Die Stadtwerke Konstanz GmbH (SWK) ist eine Unternehmensgruppe im Eigentum der Stadt Konstanz im Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg. Zum Kerngeschäft der Stadtwerke Konstanz GmbH gehört von Anbeginn die Gas-, Trinkwasser- und Stromversorgung. Später kam die Beförderung von Personen im Stadtbusverkehr (ÖPNV) und die Fährverbindung Konstanz-Meersburg, 2003 durch den Kauf der Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH (BSB) der Schiffsverkehr auf dem Bodensee (Weiße Flotte) und die Fährverbindung Friedrichshafen–Romanshorn dazu. Die Stadtwerke Konstanz sind auch als Telekommunikationsanbieter tätig und bauen das Glasfasernetz in Konstanz aus. Die Gesellschaft ist eines der größten Energieversorgungs-, Verkehrs- und Touristikunternehmen in der Bodenseeregion. mini|Fähre Staad (Konstanz) - Meersburg Die Stadtwerke Konstanz GmbH ist eine Gründung aus dem Jahr 2000. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sie noch ein Eigenbetrieb der Stadt Konstanz. Im August 2000 wurde der Eigenbetrieb Stadtwerke Konstanz aus der städtischen Regie ausgegliedert und in die Rechtsform der GmbH überführt. Das Stammkapital der Gesellschaft beträgt drei Millionen Euro, die durch eine Stammeinlage der Stadt Konstanz übernommen wurde.
Darüber hinaus ist der Betrieb von Bädern im kommunalen Verflechtungsgebiet der Stadt Konstanz Gegenstand des Unternehmens. Die Gesellschaft verfolgt öffentliche Zwecke im Sinne der Gemeindeordnung Baden-Württemberg. Des Weiteren werden Kultur, Sport, Umweltschutz, Jugend und Soziales in der Region von den Stadtwerken unterstützt und gefördert.
Geschichte Am 31. Oktober 1861 wurde das Konstanzer Gaswerk in Betrieb genommen. Anfangs wurde das Gas aus Kohle erzeugt, danach aus flüssigen Einsatzstoffen wie z. B. Butan. Am 21. März 1905 wurde das Seewasserwerk in Betrieb genommen. Ab dem 9. April 1908 lieferte das städtische Elektrizitätswerk erstmals Strom in die Stadt: Bereits am 16. Mai selben Jahres führte man die elektrische Straßenbeleuchtung ein.
Ab August 1919 war der SPD-Politiker Fritz Arnold (1883–1950) zweiter Bürgermeister von Konstanz und damit für Technik, Energie und Verkehr der Stadt verantwortlich. Als Leiter der „Technischen Werke Konstanz“ gelang ihm damit auch ein umfassender Ausbau der Energieversorgung und der Verkehrsbetriebe: So wurden in seiner Amtszeit 1924 ein 10.000 m³ fassender Teleskop-Gasbehälter, am 4. September 1929 ein Kammerofen (nicht nur für Konstanz, sondern über die Stadtgrenzen und den Schweizer Unterseegemeinden hinaus bis Stein am Rhein) und am 1. August 1931 ein imposanter Wasserturm (mit angebauter Jugendherberge) in Konstanz-Allmannsdorf errichtet, der die Wasserversorgung von Konstanz endgültig sicherte. Kam bereits 1914 die Idee auf, die Stadt Konstanz über den Bodensee hinweg mit Meersburg zu verbinden,Fährverkehr seit 1928. In: Südkurier vom 15. Oktober 2009 begannen 1924 die Planungen für eine Fährverbindung über den Bodensee, die in das erste städtische „Kraftwagen-Fährschiff“ mündeten. Dieses auf den Namen Konstanz getaufte Schiff nahm am 30. September 1928 den fahrplanmäßigen Verkehr nach Meersburg auf; am 1. Juni 1930 ging das zweite Fährschiff in Betrieb. Ein Jahr zuvor wurde am 5. März 1927 der städtische Kraftwagenbetrieb Konstanz-Staad eröffnet.Stadtwerke Konstanz. In: Südkurier vom 12. Januar 2010 Mit dem Ausbau des städtischen Omnibusnetzes reichte das Netz über die Stadtgrenzen hinaus bis Kreuzlingen und bis zur Insel Mainau – die roten Busse wurden im Volksmund bald „Roter Arnold“ genannt.
1965 war für die Stadtwerke ein Jahr der Erneuerung. An der Max-Stromeyer-Straße entstand das heutige Verwaltungsgebäude. 1979 erhielt die Stadt Konstanz Anschluss an das europäische Erdgasnetz, die Spaltgasanlage der Stadtwerke wurde verschrottet.Ralf Seuffert: Konstanz. 2000 Jahre Geschichte. UVK, Mai 2003, ISBN 978-3-89669-922-0 In den 1980er und 1990er Jahren übernahmen die Stadtwerke die Stromversorgung der eingemeindeten Stadtteile. Mit weitgreifenden Modernisierungsmaßnahmen und dem stetigen Ausbau des innerstädtischen Netzes begegneten die Stadtwerke der Liberalisierung des Strommarktes 1998.
