mini|hochkant|Staatskarosse von Katharina II. (Eremitage St. Petersburg) mini|Mehrere als Staatskarossen beflaggte BMW-Limousinen fahren während der Amtseinführung des taiwanischen Präsidenten Lai Ching-te zur Inaugurationsfeier in Taipei (Mai 2024) mini|hochkant|Benedikt XVI. in einer Staatskarosse Eine Staatskarosse ist ein repräsentatives Fahrzeug für höchste Amtsträger eines Staates und Staatsgäste.

Staatskarosse leitet sich aus dem französischen carosse ab und bezeichnet eine prächtige, vierrädrige Kutsche. Hauptsächlich waren diese oftmals vier-, teilweise auch sechsspännigen Karossen dem hohen Adel vorbehalten.

Staatskarossen sind aufgrund verschiedener politischer Gepflogenheiten sehr unterschiedlich. Sie reichen von prachtvollen Landaulets für Paraden bis zu gepanzerten Sonderschutzfahrzeugen. Gemeinsam ist, dass sie von einem Chauffeur gesteuert werden und eine Standarte gesetzt werden kann. Häufig werden einheimische Fahrzeughersteller bevorzugt.

Ägypten Die Staatskarosse des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak war bis Februar 2011 eine schwarz gepanzerte Mercedes-Benz S-Klasse aus dem Jahr 1998. Dieses Fahrzeugmodell hatte ihn bereits 1995 in Äthiopien vor Gefahren bewahrt. Abd al-Fattah as-Sisi nutzt derzeit eine schwarze, gepanzerte Version der Mercedes-Benz S-Klasse aus dem Jahr 2013. Sein Fahrzeug ist mit einem speziellen schwarzen Nummernschild ausgestattet, auf dem das Präsidentenwappen über einer arabischen 1 zu sehen ist. Minister und hochrangige Regierungsbeamte werden gelegentlich in schwarzen 7er BMWs oder Audi A8s gesichtet, die alle spezielle Regierungskennzeichen tragen. Die parlamentarischen Fahrzeuge hingegen sind oft Mercedes-Benz E-Klassen.

Australien mini|Dienstwagen des Premierministers John Howard im Mai 2007 Seit Beginn der Ministerpräsidentschaft von Tony Abbott 2013 wird in Australien ein weißer BMW 7er als Fahrzeug der Regierungsspitze verwendet. Der Ministerpräsident sitzt dabei in der Regel vorne links auf dem Beifahrersitz. Vorher wurden die Spitzenmodelle von Holden wie der Statesman oder zuletzt der Caprice verwendet. General Motors, der Eigentümer der australischen Traditionsmarke Holden, stellte die Produktion von Automobilen in Australien 2017 ein. Die australische Flagge ist zentral vorne auf der Motorhaube befestigt. Das weiße Kennzeichen, markiert mit „C of A“, ist „C1“, wobei das „C“ für „Commonwealth“ steht – der offizielle Name des Landes ist Commonwealth of Australia.

Der Generalgouverneur als Abwesenheitsvertreter des Monarchen hat eine Krone auf dem Kennzeichen.

Deutschland In Deutschland fahren Staatsmänner ausschließlich Fahrzeuge deutscher Marken, zumal Daimler und Benz den modernen PKW erfunden haben und immer wieder standesgemäße Oberklasse-Fahrzeuge im Angebot hatten. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg konnten Staatsbesuche durch Fotos und Filmberichte gleich in mind. zwei Ländern werbewirksam sein. Kaiser Wilhelm II. wurde auch noch im Exil mit einem „großen“ Mercedes-Benz 770 beliefert, ebenso die Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und Adolf Hitler. In dieselbe Luxuswagenkategorie fielen Horch 12 oder der Maybach Zeppelin DS 8.

Bundesrepublik Deutschland mini|Die Queen im offenen Mercedes 600 Pullman, Inbegiff der deutschen Staatskarosse

Auch in Zeiten der Bundesrepublik wurde meist Mercedes-Benz gefahren zumal der Mercedes-Benz 300 bereits 1951 ausgeliefert wurde während BMW und Borgward nur kleinere schwächere PKW ankündigen konnten. Der Mercedes 300, mit dem Konrad Adenauer bei de Gaulle vorfuhr und sogar in Moskau unterwegs war, wurde im Volksmund „Adenauer“ genannt. Eines der Dienstfahrzeuge steht inzwischen im „Haus der Geschichte der Deutschen Bundesrepublik“.

