mini|Gau-Odernheim mit Petersberg im Hintergrund

Gau-Odernheim (bis 1896 Odernheim) ist eine rheinhessische Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Alzey-Land an. Gau-Odernheim ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.

Im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Odernheim zunächst eine selbstständige, später eine verpfändete Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich. Dieser Umstand hat in die Gestaltung des Ortswappens Eingang gefunden.

Geographie Geographische Lage Die Ortschaft liegt an dem kleinen Fluss Selz, der sich hier am Petersberg entlangschlängelt. Die nächsten Städte sind Alzey (8 km südwestlich), mit den für den Ort zuständigen Verwaltungssitzen (Landkreis- und Verbandsgemeinde-Verwaltung) und Wörrstadt (12 km nördlich). Die Landeshauptstadt Mainz in 30 km Entfernung ist leicht über die Autobahn 63 zu erreichen. Als bedeutende Weinbaugemeinde liegt Gau-Odernheim im größten Weinbau treibenden Landkreis Deutschlands und mitten im Weinanbaugebiet Rheinhessen. Wegen der Nähe zum Rhein-Main-Gebiet ist die Ortschaft Zuzugsgemeinde und hat daher viele Neubaugebiete und Neubürger.

Nachbargemeinden Bechtolsheim Biebelnheim Framersheim Hillesheim Dittelsheim-Heßloch

Gemeindegliederung Ortskern Gau-Odernheim und der Ortsteil Gau-Köngernheim. Zum Ortsteil Gau-Odernheim gehören auch die Wohnplätze Felsenkeller, Haus Weinheimer und Westerschoß.

Geschichte mini|Ottenkreuz an der Deutschen Alleenstraße Richtung Hillesheim. Mittelalter Der Ortsname auf „-heim“ gehört zu einem Ortsnamentypus, der zu Beginn des Frühmittelalters häufig gewählt wurde. Die schriftliche Überlieferung setzt Mitte des 9. Jahrhunderts ein anlässlich der Überführung der Reliquien des hl. Rufus von Metz nach Odernheim. Ab dem 10. Jahrhundert bestand auf dem Petersberg die Kirche St. Peter. Bis 1187 war das Dorf im Besitz der Bischöfe von Metz. Auf diese Zeit geht auch der Weinbau an den Südhängen des Petersbergs zurück. Von 1187 bis 1282 war der Ort im Besitz der Herren von Bolanden. Im Jahre 1268 wurde der Besitz der Herren von Bolanden zwischen dem Donnersberg und dem Rhein geteilt.

Unter den Nachkommen brach später eine offene Fehde aus, einer der Beteiligten verlor hier sein Leben. An der Stelle des Kampfes, an der Grenze des geteilten Landes, so die Sage, wurde ein Sühnekreuz aufgestellt. Später geriet das Ottenkreuz in Vergessenheit. Es war unter Erde, Büschen und Dornenhecken verschwunden, wurde lange Zeit gesucht und schließlich wieder freigelegt. Bis 2008 war es auf der rechten Seite der Straße von Gau-Odernheim nach Hillesheim zu besichtigen. Ein Duplikat mit Hinweisschild weist auf das sichergestellte Original hin. – Landesarchäologe Gerd Rupprecht hat Sühnekreuz nahe Gau-Odernheim wieder entdeckt. In: Rhein Main Presse. 9. Februar 2007.

Nach mehrmaligen Versuchen, das Ottenkreuz zu stehlen, wurde es 2008 durch die „Rentnerbande Gau-Odernheim“ sichergestellt und war von 2013 bis 2022 im linken Seitenteil der Aussegnungshalle des Friedhofs von Gau-Odernheim unter Schutz gestellt. Das Ottenkreuz hat nun im Außenbereich des Heimatmuseums „Am Alten Schloss“ des Geschichtsvereins Gau-Odernheim und Umgebung e. V. einen angemessenen Standort erhalten.

König Rudolf von Habsburg kaufte Odernheim 1282 von den Herren von Bolanden und verlieh dem Ort am 16. April 1286 reichsstädtische Freiheiten. 1315 wurde der Ort an Kurmainz und 1407 bleibend an Kurpfalz verpfändet. In der kurpfälzischen Zeit gehörte Odernheim als Amtsstädtchen bis 1797 zum Oberamt Alzey. Das Kloster Otterberg besaß im Ort ein Gut.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hrsg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden. Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015, ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).

