Die Finalrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 war ein vom 26. Juni bis 11. Juli 2010 ausgetragener Bestandteil der 19. Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Südafrika. Dieser Artikel behandelt die einzelnen Spiele dieser Finalrunde und ihre Resultate.

Übersicht Qualifizierte Teams Durch ihre Ergebnisse in der Gruppenphase der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika hatten sich 16 Mannschaften für die Finalrunde qualifiziert: Gruppe AGruppe BGruppe CGruppe D 1. 1. 1. 1. 2. 2. 2. 2. Gruppe EGruppe FGruppe GGruppe H 1. 1. 1. 1. 2. 2. 2. 2. Spielplan Finalrunde

1 Sieg nach Verlängerung2 Entscheidung im Elfmeterschießen

Achtelfinale Uruguay – Südkorea 2:1 (1:0) Vor nur rund 30.000 Zuschauern in Port Elizabeth gingen die Uruguayer durch Luis Suárez früh in Führung und überließen daraufhin den Südkoreanern die Initiative, die jedoch weitgehend glücklos agierten. Erst in der 68. Minute traf Lee Chung-yong zum Ausgleich. Obwohl Südkorea daraufhin Chancen auf das Siegtor hatte, entschied abermals Suárez mit einem der schönsten Tore des Turniers die Partie zugunsten Uruguays.

USA – Ghana 1:2 n. V. (1:1, 0:1)

Kevin-Prince Boateng brachte die Ghanaer bereits in der fünften Minute in Führung. Die leicht favorisierten US-Amerikaner glichen in der 62. Minute durch einen von Landon Donovan verwandelten Strafstoß aus, doch ein Tor von Asamoah Gyan in der dritten Minute der Verlängerung sicherte den Black Stars den Sieg. Damit zog nach Kamerun 1990 und dem Senegal 2002 zum dritten Mal ein afrikanisches Team in ein WM-Viertelfinale ein.

Deutschland – England 4:1 (2:1) Das dritte Achtelfinale war der „Klassiker“ Deutschland gegen England. Die früh angreifende und schnell kombinierende deutsche Mannschaft ging in der 20. Minute durch Miroslav Klose, der sich nach einem weiten Abstoß von Torwart Manuel Neuer gegen seinen Gegenspieler durchsetzte und knapp vor Torwart David James an den Ball kam, in Führung. Lukas Podolski erhöhte in der 32. Minute nach einer Vorlage von Thomas Müller auf 2:0. Nach einem Eckball in der 37. Minute erzielte Innenverteidiger Matthew Upson per Kopf den überraschenden Anschlusstreffer für England. Kurz darauf traf Frank Lampard mit einem Schuss aus 17 Metern die Unterkante der Latte des deutschen Tores. Von dort sprang der Ball deutlich hinter die Torlinie und dann wieder gegen die Latte, woraufhin Manuel Neuer den Ball fing und abschlug. Der Schiedsrichter Jorge Larrionda erkannte den Treffer jedoch nicht an, da sein Linienrichter Mauricio Espinosa ihm „Weiterspielen“ signalisierte. Das Tor rief in der Öffentlichkeit heftige Diskussionen und Erinnerungen an das Wembley-Tor aus dem Jahr 1966 hervor. In der zweiten Halbzeit kam Deutschland durch Tore von Müller in der 67. und 70. Minute zum letztlich sicheren Erfolg.

Argentinien – Mexiko 3:1 (2:0) Bei der Neuauflage des Achtelfinalspiels von 2006 ging es diesmal weniger spannend zu. Die Argentinier führten bereits nach 33 Minuten mit 2:0, wobei das 1:0 aus klarer Abseitsposition fiel. Als in der 52. Minute Tévez mit seinem zweiten Treffer auf 3:0 erhöhte, war das Spiel im Prinzip entschieden, auch wenn die Mexikaner in der 71. Minute durch Hernández den Rückstand noch auf 3:1 verkürzten.

Niederlande – Slowakei 2:1 (1:0) Arjen Robben brachte die Niederländer mit einer brillanten Einzelleistung in der 18. Minute in Führung. Im Laufe des Spiels wurden auf beiden Seiten von Robben und Robert Vittek hochkarätige Chancen vergeben. Wesley Sneijder sorgte in der 84. Minute für die Entscheidung zugunsten der Elftal. Der von Vittek verwandelte Strafstoß in der Nachspielzeit brachte nur noch Ergebniskosmetik.

Brasilien – Chile 3:0 (2:0) Im einzigen rein südamerikanischen Achtelfinale hatten die favorisierten Brasilianer keinerlei Probleme mit Chile. Nach einem Doppelschlag von Juan und Luís Fabiano in der ersten Hälfte sorgte Robinho in der 59. Minute für die endgültige Entscheidung zugunsten der dominanten Seleção. Chile scheiterte in seiner dritten K.-o.-Runde bei einer Weltmeisterschaft zum dritten Mal an Brasilien.

