Die Hüttensänger (Sialia) bilden eine nur drei Arten umfassende Gattung der Sperlingsvögel innerhalb der Familie der Drosseln (Turdidae). Alle drei Arten, der Rotkehl-Hüttensänger, der Blaukehl-Hüttensänger und der Berghüttensänger bewohnen Nordamerika; das Verbreitungsgebiet des Rotkehl-Hüttensängers erstreckt sich bis nach Mittelamerika.

Die knapp singdrosselgroßen, aber bedeutend leichteren Vögel weisen vor allem am Rücken eine intensive Blaufärbung auf, worauf sich der englische Name Bluebird bezieht. In ihrer Gestalt gleichen sie eher Fliegenschnäppern als Drosseln. Sie sind Höhlenbrüter und ernähren sich vor allem von Insekten, im Herbst und Winter auch von Beeren und Früchten. Die nördlichen Populationen aller drei Arten sind Zugvögel. Hüttensänger zählen in Kanada und in den USA zu den bekanntesten Singvögeln. Wie alle kleineren Höhlenbrüter vieler Regionen der Nearktis leiden auch die Hüttensänger unter der Höhlenkonkurrenz durch den eingeführten und sich rasant ausbreitenden europäischen Star, denen sie in direkten Auseinandersetzungen meist unterliegen. Durch intensives Ausbringen besonderer Nistkästen konnten jedoch Bestandsrückgänge in vielen Regionen weitgehend kompensiert werden. Keine der drei Arten erscheint zurzeit in einer Gefährdungsliste der IUCN.

Aussehen mini|hochkant=1|Paar des Rotkehl-Hüttensängers. Weibchen mit Nistmaterial mini|hochkant=1|links|Männlicher Berghüttensänger

Hüttensänger sind schlanke, groß- und rundköpfige Vögel. Die Halspartie ist kaum vom Rumpf abgesetzt. Ihre markantesten Färbungsmerkmale sind der blaue Kopf und Rücken und die ebenso gefärbten Oberseiten der Flügel und des Schwanzes. Die Unterseitenfärbung ist bei den drei Arten unterschiedlich. Männliche Rotkehl- und Blaukehl-Hüttensänger sind an der gesamten Oberseite, den Flügeln und am Schwanz tief kobaltblau. Die Kehle ist beim Rotkehl-Hüttensänger rostrot, beim Blaukehl-Hüttensänger blau oder blaugrau. Die Brust ist bei beiden Arten rötlichbraun, der Bauch beim Rotkehlhüttensänger weißlich, beim Blaukehlhüttensänger von blau zum Steiß hin ins Grau übergehend. Der Berghüttensänger ist zur Gänze hell himmelblau; das Blau ist am Rücken und an den Flügeln intensiver. Die Augen der Hüttensänger sind dunkel, groß und rund, besonders bei den Weibchen und Jungvögeln ist ein weißlicher Augenring erkennbar. Der Schnabel ist hornfarben bis schwarz, relativ kurz und spitz.

mini|hochkant=1|links|Gerade flügger männlicher Rotkehl-Hüttensänger

Die Größe der Hüttensänger schwankt zwischen 16 und 22 Zentimetern, ihr Gewicht zwischen 26 und 32 Gramm, wobei die Weibchen bei gleicher Größe durchschnittlich etwas schwerer sind.Distinguishing CharacteristicsDistinguishing CharacteristicsDistinguishing Characteristics Hüttensänger sind also, bei vergleichbarer Maximalgröße wie die Singdrossel nur halb so schwer wie diese. Der Rotkehl-Hüttensänger ist die größte und schwerste Art. Blaukehl- und Berghüttensänger sind geringfügig kleiner. Alle drei Arten sind relativ langflügelig. Die längsten Flügel weist der Berghüttensänger auf, bei dem die gefalteten Schwingen fast mit dem Schwanzende abschließen; im Gegensatz zu den beiden anderen Arten ist diese auch eher langbeinig.

Alle Arten sind gut unterscheidbar, nur Hybride, die vor allem zwischen Blaukehl- und Berghüttensänger gelegentlich vorkommen, sind schwieriger zu bestimmen. Der Größen- und Gewichtsdimorphismus ist marginal, der Färbungsdimorphismus hingegen auffällig. Weibchen weisen zwar dieselben Farbelemente auf wie Männchen, doch sind sie bedeutend blasser, verwaschener gefärbt. Im Kopfbereich überwiegen bei ihnen Grautöne, das Blau beschränkt sich meist nur auf den caudalen Rücken, die Oberseite der Schwingen und die Oberseite des Schwanzes. Ebenso leicht wie die Unterscheidung der Geschlechter ist die Bestimmung der Jungvögel, obwohl bei ihnen die Geschlechtszuordnung etwas aufwändiger ist. Jungvögel aller drei Arten weisen ein auf kastanienbraunem Grund auffällig weiß gepunktetes oder gestricheltes Gefieder im oberen Rücken- und im Schulterbereich auf.

