mini|Das Kreisgebiet 1803–1806
Gemeint ist die Geschichte der Post in den Orten um Steinfurt. Die Organisation der Post, die Geschichte der Postverwaltungen und die Posttarife sind in anderen Beiträgen behandelt und weitgehend verlinkt.
Frühgeschichte mini|Trackschute in Maxhafen
Schon im Mittelalter bestanden enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen mit den Niederlanden. Bis in das 16. Jahrhundert war Deventer gewissermaßen der Hafen des Münsterlandes. Die Stadtrechnungen lassen einen lebhaften Botenverkehr zwischen Münster und der Stadt an der IJssel erkennen. Später verlagerte sich das Hauptziel der münsterländischen Kaufleute nach Amsterdam. Ab 1609 kann eine ständige Botenverbindung von Münster über Steinfurt und Zwolle nach Amsterdam nachgewiesen werden.
Im Hochstift Münster war schon vor dem Westfälischen Friedenskongress (1643–1648) die Kaiserliche Reichspost unter der Leitung von Generalpostmeistern aus der Familie der Taxis aktiv. Daneben gab es in Konkurrenz die seit 1600 bestehende münsterische Kanzleipost nach Köln. Ursprünglich war die Kanzleipost nur für die Dienstpost des Fürstbischofs bestimmt. Sie wurde nach und nach zur Privatbriefbeförderung freigegeben. Seit 1650 erreichte eine Reitpost von Münster bis Lingen (Ems) Anschluss an die Botenpost Amsterdam–Hamburg.
1695 erteilte Fürstbischof Friedrich Christian (1688–1706) seinem Landespostmeister Dietrich Brüggemann und Heinrich Thorbecke in Zwolle eine Konzession für eine Wagenpost von Münster nach Zwolle. Sie führte zweimal wöchentlich über Steinfurt, musste aber schon 1699, der schlechten Wege wegen, über Rheine und Ochtrup verlegt werden, seit 1733 über den Max-Clemens-Kanal vom Münster nach Clemenshafen, 1767 Maxhafen, dort versah der Gastwirt Bergmann, ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Nachfolgefamilie Fabry aus Osterwick den Postdienst. Mit kleinen Veränderungen gab es diese Route bis ins 19. Jahrhundert.
Bei „Pannen Libbet“ (Bauerschaft Ahlintel) fand der Postaustausch für Borghorst, Burgsteinfurt und Emsdetten statt.
Frühe Postversorgung der Orte im Münsterland mini|Brief an das Adelige Damenstift in Borghorst
Im Münsterischen Almanach (1751 und folgende) werden die Botenposten in die umliegenden Ortschaften aufgeführt. So versorgte der Horstmarsche Bott Schöppingen, Haus Alst und Laer. Der Bentheimer (reitende) Bott besorgte die Post von und ab Burgsteinfurt, Wettringen, Ohne und die Grafschaft Bentheim. Die Steinfurter Briefe bestellte die Hämische Post, gemeint ist wohl die Thurn und Taxische Post von Hamm über Münster, Rheine nach Zwolle. Der Stiftsbote des Adeligen Damen- und Fräuleinstift Borghorst logierte auf dem Roggenmarkt. Der Metelensche Bott wechselte die Briefe für Ochtrup, Heek, Nienborg und Langenhorst. Bis zum Verbot privater Boten durch Preußen 1802 gab es 46 Botenposten. Sie dienten nicht ausschließlich der Postversorgung, sie übernahmen auch gerne andere Besorgungen und Bestellungen. Im Hof- und Adresskalender des Hochstiftes Münster 1802 ... werden die folgenden Postwärter genannt: Johann Bernhard Gatersleben in Ochtrup, Von der Schild in Gronau, du Poi in Enschede und Christian Bergmann in Maxhafen. In Ochtrup gab es zudem eine Kaiserliche Thurn und Taxische Reichspost-Halterei zum Pferdewechsel, unterstellt dem Ober-Postamt Düsseldorf.
Die hochgräflich Bentheim-Steinfurtsche Post mini|Akte aus dem fürstlichen Archiv im Schloss in Burgsteinfurt mini|Der hochgräfliche Poststempel
Die Grafschaft Steinfurt hatte eine eigene Posthoheit, auf die man nicht verzichten wollte, obwohl sie natürlich ohne große Bedeutung blieb.