Lediglich bayerische Politiker bevorzugten im Freistaat hergestellte große BMW oder Audi sobald geeignete Fahrzeuge im Angebot waren. In Nordrhein-Westfalen und Hessen kamen zeitweise auch große Opel-Modelle wie Kapitän, Diplomat B und Senator zum Einsatz. Im Laufe der 1990er-Jahre konnte sich besonders Audi profilieren und in letzter Zeit auch Volkswagen mit dem VW Phaeton. Inzwischen ist es üblich, dass der Bundeskanzler alle deutschen Oberklasse-Limousinen außer Porsche und Maybach im Fuhrpark hat. Hersteller sind Audi, BMW, Mercedes-Benz und VW. Üblicherweise handelt es sich um Sonderschutzfahrzeuge. Ausländische Staatsgäste reisen innerhalb Deutschlands in der Regel ebenfalls in Oberklasse-Limousinen deutscher Hersteller, mit Ausnahme der US-Präsidenten.

mini|Audi A8 des chinesischen Premiers Li Qiang während eines Deutschland-Besuchs im Juni 2023

Beispiele für bundesdeutsche Fahrzeuge und Politiker: Mercedes-Benz 300, 300 c lang, und 300d: Theodor Heuss und Konrad Adenauer Mercedes-Benz 600: diverse Bundespräsidenten und deren Staatsgäste (diese Fahrzeuge wurden stets von Mercedes-Benz angemietet) Mercedes-Benz S-Klasse (W 108 und W 116): Willy Brandt Mercedes-Benz S-Klasse (W 116 und ab 1979 W 126): Helmut Schmidt Mercedes-Benz S-Klasse (W 126 und W 140): Helmut Kohl BMW 7er (E23): Franz Josef Strauß, Friedrich Zimmermann Audi A8 (D2): Gerhard Schröder VW Phaeton: Gerhard Schröder Aktuelle Kanzlerfahrzeuge: Mercedes-Benz S 600 Guard (V 222), Audi A8 L W12 6.0, 7er BMW (G11/G12). Elektrofahrzeuge, die besonders spurtstark sind und mit großem Batteriepaket im Unterboden gut gegen Minen geschützt sind, sind bislang nicht als Sonderschutzversionen bekannt.

DDR mini|Citroen CX 25 Prestige Turbo 2 von Erich Honecker In der Deutschen Demokratischen Republik wurden trotz der Werke von BMW in Eisenach und Horch in Zwickau keine Oberklassen-PKW hergestellt. Es wurde neben sowjetischen Erzeugnissen wie GAZ-13 Tschaika und GAZ-14 Tschaika aus dem Gorkowski Awtomobilny Sawod und ZILs vor allem Fahrzeuge von Tatra, Volvo und Citroën als Staatskarossen eingesetzt. Bis in die 1970er-Jahre war zumeist der Tatra 603 im Einsatz, als Nachfolger für den T603 kam der Tatra 613 zum Einsatz. Später wurden Volvo-Modelle der 200er- und 700er-Reihe verwendet, dadurch wurde die Politikerkolonie Wandlitz „Volvograd“ genannt. Auch der mit hydropneumatischer Federung ausgestattete Citroën CX wurde eingesetzt, davon gab es in der Ausführung Prestige 35 Fahrzeuge im Fuhrpark von Erich Honecker, darunter 10 gepanzerte Exemplare. Im letzten Jahr der DDR, 1989, wurden noch zwei von Nilsson in Schweden verlängerte Exemplare bestellt, die aber aufgrund der friedlichen Revolution in der DDR nicht mehr zum Einsatz kamen.

Auch die anderen Fahrzeuge besaßen teilweise verlängerte Karosserien. So gab es von der Volvo 200er- und 700er-Reihe Spezialaufbauten von Volvo (Volvo 264 TE (Top Executive)) oder Carlson in Schweden.

Finnland Der Präsident der Republik Finnland nutzt einen gepanzerten Mercedes-Benz S 600L mit dem Wappen Finnlands anstelle eines Nummernschildes. Ein ähnliches Auto wird durch den Parlamentspräsidenten eingesetzt, während der Ministerpräsident einen gepanzerten Mercedes-Benz S 450 CDI als offizielles Fahrzeug nutzt.

