mini|Stadtsilhouette der Vollandschen Heimatstadt Grüningen mini|Der Bau des stattlichen Grüninger Kauf- und Rathauses wurde mutmaßlich von Heinrich Volland senior initiiert mini|Die Vollandkapelle (rechts) an der Südseite der Markgröninger Bartholomäuskirche mini|Epitaph von Elisabeth Volland, geb. Lyher, in der Vollandkapelle mini|Ambrosius Volland auf einer Medaille (Christoph Weiditz, 1533) mini|Medaille mit gebessertem Wappen von Ambrosius Volland (Quelle: StadtA M) mini|Wappen und Initialen des Mäzens Philipp Volland im Chor des Grüninger Heilig-Geist-Spitals (vor 1520) mini|Spätgotischer Chor der Spitalkirche, heute eingebettet in einen Neubau mini|Volland-Wappen von 1542 am Haus Ostergasse 24 in Markgröningen mini|Stammwappen von Michael Voland (vor 1570) mini|Wappen von Caspar Vollands Sohn Gabriel (Tübingen 1579) mini|Gebessertes Wappen von Johann Philipp Voland von Volandtsegg (1527), das dem von Michael Volland junior nahezu gleichtWappenbuch der adeligen Gesellschaft zu Ravensburg. UB Augsburg – Oettingen-Wallersteinsche Bibliothek Cod.I.7.8.2, fol. 12r mini|Gebessertes Wappen am Epitaph für Christoph Volland († 1608), Stallmeister der Königin von Polen, in der Klosterkirche Weißenau mini|Wappen aus Siebmachers Wappenbuch (um 1705) Volland, auch Follant, Volant und Volland von Vollandseck, ist der NameHermann Römer: Markgröningen im Rahmen der Landesgeschichte I. Urgeschichte und Mittelalter, Markgröningen 1933, S. 168, leitet den Namen Volland von Fahland her, was ein Synonym für Teufel sei. Fahland als Familienname findet sich heutzutage eher im norddeutschen Raum. eines schwäbischen Patriziergeschlechts aus Grüningen, heute Markgröningen. Ein erster Grüninger Volland wird 1276 mit einem zur Familie gehörenden Abt zu Hirsau erwähnt. In der Grüninger Urfehdeliste von 1396Quelle: Archivalische Urkunden in „causa equestri“, Cap. I., Sect. I. Nr. 5, S. 5 und Heyd, Ludwig Friedrich: Geschichte der vormaligen Oberamts-Stadt Markgröningen mit besonderer Rücksicht auf die allgemeine Geschichte Württembergs, größtenteils nach ungedruckten Quellen verfasst. Stuttgart 1829, Faksimileausgabe zum Heyd-Jubiläum, Markgröningen 1992, S. 33ff werden bereits drei Volland aufgeführt. 1448 ist der KellerEin Keller ist für die herrschaftliche Finanzverwaltung einer Domäne, Burg, Stadt und/oder eines „Amts“ (frühere Form des Landkreises) zuständig. und Kaufmann Heinrich Volland I. reichster Bürger Württembergs. Die demnach als Fugger Württembergs bezeichneten Repräsentanten des Vollandschen Handelshauses bekleideten zudem verschiedene politische Ämter auf Stadt-, Amts-, Landes- und Reichsebene. Bekanntester Vertreter ist Dr. Ambrosius Volland, Rat und Kanzler des Herzogs Ulrich von Württemberg, der nach seinem Seitenwechsel von Kaiser Karl V. in den Reichsadel erhoben wurde und den Wilhelm Hauff zur literarischen Figur machte.Siehe Wilhelm Hauff: Lichtenstein. Romantische Sage aus der württembergischen Geschichte. Stuttgart 1826

Geschichte Die Familie Volland war bereits vor 1300 in der damaligen Reichsstadt Grüningen ansässig, die im 15. Jahrhundert als württembergische Residenz- und Amtsstadt einen Zweiten Frühling erlebte: Zum alljährlichen Barholomäusmarkt sollen damals ebenso viele Leute in die florierende Stadt gekommen sein wie zur Messe nach FrankfurtQuelle: Lorenz Fries, 1527, Passage vom Verleger und Drucker Hans Grüninger eingefügt; als Faksimile bei Hermann Römer: Markgröningen im Rahmen der Landesgeschichte I. Urgeschichte und Mittelalter, Markgröningen 1933, S. 285.. Die Vollands zählten sich zu den Stiftern des Grüninger Heilig-Geist-Spitals, bekleideten hier die Ämter von Stadträten, Richtern, Vögten bzw. Kellern und stellten eine Reihe von Landschaftsabgeordneten. Wirtschaftlich pflegten sie überregionale Handelsbeziehungen und waren auch im Kreditgeschäft aktiv. Einige Sprösslinge schlugen eine geistliche Laufbahn ein. Spätestens seit dem 15. Jahrhundert zählt man die Familie Volland zur Schicht der „Altwürttembergischen Ehrbarkeit“ (Patrizier), also den ratsbürgerlichen Stadt- und Beamtengeschlechtern. Mehrere Familienmitglieder waren damals bereits mit schwäbischen Landadeligen verheiratet. In Grüningen nahm das aufstrebende Patriziergeschlecht, das zahlreichen Söhnen eine akademische Ausbildung ermöglichte, rund 150 Jahre lang eine dominierende Stellung ein.