Im August 2000 wurde der Eigenbetrieb Stadtwerke Konstanz aus der städtischen Regie ausgegliedert und in die Rechtsform der GmbH überführt und im Dezember 2000 ein Strommuseum eröffnetJosef Siebler: Alles zu Strom. In: Südkurier vom 4. Juni 2008. Im selben Jahr wurden das Umspannwerk Ergatshausen und die Übergabestation in Wollmatingen erneuert, 2005 das Umspannwerk Tägerwilen.Josef Siebler: Stromausfall im Stadtwerke-Netz spürbar. In: Südkurier vom 7. November 2006 Das neue Stadtwerke-Kundenzentrum „Energiewürfel“ wurde im Juli 2011 in der Max-Stromeyer-Straße eröffnet.
Am 15. Mai 2003 wurden die „BSB GmbH“ von der Deutschen Bahn AG erworben und als 100-prozentige Tochtergesellschaften Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH (BSB) und Bodensee-Hafen-Gesellschaft mbH (BHG) in die Unternehmensgruppe integriert. Am 1. Juli 2003 wurde auf Beschluss des Konstanzer Gemeinderates die Bädergesellschaft Konstanz mbH (BGK) als Nachfolgerin des Sport- und Bäderamtes gegründet. Die BGK trägt die Verantwortung für den Betrieb der Bodensee-Therme KonstanzAm 22. Juli 2007 wurde das über 25-Millionen-Euro teure Projekt eröffnet., der beiden Hallenbäder (Schwaketenbad2004 saniert, am 4. Juli 2015 durch Brand zerstört und Hallenbad am Seerhein1937 erbaut) und der fünf Strandbäder (RheinstrandbadErbaut in der charakteristischen Architektur der 1930er-Jahre steht die Anlage unter Denkmalschutz., Strandbad Dingelsdorf, Strandbad Horn, Strandbad Litzelstetten und Strandbad Wallhausen). Durch diese Integrationen gehört die Unternehmensgruppe seit 2003 zu den größten Touristikanbietern in der Region.
Seit 1998 halten die Stadtwerke Konstanz mit der Katamaran-Reederei Bodensee GmbH & Co. KG eine 50-prozentige Beteiligung im Bereich Bootsbau im Konzern. Die gemeinsame Tochtergesellschaft der Technischen Werke Friedrichshafen GmbH (TWF) und der Stadtwerke Konstanz GmbH betreibt seit Juli 2005 eine direkte Schiffsverbindung auf dem Bodensee. Zwischen den beiden größten Bodenseestädten Friedrichshafen und Konstanz verkehren die Schiffe das ganze Jahr über im Stundentakt. Sie verfügt über drei Katamarane mit den Namen Constanze und Fridolinseit Juli 2005 sowie Ferdinandseit Februar 2007, die bei der Bodan-Werft in Kressbronn gebaut wurden. Neben dem Linienverkehr wird vor allem „Ferdinand“ auch im Charter- und Ausflugsverkehr eingesetzt.Katamaran. In: Südkurier vom 9. Januar 2010
miniatur|KONRad Leihfahrräder der Stadtwerke Konstanz Seit 2018 betreiben die Stadtwerke Konstanz ein Verleihsystem für Fahrräder (KONRad) und Lastenräder (TINK) mit 36 Stationen im Stadtgebiet.KONRad Stadtwerke Konstanz: Im Jahr 2022 wurde mit der Stadtwerke Konstanz Mobil GmbH (KMG) eine weitere Tochtergesellschaft gegründet, zu der das Fahrradmietsystem und das neue Geschäftsfeld Parken gehören. Im Jahr 2024 begann die KMG mit dem Bau eines Parkhauses an der Europabrücke. Dieses wurde Anfang Juli 2025 eröffnet. Für den direkt daneben gelegenen Fernbusbahnhof, der 2024 in Betrieb genommen wurde, übernehmen die Stadtwerke Konstanz zudem die Betriebsführung.