Paraguay – Japan 0:0 n. V., 5:3 i. E. Das Spiel Paraguay gegen Japan zeichnete sich durch sehr wenige Höhepunkte aus. Beide Mannschaften verhielten sich nervös und spielten nur selten Torchancen heraus, sodass das Spiel über weite Strecken farblos blieb. Dazu kam eine hohe Fehlerquote beider Mannschaften. Paraguay besaß den größeren Anteil an Ballbesitz, was jedoch gegen die defensiv agierenden Japaner nicht zum Torerfolg führte. Ebenso konnten die Asiaten der Abwehr Paraguays nicht wirklich gefährlich werden. Im entscheidenden Elfmeterschießen nach 120 torlosen Minuten verschoss der Japaner Yūichi Komano, während alle Südamerikaner trafen. Damit zog Paraguay zum ersten Mal in seiner Geschichte in ein WM-Viertelfinale ein.

Spanien – Portugal 1:0 (0:0) Im iberischen Nachbarschaftsduell zogen die Spanier abermals ihr dominantes Ballbesitzspiel auf, doch Portugal hielt insbesondere in der ersten Hälfte stark dagegen und kam zu einigen guten Torchancen. Im Laufe des Spiels verstärkte sich die spanische Überlegenheit jedoch. In der 63. Minute erzielte David Villa das „Goldene Tor“ für die Furia Roja, welches auf Zuspiel von Xavi allerdings aus abseitsverdächtiger Position fiel.

Viertelfinale Niederlande – Brasilien 2:1 (0:1) Nach dem 1:0 für Brasilien durch Robinho kontrollierten die Südamerikaner lange die Partie, versäumten es aber, auf die Entscheidung zu drängen. Nach der Halbzeit kamen dann die Niederländer besser ins Spiel und erzielten in der 53. Minute, nachdem Torhüter Júlio César und Felipe Melo beim Versuch, einen Fernschuss von Wesley Sneijder auf das Tor abzuwehren, zusammenstießen, den 1:1-Ausgleich, indem Melo daraufhin den Ball ins eigene Tor verlängerte. Danach bekamen die Niederländer die Oberhand und erhöhten den Druck. Aus einem Eckball und einer Kopfballstafette folgte in der 68. Minute das 2:1 durch Sneijder. Melo brachte kurz darauf seine Mannschaft in Unterzahl, als er Arjen Robben erst foulte und dem am Boden Liegenden dann auf den Oberschenkel trat, wofür er vom Platz gestellt wurde. So hatten die Brasilianer den Niederländern nur wenig entgegenzusetzen.

Uruguay – Ghana 1:1 n. V. (1:1, 0:1), 4:2 i. E.

In einem wechselhaften Spiel dominierten die Uruguayer das erste Drittel des Spiels, konnten aber kein Kapital daraus schlagen. Ghana kam danach besser ins Spiel und hatte einige Chancen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte gingen die Afrikaner durch einen Fernschusstreffer von Sulley Muntari mit 1:0 in Führung. In der zweiten Halbzeit begann dann ein offener Schlagabtausch. Der Uruguayer Diego Forlán nutzte in der 55. Minute eine Freistoßchance und verwandelte direkt, nachdem der Torhüter Richard Kingson den Ball völlig falsch eingeschätzt hatte. Mit zunehmender Spieldauer gewannen die Südamerikaner wieder die Oberhand, aber in der regulären Spielzeit gelang ihnen kein weiterer Treffer mehr.

In der Verlängerung zeigten dann wieder die Ghanaer die größeren Kraftreserven, und in der letzten Spielminute kam es dann zu einem Höhepunkt. Einen Torschuss konnte der uruguayische Torwart Fernando Muslera nur in den Fünf-Meter-Raum ablenken, und den Nachschuss wehrte der Stürmer Luis Suárez auf der Linie ab. Der abprallende Ball wäre von einem Ghanaer ins Tor geköpft worden, wenn ihn Suárez nicht regelwidrig mit hochgestrecktem Arm abgewehrt hätte. Allerdings hätte die Situation vorher schon unterbrochen werden müssen, weil eine strafbare Abseitssituation vorgelegen hatte. Nach dem Platzverweis für Suárez war der fällige Elfmeter die letzte Aktion der Verlängerung. Asamoah Gyan, der im WM-Turnier zuvor bereits zwei Elfmeter verwandelt hatte, hätte Ghana direkt ins Halbfinale schießen können, doch er schoss den Ball gegen die Querlatte. Somit kam es zum Elfmeterschießen, in dem Gyan Verantwortung übernahm und den ersten Elfmeter für sein Land mit einem präzisen Schuss verwandelte. Zwei seiner Mannschaftskameraden schossen jedoch weniger präzise, so dass der Torwart Muslera abwehren konnte. Sebastián Abreu verwandelte den entscheidenden Elfmeter für Uruguay. Mit Ghana schied der letzte afrikanische Vertreter aus dem Turnier aus. Luis Suárez brüstete sich später damit, durch sein Handspiel die uruguayische Mannschaft ins Halbfinale gebracht zu haben, und wurde dafür in seiner Heimat als Held gefeiert.

