Hans-Martin Scholder (* in Münsingen, Baden-Württemberg) ist ein deutscher Bühnenbildner, Szenograf, Grafiker, Designer und Regisseur. Seine Projekte und Arbeiten bewegen sich frei zwischen Malerei, Bildhauerei, Design, Architektur und Aktionskunst. Er lehrt in Frankfurt am Dr. Hoch’s Konservatorium als Dozent für Darstellendes Spiel und ist Lehrer am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium.

Leben

Scholder ließ sich zunächst als Grafiker ausbilden, bevor er eine Ausbildung im Architekturbüro und Atelier von Hanns und Knut Lohrer, in Stuttgart-Bergheim erhielt. In dieser Zeit freie Mitarbeit in der Ausstellungsarchitektur wie z. B. szenische Flächen und Räume bei den Projekten: Fedeau Container für das Centre Pompidou in Paris, Neugestaltung des Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart, inszenierte Räume für die Napoleon-Ausstellung, Mitarbeit bei der Gestaltung des Internationalen Design-Kongress und szenische Räume für das Museum für Technik und Arbeit in Mannheim. Zusammentreffen mit dem Künstler Dieter Roth. Von 1985 bis 1990 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Bühnenbild und Kostümbild bei Jürgen Rose, Malerei, Kunstgeschichte und Philosophie. Unter dem Einfluss seiner Lehrer Jürgen Rose, Dieter Groß und Knut Lohrer wandte er sich der Architektur, der Malerei und dem Theater zu, wobei er zunächst mehr dem ersten zuneigte. 1988 unternahm er erste Studienreisen nach New York, besuchte ebenso die Städte Kairo, Jerusalem, Venedig, Boston und Los Angeles, danach Wien, Moskau und London. 1989 wurde er von Jürgen Rose und später von Robert Wilson als persönlicher Assistent verpflichtet. Wilson prägte Scholders puristisch pointierte Gestaltungsart, seine „visuelle Entschiedenheit“, wie er selbst es nannte. Nach zweijähriger Assistententätigkeit unter anderem bei den Salzburger Festspielen, am Tschechow-Kunsttheater Moskau und der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin erhielt er sein erstes eigenes Engagement am Opernhaus Zürich mit der Oper Don Carlos, in der Regie von Nikolaus Lehnhoff. Seit 1989 arbeitet er in Berlin als freischaffender Bühnenbildner mit vielen Regisseuren, Choreografen und Dirigenten wie: Lehnhoff, John Neumeier, Peter Stein, Marc Albrecht, Ádám Fischer, Renate Ackermann, Friedrich Meyer-Oertel, Verena Weiss, Hellmuth Matiasek, Ivan Liska, Konstanze Lauterbach, Thomas Krupa, Karin von Aroldingen, Thomas Langhoff und den Komponisten Detlev Glanert, Cornelius Pöpel, 1999 zusammentreffen mit Karlheinz Stockhausen, 2017 mit Bazon Brock.

Seit 1990 ist er freischaffender Künstler. Er entwirft experimentelle Raum- und Figurenkonzepte und ist als Grafiker, Szenograf und Installationskünstler tätig. Daneben übernimmt er Aufträge für Bühnen- und Kostümbild für Oper, Schauspiel, Ballett, experimentelle Musik und Performance. Neben seinen Theaterarbeiten ist Scholder als Maler, Zeichner und Designer tätig aber auch als Dozent und Lehrer an verschiedenen Schulen und Hochschulen. Seit 2008 ist Scholder Dozent an der Hochschule Ansbach im Studiengang Multimedia und Kommunikation und am Dr. Hoch’s Konservatorium (Darstellendes Spiel) in Frankfurt am Main.Hans-Martin Scholder: Darstellendes Spiel / Szenischer Unterricht. Vita Scholders auf der Website von Dr. Hoch’s Konservatorium Seit 2002 leitet er verschiedene Workshops und Seminare unter anderem an der Technischen Universität Delft, der Hochschule für Gestaltung in Detmold und beim Deutschen Werkbund. Außerdem unterrichtet er am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium in Frankfurt am Main das Fach Kunst.

2002 siedelt Scholder von Berlin nach Frankfurt am Main über und begann hier bald auch mit eigenen Arbeiten als Regisseur. An der Oper Bozen und Oper Rovigo kamen 2007 mit der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach zusammen mit dem Choreografen Ismael Ivo – Scholders erste eigene Inszenierungen auf die Bühne. Weitere eigene Regiearbeiten sind seitdem in Frankfurt in den verschiedensten Projekten entstanden. Die über seine Malerei und Modellarbeit entwickelte Bühnenarbeit, bei der er später Regisseur, Bühnenbildner und Lichtdesigner zugleich war, entwickelte er zu einem genreübergreifenden Geschehen zwischen Tanz, Theater und Performance.

