mini|Xu Xiangqian (1955) Xu Xiangqian (, * 8. November 1901 in Wutai; † 21. September 1990 in Peking) war ein führender Politiker und Militär der Kommunistischen Partei Chinas und der Volksrepublik China. Er war einer der zehn Marschälle der Volksrepublik, die bei der Gründung des Staates ernannt wurden, und der einzige der zehn, der aus Nordchina stammte.

Xu gehörte zu den ersten Studenten der Whampoa-Militärakademie, er nahm als Offizier an dem Nordfeldzug teil und wurde Mitglied der KPC. Während des Ersten Chinesischen Bürgerkriegs nahm er am Aufstand in Guangzhou teil. Er befehligte die Rote Armee gegen die Belagerung der Armee der Kuomintang gegen die von den Kommunisten besetzten Gebieten im Jinggang-Gebirge. Auf dem Langen Marsch befehligte er die Vierte Armee der Kommunisten. Danach leitete er eine fehlgeschlagene Expedition auf dem Nordufer des Gelben Flusses. Während des Japanisch-Chinesischen Krieges war er stellvertretender Kommandeur der 129. Division der 18. Armee. Er eröffnete in Hebei und Shandong zwei Basen hinter den japanischen Linien. Während des zweiten Chinesischen Bürgerkriegs besetzte die kommunistische Armee unter seiner Führung nach einer Serie von Schlachten die Provinz Shanxi. Nach der Errichtung der Volksrepublik wurde Xu Generalstabschef und Vizepräsident der Militärkommission und der Verteidigungskommission. In der Kulturrevolution geriet er in Zusammenhang mit dem „Februargegenstrom“ (). Nach dem Tod von Mao Zedong wurde er Verteidigungsminister. Er beendete während seiner Amtszeit offiziell das über 20 Jahre währende „Kanonenduell“ mit Taiwan.

Frühe Jahre Xu wurde in einem Dorf im Kreis Wutai, Provinz Shanxi geboren. Seine Familie gehörte zu den lokalen Größen. Jedoch ging das Geschäft seines Großvaters bankrott, so dass die Familie ihre Stellung verlor. Obwohl sein Vater die kaiserliche Beamtenprüfung bestand, wuchs Xu in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Als Kind musste er im Haushalt aushelfen, Gülle fürs Feld sammeln, Feuerholz schlagen, Wildkräuter suchen, ab und zu auch Körbe flechten. Xu war sehr wissbegierig und fleißig. Als Zehnjähriger wurde er vom Vater in die Dorfschule geschickt, später kam er in die Schule der Kreisstadt, musste jedoch wegen Armut die Schule abbrechen. Ein Verwandter in Fuping nahm ihn für zweieinhalb Jahre als Lehrling in seine Buchhandlung auf.

Im Frühjahr 1919 schrieb ihm sein älterer Bruder, der mittlerweile in Taiyuan arbeitete, und empfahl ihm die neu gegründete Lehramtsschule der Provinz Shanxi. Xu bestand die Aufnahmeprüfung ohne Mühe und kam in die Schnellklasse. Die Schule war nach modernen Standards errichtet, zu den Gastdozenten gehörten unter anderen Persönlichkeiten wie Hu Shi, von denen Xu sehr profitierte. Zu seinen Kommilitonen gehörten spätere Politiker wie Bo Yibo und Cheng Zihua. 1921 schloss Xu sein Studium ab und wurde Lehrer. Seine Eltern arrangierten eine Ehe für ihn. Seine Frau starb jedoch kurz nach der Geburt ihrer Tochter. Nach dem Ausbruch des Japanisch-Chinesischen Krieges wurde seine Tochter nach Yan’an gebracht. mini|links|150px|Xu in der Nationalen Revolutionsarmee

Im Januar 1924 hörte Xu von der Militärakademie, die die Sun Yat-sen Regierung in Guangzhou vorbereitete und dass die Akademie in Shanghai gerade Studenten rekrutierte. Im Februar fuhr er mit einigen Freunden nach Shanghai, um an der Aufnahmeprüfung teilzunehmen. Im April wurde er als ein der ersten Studenten an der Whampoa-Militärakademie aufgenommen. Er wurde Mitglied der Kuomintang. Im September begleitete seine Einheit Sun Yat-sen als Leibwächter nach Shaoguan, um die Nordexpedition vorzubereiten. Währenddessen zettelten unzufriedene Kaufleute in Guangzhou einen Aufstand an. Die Whampoa-Studenten wurden zur Niederschlagung des Aufstandes mobilisiert, das war die erste Kampfhandlung der Absolventen. Ende November bestand Xu erfolgreich die Abschlussprüfung der Akademie. Er wurde in der Akademie als Ausbilder und Platoonführer eingestellt.

