mini|Augsburger Zeughaus mini|Berliner Zeughaus mini|Das Bremer Zeughaus im 18. Jahrhundert mini|Innenhof des Innsbrucker Zeughauses im 16. Jahrhundert mini|Zeughaus Berlin, um 1780 mini|Graz, Blick ins Innere des Landeszeughauses mini|Das Alte Zeughaus in Solothurn thumb|Zeughaus Wolfenbüttel Als Zeughaus wird ein Gebäude bezeichnet, in dem Waffen und militärische Ausrüstungsgegenstände gelagert und instand gesetzt wurden. Heute erfüllen Arsenale die ursprüngliche Aufgabe der Zeughäuser, nur in der deutschsprachigen Schweiz wird der Begriff Zeughaus noch im eigentlichen Sinn verwendet.

Der Begriff Zeughaus wird auch für die Gebäude von Feuerwehren verwendet, gelegentlich auch für historische Gebäude, in denen Jagdgerät oder andere Gerätschaften aufbewahrt wurden.Ein Jagdzeughaus war zum Beispiel das Zeughaus im Großen Zschand in der Sächsischen Schweiz oder das Jagdzeughaus Kranichstein des hessisch-darmstädtischen Jagdschlosses Kranichstein

Bezeichnungen Wie anderes Gerät wurden Waffen früher Zeug genannt. Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit wurden die Bezeichnungen Zeughaus, Armamentarium (auch für anderes InstrumentariumJohannes Scultetus: Cheiroplothēkē, Seu D. Joannis Sculteti, Physici et Chirurgi apud Ulmenses olim felicissimi, Armamentarium Chirurgicum XLIII. […]. Kühnen, Ulm 1655; deutsche Übersetzung: Wund-Artzneyisches Zeug-Hauß. […]. Gerlin, Frankfurt am Main 1666.Franz Xaver Ritter von Rudtorffer: Armamentarium chirurgicum selectum, oder Abbildung Und Beschreibung Der Vorzüglichsten Älteren Und Neueren Chirurgischen Instrumente. Die Kupfertafeln gestochen von Ponheimer. Strauss, Wien 1817 (1820). gebraucht), Rüstkammer und Arsenal oft synonym verwendet, wobei die Bezeichnung Zeughaus bis zum 17. Jahrhundert überwog.

Den Verwalter sowie Verantwortlichen für das Zeughaus bezeichnete man als ZeugkapitänFriedrich Nicolai: Beschreibung der königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam (alternativ). Bd. 2. 1786. S. 914. oder Zeugmeister. Der Zeugwart hatte die Aufsicht über die Waffen.

Historische Bedeutung Zeughäuser waren Nutzbauten, die neben der militärischen auch eine symbolisch-repräsentative Zweckbestimmung besaßen. Diese Gebäude wurden in der frühen Neuzeit häufig in der Nähe von Residenzen errichtet. Die Positionierung eines Zeughauses innerhalb eines Residenzortes war nicht festgelegt und hing von der jeweiligen lokalen Ortsstruktur ab.

Schon früh waren Zeughäuser mehr als bloße Waffenlager. Durch die bewusste Aufbewahrung altertümlicher Waffen, die fremden Besuchern gern gezeigt wurden, wurden sie zu Vorläufern der heutigen Museen. Ein Beispiel ist das Landeszeughaus in Graz, das die weltweit größte historisch gewachsene Sammlung an Harnischen, Helmen, Blankwaffen, Gewehren und Pistolen beherbergt.

Neben den Objekten selbst sind auch die Aufzeichnungen der Zeughäuser von großem Interesse für die Historiker. Daraus können die Ankäufe von Waffen und Rüstungen nachvollzogen werden. Die Preise und Stückzahlen geben Aufschluss über den Bedarf an Ausrüstung sowie den Haushalt des Militärs. Darüber hinaus finden sich in den Archiven Hinweise auf die Vorlieben der Soldaten und Umwälzungen in der Militärtechnik, z. B. durch den Ankauf neuer Ausrüstung.