In großer schwungvoller Schrift verkündete: „Transisalamus Wilhelmus Graf zu Bentheim, Tecklenburg, Steinfurt und Limburg, Herr zu Rheda, Whevelinghofen, Hoya, Alpen und Helfenstein, Erbvogt zu Cölln als von Ihro königl. kurfürstl. Majestät allergnädigst administrirender Vormünder etc.“ die Einstellung eines „Postboten“ nach Rheine. Herr Johan Hageman habe sich eines ehrbaren und christlichen Lebens zu befleißigen, zweimal wöchentlich alle Briefe und „Paquets“ nach Rheine auf das Postamt zu überbringen und die angekommenen Briefe „daselbst“ abzuholen.
Der Bote Heinrich Wendler und später sein Sohn, Karl Philip Wendler, erhielt das Gehalt von 30 Talern jährlich und ein paar Schuhe sowie alle zwei Jahre eine völlige Montur bestehend aus Rock, Kamisol, Hose und Schuhen.
Nach einem Streit um die Tarife mit dem fürstbischöflichen Postmeister Duisburg aus Rheine wurden 1777 für alle ankommenden und abgehenden Briefe ein kleiner Stempel vorgeschrieben. Ein ovaler Negativstempel zeigt den Schwan aus dem fürstlichen Wappen mit dem größten Durchmesser von 17 mm. Zwei Exemplare befinden sich im Besitz des Fürsten zu Bentheim und Steinfurt, aufbewahrt im Schloßarchiv Steinfurt.
Über den Botengang nach Münster wurde erstmals 1780 verhandelt. So sollte eine reitende Post nach Münster und zurück eingerichtet werden. Dem Boten waren neben der Wegzehrung einige Taler mitzugeben, damit er die Gebühr am Postamt in Münster vorschießen könne.
Große Verdienste um das Steinfurter Postwesen erwarb sich Graf Ludwig von Steinfurt. Er zog die Post von Münster über den Max-Clemens-Kanal nach den Niederlanden statt über Ochtrup wieder über Burgsteinfurt und Metelen. Einen Antrag des Fürsten von Thurn und Taxis, seine Posten von Dorsten, wo sich bereits eine Postanstalt bestand, nach Steinfurt und Bentheim zu leiten, lehnte er ab. Zu dieser Zeit befand sich eine Thurn und Taxissche Pferdewechselstation in Ochtrup. Graf Ludwig blieb als Landesherr zuständig in allen Postsachen. Dieses änderte sich erst 1806, als Napoleon I. bis 1813 das Postwesen beherrschte.
Reichsdeputationshauptschluss Infolge des Vertrages zwischen Frankreich und Preußen vom 23. Mai 1802, dem Reichsdeputationshauptschluss, wurde das Hochstift Münster neu aufgeteilt.
Als Entschädigung für linksrheinische Gebietsverluste erhielt der Wild- und Rheingraf von Salm-Grumbach das Amt Horstmar. Karl August Friedrich, noch minderjährig, nahm am 12. November 1802 die Grafschaft Horstmar in Besitz. Die Zentralbehörde richtete man in Coesfeld ein und teilte das bisherige Amt Horstmar in die Ämter Coesfeld und Metelen. Die links der Ems gelegenen Teile der fürstbischöflichen Ämter Rheine-Bevergern und Wolbeck fielen dem neu gegründeten Fürstentum Rheina-Wolbeck zu. Der belgische Herzog Wilhelm, Joseph von Looz-Corswarem zog am 31. Januar 1803 in Rheine ein.
Die Gebietsteile rechts der Ems fielen an Preußen. Es hat am 3. August 1802 den östlichen Teil des Hochstiftes mit der Landeshauptstadt Münster und damit das Postwesen übernommen. Vorerst blieb alles beim Alten. Am 1. Januar 1803 gingen die Fahrpostlinien auf Preußen über. Der münsterische Postmeister Duesberg blieb zunächst im Dienst. 1802 wurde er kurzerhand seines Amtes enthoben. Erst 1814, nach der Vertreibung der französischen Besatzung, kehrte er wieder auf seinen Posten zurück. Er starb 1822 als letzter münsterischer Postbeamter.
Im Großherzogtum Berg mini|Großherzoglich Bergischer Distrikt Steinfurt 1806–1808
Vor der Übernahme durch die Franzosen lag das Briefmonopol bei der von den Thurn und Taxis betriebenen Kaiserlichen Reichspost. Mit Bildung des Großherzogtum Berg ging die Post in landesherrlichen Besitz über. Dem Thurn und Taxissischen Postmeister in Düsseldorf, Peter Wilhelm Maurenbrecher (1777–1861), übertrug man die Leitung des gesamten Postwesens im Großherzogtum.