Die meisten finnischen Kabinettsmitglieder fahren einen Audi A6, aber auch Fahrzeuge vom Typ Volvo S80 und Saab 9-5 gehören zum Fuhrpark der Regierung.lebendom.com

Frankreich mini|Citroen DS Présidentielle von Charles de Gaulle (1963) mini|Simca Présidence, genutzt von den Präsidenten de Gaulle und Pompidou In Frankreich fuhren Politiker und Präsidenten im Laufe der Jahrzehnte die unten angegebenen Fahrzeuge. Aus der langen Reihe von Staatskarossen sticht besonders der von Charles de Gaulle geschätzte Citroën DS hervor, der ihm beim Attentat von Petit-Clamart sogar das Leben rettete. Renault 40 CV (1920): Paul Deschanel, Alexandre Millerand, Gaston Doumergue Peugeot Typ 156 (1920): Alexandre Millerand Renault Reinastella (1931): Paul Doumer, Albert Lebrun Renault Nerva Grand Sport (1938): Albert Lebrun

Renault Suprastella (1941): Philippe Pétain, Vincent Auriol Talbot-Lago T26L (1950): Vincent Auriol Citroën Traction Avant mit modernen Spezialkarosserien (Limousine von Franay und Cabriolet von Chapron, 1955): René Coty, Charles de Gaulle Simca Vedette Présidence (1959): Charles de Gaulle, Georges Pompidou

mini|Peugeot 604 in Sonderausführung eingesetzt von Valéry Giscard d’Estaing Citroën DS 19 (1962): Charles de Gaulle, Georges Pompidou Citroën DS Chapron (1968): Charles de Gaulle Citroën SM Presidentielle (1972): Georges Pompidou, Valéry Giscard d’Estaing, François Mitterrand, Jacques Chirac Citroën DS 21 (1974): Valéry Giscard d’Estaing Peugeot 604 (1975): Valéry Giscard d’Estaing Citroën CX Prestige (1976): Valéry Giscard d’Estaing

Renault 30 (1981): François Mitterrand Renault 25 (1984): François Mitterrand Citroën XM: François Mitterrand, Jacques Chirac Renault Safrane (1992): François Mitterrand, Jacques Chirac Peugeot 605: Jacques Chirac Peugeot 607 (1999): Jacques Chirac, Nicolas Sarkozy

mini|DS5 Hybrid des Präsidenten Hollande (2012) Citroën C6 (2005): Jacques Chirac, Nicolas Sarkozy, François Hollande, Emmanuel Macron Peugeot 607 Paladine (2007): Nicolas Sarkozy Renault Vel Satis (2008): Nicolas Sarkozy Citroën DS5 Hybrid4 (2012): François Hollande DS5 (2015): François Hollande Renault Espace V (2016): François Hollande, Emmanuel Macron DS 7 Crossback (2017): Emmanuel Macron Peugeot 5008 II (2017): Emmanuel Macron Renault Rafale (2025): Emmanuel Macron

Griechenland Als Staatskarossen wurden schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart Modelle von Mercedes-Benz eingesetzt. Wenige Ausnahmen bilden ein Packard, in dem 1933 der damalige Ministerpräsident Eleftherios Venizelos knapp einem Attentat entging, sowie ein Maybach Zeppelin in den 1930er Jahren und ab 1970 ein Rolls-Royce Silver Shadow. Dieser Wagen wurde noch während der Monarchie in Griechenland angeschafft und bis 1981 genutzt.

Ab 1981 gehörte eine gepanzerte Mercedes S-Klasse des Typs Mercedes-Benz 500 SEL / W 126 unter Konstantinos Karamanlis zum offiziellen Fuhrpark des griechischen Staatspräsidenten. Der ihm nachfolgende Staatspräsident Konstantinos Stefanopoulos (1995–2005) nutzte das gleiche Fahrzeug und verzichtete, in Erwartung einer notwendigen Sparsamkeit, auf sein Anrecht, eine neue Staatslimousine zu erhalten.

1991 brach Ministerpräsident Konstantinos Mitsotakis mit der Tradition, die Marke Mercedes als Staatslimousine zu wählen und ließ 16 gepanzerte Fahrzeuge des italienischen Herstellers Lancia (Lancia Thema) für den Gebrauch auf Regierungsebene kaufen. Diese Fahrzeuge blieben kurioserweise über 13 Jahre im Einsatz auf Ministerebene: einen der letzten in Gebrauch befindlichen gepanzerten Lancia Thema erhielt Evangelos Venizelos, der spätere Finanzminister während der griechischen Staatsschuldenkrise, 2001 als Kultusminister. In dieser Funktion war er 2001–2004 für die Koordinierung der Vorbereitung der Olympischen Spiele 2004 verantwortlich. Dabei wurde die Flotte an staatlichen Dienstwagen erneuert, laut Vertragspflichten ausschließlich mit Hyundai-Fahrzeugen, dem offiziellen Auto-Werbepartner der Olympischen Sommerspiele 2004.

Ab 2004 wurden unter der Regierung von Kostas Karamanlis erstmals Regierungsfahrzeuge von Audi (A4, A8) bestellt.