Weitere Wirkungsstätten Scholders sind, Nationaltheater Mannheim, Salzburger Festspiele, Staatsoper Hamburg, Königliche Oper Stockholm, Schaubühne Berlin, Opernhaus Zürich, Oper Leipzig, Opera du Rhin Strasbourg, Oper Frankfurt, Theater Bremen, Staatstheater Darmstadt, Oper Colmar, Oper Mulhouse, Bayerische Staatsoper München, Machat-Theater Moskau, Oper Luzern, Festspiele Baden-Baden.

Zitate: Adolphe Appia „Wir wollen auf der Bühne die Dinge nicht mehr so sehen, wie wir wissen, daß sie sind, sondern so, wie wir sie empfinden.“

Thomas Mausbach „Scholder hebt sich über traditionelle Bühnenbildnerei hinaus. Er stimmt sein Werk auf spitzfindig kluge Weise in allen Details auf die Dramaturgie der Aufführungen ab, [...], ich schaue seine Arbeiten gerne an.“

Bühnenarbeiten (Auswahl)

1987: Bartók / Aantekeningen Bühnenbild-Mitarbeit Tanztheater Choreografie, Anne Teresa De Keersmaeker, Theater der Welt Stuttgart. 1989: Die Zeit und das Zimmer von Bodo Strauß, Bühnenbild-Mitarbeit, Regie Luc Bondy, Bühne Richard Peduzzi, Schaubühne am Lehniner Platz Berlin 1990: Der Kirschgarten / A. P.Tschechow, Bühnenbild-Mitarbeit, Regie Peter Stein, Kostüme Moidele Bickel, Machat-Künstlertheater, Moskau USSR 1990: Die Jüdin in Toledo von Franz Grillparzer, Bühnenbild-Mitarbeit, Regie Thomas Langhoff, Salzburger Festspiele, Salzburg / Austria 1991: Amphitryon Heinrich von Kleist, Bühnenbild-Mitarbeit, Regie Klaus Michael Grüber, Schaubühne am Lehniner Platz Berlin 1991: Roberto Zucco von B.M. Koltes, Bühnenbild-Mitarbeit, Regie Peter Stein, Schaubühne am Lehniner Platz Berlin 1991: Die Antigone des Sophokles von Bertolt Brecht, Bühnenbild-Mitarbeit, Regie Jean Marie Straub, Schaubühne am Lehniner Platz Berlin 1991: Der einsame Weg von Arthur Schnitzler, Bühnenbild-Mitarbeit, Regie Andrea Breth, Kostüme Susanne Raschig, Schaubühne am Lehniner Platz 1992: Die Sommergeschwister von Cesare Lievi, Bühnenbild-Mitarbeit, Regie, Cesare Lievi, Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin 1992: Malady of Death von Marguerite Duras, Bühnenbild-Mitarbeit, Regie Robert Wilson, Kostüme Frida Parmiggani, Schaubühne am Lehniner Platz Berlin 1992: Bühnenbild zur Oper Don Carlos von Giuseppe Verdi, Opernhaus Zürich, Musikalische Leitung Ádám Fischer, Regie Nikolaus Lehnhoff 1993: Bühnenbild zur Oper Thaïs von J. Massenet, Oper St. Gallen, Musikalische Leitung Patrik Fournillier, Regie Franz Winter 1994: Bühnenbild zur Oper Manon von Jules Massenet, Oper am Gärtnerplatz in München, Musikalische Leitung Reinhard Schwarz, Regie Hellmuth Matiasek 1994: Bühnenbild zur Oper Salome von Richard Strauss, Oper Leipzig, Musikalische Leitung Jiri Kout, Regie Nikolaus Lehnhoff, Kostüme Jorge Jara 1995: Bühnenbild zur Oper Tosca von G. Puccini Nationaltheater Mannheim, Musikalische Leitung Jun Märkl, Regie Renate Ackermann 1995: Bühnenbild zur Oper Lucia di Lammermoor, Gaetano Donizetti, Opera du Rhin Strasbourg, Musikalische Leitung Giuliano Carella, Regie Renate Ackermann 1996: Bühnenbild zur Oper Wozzeck von Alban Berg, Staatstheater Darmstadt, Musikalische Leitung Marc Albrecht, Regie Friedrich Meyer-Oertel 1998: Szneografie zur Oper Die Zauberflöte, von W. A. Mozart am Staatstheater Darmstadt, Musikalische Leitung Brochhagen, Regie Friedrich Meyer-Oertel 1998: Bühnenbilder des John Neumeierballett Vivaldi / Was ihr wollt, A. Vivaldi und W. Shakespeare, Choreographie und Regie John Neumeier, Königliche Oper Stockholm 1998: Szenografie zur Oper Moses und Aron von Arnold Schönberg, Staatstheater Darmstadt, Musikalische Leitung Marc Albrecht, Regie Friedrich Meyer-Oertel 1999: Szenografie zur Oper Die Frau ohne Schatten, Richard Strauss, Staatstheater Darmstadt, Musikalische Leitung Marc Albrecht, Regie Friedrich Meyer-Oertel 2000: Szenografie zur Oper Tristan und Isolde von Richard Wagner, Staatstheater Darmstadt, Musikalische Leitung, Marc Albrecht, Regie Friedrich Meyer-Oertel 2001: Szenografie und Bühnenbild zur Oper Don Giovanni, W. A. Mozart, Oper Mönchengladbach, Musikalische Leitung, Anthonny Bramall, Regie Thomas Krupa 2002: Szenografie und Kostüme zum Ballett Balanchine, Bayerische Staatsoper München, Musikalische Leitung Gabriel Felz, Choreografie George Balanchine/Ivan Liška/Karin von Aroldingen 2003: Szenografie und Kostüme zur Oper Macbeth von Giuseppe Verdi, Oper Freiburg, Musikalische Leitung Erico Fresis, Regie Thomas Krupa 2003: Szenografie zur Oper Der Freischütz von Carl Maria von Weber, Oper Darmstadt, Musikalische Leitung Stefan Blunier, Regie Friedrich Meyer-Oertel 2004: Szenografie zur Oper Le Nozze di Figaro, Mozart, Oper Dortmund, Musikalische Leitung Dirk Kaftan, Regie Thomas Krupa 2005: Szenografie zum Opernprojekt Die drei Rätsel von Detlev Glarnert, Oper Frankfurt Musikalische Leitung, Hogen Yun, Regie Saskia Bladt 2007: Regie, Bühnenbild, Kostüme für die Matthäuspassion von Bach, an der Oper Bozen und an der Oper Rovigo, Musikalische Leitung, Claudio Astronio, Video Daniel Kohl, Bozen und Rovigo 2007: Regie, Bühnenbild, Kostüme zur Oper Brundibár von Hans Krasa, Musikalische Leitung Helmut Bartel, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt 2007: Regie, Bühnenbilder zum französischen Musical Émilie Jolie von Claude Platel, Frankfurt 2008: Regie, Szenografie und Kostüme für das Schauspiel Saviano/Rushdie, Frankfurt 2009: Szenografie und Kostüme, Lichtdesign zum Ballett Undine von Hans Werner Henze, Volkstheater Rostock, Choreografie Fladimir Fedianin 2010: Szenografie und Kostüme für die Oper Elektra von Richard Strauss, Oper Bozen, Oper Modena, Oper Piacenca, Oper Ferrara, Musikalische Leitung Gustav Kuhn 2011: Bühnenbilder zur Oper Salome von Richard Strauss, Festspielhaus Baden-Baden, Musikalische Leitung Stefan Soltesz, Regie Nikolaus Lehnhoff 2012: Bühnenbilder zur Oper Aida von Giuseppe Verdi, Oper Braunschweig, Musikalische Leitung Alexander Joel, Regie Konstanze Lauterbach 2013: Regie, Szenografie und Kostüme für die Opern-Performance Mozart Fragmente, Hochschule Frankfurt 2014: Regie, Szenografie und Kostüme für die Oper Hänsel und Gretel, Hochschule Frankfurt 2015: Regie, Szenografie und Kostüme für das Schauspiel Der Kirschgarten von A.Tschechow, Frankfurt 2017: Regie, Szenografie und Kostüme für das Schauspiel Der Streit von Marivaux, Frankfurt 2018: Regie, Szenografie und Kostüme für das Schauspiel Medea von Euripides, Frankfurt