Stimme Das Stimmrepertoire von Blaukehl- und Berghüttensänger ist vergleichsweise einfach; sie verfügen hauptsächlich über wie kje klingende Rufe, die einzeln und scharf oder in langen Rufreihen geäußert werden. Daneben sind leise zwitschernde Laute zu hören. Bedeutend vielfältiger sind die Gesänge und Rufe des Rotkehl-Hüttensängers. Sein Gesang ist volltönend und abwechslungsreich. In der Klangfarbe erinnert er etwas an den der heimischen Amsel, ist aber kürzer und weniger melodiös. Daneben sind leise schwätzende Rufe und harte chuck-Alarmrufe zu vernehmen. In aggressiv gestimmten Situationen ist von allen drei Arten Schnabelknappen zu hören.

Verbreitung und Lebensraum mini|hochkant=1.5|Verbreitungsgebiet der Gattung Sialia- Die Überwinterungsgebiete sind nicht eingezeichnet

Die Verbreitung der Hüttensänger ist auf Nordamerika und den nördlichen und zentralen Teil Mittelamerikas beschränkt.

Das größte Verbreitungsgebiet weist der Rotkehl-Hüttensänger auf, der von Südkanada bis an die Golfküste und vom Atlantik bis in die Great Plains, entlang der Flussläufe bis an die östlichen Vorberge der Rocky Mountains verbreitet ist. Zusätzlich besiedelt er große Gebiete im zentralen Mexiko. Seine Vorkommen reichen, inselartig aufgesplittert bis ins zentrale Nicaragua.

Auch das Brutgebiet des Berghüttensängers ist sehr groß. Es reicht vom Yukon im nördlichen Alaska über die Rocky Mountains südwärts bis in die südwestlichen USA und ins nördlichste Mexiko.

Etwas kleiner und fragmentierter ist das Verbreitungsgebiet des Blaukehl-Hüttensängers. Es besteht aus zwei größeren, zusammenhängenden Bereichen und einigen kleinen Verbreitungsinseln dazwischen. Der nördliche Bereich beginnt in Britisch-Kolumbien und verläuft entlang der Pazifikküste südwärts bis in nördliche Niederkalifornien. Der größere südliche und zentralamerikanische Verbreitungsteil reicht von den zentralen USA südwärts bis in den Vulkangürtel des zentralen Mexikos.

Die Überwinterungsgebiete von Rotkehl- und Blauhüttensänger liegen in den südlichen Brutgebieten der beiden Arten, beim Berghüttensänger reichen sie weit ins südliche Mexiko.

Lebensräume Hüttensänger sind Bewohner offener, locker baumbestandener Landschaften. Sie besiedeln lichte Kiefernwälder, Wälder nach Bränden und Sturmereignissen, lichte Eichen-Kiefern-Mischwälder und Kiefern-Wacholder-Bestände, der Berghüttensänger auch alpine Matten und locker baumbestandene Tundra. Sie können sowohl Feuchtgebiete als auch Trockensavannen und Halbwüsten bewohnen. Gegenden mit zu dichtem Baumbestand und dichtem Bodenbewuchs werden ebenso gemieden wie intensiv genutztes Agrarland. Ebenso kommen sie auf Farmland, insbesondere Weiden, in großen Obstgärten, Parks und Friedhöfen und entlang von Straßen und Bahnlinien vor, wo sie in Telegraphenmasten Nistgelegenheiten finden können. Durch das zahlreiche Ausbringen von Nistkästen konnten sie auch in die Grüngebiete großer Städte und in größere Hausgärten vordringen.

Rotkehl-Hüttensänger und Blaukehl-Hüttensänger sind sowohl Bewohner der Niederungen als auch von Höhen von bis 2400 respektive 2900 Metern. Die höchsten Siedlungsdichten des Blaukehl-Hüttensängers liegen in der submontanen und montanen Zone zwischen 1500 und 2400 Metern.HabitatHabitat Der Berghüttensänger kommt im Norden seines Verbreitungsgebietes in geringen Höhen und nahe dem Meeresspiegel vor, besiedelt in den zentralen Rocky Mountains jedoch auch Gebiete in Höhen über 3000 Metern. Die höchstgelegenen Brutplätze wurden in fast 4000 Metern Höhe festgestellt.Habitat

mini|hochkant=1|links|Wintergruppe von Blaukehl-Hüttensängern in der Nähe von Tucson

Die Winterhabitate ähneln stark den Bruthabitaten, sind jedoch meist noch offener als diese. Oft überwintern Hüttensänger in nur mit Wüsten-Beifuß und anderen Trockenbüschen bestandenen Halbwüsten.

