Der Pensionierte ist ein Roman des Schweizer Autors Friedrich Dürrenmatt und wurde 1995 erstmals beim Diogenes Verlag mit dem Untertitel Fragment eines Kriminalromans veröffentlicht. Das Manuskript wurde von Dürrenmatt 1969 in Puerto Rico begonnen und mehrfach überarbeitet, blieb aber unvollendet. Der Pensionierte ist Dürrenmatts fünfter Kriminalroman.
Inhalt Der Protagonist des Romans, der Polizeihauptmann Gottlieb Höchstettler, der sich selbst aber nur als Kommissär bezeichnet, ähnelt stark der literarischen Figur des Kommissar Bärlach aus den Kriminalromanen Der Richter und sein Henker und Der Verdacht. Er ist aber nicht wie Bärlach Junggeselle, sondern gerade geschieden worden. Insgesamt war Höchstettler zwar siebenmal verheiratet, aber seine Frauen haben nie eine große Rolle in seinem Leben gespielt.
Der Roman sollte nach Dürrenmatts Worten ursprünglich davon handeln, „wie nach den ersten Tagen seiner Pensionierung ein bernischer Polizeikommissär alle seine Verbrecher aufsucht, die er im Verlauf seiner langen Tätigkeit aus Humanität und Wissen um das Ungenügen menschlicher Gerechtigkeit hatte entkommen lassen“.Zitiert nach diogenes.ch Im Fragment dagegen kommt es nur zu einem solchen Besuch bei einer Gruppe von Einbrechern. Allerdings begeht der Kommissär später zusammen mit den Kriminellen selbst einen Einbruch.
Ein zweiter Handlungsstrang befasst sich mit einem Politiker, den der Kommissär schätzt und dem ein Skandal droht. Der Kommissär hatte einst dessen strafbare homosexuelle Handlungen nicht aufgedeckt. Nach Dürrenmatts Vorstellungen sollten „noch ein Mord und ein Selbstmord vorkommen“.Zitiert nach Rezension: Belletristik – Noch ein Mord – in der FAZ Der Selbstmord des Politikers wird am Ende des Fragments auch tatsächlich angedeutet. Die Verbindung der beiden Handlungsstränge findet dagegen im Fragment nicht mehr statt.
Schluss Der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer schrieb im Auftrag der Zürcher Wochenzeitung Die Weltwoche einen möglichen Schluss des Romans. Anlass war der Vorabdruck des Romans in der Beilage der Weltwoche im Oktober und November 1995. Der Schluss wurde zusammen mit dem Roman 1997 beim Diogenes Verlag in Buchform veröffentlicht. Widmer lässt darin viele Jahre vergehen, in denen der Kommissär mit Clair, die er auch hatte entkommen lassen, glücklich wurde. Nach ihrem Tod verübt er mit denselben Kriminellen von damals wieder einen Einbruch und landet im Weinkeller des Schriftstellers Dürrenmatt. Am Ende sitzen Einbrecher, Polizisten und der Autor weinselig zusammen und sinnieren über Recht und Gerechtigkeit. Schließlich treten alle ins Freie, wo schon hell die Morgensonne scheint.
Pressestimmen
Ausgaben 1995: Friedrich Dürrenmatt: Der Pensionierte. Diogenes Verlag; 200 S., Hardcover, ISBN 3-257-06063-7,mit den Faksimile des Manuskripts und des Typoskripts. 1997: Friedrich Dürrenmatt: Der Pensionierte. Diogenes Verlag, Taschenbuch, ISBN 3-257-22981-X,mit einem möglichen Schluss von Urs Widmer. 1997: Friedrich Dürrenmatt, Bruno Ganz: Der Pensionierte. Solo Verlag; Hörkassette, ISBN 3-929079-16-X. 1997: Friedrich Dürrenmatt: Gedankenfuge / Der Pensionierte. Diogenes Verlag; 240 S., Taschenbuch, ISBN 3-257-23077-X,mit Essays zusammengefasst zu einer Gedankenfuge. 2005: Friedrich Dürrenmatt, Bruno Ganz: Der Pensionierte. Solo Verlag; 2 CDs, Hörbuch, ISBN 3-929079-55-0.
Weblinks Der Pensionierte bei Diogenes Rezension: Belletristik – Noch ein Mord – in der FAZ
Einzelnachweise
Kategorie:Werk von Friedrich Dürrenmatt Kategorie:Unvollendetes literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Schweiz) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Kriminalliteratur