Im Februar 1925 nahm Xu erfolgreich an dem Krieg gegen den Warlord von Guangdong, Chen Jiongming, teil. Ende Mai wurde Guangzhou von den Warlords aus den Nachbarprovinzen belagert. Die Whampoa-Truppen eilten zurück und befreiten Suns provisorische Hauptstadt. Später wurde Xu nach Henan abkommandiert. In der Nationalen Revolutionsarmee unter Führung von Feng Yuxiang wurde er Trainer und Stabsoffizier. Nach der Niederlage von Feng kehrte Xu zuerst in seine Heimat zurück, ging später wieder nach Süden, um Anschluss an die Revolutionäre zu finden. Im November 1926 ging Xu über Shanghai nach Wuhan und wurde wieder Militärausbilder. Im März 1927 wurde er Mitglied der KPC, im Juni Stabsoffizier von Zhang Fakui.

Erster Chinesischer Bürgerkrieg Guangzhou-Aufstand Am 12. April 1927 begann Chiang Kai-shek die Säuberung der Kuomintang von den Kommunisten. Am 15. Juli schwenkte die Wang Jingwei Regierung in Wuhan ebenfalls auf dem Kurs der Kommunistenverfolgung um. Am 1. August starteten die Kommunisten unter Führung von Zhu De, Zhou Enlai und Ye Ting den Nanchang-Aufstand. Damit begann der erste chinesische Bürgerkrieg.

Xu wurde von der Kommunistischen Partei über Shanghai nach Guangzhou geschickt, um den Guangzhou-Aufstand zu organisieren. Die Aufständischen wurden in die 4. Rote Division umorganisiert. Xu wurde zuerst Parteikommissar des 10. Regiments, später Divisionsstabschef und Divisionskommandeur. Die 4. Division vereinigte sich mit der 2. Roten Division und führte einen Guerillakrieg in der Guangdong Provinz. Nach der Zerschlagung des Aufstandes gelangte Xu mit Hilfe der im Untergrund operierenden Kommunisten über Hongkong und Shanghai nach Dabie Shan.

Die ersten drei Belagerungen 1929 entsandte das Zentralmilitärkommittee der KPC Xu nach Nordosten von Hubei. Ab Juni wurde er stellvertretender Divisionskommandeur der 31. Division. Unter seiner Führung errang die Truppe zahlreiche Siege und wuchs auf über 700 Mann. Im November verfasste er mit anderen zusammen eine Schrift über die Erfahrungen des Guerillakampfes. Ende des Jahres heiratete Xu Xiangqian eine Soldatin. mini|links|180px|Xu Xiangqian in der Roten Armee

Im Frühjahr 1930 wurde Xu zum stellvertretenden Korpskommandeur des 1. Korps und zum Kommandeur der 1. Division ernannt. Seine Truppe operierte entlang der südlichen Strecke der Eisenbahnlinie zwischen Peking und Hankou. Xus Truppen vernichteten vom Juni bis August zwei Regimenter, zwei Brigaden und besetzten Xinzhou. Gleichzeitig entsandte Chiang Kai-shek acht Divisionen und begann mit der ersten Belagerung der von Kommunisten besetzten Gebiete. Bis zum Frühjahr vernichteten Xus Truppen insgesamt fünf feindliche Brigaden. Das 1. und 15. Korps wurden zum 4. Korps fusioniert, Xu wurde Stabschef. Er testet eine neue Taktik aus, indem er Teile der feindlichen Truppen belagerte und die Truppen vernichtete, die zur Hilfe kamen. In mehreren Schlachten zerschlug er ein Regiment und nahm einen Divisionskommandeur gefangen.