Die Grafen von Bentheim-Steinfurt, die Wild- und Rheingrafen und der Herzog von Looz-Corswardem, die innerlich Preußen nahestanden, wurden per französischem Dekret vom 26. Juli 1806, kurzerhand in das Großherzogtum Berg einverleibt. Das neue Gebiet vereinigte man provisorisch zum Distrikt Steinfurt. Damit war Burgsteinfurt erstmals Mittelpunkt eines Verwaltungsbezirkes. Der Distrikt Steinfurt hing territorial nicht mit dem Großherzogtum zusammen.
Am 20. Mai 1806 trat in Burgsteinfurt Heinrich to Gempt in der Sonne sein Amt als Postexpediteur an. Der Sattlermeister Möllmann fuhr erstmals am 3. Juli 1806 mit einem „odinairen“ Postwagen als Posthalter zweimal wöchentlich nach Enschede und zurück. Nach Borghorst wurde viermal täglich die Post zugestellt. Damit hatte Burgsteinfurt erstmals ein eigenes Postamt. In Ochtrup wurde die Thurn und Taxissche Posthalterei von der bergischen Post übernommen.Charles Schmidt: Das Großherzogtum Berg 1806–1813. Nachdruck, Bergischer Geschichtsverein, 1999, ISBN 3-87707-535-5.
mini|links|Paketbegleitbrief, aufgegeben bei der Postexpedition Burgsteinfurt Die bergische Post beschaffte zum 1. Januar 1809 Poststempel für die Postämter. Die kleineren Postexpeditionen hatten den Ortsnamen handschriftlich auf den bei ihnen aufgelieferten Briefen zu vermerken.Friedhelm Hilge: Die Poststempel der Postämter Lengerich 1. und 2. Am 21. Januar 1808 sprach Napoleon dem Großherzogtum, die bisher unter französischer Militärverwaltung stehenden ehemals preußischen Länder Münster, Tecklenburg, Lingen und Mark zu, außerdem Dortmund, Limburg und Rheda, zu. Seit dem 5. Mai 1808 gab es die territoriale Anbindung Steinfurts an das Großherzogtum.
mini|Departement der Ems 1808 bis 1810 Am 4. November 1808 erfolgte eine nach französischem Muster aufgebaute Territorialgliederung in Departements, Distrikte, Kantone und Marien (Bürgermeistereien). Das umfangreiche Gebiet, das bisher Burgsteinfurt unterstand, wurde auf mehrere Distrikte aufgeteilt, die alle dem Departement der Ems mit Sitz in Münster unterstanden. Seit dem 10. März 1809 fand sich Burgsteinfurt im neuen Distrikt Coesfeld wieder. Kaum hatten die großherzoglichen Behörden sich eingearbeitet, als auch schon das Ende drohte.
Am 1. Januar 1809 gingen vom großherzoglich-bergischen Postamt in Münster 13 Personenposten und die Kanalpost aus. Reitende und zu Fuß gehende Boten machten sich auf den Weg in die nähere Umgebung. Nach Münster flossen die Abrechnungen von 13 Postexpeditionen (z. B. Emsdetten, Nienkerken, Horstmar und Steinfurt).
Franzosenzeit mini|links|Der Distrikt (Arrondissement) Steinfurt 1811–1813, dann, bis 1816 Kreis Steinfurt mini|Bei diesem Brief war das Porto bis Neuenkirchen bezahlt mini|links|Beispiele für Ortsstempel mini|Vor dem Umzug der Dept.-Verwaltung nach Burgsteinfurt mini|Dienstbrief per reitender Ordonnanz mit Franchise
Obwohl der französische Senatsbeschluss über die Vereinigung der deutschen Nordseegebiete mit Frankreich vom 13. Dezember 1810 datiert, wurde dieses Gebiet postalisch bereits am 12. Oktober 1810 dem Kaiserreich Frankreich einverleibt. Die Postanstalten in Burgsteinfurt und Ochtrup waren somit französisch.
Bis zum 27. April 1810 gehörten der Distrikt Steinfurt zum holländischen Departement der Ijsselmündung. Er umfasste die Kantone Coesfeld, Billerbeck, Horstmar, Ochtrup, Rheine und Bentheim. Dann wurde das Departement Lippe gebildet. Es bestand bis November 1813. Der Hauptort war Münster und hatte vier Distrikte. Der Distrikt Steinfurt umfasste die Kantone Ahaus, Billerbeck, Coesfeld, Ochtrup, Rheine und Steinfurt. Nach der Niederlage Napoleons I. 1814 wurde das Departement zwischen dem Königreich Hannover und Preußen aufgeteilt.