Die Größen der Brutterritorien schwanken zwischen einigen 1000 Quadratmetern und einigen Hektar. Beim Berghüttensänger scheinen sie im Durchschnitt am größten zu sein.Behaviour Die Territorien liegen um die Bruthöhle; vor allem diese wird intensiv gegen Höhlenkonkurrenten verteidigt. Die Verteidigung der Nahrungsterritorien ist regional und individuell unterschiedlich; bei Nistkastenbrütern des Rotkehlhüttensängers scheint sie am geringsten ausgebildet zu sein, sie zeigen fast ein koloniehaftes Brüten mit einer auffälligen Bevorzugung von Nistkästen in räumlicher Nähe (10–40 Meter) zu anderen, von Artgenossen besetzten Nistkästen.Behaviour Bei den beiden anderen Arten liegen die geringsten Abstände zwischen besetzten Bruthöhlen bei etwa 100 Metern. Im Winter werden neben Einzelterritorien auch Gruppenterritorien errichtet und verteidigt, die meist aus einem Elternpaar und ihren Nachkommen und weiteren adulten Vögeln bestehen, die offenbar keinen Reproduktionserfolg hatten.

Wanderungen Keine der drei Arten ist ein obligater Zugvogel, jedoch verlassen viele der im Norden ihres Verbreitungsgebietes brütenden Vögel außerhalb der Brutzeit ihr Brutgebiet. Die meisten Hüttensänger der südlichen USA, Mexikos und Mittelamerikas sind Standvögel, oder Vögel, die sehr kleinräumige, vor allem vertikale Wanderungen unternehmen. In urbanen Gebieten, hauptsächlich des südöstlichen Kanadas und der nordöstlichen USA, überwintern auf Grund der intensiven Winterfütterungen und der günstigeren städtischen Temperaturen auch viele Rotkehl-Hüttensänger. Am geringsten ausgeprägt ist die Neigung zu weiten Zugdistanzen beim Blaukehl-Hüttensänger.Migration Er zieht vor allem vertikal in tiefer gelegene Gebiete, oder sucht bei Nahrungsmangel oder sehr schlechten klimatischen Bedingungen relativ kleinräumig günstigere Regionen auf. Auch der Rotkehl-Hüttensänger ist mehrheitlich ein Standvogel oder ein Teilzieher. Nur die nördlichsten Populationen räumen weitgehend ihr Brutgebiet und streifen südwärts ab. Deren Zugdistanzen liegen bei etwa 2000 Kilometern, in Ausnahmefällen aber auch deutlich darüber. Gelegentlich erreichen Rotkehl-Hüttensänger die Bahamas und Kuba.Migration

Der Berghüttensänger zeigt von den drei Arten die größte Wanderbereitschaft. Die Vögel Alaskas, Kanadas und der nördlichen USA sind weitgehend obligate Langstreckenzieher deren Zugdistanzen zum Teil über 6000 Kilometer liegen.Migration

Hüttensänger ziehen vor allem nachts. Zuggruppen von mehreren hundert Individuen kommen vor, sind jedoch selten. Meist ziehen Hüttensänger in kleinen Gruppen von weniger als 30 Vögeln.

Kontaktzonen Obwohl zwischen den Arten ausgedehnte Kontaktzonen bestehen, sind Mischbruten sehr selten. Zwischen Rotkehl- und Blaukehl-Hüttensänger wurde nur eine Mischbrut in Gefangenschaft bekannt.Systematics Der Berghüttensänger hybridisiert in den Kontaktgebieten sowohl mit dem Rotkehl-Hüttensänger als auch mit dem Blaukehl-Hüttensänger. Auch Hybride dieser Arten brüten fertil mit reinerbigen Individuen und anderen Hybriden. Eine große, über 8000 Brutpaare umfassende Untersuchung in der kanadischen Provinz Manitoba, wo die Brutgebiete von S. sialis und S. currucoides überlappen, ergab einen Anteil von visuell klar feststellbaren Mischbruten von etwas über einem halben Prozent. Die Hybriden tragen die Gefiedermerkmale beider Elternteile, der Gesang von Hybriden zwischen S. sialis und S. cucurrcoides ähnelt stärker dem des Rotkehl-Hüttensängers.Systematics

Nahrung und Nahrungserwerb mini|hochkant=1|Hüttensänger sind vor allem Wartenjäger. Hier ein männlicher Rotkehl-Hüttensänger mini|hochkant=1|Weiblicher Berghüttensänger mit erbeuteter Libelle