mini|„Die Tage der Rache sind gekommen … lasset uns büßen, damit Gott uns nicht vernichtet.“ Dieses Bild vom Anfang des 20. Jahrhunderts (unbekannter Künstler, vermutlich Apollon Majkow [1866–1917]) zeigt mehrere Mitglieder des Bundes, darunter Johannes von Kronstadt, Wladimir Purischkewitsch, Iliodor. Museum für Religionsgeschichte (St. Petersburg) mini|hochkant=0.5|Symbol des Bundes des Russischen Volkes

Der Bund des russischen Volkes (, ins Deutsche auch als Verband des russischen Volkes oder seltener als Bündnis des russischen Volkes übersetzt) war eine orthodox-monarchistische nationalistische Organisation im Russischen Reich. Der Bund des russischen Volkes existierte von 1905 bis 1917 und stellte die bedeutendste Organisation innerhalb der „Schwarze-Hundert“-Bewegung dar.

Der Wahlspruch des Bundes lautete „Für Glauben, Zar und Vaterland!“ ().

2005 wurde versucht, den Bund wiederherzustellen, doch schon ein Jahr später spaltete sich die Organisation in mehrere Gruppen auf.

Geschichte Entstehung und Entwicklung von 1905 bis 1908 mini|hochkant=0.5|Hegumen Arsenij (Alexejew) mini|hochkant=0.5|Pawel Bulazel mini|hochkant=0.5|Georgi Butmi Die Initiative zur Bildung des Bundes des russischen Volkes ging von mehreren Prominenten der monarchistischen Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts aus. Zu ihnen zählten der Arzt Alexander Dubrowin (Александр Иванович Дубровин), der Dichter Apollon Majkow (Аполлон Аполлонович Майков) und Igumen Arsenij (Alexejew). Später schrieb Dubrowin: „Die Ideen über ihn [den Bund] reiften bei mir seit dem 9. Januar 1905 (Petersburger Blutsonntag). Wie sich herausstellte, war Apollon Majkow fast gleichzeitig mit mir mit derselben Idee beschäftigt“. In der Beschreibung der Entstehung des Bundes erinnerte sich Igumen Arsenij, dass die Idee zur Gründung dieser Einrichtung ihm am 12. Oktober 1905 gekommen war. An diesem Tag berichtete er darüber den Menschen in seiner Wohnung. Nach orthodoxer Tradition nahmen sie zwei Zettel, auf die die beiden Handlungsoptionen (einerseits Gründung des Bundes, andererseits Verzicht auf die Gründung) geschrieben wurden, und legten sie vor die Ikone der Gottesmutter von Tichwin. Nach einem gemeinsamen Gebet zogen sie zufällig einen dieser beiden Zettel, und dieser ergab eben den Segen für die Bildung des Bundes.

Die ersten Versammlungen fanden in der Wohnung Dubrowins in St. Petersburg statt. Am 8. (21.) November 1905 wurde der Hauptrat des Bundes des russischen Volkes einberufen, mit Dubrowin als Vorsitzendem, Majkow als seinem Stellvertreter, Ingenieur Alexander Trischatni als Schatzmeister und Kaufmann Iwan Baranow und Rechtsanwalt Sergej Trischatni als Ratssekretäre. Mitglieder des Bundes wurden auch Pawel Bulazel, Georgi Butmi, Pawel Surin und andere.

mini|hochkant=0.5|Pawel Kruschewan Am 21. November (24. Dezember) 1905 hielt der Bund in Moskau das erste Massenmeeting. Nach den Memoiren Pawel Kruschewans befanden sich auf diesem Meeting etwa 20.000 Menschen, während die namhaften Monarchisten und zwei Bischöfe unter allgemeiner Begeisterung ihre Reden hielten.

Der Bund gründete die Zeitung „Russisches Banner“ („Русское знамя“), deren erste Nummer am 28. November 1905 erschien und bald zu einem der führenden antisemitischen Periodika jener Zeit wurde. Die Ermordungen von Michail Herzenstein und seines ebenfalls jüdischen Freundes Grigori Iollos wurden in dieser Zeitung bejubelt, und es wurde festgestellt, dass dies durch „wahre Russen“ mit Kenntnis der Behörden geschehen sei.