Die nachvollziehbare Stammreihe beginnt mit Aberlin Volland I. (* um 1340, † um 1400), Richter zu Grüningen, und teilte sich um 1430 in die zwei meist beachteten Hauptlinien von Heinrich I. und Erhard.

Heinrichs Linie Heinrich Volland senior, reichster Bürger Württembergs Der Kaufmann Heinrich Volland († 1467), zeitweise Vogt und Keller, begründete die prominentere Linie in Markgröningen und war 1448 reichster steuerpflichtiger Bürger Württembergs.siehe Fendrich, Peter: Die Stadt und ihre Bürger im ausgehenden Mittelalter. Zur Sozialstruktur der württembergischen Amtsstadt Markgröningen im Rahmen der Landesgeschichte. In: Band 3 der Reihe „Durch die Stadtbrille“, hrsg. v. Arbeitskreis Geschichtsforschung und Denkmalpflege Markgröningen, Markgröningen 1987, S. 98–102. Nach heutigen Maßstäben wäre Heinrich Volland als Multimillionär zu bezeichnen. Er verfügte über ein Vermögen, das annähernd dem Hundertfachen des Grüninger Mittelwerts entsprach. Dementsprechend war es ihm ein leichtes, sich als Wohltäter hervorzutun: Er förderte die Kartause Güterstein bei Urach, vermutlich auch die Stadtkirche und das Heilig-Geist-Spital in Grüningen. Außerdem gab er „alle Tag 1 Schilling Pfennig armen Schülern durch Gott und alle Wochen 2 Gemüß“, wovon vermutlich auch Hans Grüninger profitierte.Siehe Hermann Römer: Markgröningen im Rahmen der Landesgeschichte I. Urgeschichte und Mittelalter, Markgröningen 1933, S. 285. Maßgeblichen Anteil hatte er vermutlich auch am Bau des stolzen Kauf- und Rathauses – damals das größte in Württemberg. Aus überlieferten Spitalrechnungen wird ersichtlich, dass er sehr viel Handel trieb. Die Handelsbeziehungen von Heinrich und seinem ältesten Sohn Auberlin III. erstreckten sich über weite Teile Süddeutschlands. So lieferten sie zum Beispiel Getreide und Wein nach Frankfurt und kamen mit Tuchen zurück nach Grüningen. Möglicherweise hatte er sich auch, wie es von seinen Nachkommen überliefert ist, im Kreditgeschäft eine zusätzliche Einnahmequelle erschlossen. Aus seiner um 1425 geschlossene Ehe – vermutlich mit Susanne Stör von StoernsteinSchwäbisches Geschlechterbuch, Neunter Band, Starke Verlag, 1975, S. 69 ff. – gingen mindestens drei Söhne hervor: der 1448 bereits geschäftsfähige Auberlin, Heinrich II., Erhard, der um 1460 nach Vaihingen an der Enz zog, und möglicherweise Jakob, der allerdings auch aus einer ersten Ehe Heinrichs II. stammen könnte.