Im April 1931 begann die Komingtang-Regierung mit der zweiten Belagerung. Als Oberkommandierender wurde He Yinqin ernannt. Insgesamt fünf Divisionen wurden zusammengezogen, drei kamen aus Norden und zwei aus Süden. Zielsetzung war es, innerhalb eines Monats die kommunistischen Gebiete zu befrieden. He jedoch wollte nicht gegen die Kommunisten kämpfen, stattdessen schickte er Unterhändler, um mit dem Roten Armee zu verhandeln. Seine Friedensgesten stießen jedoch nicht auf Gegenliebe. Unter Xu griff das Vierte Rote Korps die gegnerischen Truppen aus dem Süden an und errang mehrere Siege. Währenddessen wurde Zhang Guotao als Politkommissar zum Vierten Korps gesandt. Zwischen Zhang und der militärischen Führung kam es jedoch zu gravierenden Meinungsverschiedenheiten. Nach den Siegen wünschte sich Zhang, dass die Truppen nach Osten marschierten, um die chinesische Hauptstadt Nanjing direkt zu bedrohen. Xu fand die Idee unpraktikabel. Stattdessen verstärkte er seinen Angriff gegen die Südarmee und beendete dadurch die zweite Belagerung.

Zhang verlangte die Umkehr der Truppen. Die Mehrheit der Kommandeure war jedoch dagegen. Zhang schrieb einen Brief an die Parteizentrale und beschuldigte die Kommandeure, sie würden sich der Parteiführung widersetzen. Im September erhielt Zhang die Erlaubnis der Zentrale, eine Säuberung durchzuführen. Zhang beschuldigte mehrere Kommandeure, sie seien in der Wirklichkeit Spione des Feindes. Als Militärkommandeur durfte Xu sich nicht in politische Angelegenheiten einmischen. Allerdings fiel auch seine Frau der Säuberung zum Opfer. Der Grund ihres Todes wurde Xu jedoch verheimlicht, er erfuhr den wahren Grund erst 1937.

Im November 1931 wurden das 4. und das 25. Korps zum Vierten Großverband zusammengefasst. Xu war der Korpskommandeur des 4. Korps. Der Großverband hatte insgesamt 30.000 Mann. Zu dieser Zeit hatte Chiang die Dritte Belagerung der Sowjetzone gestartet, diesmal mit 15 Divisionen. In der Schlacht von Huang’an zerschlug Xu die 69., die 33. und Teile der 31. Division, nahm einen Divisionskommandeur gefangen. Anfang 1932 nahm Xu Shangcheng ein. Im März zerschlug er die 7., 46. und 55. Division und nahm den Oberkommandierenden der feindlichen Truppen gefangen. Im Juni wurde das feindliche 20. Korps vom Vierten Großverband vernichtend geschlagen. Damit war die dritte Belagerung gescheitert.

Erster Strategischer Umzug mini|280px|Flagge der Chinesischen Arbeiter und Bauer Roten Armee Nach der Niederlage der Dritten Belagerung leitete Chiang persönlich die Vierte Belagerung ein. Im Juli hielt der Vierte Verband eine Tagung ab, um die weitere Strategie zu diskutieren. Während Xu für ein Abwarten plädierte, schlug Zhang den Angriff vor. Die 1., 2. und 3. Division, die gegen den Vierten Verband eingesetzt wurden, gehörten zur Elitetruppe Chiangs. Auch die Taktik der Kuomingtang-Truppen hatte sich geändert. Sie zogen den Belagerungsring nur vorsichtig und langsam zusammen. Xus Truppen waren auf diese Taktik nicht vorbereitet, auch in der Bewaffnung war er dem Gegner klar unterlegen. In heftigen Stellungskriegen erlitten seine Truppen schwere Verluste. Xu und Zhang telegrafierten im September an die KP-Zentrale und baten um die Rückzugserlaubnis. Die Situation zwang den Vierten Großverband in einer Notversammlung der Kommandeure, aus der Sowjetzone von Hubei abzuziehen. Das 25. Korps wurde als Guerilla zurückgelassen. Im Oktober begann der Großverband nach Westen auszuweichen. Die Kuomintang-Truppen setzten sofort nach und umzingelten den Großverband vollständig. Die Truppen verwickelten sich in heftige Kämpfe. Am Abend des 13. Novembers gelang Xu den Durchbruch. Am 24. November überquerten Xus Truppen Qin Ling und erreichten Shaanxi. Als sie in die Nähe von Xi’an kamen, wurden sie in Kämpfe mit Yang Huchengs Truppen verwickelt. Anfang Dezember überquerte er abermals den Qinling und ließ so die Verfolger hinter sich. Bis dahin blieben vom Vierten Großverband noch 14.400 Mann. Ende Dezember überquerten sie Daba Shan, erreichten Sichuan und errichteten in Tongjiang die Sichuan-Shaanxi-Sowjetzone.