mini|hochkant=0.5|Zar Nikolaus II. und Zarensohn Alexij mini|hochkant=0.5|Die Rostower Abteilung des Bundes stellt sich dem Kaiser Nikolaus II. vor (1913) Am 23. Dezember 1905 empfing Nikolaus II. eine Deputation aus 24 Bundesmitgliedern, geleitet von Dubrowin. Igumen Arsenij schenkte dem Kaiser eine Ikone von Erzengel Michael, an dessen Festtag der Rat des Bundes gegründet worden war, und hielt eine Begrüßungsrede. Dubrowin berichtete über das Wachstum der Mitgliederzahlen des Bundes, versicherte dem Herrscher deren Treue und überreichte Nikolaj Alexandrowitsch und Zarensohn Alexej die Zeichen des Bundes, die nach einem Entwurf von Majkow angefertigt worden waren. Der Kaiser dankte Dubrowin und nahm die Zeichen an. Aufgrund dessen sahen die Monarchisten Nikolaus II. und Zarensohn Alexej für Mitglieder des Bundes an. Es gibt Zeugnisse, dass der Zar und sein Sohn diese Zeichen manchmal auf ihren Kleidern trugen.

mini|hochkant=0.5|Iwan Kazaurow mini|hochkant=0.5|Nikolaj Osnobischin mini|hochkant=0.5|Eine Prozession des Bundes in Moskau Der Bund wuchs in rasender Geschwindigkeit, und in vielen Gebieten des Reiches bildeten sich Regionalabteilungen. Am 26. November 1905 wurde eine Abteilung in Jaroslawl gegründet, wo Augenarzt Iwan Kazaurow Vorsitzender wurde. Am 22. Januar 1906 wurde, unter Teilnahme von Grundbesitzer Nikolaj Osnobischin und Schriftsteller Wladimir Balaschow, die Moskauer Abteilung des Bundes gegründet. Am selben Tag wurde auch die Abteilung in Nowgorod geöffnet, und am 4. Februar die in Odessa. Die Gesamtzahl der Abteilungen, die von 1906 bis zum 1907 gegründet wurden, betrug etwa 3000. Ende 1907 betrug sie mindestens 2 Mio. Menschen.

Am 7. August 1906 wurde die Satzung des Bundes verabschiedet, die die Hauptideen der Einrichtung, das Aktionsprogramm und das Entwicklungskonzept enthielt. Diese Satzung galt als bestes Dokument aller monarchistischen Einrichtungen jener Zeit.Союз Русского Народа на сайте «Хронос» Am 27. August 1906 fand im Hauptsaal der Russischen Versammlung (Русское собрание, die älteste monarchistische Einrichtung in Russland) ein Kongress der Leiter der Regionalabteilungen des Bundes statt, der auf die Koordinierung der Aktivitäten zur Einrichtung und Verbesserung der Verbindung der Abteilungen mit dem Zentrum gerichtet war. An diesem Kongress nahmen 42 Abteilungsleiter teil. Am 3. Oktober 1906 wurde ein Ausschuss unter der Leitung von Alexander Trischatni, dem stellvertretenden Vorsitzenden, gebildet, der eine neue Struktur der Einrichtung festsetzte. Als Grundlage wurden die Methoden genommen, die im Altertum vom russischen Volksheer praktiziert worden waren, also die Einteilung in mehrere Bezirksabteilungen und die Unterteilung der Bundesmitglieder in Zehn-, Hundert- und Tausendschaften, die jeweils den Zehn-, Hundert- und Tausendschaftsführern untergeordnet waren. Zunächst wurden diese Neuerungen in der Hauptstadt eingeführt, später wurden sie auch in den Regionen verwirklicht.

Die Bundesdelegierten nahmen am ersten und zweiten All-Russischen Kongress der russischen Menschen teil, die im Februar und April 1906 stattfanden. Die Kongresse waren berufen, die Aktivitäten der Monarchisten zu koordinieren und die Strategie des Widerstandes gegen die Revolutionsgefahr zu erarbeiten. Geleitet wurden sie von dem der Publizisten und Politiker Wladimir Andrejewitsch Gringmuth. Gegen Ende 1906 nahm der Bund nach Mitgliederzahl, Popularität und Organisationsgrad die erste Stelle unter den rechten Organisationen ein.