Beteiligungen und Tochtergesellschaften Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH (BSB)Beteiligungsquote 100 %, Stand 31. Dezember 2013 Bodensee-Hafen-Gesellschaft mbH (BHG)Beteiligungsquote 100 %, Stand 31. Dezember 2013 Bädergesellschaft Konstanz mbH (BGK)Beteiligungsquote 100 %, Stand 31. Dezember 2013 Stadtwerke Konstanz Mobil GmbH (KMG)Beteiligungsquote 100 %, Stand 31. Dezember 2023 Katamaran-Reederei Bodensee GmbH & Co. KGBeteiligungsquote 50 %, Stand 31. Dezember 2013 Katamaran-Reederei Bodensee VerwaltungsGmbHBeteiligungsquote 50 %, Stand 31. Dezember 2013 Verkehrsunternehmen Hegau-Bodensee Verbund GmbH (VHB)Beteiligungsquote 22,6 %, Stand 31. Dezember 2013 GVO Gashandelsgesellschaft mbHBeteiligungsquote 20 %, Stand 31. Dezember 2013 Energieagentur Kreis Konstanz gGmbHBeteiligungsquote 11,2 %, Stand 31. Dezember 2013 Südwestdeutsche Stromhandels GmbHBeteiligungsquote 4,3 %, Stand 31. Dezember 2013 Solarcomplex AGMit 50.000 Aktien, Beteiligungsquote 1,33 %, Stand 31. Dezember 2013 Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH (KEA)Beteiligungsquote 0,09 %, Stand 31. Dezember 2013 SüdWestStrom Windpark Suckow GmbH & Co.KGBeteiligungsquote 1,85 %, Stand: 31. Dezember 2013
Produkte Energie Bereits seit dem Jahr 1908 werden die Bewohner von Konstanz von den Stadtwerken mit Strom versorgt. Neben dem Stadtgebiet werden die Vororte sowie die Insel Mainau beliefert. Seit der Liberalisierung auf dem Strommarkt fungieren die Stadtwerke Konstanz auch als deutschlandweiter Anbieter. Der Konstanzer Strom kommt vom Schweizer Energiehandelsunternehmen AXPO und vom deutschen Großhandelsmarkt. In Eigenerzeugung wird Strom aus einem Deponiekraftwerk und aus einem Photovoltaik-Kraftwerk erzeugt und in das städtische Netz eingespeist.
Ab 1861 versorgten die Stadtwerke Konstanz die Stadt am Bodensee mit Gas, zuerst mit Stadtgas und Butangas, seit 1979 mit Erdgas. In diesem Jahr wurde Konstanz an das europäische Erdgasnetz angeschlossen. Eine eigene Flüssiggas-Mischanlage garantiert jederzeit die erforderlichen Kapazitäten für die Gasbelieferung. Aus einer Beteiligung beziehen die Stadtwerke Biogas, das in einem Biogas-Erdgas-Gemisch ebenfalls an die Haushalte geliefert wird. Kreuzlingen bezieht seit 1869, auch während des Ersten Weltkriegs, und nur unterbrochen von 1937–1982, Gas aus Konstanz. Es besteht ein Vertrag zwischen den Stadtwerken Konstanz und den Technischen Betrieben Kreuzlingen (TBK).Bezahlt wurde mit Milch. In: Konstanzer Anzeiger, 26. Juni 2019, S. 7.
Das Gasnetz der Stadtwerke ist ein Verteilnetz, welches als Niederdrucknetz mit einem Betriebsdruck von 24 mbar ausgeführt ist. Im Zusammenhang mit der angespannten Gasversorgungslage im Winter 2022/2023 wurde das Szenario einer Gasmangellage und seiner erheblichen Auswirkungen auf das Netz als mögliches Risiko thematisiert. Aufgrund seiner Bauweise verfügt das Gasnetz der Stadtwerke Konstanz kaum über Streckenschieber, sodass einzelne Straßenzüge oder kleinere Netzabschnitte technisch nicht gezielt vom Netz getrennt werden können. Bei einem Ungleichgewicht zwischen Einspeisung und Verbrauch, etwa durch eine Gasmangellage oder auch durch eine angebaggerte Gasleitung kann es zu Druckabfällen kommen, in deren Folge viele Gasgeräte aus Sicherheitsgründen selbsttätig und unkoordiniert abschalten, was große Teile des Netzes betrifft, aber da Gasströmumgswächter und Gasmangelsicherungen nur teilweise verbaut sind. Nach einem solchen Ereignis müssen alle betroffenen Anschlüsse durch Stadtwerke-Techniker einzeln vor Ort überprüft und wieder in Betrieb genommen werden, was bei tausenden Haushalten mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird.
Die Stadtwerke Konstanz betreiben über 165 Heizzentralen für die Belieferung ihrer Kunden mit Fernwärme. Brennwertkessel und regenerative Energieträger, Kälteanlagen und Blockheizkraftwerke liefern die nötige Energie. Bei der Instandhaltung der Versorgungsnetze der Stadtwerke Konstanz werden auch die Anforderungen berücksichtigt, die sich aufgrund des Stromzukaufs aus der Schweiz und der Belieferung von Schweizer Kunden mit Erdgas ergibt.
Zudem betreiben die Stadtwerke Konstanz mehr als 115 Solaranlagen.
Die Stadtwerke Konstanz sind bei der Digitalisierung ihrer Netzinfrastruktur, wie viele andere kleine Stadtwerke in Deutschland, wenig fortgeschritten. Zum Ende des 1. Quartal 2025 (Stand April 2025) beträgt die Ausstattungsquote mit einem intelligenten Messsystem (iMSys) im Netzgebiet der Stadtwerke Konstanz (ca. 56000 Niederspannungs-Anschlusspunkte) nur 0,26 %, d. h. einige dutzend Systeme. Dies ist erheblich weniger als der vorgeschriebene Pflichtausbau, und deutlich weniger als im deutschlandweiten Vergleich (15,1 % aller Pflichteinbaufälle) bzw. bei Stadtwerken vergleichbarer Größe (dort 7,5 % der Pflichteinbaufälle).