mini|Groucho (links) und Chico Marx (1937) Groucho Marx (geboren 2. Oktober 1890 als Julius Henry Marx in New York; gestorben 19. August 1977 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Schauspieler und Entertainer. Als geistreicher Wortführer der Marx Brothers wurde er zu einem der erfolgreichsten englischsprachigen Komiker.
Leben Kindheit und frühe Erfolge mini|Die Familie Marx, Groucho ganz links, ca. 1915 Die Gebrüder Marx wuchsen in Yorkville in der Upper East Side von Manhattan in einem kleinen, jüdisch geprägten Viertel zwischen größeren deutsch-irischen Gemeinden auf. Vater Simon kam aus dem Elsass und wurde daher „Frenchie“ genannt. Mutter Minnie stammte aus Dornum in Ostfriesland und hatte einen Bruder, Al Shean (eigentlich Albert Schönberg), der mit seinem Partner Edward Gallagher von 1910 bis 1920 ein bekanntes Varietéduo bildete. Er wurde von den Brüdern bewundert und sollte einige Sketche für sie schreiben. Minnie träumte davon, dass ihre Söhne wie ihr Bruder ins Showgeschäft einsteigen.
Der älteste Sohn Leonard (Chico) nahm Klavierunterricht, während Julius eine angenehme Sopranstimme hatte und den Ton halten konnte. Eigentlich wollte er Arzt werden, doch er sollte für die Familie Geld verdienen und musste mit zwölf Jahren die Schule verlassen. Zu dieser Zeit hatte Groucho Bücher (besonders Horatio Alger, Autor von billigen Romanen) geradezu verschlungen und zeitlebens nutzte er sein angelesenes Wissen, um die „verpasste“ formelle Schulbildung auszugleichen. Nach einigen Versuchen, mit Bürojobs und anderen altersgemäßen Tätigkeiten Fuß zu fassen, ging er 1905 als Sänger auf die Bühne. Seine Behauptung, er sei in der Varietéwelt nur mäßig erfolgreich, dafür aber hoffnungslos mittelmäßig gewesen, hat sich später als alberne Witzelei erwiesen. 1909 hatte Minnie es geschafft, ihre Söhne in einen zweitklassigen Varieté Act zu managen. Unter dem Namen „The Four Nightingales“ (Die vier Nachtigallen) traten Groucho, Gummo, Harpo und ein weiterer Junge namens Lou Levy ohne sonderlichen Erfolg in verschiedenen Varietés auf.
Danach zogen sie nach La Grange in Illinois, um den Mittleren Westen zu bespielen. Nach einem besonders trostlosen Auftritt in Nacogdoches, Texas, begannen Groucho, Gummo und Harpo sich auf der Bühne mit Witzen zu unterhalten und zu ihrem großen Erstaunen mochte das Publikum sie als Komiker wesentlich lieber denn als Musiker. Sie schrieben ein damals populäres Stück von Gus Edwards, School Days, um und nannten es Fun In Hi Skule. Mit Variationen dieses Programms tourten sie über sieben Jahre lang durchs Land. In ihrer Zeit im Varieté traten die Brüder mit verschiedenen sprachlichen Akzenten auf. Chico entwickelte einen italienischen Akzent, den er benutzte, um ein paar Schlägern weiszumachen, er sei Italiener und nicht Jude. Grouchos Figur in Hi Skule war ein Deutscher, so dass er diese natürlich mit deutschem Akzent spielte. Dies änderte sich, als die Stimmung nach der Torpedierung der Lusitania 1915 umschlug und sich gegen Deutschland richtete. Daraufhin entwickelte er den schnell sprechenden Schlaumeier, mit dem er berühmt werden sollte.
Bald wurden die Marx Brothers zu gefeierten Stars des Palace Theatre, dem selbsternannten „Walhalla des Varieté“. Chicos Geschäftstüchtigkeit führte zu drei erfolgreichen Bühnenstücken und die Brüder avancierten noch vor ihrer Hollywood-Ära zur Broadway-Sensation.