Bekannte Zeughäuser Deutschland Augsburg, Zeughaus (1602–1607) Berlin, Zeughaus (1695–1729) Bremer Zeughaus (16.–19. Jahrhundert) Dresden Dresdner Zeughaus (1559–1563), heutiges Albertinum Arsenal, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr Ostfriesisches Landesmuseum Emden (Rüstkammer) Germersheim, Zeughaus, heutiges Deutsches Straßenmuseum Gießen, Zeughaus Zeughaus Hanau (1782–1953) Hannover Zeughaus am Hohen Ufer, 1643 bis 1649 errichtetes Zeughaus, heute Teil des Historischen Museums Hannover Zeughaus am Waterlooplatz, in der Nachkriegszeit am Waterlooplatz abgerissenes Zeughaus Marstall Heidelberg, 1510 errichtet, heute als Mensa des Studentenwerkes genutzt Ingolstadt, Zeughaus Kassel, Zeughaus (1581–1583) Köln, Zeughaus, heute Kölnisches Stadtmuseum Kulmbach Arsenalbau der Residenz und Landesfestung Plassenburg Leipzig, (erstes) Gewandhaus, 1498 ursprünglich als Zeughaus erbaut Lübeck, Zeughaus, 1594 im Stil der niederländischen Backsteinrenaissance Lüneburg, das 1482 errichtete Glockenhaus diente dem Guss von Glocken und Geschützen und als Zeughaus Mannheim, Zeughaus Mainz Altes Zeughaus Mainz Neues Zeughaus Mainz München, landesherrliches Zeughaus, heute: Gebäude der Hochschule München (HM) München, städtisches Zeughaus, Münchener Stadtmuseum Neuss, Zeughaus Nürnberg, Pfannenschmiedsgasse 2 mini|Oldenburg, ehem. Zeughaus (erbaut 1861–64, Architekt Hillerns)Oldenburg Zeughaus (Sächsische Schweiz) Schloss Schwarzburg, Zeughaus, 1550/1560 erstmals erwähnt Schwäbisch Hall, Zeughaus Schweinfurt, Zeughaus Schwerin, Arsenal am Pfaffenteich Stade, Zeughaus (1697–1699 erbaut) Überlingen, Zeughaus von 1650 bis 1803 Wismar, Zeughaus Zeughaus Ulm, 1433 erstmals erwähnt, Erweiterungen im 16. und 17. Jahrhundert Zeughaus (Villingen) Museum der städtischen Sammlungen im Zeughaus, Wittenberg Zeughaus (Weimar) Zeughaus in Wolfenbüttel, errichtet 1613–1618 von Paul Francke, Nutzer ist seit 1974 die Herzog August Bibliothek.Zeughaus in Wolfenbüttel, auf gutachter-lehne.de, abgerufen am 10. März 2022 (im Internet Archive).

Österreich Graz, Landeszeughaus Innsbruck, Zeughaus (1500–1505) Wien, Kaiserliches Zeughaus (Unteres Arsenal) Wien, Kaiserliches Zeughaus (Oberes Arsenal) Wien, Bürgerliches Zeughaus

Schweiz Rapperswil, Altes Zeughaus Solothurn, Museum Altes Zeughaus Brig-Glis, Zeughaus Kultur Zeughaus mit Grubenmann-Sammlung, Teufen AR

Weitere Länder mini|Die Arsenales de Guerra in Santiago (um 1915) Chile Santiago de Chile, Arsenales de Guerra („Kriegsarsenale“), 1896 unmittelbar am Paradeplatz der Stadt erbaut, zugleich als Artillerie-Kaserne Großbritannien London, Tower of London Polen Danzig, Großes Zeughaus (1600–1609) Thorn, Artillerie-Zeughaus von 1824 Russland Moskau, Arsenal des Kremls Moskau, Rüstkammer des Kremls

Literatur

Hartwig Neumann: Das Zeughaus. Die Entwicklung eines Bautyps von der spätmittelalterlichen Rüstkammer zum Arsenal im deutschsprachigen Bereich vom XV. bis XIX. Jahrhundert. 2. Auflage. Berard & Graefe Verlag, Bonn 1994 (zugl. Dissertation, RWTH Aachen 1990). Werner Paravicini (Hrsg.), Jan Hirschbiegel, Jörg Wettlaufer: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. 2 Bände. Thorbecke, 2003, ISBN 3-7995-4515-8. Daniel Burger: Waffenkammern und Zeughäuser in Mittelalter und Früher Neuzeit zwischen Funktion und Repräsentation. In: Olaf Wagener (Hrsg.): Symbole der Macht? Aspekte mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Architektur (Beihefte zur Mediävistik Bd. 17), Peter Lang Verlag, Frankfurt a. Main u. a., 2012, S. 407–428, ISBN 978-3-631-63967-2. Klaus A. Zugermeier: Leben und Werk des großherzogl.-oldenburg. Oberbaurats Hero Diedrich Hillerns. Holzberg, Oldenburg 1982, ISBN 3-87358-172-8.

Weblinks Fürstliches Zeughaus Schwarzburg, eine Einrichtung des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg Landeszeughaus Graz, eine Einrichtung des Universalmuseums Joanneum

Einzelnachweise

he:בסיס צבאי#מחנה צבאי זמני