor, für die nächsten Jahre nach Samye zu gehen.

1613 gewann Tsang die Kontrolle des Gebiets von Ngarichin. Ali in Westtibet, zugleich annektierte er alle kleineren und schwächeren Stämme der Umgebung.

Bezüglich der Religion war Phüntshok Namgyel ein Anhänger der Karma-Kagyü-SchuleEine der vier großen Schulen der Kagyü-Schulrichtung: Barompa, Karmapa, Phagdrupa- und Tshelpa des tibetischen Buddhismus. Wegen religiöser Streitigkeiten in Glaubensfragen mit der wichtigsten Drugpa-Kagyü-Schule in Bhutan entsandte er zweimal Truppen zum Angriff. Dem 6. "Rothut-Karmapa" oder Shamarpa (zhwa dmar pa)-Hierarchen der Karma-Kagyü-Schule, Chökyi Wangchug (chos kyi dbang phyug; 1584–1630), dem „Lebenden Buddha Karmapa“, verlieh er den Titel "Herrscher von Ü-Tsang"chin. Wei-Zang zhi zhu , die neu aufsteigende Gelug-Schule aber betrachtete er als Feind.

1617 stellte die Koalition der Chalcha (Khalkha)-Mongolen, die Anhänger der von der Gelug-Schule vertretenen Form des tibetischen Buddhismus war, Truppen zusammen und versuchte Tsangpa anzugreifen. 1618 schickten die Karmapas mehr als zehntausend Mann zu Hilfe, sie bezwangen die aus Kräften von Mönchen und Soldaten des Sera-Klosters und anderen Gelugpa-Kräften gebildete Koalition, besetzten die Klöster Sera und DrepungZwei der sogenannten Drei Großen Klöster des Gelug-Ordens, das dritte ist Ganden. und töteten die Aufstandsführer. Der Rest der Gelugpa-Mönche war gezwungen, in Richtung Norden zu fliehen. Als schließlich fast ganz Zentraltibet unter der Kontrolle Tsangs war, kamen die Mongolen 1621 nach Ü, besiegten die Armee des Tsang-Königs und schlossen sie in Lhasa ein. Unter der Vermittlung hoher Gelugpa-Geistlicher kam es zu einem Vergleich, bei dem Tsang die meisten der besetzten Gebiete und Klöster wieder aufgab.

Im Jahr 1618 ernannte sich Phüntshog Namgyel zum 'König des Oberen Tsang'bzw. chin. Houzang shangbu zhi wang (bzw. Tsangpa Khanchin. Zangba han , auch oder Desi Tsangpatib.: sde srid gtsang pa; chin. Disi zangba / Dixi zangba bzw. Tsangpa Desi; tib. gtsang pa sde srid; chin. Zangba disi usw. ), dies ist das offizielle Gründungsdatum des meist unter der Bezeichnung Tsangpa Khan bekannten Regimes (von 1618 bis 1642). Es hatte nur zwei Herrscher: Phüntshog Namgyeloder Phuntsok Namgyal usw., chin. oder , gtsang sde srid kar+ma phun tshogs rnam rgyal (Tsang Desi Karma Phüntshok Namgyel) usw. (1586–1621; reg. 1618–1621) und Tenkyong Wangpochin. Gama Danjiong Wangbo (1606–1642, reg. 1621–1642)Daten zu Lebens- und Regierungszeit hier nach 360doc.com: Zangchuan Fojiao huofo liebiao - gefunden am 19. Juni 2010 und wird auch als Karma-Regierung bzw. Karma-Kagyü-Regierungchin. Gama zhengquan bzw. Gama Gaju zhengquan bezeichnet.

Karma Tenkyong Wangpo 1621 folgte Karma Tenkyong Wangpotib.: Karma bstan skyong dbang po(1605–1642Lebensdaten nach: Михаэль ден Хут. 2002a, bei hamagmongol.narod.ru: "Период трех государств - Хошутское ханство (1635–1697–1723)" - gefunden am 19. Juni 2010; reg. 1621–1642) im Alter von siebzehn Jahren seinem Vater Desi Tsangpa Karma Phüntshog NamgyelOder Tsangpa Khan, der Enkel von Shingshapa (i. e. Karma Tsheten Dorje) (Zhing shag pa Karma tshe brtan rdo rje). Karma Tenkyong Wangpo war ein mächtiger Unterstützer des 10. Karmapa Chöying Dorje der Karma-Kagyü-Schule und der Erzfeind der Gelug-Schule, insbesondere des 5. Dalai Lama Ngawang Lobsang Gyatsho (1617–1682) und des 4. Penchen Lama Lobsang Chökyi Gyeltshen (1570–1662).

miniatur|Gushri Khan, Ausschnitt aus einer historischen Malerei im Jokhang-Tempel

Im Jahr 1634 luden der 4. Penchen Lama und der 5. Dalai Lama den Khan der Khoshuud-Mongolen des Kokonor-Gebiets, Töröbaikhuchin. Tulubaihu (i. e. Gushri Khan, 1582–1655) nach Tibet ein. 1641 griff dieser Tsangpa an und kreiste die offizielle Residenz in Samzhubzê ein. 1642 wurde Karma Tenkyong Wangpo von Gushri Khan militärisch besiegt und gefangen genommen, später wurde er getötet.Gushri Khan marschierte dann gen Tshurphu - den Sitz des Karmapa, des Oberhauptes der Karma-Kagyü-Schule des Tibetischen Buddhismus - und der Karmapa floh mit seinen Anhängern nach Bhutan, was das Ende des politischen Einflusses der Karmapas bedeutete. Vgl. hierzu keithdowman.net: The Power Places of Central Tibet: The Pilgrim's Guide (Keith Dowman) - gefunden am 22. Juni 2010. Siehe auch den Artikel Drugpa-Kagyü.