Höhepunkte der Karriere
mini|Chico und Groucho Marx in dem Film Die Marx Brothers: Ein Tag beim Rennen (1937) Groucho und seine Brüder traten in einer Reihe von äußerst populären Bühnenshows auf, oft mit Stegreifdialogen. In den Kinofilmen kultivierte Groucho seine Rolle als zungenfertiger Herr, der seine Gegner überrumpelte und die Zuneigung seiner Verehrerinnen (meist verkörpert von Margaret Dumont) abwechselnd anzufachen und abzuwehren wusste. Sein charakteristischer Gang mit den raumgreifenden Schritten und einer Hand auf dem Rücken parodierte das modische Promenieren der amerikanischen Oberklasse zur Jahrhundertwende. Schnurrbart und Augenbrauen wurden zunächst mit Schmierfett fabriziert, angeblich um rasche Kostümwechsel bei Varieté-Auftritten ohne lästiges Bartankleben möglich zu machen. Nach eigenen Angaben hatte er schlicht keine Lust mehr, sich mit dem Bartkleber allabendlich einen Teil der Haut mit abzureißen. Die Absurdität der geschminkten Manneszier kam auf der Bühne oder im Film nie zur Sprache, doch gibt es in Duck Soup (Die Marx Brothers im Krieg) eine Szene, in der sich sowohl Chico als auch Harpo als Groucho verkleiden, und eine, in der kurz zu sehen ist, wie sie sich schminken.
In den 1930er und 1940er Jahren arbeitete Groucho auch beim Radio als Komiker und Gastgeber eigener Shows, von der eine unter dem Titel Flywheel, Shyster & Flywheel nach kurzem Lauf 1932 eingestellt wurde. Neben Groucho trat hier nur Chico mit auf. Die meisten der Aufnahmen wurden danach zerstört, mit Ausnahme der letzten Sendung. Allerdings wurden 1988 von insgesamt 21 Folgen die Originale der von Nat Perrin und Arthur Sheekman verfassten Drehbücher im Archiv der Library of Congress wiederentdeckt. 1947 wurde Groucho als Gastgeber für das Radio Quiz You Bet Your Life ausgewählt, mit dem er von 1950 bis 1961 auch im Fernsehen auftreten sollte. Die Show bestand aus einem größtenteils improvisierten Gespräch mit den Teilnehmern und einem kurzen Quiz. In dieser Show wurde der Ausdruck , geprägt. Kandidaten, mit denen Groucho Mitleid hatte, da sie noch nichts gewonnen hatten, stellte er Fragen wie „Wer ist in Grants Grab beerdigt?“ oder „Welche Farbe hat das Weiße Haus?“. Die Sendung lief elf Jahre lang im Fernsehen.
Eine der geistreichen Bemerkungen betraf den Regisseur Sam Wood, der den Film A Night at the Opera (Skandal in der Oper) mit ihnen drehte und wegen ihrer ständigen Improvisationen wütend auf die Brüder war. In Anspielung auf die Schaffung des Menschen durch Gott in der Bibel rief er aus: , worauf Groucho ohne Zögern antwortete
Oft zitiert, wenn auch nicht belegt, ist der Dialog mit einer Kandidatin, die 19 Kinder hatte. Auf Grouchos Frage, warum so viele, antwortete sie: Groucho gab daraufhin zurück: mini|Groucho-Karikatur Wie populär er in den 1960er Jahren war, belegt eine Szene aus der Fernsehserie Bezaubernde Jeannie, in der sich Roger Healey wünscht, der witzigste Mann der Welt zu sein. Jeannie verwandelt ihn daraufhin in Groucho. Und Groucho Marx spielt sich selbst.
Während der Pariser Mai-Unruhen im Jahr 1968 hatte ein anonymer Sprayer den Spruch an Mauern und Hauswände gesprüht. Er dokumentierte damit die Beliebtheit der Marx Brothers, die als Kultfiguren der fantasiereichen und widerspenstigen 68er-Generation galten, der das Kommunistische Manifest als zu ernst erschien: ab Ende der 1960er Jahre ging das Gespenst des Marxismus feixend in Europa um. In Horse Feathers (Blühender Blödsinn) aus dem Jahr 1932 verkündete Groucho als frisch gewählter Universitätspräsident Professor Wagstaff in einem Song den Honoratioren: und traf damit genau den Nerv der protestierenden Studenten.Rainer Nolden: Die Marx Brothers. Rowohlt, Reinbek 2002, S. 97.
In seiner Filmkarriere sang Groucho Marx unter anderem folgende Lieder: Hooray for Captain Spaulding Hello, I Must Be Going Whatever It Is, I’m Against It Everyone Says I Love You Lydia the Tattooed Lady
Frank Sinatra scherzte einst, das einzige, was er besser könne als Groucho, sei Singen. Er drehte mit ihm und Jane Russell 1951 den Film Double Dynamite.
Der spanische Karikaturist Ventura nahm Groucho Marx als Vorbild für seine Figur Julio in der Comicserie „Grouñidos en el desierto“ des Satiremagazins El Jueves.