Einzel- und Gruppenausstellungen: (Auswahl)

1985: Das große Essen, Götzenturm Heilbronn/Stuttgart, Gruppenausstellung, Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Malklasse Dieter Groß 1986: Der weiße Raum/oder Impromptu Nr. 1, Ölskizzen, Großtableaus, Environments, Zeichnungen, Fotos; Gruppenausstellung Akademie der Bildenden Künste, Bleyle-Gelände in Stuttgart 1987: Künstlerbücher, Zeichnungen und Design auf Schloss Sigmaringen, Ausstellung der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart 1989: Szenen, Räume und Kostüme zur Oper Die Erschöpfung der Welt von Mauricio Kagel, Zeichnungen, Video Gruppenausstellung der Bühnenbildklasse der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Zentrum Waiblingen 1996: Zur Oper Wozzeck von Alban Berg Bühnenbildmodelle, Zeichnungen, Lichtkonzept, Fotografien, Darmstadt 2002: Ausstellung und Gesamt – Installation, Entwürfe, Zeichnungen, Fotografischer Zyklus, Szenografien, Video und Environments und Realisierung der Performance Musikabbau, im Bergwerk Rammelsberg in Goslar 2008: Skizzen, Figurationen, Animationen, Design im Schloss Gnadenthal, Kleve anlässlich des Architektur-Werbundsymposiums, Deutscher Werkbund in NRW 2009: Ausstellung und Performance Metamorphosen-Ovid; Skizzen, Malerei, Grafik, Collage, Video; Arbeiten von 1990–2009 in der Galerie Projektraum 25, zusammen mit der Choreografin Verena Weiss und Dirk Knickhoff, Kleve

Literatur (Auswahl)