Der 5. Dalai Lama bestieg in dem mit Hilfe der Mongolen eroberten Samzhubzê (Shigatse) seinen Thron (siehe Hauptartikel Ngawang Lobsang Gyatsho), ihm wurde ein Regent zur Seite gestellt (siehe Hauptartikel Sönam Rabten).

Gushri Khan (1582–1655) marschierte weiter westwärts und unterwarf das Gebiet von Ü-Tsang, er selbst war in Shigatse stationiert, seinem ältesten Sohn Dayan Khan (reg. 1656–1668) befahl er, sich in Lhasa zu stationieren, mit aufgeteilten Truppen kontrollierten sie die verschiedene Regionen Tibets, praktisch unterlag Tibet der Herrschaft eines Khanats.

Herrschertabelle Die Tabelle liefert folgende Angaben: (a) tib. Namen in deutscher Schreibung, (b) Umschrift nach Wylie, (c) chinesische Schreibung mit vorangestelltem Pinyin, (d) Dauer der Herrschaft, (e) Antrittsjahr im Sechzigerzyklus des traditionellen chinesischen Kalenders, (f) Antrittsjahr der Herrschaft.

Shingshapa Tsheten Dorje (zhing shag pa tshe brtan rdo rje) Xinxiaba Caidan Duojie 1565 Khunpang Lhawang Dorje (kun spangs lha dbang rdo rje) Gunbang Lawang Duojie 1588–1608 Tensung Wangpo (bstan srung dbang po) Dansong Wangbo 1588–1611 Phüntshok Namgyel (phun tshogs rnam rgyal) Pengcuo Nanjie 1611 Karma Tenkyong Wangpo (karma bstan skyong dbang po) Gama Danjiong Wangbo 1621

Zitat Der Historiker Thuken Lobsang Chökyi Nyima (1737–1802) aus der Gelug-Schule berichtet in seinem Werk Kristallspiegel der philosophischen Lehrsysteme (Grub mtha' shel gyi me long) folgendes:

"Zu jener Zeit war der König von dBus und gTsang der sDe srid gTsang pa [= Karma Tenkyong Wangpo]. Dieser unterstützte als Meister der geistlichen Gabenherrn die Kar ma pa und hielt zu ihnen, indem er viel Zurückweisung hinsichtlich der dGe lugs pa ausübte. Dieser König [= Gushri Khan], zusammen mit einer grossen Ansammlung von Truppen, zog in dBus und gTsang ein und besiegte das gesamte Heer des gTsang pa, nahm den gTsang pa-Fürsten und seine Minister gefangen und warf sie daraufhin in das Gefängnis in ihrem Heimatort Ne'u in dBus. Er brachte alle Gegenden von dBus und gTsang unter seine Macht. Er wurde zum König aller drei Provinzen von Tibet und etablierte bis Vollendung als Regierung den weissen Schirm der Gesetze. Er vernichtete sämtliche Menschen, die nicht diszipliniert gewesen waren, so dass sie durch Zurückweisung die dGe lugs pa beleidigt hatten."Nach Karénina Kollmar-Paulenz (Universität Bern): " (PDF; 2,1 MB)" - buddhismuskunde.uni-hamburg.de (S. 252: "Kristallspiegel der Lehrmeinungen")

Siehe auch Ganden Phodrang Desi-Systemchin. Disi zhidu Sechzehn Gesetze (web)

Shabdrung Ngawang Namgyel (zhabs drung ngag dbang rnam rgyal)

Literatur Ram Rahul: March of Central Asia (Indus Publishing Company, 2002) José Ignacio Cabezón: Tibetan Ritual (Oxford University Press 2009) Karénina Kollmar-Paulenz (Universität Bern): "Das Abwehren der Mongolen (tib. sog zlog pa): Tibetisch-buddhistische Reaktionen auf die Eingliederung Tibets in das mongolische Weltreich (PDF; 2,1 MB)" - buddhismuskunde.uni-hamburg.de Naihui Ma: Dokumente und Illustrationen zur Sozialgeschichte Tibets, China, Peking 1995 (chin.) Samten C. Karmay: ""The Great Fifth" (2005; PDF; 185 kB)

Weblinks tibetinfor.com: Disi Zangba de lishi (Geschichte der Desi Tsangpa) - Chinesisch

StudyBuddhism.com: Die Hegemonien der Pagmodru, der Rinpung und der Tsangpas tibet.news.cn: Xizang dashi nianbiao (Zeittafel zu wichtigen Ereignissen der tibetischen Geschichte) (1481–1639) - Chinesisch buddhismus-heute.de: Eine kurze Geschichte der Karmapa- und Shamarpa-Linien (aus: Buddhismus Heute Nr. 29 (1990))

Einzelnachweise und Fußnoten

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