Auf dem dritten All-Russischen Kongress der russischen Menschen, der in Kiew vom 1. bis zum 7. Oktober stattfand, war der Bund des russischen Volkes bereits die größte monarchistische Einrichtung Russlands. Von 166 Kongressabgeordneten waren 67 Bundesmitglieder. Laut W. J. Darenski lebte der größte Teil der Bundesmitglieder auf dem Territorium Kleinrusslands (= der Ukraine).

mini|hochkant=0.5|Johannes von Kronstadt und sein Antrag auf die Mitgliedschaft im Bund

Zur feierlichen Weihung des Gonfanons und der Fahne des Bundes des russischen Volkes, die am 26. November 1906 (am Feiertag des Heiligen Georg) stattfand, kam auch Johannes von Kronstadt, der außerordentlich populär war. Der „All-Russische Vater“ hielt eine Begrüßungsrede an die etwa 30.000 anwesenden Monarchisten. Er erinnerte an die große Bedeutung der Orthodoxie im Leben Russlands. In späteren Jahren trat er selbst in den Bund ein und wurde am 15. Oktober 1907 zum Ehrenmitglied auf Lebenszeit gewählt. Dann erschien Bischof Sergij (Stragorodski), der zukünftige Patriarch von Moskau und ganz Russland. Es wurde ein Gottesdienst zelebriert, an dessen Ende ein Loblied auf die kaiserliche Familie, die Gründer und Leiter des Bundes sowie das Totengedenken gesungen wurden.

Während der Revolution im Jahre 1905 und in den beiden Jahren danach kamen viele prominente wie auch „gemeine“ Mitglieder des Bundes ums Leben. Zu den Attentatsopfern gehörten: der Leiter der Odessa-Abteilung Graf Alexej Konownizin; der Leiter der Potschajew-Abteilung und Potschejew-Klostervorsteher Archimandrit Vitaly (Maximenko); der Ehrenvorsitzende der patriotischen Gesellschaft zu Tiflis, Priester Sergij (Gorodzew); der Leiter der Simferopol-Abteilung Semyon Grankin; der Gründer der Gesellschaft „Der zweiköpfige Adler“ („Двуглавый Орёл“) Grigori Wischnewski; einer der Organisatoren der Kiewer Abteilung, Kaufmann Fjodor Postni, und viele andere. Nach den Daten von Pawel Bulazel, veröffentlicht in seinem Buch „Kampf für die Wahrheit“, wurden von Februar 1905 bis November 1906 32.706 Menschen ermordet oder schwer verletzt – nicht eingerechnet Vertreter der Ordnungsbehörden, Offiziere, Beamte, Adlige und Amtsträger. Viele der Ermordeten waren Leiter örtlicher Abteilungen des Bundes oder Aktivisten. Häufig wurden Terroranschläge auf Zusammenkünften, Kreuzprozessionen und Demonstrationen des Bundes verübt. Dagegen wurden im Bund teils bewaffnete Selbstverteidigungsmannschaften organisiert. Besonders bekannt war die Odessa-Mannschaft, die inoffiziell den Namen „Weiße Garde“ trug. Organisiert nach dem Prinzip der Kosakenheere war sie in sechs „Hundertschaften“ eingeteilt (obwohl die Gesamtzahl der Mannschaft nur ca. 300 Menschen betrug) und von Atamanen geleitet.С. А. Степанов. Черносотенный террор 1905–1907 гг. Es existierten auch Fabrikabteilungen in St. Petersburg und Moskau sowie einigen anderen Städten.

Zur Zeit des vierten All-Russischen Kongresses der russischen Menschen, der vom 26. April bis zum 1. Mai 1907 in Moskau stattfand, war der Bund die bedeutendste aller monarchistischen Einrichtungen. Seine Mitglieder stellten die Mehrheit der Kongressdelegierten. Auf dem Kongress wurde die Vereinigung der Monarchisten mit dem Bund gebilligt. Es wurde auch die Verfügung erlassen, die laut Beschluss des dritten Kongresses gebildeten Bezirksverwaltungen des Vereinigten Russischen Volkes in Gouvernementsverwaltungen des Bundes des russischen Volkes zu überführen.

Die Spaltung (1907) mini|hochkant=0.5|Wladimir Purischkewitsch 1907 kam es unter der Leitern der Organisation zu Unstimmigkeiten. Wladimir Purischkewitsch, der stellvertretende Vorsitzende, legte bei der Verwaltung des Bundes immer mehr Eigenmächtigkeit an den Tag, wobei er Dubrowin immer weiter in den Hintergrund drängte. Bald leitete er die organisatorischen und verlegerischen Aktivitäten praktisch allein und kontrollierte fast die ganze Arbeit mit den örtlichen Abteilungen, deren Leiter oftmals zu seinen Unterstützern zählten. In seinem Machtstreben wurde Purischkewitsch auch von einigen Bundesgründern unterstützt.