Argentinien – Deutschland 0:4 (0:1) mini|Müllers Führungstor in der dritten Minute Bereits in der dritten Minute brachte Thomas Müller per Kopf nach Freistoßflanke von Schweinsteiger Deutschland in Führung. Damit hatte er den frühesten Treffer dieser WM und das insgesamt 200. deutsche WM-Tor erzielt.. In: Fifa.com, 3. Juli 2010, abgerufen am 3. Juli 2010. Deutschland kombinierte schnell und kreativ, doch Klose vergab in der 24. Minute die Möglichkeit zu erhöhen. Mitte der Halbzeit kontrollierte Argentinien das Spiel mehr und mehr und kam mit einigen Schüssen und Freistößen in Strafraumnähe zu Möglichkeiten. Einem davon ging eine gelbe Karte gegen Müller wegen vermeintlichen Handspiels voraus, der daher für das Halbfinale gesperrt wurde.

In der zweiten Halbzeit spielte Argentinien noch überlegener und kam zu mehreren Chancen, von denen jedoch keine zwingend war und die meist sicher bei Torwart Neuer landeten. Die deutsche Mannschaft drohte nun den Faden zu verlieren, da sich auch die Fehlpässe häuften. Sie kämpfte sich ins Spiel zurück. Müller spielte in der 67. Minute noch am Boden liegend zu Podolski, der zum richtigen Zeitpunkt Klose bediente, so dass dieser in seinem 100. Länderspiel den Ball zum 2:0 über die Linie schob. Gleichzeitig war dies Kloses 13. WM-Tor, womit er Pelé in der WM-Torschützen-Rangliste überholt hatte.Wolfram Porr: Famoser Viertelfinalauftritt. 4:0 – Deutschland führt Argentinien vor. In: Sportschau.de, 3. Juli 2010, abgerufen am 3. Juli 2010.

Ein Sololauf von Schweinsteiger, der später zum Mann des Spiels gewählt wurde, in den Strafraum ging einem kurzen Pass vor das Tor voraus, den Arne Friedrich, der Spieler mit den meisten Länderspielteilnahmen ohne Torerfolg, in seinem 77. Länderspiel zu seinem ersten Tor verwertete. Nach einem Konter über Podolski und einer Flanke von Özil erzielte Klose in der 89. Minute sein 14. WM-Tor, sodass er zum damaligen Zeitpunkt gleichauf mit Gerd Müller in der ewigen WM-Torschützenliste nur noch hinter Ronaldo (15 Treffer) lag.

Für Argentinien war das Spielergebnis die höchste Niederlage gegen eine deutsche Fußballnationalmannschaft.

Der usbekische Schiedsrichter Ravshan Ermatov pfiff sicher und selten: Er ließ das Spiel sich entwickeln. Lediglich Müllers Verwarnung wegen Handspiels erntete Kritik als (Jürgen Klopp).ebenso: Sports International: „undeserved“ in . Abgerufen am 8. Juli 2010

Viele Medien kommentierten die deutsche Leistung als unheimlich stark,Hendrik Ternieden Einzug ins Halbfinale. Deutschland zerlegt Maradonas Elf. In: Spiegel Online, 3. Juli 2010, abgerufen am 3. Juli 2010. famos oder überragend.Arnulf Boettcher: FIFA-WM 2010. Deutschland demütigt Argentinien. In: Deutsche Welle, 3. Juli 2010, abgerufen am 3. Juli 2010. Sich überschlagendes Lob, Argentinien sei „gedemütigt“ (Clarín, Argentinien) und ein „Massaker von 4:0“ (Terra, Brasilien) angerichtet worden, ging mit Kritik an der argentinischen Leistung „Argentiniens Schwächen offengelegt“ (La Nación, Argentinien) einher. Lance! (Brasilien) befand, die deutsche Nationalmannschaft spiele „schnell, zielstrebig und geschmeidig“ und erklärte sie zum größten WM-Favoriten.. In: Tagesschau.de, 4. Juli 2010, abgerufen am 6. August 2010. Norwegens Dagbladet sprach gar von den besten ersten sechs Minuten, die die Welt je gesehen habe; dabei wurde die Mannschaftsstärke hervorgehoben sowie durchweg positive Einzelleistungen.Moritz Müller-Wirth: Deutschland – Argentinien. Nie war Irren schöner. In: Zeit Online, 3. Juli 2010, abgerufen am 3. Juli 2010.