Heinrich Volland junior und Elisabeth Lyher Heinrich Volland II. (1437–1482) immatrikulierte sich im Oktober 1452 an der Universität Heidelberg und promovierte hier zum Magister.Gustav Toepke: Die Matrikel der Universität Heidelberg von 1386 bis 1662. Heidelberg 1884. S. 271 Heidelberger Matrikel online. 1464 heiratete er (vermutlich in zweiter Ehe) Elisabeth Lyher, Tochter des Grüninger Vogts und württembergischen Kanzlers Konrad Lyher und der Antonia von Dagersheim, die eine illegitime Tochter des Grafen Eberhard IV. von Württemberg gewesen sein soll.Hansmartin Decker-Hauff u. a.: Die Universität Tübingen von 1477 bis 1977 in Bildern und Dokumenten. 500 Jahre Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Beiträge zur Geschichte der Universität Tübingen 1477-1977. Tübingen: Attempto Verlag, 1977, Stammtafel S. 24f. Herkunft der Ehefrau bezweifelt von Otto-Günter Lonhard, Die Familie Volland und ihre Verbindungen zu Entzlin, Dreher und Lyher. In: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde, Bd. 23, H. 9 (2003), S. 368ff. Zur Hochzeit hat ihm Graf Eberhard im Bart auf Wunsch Lyhers das Privileg der Freizügigkeit versprochen.Quelle: HStA Stuttgart, WR 1084, Kanzleiregister Bd. XIX; Bl. 157b (14. März 1464) Landesarchiv BW Heinrich war auch außerhalb Grüningens reich begütert und zeitweise Vogt in Großsachsenheim. Elisabeth Volland geb. Lyher stiftete 1483 nach dem Tode ihres Mannes die VollandpfründeSiehe Bertz, Wilhelm: „Ich, Elisabetha Lyherin, Heinrich Vollands seligen Witwen …“ Betrachtungen über den Wortlaut einer Markgröninger Stiftungsurkunde von 1483. In: Band 4 der Reihe Durch die Stadtbrille, hrsg. v. Arbeitskreis Geschichtsforschung und Denkmalpflege. Markgröningen 1989, S. 54ff in der Bartholomäuskirche zu Grüningen, die unter anderem zur Studiumsfinanzierung ihrer Nachkommen vorgesehen war.Schnell Kunstführer Nr. 1655: Evang. Bartholomäuskirche Markgröningen. München: Schnell und Steiner, 1. Auflage, 1987. Aus ihrer Ehe sollen fünf Kinder hervorgegangen sein; von denen überraschenderweise keines einen Vollandschen Vornamen bekam: Ambrosius (* um 1468), Theodora (* um 1469), der im Kindesalter verstorbene Tobias (* um 1470), Nicolaus (* um 1471) und schließlich Philipp (* um 1474).Siehe Bertz, Wilhelm: „Ich, Elisabetha Lyherin, Heinrich Vollands seligen Witwen …“ Betrachtungen über den Wortlaut einer Markgröninger Stiftungsurkunde von 1483. In: Band 4 der Reihe Durch die Stadtbrille, hrsg. v. Arbeitskreis Geschichtsforschung und Denkmalpflege. Markgröningen 1989, S. 68f. Ambrosius soll laut Bertz 1465 geboren sein, starb jedoch laut Heyd und anderen 1551 dreiundachtzigjährig.

Ambrosius und Philipp Volland Den bekanntesten Sohn Elisabeths und Heinrichs Volland, Dr. Ambrosius Volland (1468–1551), hielt es nur kurze Zeit als Geistlicher in Grüningen. Er heiratete in Grüningen Sibylla Wächter und folgte einem Ruf als Professor beider Rechte nach Tübingen und dann nach Wittenberg. 1505 wurde er Rat und bis 1519 gefürchteter Kanzler des Herzogs Ulrich von Württemberg, für den er die Vögte von Tübingen, Cannstatt und Weinsberg wegen ihnen unterstellter Beschwerden beim Kaiser foltern und hinrichten ließ. Infolge des Einmarsches des Schwäbischen Bunds musste er 1519 mit Ulrich das Land verlassen. Nachdem sein dabei begangener Verrat zum Schutze seiner Grüninger Güter ruchbar wurde, wechselte er 1522 auf die habsburgische Seite, wurde Rat des Erzbischofs von Salzburg und des unter kaiserlicher Aufsicht stehenden Prinzen Christoph von Württemberg. Als juristischer Rat des kaiserlichen Hofs erhielt er schließlich am 20. September 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg den Reichsadel mit persönlichem Palatinat. Er konnte erst nach Herzog Ulrichs Tod nach Württemberg zurückkehren und starb bald nachdem er wieder in die Hofkanzlei eingezogen war. Seine zweite Frau Barbara Angst (Hengst) zog darauf mit sechs unmündigen Kindern zurück nach Landshut.

Sein Bruder Philipp Volland (1474–1537) studierte in Heidelberg. Er war Jurist, Kaufmann und bis 1519 Vogt des Amts Grüningen, zeitweise zudem Keller auf dem Hohenasperg, und vertrat die Stadt von 1514 bis 1519 als Landschaftsabgeordneter zu Stuttgart oder Tübingen.

1514 musste sich Philipp mit dem Tübinger Theologen Dr. Reinhard Gaißer auseinandersetzen, der auf die erste Pfarrstelle der Grüninger Bartholomäuskirche gewechselt war und sich als gefährlicher Kontrahent des mächtigen Vollandschen Handelshauses entpuppt hatte. Dieser „erste Sozialrevolutionär auf einer württembergischen Kanzel“siehe Hermann Römer: Markgröningen im Rahmen der Landesgeschichte I. Urgeschichte und Mittelalter, Markgröningen 1933, S. 190ff, der die Vollands für frühkapitalistische Missstände mitverantwortlich machte. rief im Zuge des Armen Konrads den Gemeinen Mann in Grüningen zum Aufstand gegen die frühkapitalistisch agierende Ehrbarkeit und gegen den Vogt Philipp Volland auf, dem er Amtsmissbrauch und Getreidespekulation zulasten des Kleinen Mannes vorwarf. Über seine gepfefferten Predigten hinaus legte ihm Volland in seinen überlieferten Strafanzeigen Volksverhetzung, konspirative Treffen und Verbindungen zu anderen Widerstandsnestern zur Last, schaffte es jedoch nicht, Gaißers Absetzung zu bewirken.