Der für seine spätgotischen Kirchenmöbel bekannte Meister Erhart Falckener wohnte laut einer Werksignatur von 1510 in Odernheim. Es wird vermutet, dass er und seine Gesellen hier reichlich Arbeit gefunden hatten, weil am 1. August 1479 das ganze Dorf bis auf sechs Häuser niedergebrannt war.Werner Kremer: Artikel. In: Kiedricher Persönlichkeiten aus sieben Jahrhunderten. Selbstverlag Förderkreis Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen e. V., Kiedrich im Rheingau 2008, S. 46.

Neuzeit Seit 1521 hatten die Herren Sturmfeder von Oppenweiler die Ortsherrschaft über Odernheim, die ihnen aus dem Erbe des Eberhard Vetzer von Geispitzheim zugefallen war.Regest über die Erbteilung, 1521. Stadtarchiv Mainz. Am Ende des Alten Reichs war der Ort Bestandteil der Kurpfalz.Andrea Kraft: Ortsverzeichnis zur Historischen Karte der Pfalz und Rheinhessens 1789. Landesarchiv Speyer 2009, S. 8. 1793 kam es kurzzeitig an die Mainzer Republik und wurde dann nach der Einnahme des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen wurde die Region von Frankreich annektiert.

Verzögert durch die Koalitionskriege wurde die Annexion erst nach 1797 konsolidiert und Gau-Odernheim gehörte von 1798 bis 1814 zum Kanton Alzey im Département du Mont-Tonnerre. Gerichtlich war im Bereich des Kantons für die Zivilgerichtsbarkeit das Friedensgericht Alzey zuständig, für die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit im übrigen Notariate.Friedrich Lehne: Historisch-statistisches Jahrbuch des Departements vom Donnersberge für das Jahr 9 der fränkischen Republik. Pfeiffer, Mainz 1801, S. 174 (dfg-viewer.de).

Aufgrund von 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und eines 1816 zwischen dem Großherzogtum Hessen, Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrags kam Rheinhessen, und damit auch die Gemeinde Gau-Odernheim, zum Großherzogtum Hessen, das das neu erworbene Gebiet als Provinz Rheinhessen organisierte. Nach der Auflösung der Kantone in der Provinz kam der Ort 1835 zum neu errichteten Kreis Alzey, zu dem er bis 1969 gehörte.

Die Stadtbefestigung wurde zwischen 1826 und 1828 abgebrochen. Ein neuer jüdischer Friedhof wurde Richtung Bechtolsheim auf einer Anhöhe zum Petersberg 1848 angelegt.

Das für Gau-Odernheim zuständige Friedensgericht Alzey wurde 1879 aufgelöst und durch das Amtsgericht Alzey ersetzt.Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f.

Während des Baus der Bahnstrecke Bodenheim–Alzey wurde Odernheim 1896 in Gau-Odernheim umbenannt, um Verwechslungen mit Odernheim am Glan zu vermeiden. Gleichzeitig wurde Köngernheim in Gau-Köngernheim umbenannt.Bekanntmachung des Großherzoglichen Ministerium des Inneren und der Justiz vom 28. Februar 1896 (ulb.tu-darmstadt.de).

mini|Ehrenurkunde für Hitler von Ritter unterzeichnet Gau-Odernheim gehörte zu den Hochburgen des Nationalsozialismus in Rheinhessen. Zu nennen sind Karl Schilling der zwischen 1920 und 1937 eine Landarzt-Praxis betrieb und der im Nachbarort ebenfalls praktizierende Arzt Reinhold Daum. Sowie der seit 1929 im Bürgermeisteramt befindliche Heinrich Ritter von der NSDAP. 1938 rühmte sich die Gemeinde, „der erste Ort in Rheinhessen gewesen zu sein, in dem die Idee Adolf Hitlers bereits in den Jahren 1923 und 1924 Fuß gefaßt hatte und von wo aus sie weitergetragen wurde in die nähere und weitere Umgebung“. Unter dem NSDAP-Bürgermeister Heinrich Ritter verlieh die Gemeinde am 25. Mai 1932 die Ehrenbürgerrechte an Adolf Hitler.Museum Alzey.Heinz Leiwig: Es war ja nichts. Nationalsozialismus in Rheinhessen. Mainz 2005, ISBN 3-00-017338-2, S. 12, 55. Laut Satzung erlischt die Ehrenbürgerschaft automatisch mit dem Tod. Der Gemeinderat hat am 1. August 2007 dann aber nochmals offiziell und einstimmig die Ehrenbürgerschaft aberkannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Gemeinde zur französischen Besatzungszone und wurde 1946 Teil des neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.