Die Show “You Bet Your Life”
Mitte der 1940er Jahre, als seine Karriere einen Tiefpunkt erreicht hatte, sollte Groucho in einer Radioshow mit Bob Hope auftreten. Nachdem er 40 Minuten im Wartezimmer gesessen hatte, kam er etwas gereizt auf die Bühne und gab auf Hopes „Ah, das ist ja Groucho Marx, verehrte Damen und Herren. (Applaus) Groucho, was bringt Dich denn aus der heißen Wüste hierher?“ zurück „Hat sich was mit heiße Wüste. Ich saß 40 Minuten im kalten Wartezimmer.“ Groucho fuhr damit fort, das Skript zu ignorieren, und obwohl Hope auf seine Art auch ein brillanter Improvisationskünstler war, war er Groucho doch unterlegen; dieser streckte die ganze Szene, mit einem wahren Wirbelsturm von Blödeleien, weit über den geplanten Timeslot hinaus. John Guedel hatte bei der Show zugehört und einen Geistesblitz. Er trat an Groucho heran mit der Frage, ob er daran interessiert sei, eine Quiz-Show zu moderieren. „Nur Schauspieler, die wirklich am Ende sind, machen Quizshows“, war seine Antwort. Guedel blieb hartnäckig und erklärte, dass es ihm weniger um das Quiz als um die Gespräche mit den Kandidaten ginge. Und Groucho sagte schließlich zu. You Bet Your Life lief von 1947 bis 1951 im Radio und wechselte 1951 ins Fernsehen. Auf NBC lief die Sendung noch weitere elf Jahre lang und wurde eine der erfolgreichsten Shows im US-amerikanischen Radio und Fernsehen.
Mit George Fenneman als Ansager und Gegenpart überraschte Groucho sein Publikum mit außergewöhnlichen Gesprächen. Die Show war so gut, dass die Lowell Toy Manufacturing Corporation of New York davon eine Brettspielversion herstellte, welche die Kandidaten als persönliche Erinnerung an Groucho mit nach Hause nehmen durften.
Grouchos Konkurrenz brachte Gerüchte in die Welt, dass You Bet Your Life komplett vorformuliert sei und Groucho keineswegs improvisiere. Sie fühlten sich bestätigt, als ein Foto aufgetaucht war, auf dem man sehen konnte, dass Groucho auf einen transparenten Bildschirm blickt. In Wahrheit gab es nur ein minimales Script, das eher den Gästen als Groucho helfen sollte. Groucho begegnete seinen Gästen (außer den ihm bekannten) erst in der Show, es gab keine Proben. Die Mitarbeiter der Sendung stellten zwar einen Katalog mit Fragen auf, doch Groucho wusste nie eine Antwort im Voraus. Allerdings gab es zwei Autoren, deren Gags Groucho gelegentlich in den Dialog einbaute.Die CD Groucho on Radio (Label: Radiola/Radio Yesteryear) enthält u. a. Ausschnitte von The Marx Brothers Show (1938) und You Bet Your Life (1950).
Privatleben
mini|Groucho Marx mit seiner Frau Eden Hartford und Tochter Melinda (1958) Groucho war dreimal verheiratet und wurde dreimal geschieden: „Alimente zahlen ist wie ein totes Pferd mit Heu füttern.“ (Groucho Marx)
Ehefrau Heirat Scheidung Kinder Ruth Johnson 4. Februar 1920 15. Juli 1942 Arthur und Miriam Kay Marvis (aka Gorcey) 24. Februar 1945 12. Mai 1951 Melinda Eden Hartford 17. Juli 1954 4. Dezember 1969 –
Abseits der Bühne war Groucho ein Büchernarr. Er bedauerte stets, nur eine mittlere Schulbildung genossen zu haben. Um dies zu kompensieren, las er alles, was ihm in die Hände fiel. Seine Belesenheit war außerordentlich, doch er sprach nur sehr zurückhaltend darüber: „Ich denke, Fernsehen bildet“, sagte er einmal. „Jedes Mal, wenn jemand den Fernseher einschaltet, gehe ich nach nebenan und lese.“ Er schrieb auch selbst Bücher, darunter die Autobiografie Groucho and Me und Memoirs of a Mangy Lover. Zu seinen Freunden zählten die Schriftsteller T. S. Eliot und Carl Sandburg. Viele seiner privaten und geschäftlichen Briefwechsel veröffentlichte er in The Groucho Letters.
Beim Börsencrash im Oktober 1929 verlor Groucho Marx einen Großteil seiner Anlagen. In seinem Testament von 1974 wurde sein Vermögen mit zwei bis sechs Millionen Dollar veranschlagt; Hauptbegünstigte waren seine drei Kinder.Charlotte Chandler: Groucho. Der Chef der Marx-Brothers. Wilhelm Heyne Verlag, München 1988, S. 513.
Späte Jahre mini|Urnengrab von Groucho Marx