Eingemeindungen Seit dem 7. Juni 1969 gehört der Ortsteil Gau-Köngernheim zur Ortsgemeinde.

Konfessionsstatistik Am 30. Juni 2005 waren 50,4 % der Einwohner evangelisch, 23,4 % katholisch und 26,2 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Stand Juni 2005 Mit Stand September 2025 waren von den Einwohnern 37,4 % evangelisch, 18,1 % katholisch und 44,5 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik. statistik.ewois.de; abgerufen am 9. Juli 2025.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Gau-Odernheim besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG Gesamt 2024 9 4 7 20 Sitze 2019 11 4 5 20 Sitze 2014 12 4 4 20 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2009 12 – 8 20 Sitze 2004 11 4 5 20 Sitze

Ortsbürgermeister Jakob Keller, 1798–1823 Heinrich Schneider, 1825–1837 Michel Brand, 1837–1851 Jacob Weber, 1851–1871 Wilhelm Brand, 1871–1898 Edmund Diehl (Nationalliberale Partei) 1898–1923 Karl Brand, 1924–1929 Heinrich Ritter (NSDAP) 1929–1933 Georg Becker 1933–1935 Johann Kraus, 1936–1943 Chr. Einsfeld, 1943–1945 (geschäftsführend) Karl Brückner, April bis November 1945 Georg Eckel, 1945–1948 Heinrich Mildenberger (SPD), 1948–1972 Friedrich Wörner (SPD), 1946–1969 (Bürgermeister Gau-Köngernheim, heute Ortsteil von Gau-Odernheim) Wilhelm Beck (SPD), 1972–1984 Karlheinz Merker (SPD), 1984–2004, Ehrenbürger der Gemeinde Gau-Odernheim Bernd Westphal (SPD), 2004 bis zu seinem Tod am 9. Juni 2013Gau-Odernheimer Ortsbürgermeister Bernd Westphal gestorben. In: allgemeine-zeitung.de, 12. Juni 2013. () Heiner Illing (SPD), seit dem 11. Oktober 2013 (zuvor kommissarisch als 1. Beigeordneter). Illing setzte sich bei der Direktwahl am 22. September 2013 durch.Anita Pleic: Bürgermeister-Wahl in Gau-Odernheim: Sieg für Heiner Illing (SPD). In: allgemeine-zeitung.de, 22. September 2013. () Bei den Kommunalwahlen am 25. Mai 2014, 26. Mai 2019 und 9. Juni 2024 wurde er jeweils für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. Bei der Direktwahl 2024 erreichte er dabei als einziger Bewerber einen Stimmenanteil von 71,1 %.

Partnerschaften Die Partnerschaft mit Pulnoy bei Nancy im französischen Département Meurthe-et-Moselle wurde am 12. Juli 1982 offiziell besiegelt, die freundschaftlichen Verbindungen bestehen bereits seit 1980.

Wappen, Flagge und Banner Banner, Wappen und Hissflagge 63px 100px 100px

Flagge und Banner sind im Verhältnis 1:4:1 gelb-rot-gelb quer- bzw. längsgestreift mit dem aufgelegten Wappen in bzw. oberhalb der Mitte.Flagge Gau-Odernheim.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Das Stadtschreiberhaus ist eines der schönsten und am besten erhaltenen Fachwerkhäuser im alten Ortskern Gau-Odernheims. Die gotische Simultankirche Gau-Odernheim ist in der Mitte mit einer Mauer in einen katholischen und einen evangelischen Teil getrennt. Die evangelische Gemeinde benutzt das Hauptschiff der Kirche und die Katholiken halten ihre Gottesdienste im Chor. Der katholische Teil heißt „St. Rufus Kirche“ (nach Rufus von Metz), der evangelische „ehemalige Stadtkirche“. Das Gasthaus „Zur Krone“ ist ebenfalls ein gut erhaltenes Fachwerkhaus. Es schmückt den Gau-Odernheimer Untermarkt. Es war noch bis vor wenigen Jahren möglich hier Fremdenzimmer zu buchen. Die Zeiten, da es ein wirkliches Gasthaus war, sind schon etwas länger vorbei. Die Petersberghalle wurde 1990 als Mehrzweckhalle errichtet. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen weiterhin der alte Schlossturm und das alte Schulgebäude.

Naturdenkmäler